Die Tulpen (Tulipa) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Liliengewächse (Liliaceae). Die etwa 150 Arten sind in Nordafrika und über Europa bis Zentralasien verbreitet. Zahlreiche Hybriden werden als Zierpflanzen in Parks und Gärten sowie als Schnittblumen verwendet.
Namensgebung Ihr Name geht über türkisch auf zurück und bedeutet auf Persisch ‚Geliebte‘ oder ‚Geliebter‘ (; von ). Die Herkunft der ersten Silbe lässt sich bis zum Sanskrit-Wort , das mit ‚Baumwolle‘ übersetzt wird, zurückführen.Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Birkhäuser, Basel/Boston/Berlin 1996, ISBN 3-7643-2390-6, S. 664.Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Deutscher Taschenbuch Verlag, 1997; Lemma Tulpe Nach Anna Pavord geht der Name dagegen auf das osmanische Wort für Turban, zurück, das Busbecq als Bezeichnung der daran befestigten Pflanze missverstand.Anna Pavord: The Tulip. London, Bloomsbury 1999, S. 54.
Im Persischen wird die Gattung als Lale () bezeichnet, was etymologisch mit dem Sanskrit (vgl. hind. ) verwandt ist. Im Türkischen selbst heißt die Blume auch lale, eine Entlehnung aus dem Persischen. Von da ging der Name in die serbische Sprache ein.
Beschreibung mini|Illustration der Wildtulpe (Tulipa sylvestris) mini|Dreilappige Narbe einer Tulpe
Erscheinungsbild und Laubblätter Tulpen-Arten wachsen als ausdauernde, krautige Pflanzen und erreichen je nach Art Wuchshöhen von 10 bis 70 Zentimetern. Diese Geophyten bilden Zwiebeln als Überdauerungsorgane aus. Die äußere Haut der Zwiebeln ist meist innen behaart. Vom meist unverzweigten Stängel befindet sich der untere Teil im Boden.
Eine Tulpenzwiebel stirbt nach der Blüte ab, gleichzeitig entwickelt sich in der Achsel einer Zwiebelschuppe eine neue blühfähige Zwiebel und schwächere Zwiebeln wachsen an der Basis der übrigen Zwiebelschuppen.Thomas Barth, Karl Weinhausen, Heinrich Pape: Die Kultur der Blumenzwiebeln und -knollen. Parey, Berlin 1954, S. 24.
Die meisten Laubblätter sind grundständig und sind bis zu 30 Zentimeter lang. Die meist zwei bis sechs, selten bis zu zwölf wechselständig angeordneten Laubblätter sind ungestielt. Die einfachen Blattspreiten sind breit-linealisch bis fast eiförmig. Der Blattrand ist glatt bis gewellt (beispielsweise Tulipa undulatifolia).
Blütenstände und Blüten Je nach Zuchtform variiert die Blütenfarbe über weiß, gelb, orange, rosa, rot bis blau und sogar schwarz. Die Blüten stehen meist einzeln und endständig oder in wenigblütigen Blütenständen. Hochblätter fehlen meist. Die aufrechten Blüten sind zwittrig, dreizählig und glocken- bis napfförmig. Es sind zwei Kreise freier Blütenhüllblätter vorhanden, wobei die Blütenhüllblätter der beiden Kreise mehr oder weniger verschieden geformt sind. Es sind zwei Kreise mit je drei freien, fertilen Staubblättern vorhanden; sie sind entweder gleich oder die des inneren Kreises sind länger. Die Staubfäden sind manchmal behaart. Drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen, mit vielen Samenanlagen. Der säulenförmige oder sehr kurze bis fehlende Griffel endet in einer dreilappigen Narbe.
mini|Reife, dreikammerige Kapselfrucht von Tulipa agenensis Früchte und Samen Es wird eine walzen- bis spindelförmige, dreiflügelige, ledrige, dreikammerige Kapselfrucht gebildet. Die Samen sind meist flach.
Besonderheiten bei einigen Sorten Die gelegentlich zu sehenden gestreiften oder gefleckten Blüten gehen häufig auf ein Mosaikvirus zurück. Allerdings existieren auch etliche Sorten (beispielsweise 'Insulinde', 'Zomerschoon'), deren gestreifte Blüten nicht auf eine Vireninfektion zurückzuführen sind.
Systematik und Verbreitung Die Gattung Tulipa wurde durch Carl von Linné aufgestellt. Synonyme für Tulipa sind: Orithyia , Liriactis , Liriopogon , Podonix , Eduardoregelia .
Innere Systematik mini|Verbreitungskarte der Gattung Tulpen. Rot: Gebiet der natürlichen Verbreitung, Gelb: eingeführt Das Gebiet mit der höchsten Artenvielfalt der Tulpen liegt in häufig unzugänglichen Steppen und Bergregionen Mittelasiens. Die natürliche Variabilität vieler Tulpenarten ist deshalb nicht ausreichend untersucht und verstanden. Aus diesem Grunde sind in der Fachliteratur durch verschiedene Autoren bis zu 150 verschiedene in der Natur vorkommende Tulpenarten beschrieben. Die Angaben über die Artenzahl der Gattung Tulipa schwankt je nach Quelle zwischen rund 100 und etwa 150. Van Raamsdonk erkennt in seinen Arbeiten zur Systematik wesentlich weniger Arten an. Ein wesentliches Problem der taxonomischen Studien bestand darin, dass sie auf der Grundlage von kommerziellen Tulpensammlungen gemacht wurden, die nur über wenige Klone einer Art verfügten. Diese können im Habitus durch vollkommen andere Umweltbedingungen in Kultur oder auch Hybridisierung stark von den Naturformen abweichen. Weiterhin verwendeten die Studien vielfach Herbarmaterial, in dem viele entscheidende Details nicht erkennbar sind. Tulpen besiedeln Wiesen, Steppen und Macchia, aber sie kommen auch auf Feldern, Obstplantagen, an Straßenrändern und auf verwilderten Plantagen vor, wo sie früher beabsichtigt oder unbeabsichtigt angesiedelt wurden.
In der World Checklist of Selected Plant families sind derzeit (2019) 76 Arten anerkannt. Die folgende Zusammenstellung der anerkannten Tulpen-Arten enthält neben Namen und Trivialnamen auch das in der WCSP-Liste angegebene Verbreitungsgebiet und gegebenenfalls eine Abbildung der Art.
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Tulpen-Arten reicht von Nordafrika über Europa bis Mittel- und Zentralasien; ein Zentrum der Artenvielfalt liegt im südöstlichen Mittelmeerraum, Türkei, Afghanistan, Turkestan (Kaukasusraum). Heute sind Tulpen im Mittelmeerraum und großen Gebieten Europas an zahlreichen Standorten in der Natur verbreitet. Diese Vorkommen sind meist nicht natürlichen Ursprungs, sondern sie entstanden in den letzten Jahrhunderten durch Verwilderung von kultivierten Pflanzen.
Name Trivialname/Synonym Verbreitung Abbildung Subgenus Clusianae Tulipa clusiana 1803 Damen-Tulpe Iran, Irak, Afghanistan, Pakistan (W Himalaja), Neophyt in S Europa, Tunesien, Türkei 100px Tulipa harazensis 1990 Iran Tulipa linifolia 1884 Leinblättrige Tulpe NO Iran, Tadschikistan, Usbekistan, Afghanistan 100px Tulipa montana 1827 Berg-Tulpe N Iran bis S Turkmenistan 100px Subgenus Orithyia Tulipa heteropetala 1829 Kasachstan (Altai), China (Xinjiang) 100px Tulipa heterophylla 1874 Kasachstan, Kirgistan, China (Xinjiang) 100px Tulipa sinkiangensis 1980 Xinjiang Tulipa uniflora 1874 Russland (Sibirien), Kasachstan (Altai), China (Xinjiang, Innere Mongolei), Mongolei Subgenus Tulipa Tulipa agenensis 1804 Sonnenaugen-Tulpe Zypern, Türkei, Libanon, Israel, Palästina, Jordanien; Neophyt in Südeuropa, Tunesien 100px Tulipa albanica 2010 Albanische Tulpe NO Albanien 100px Tulipa alberti 1877 Kasachstan, Kirgistan 100px Tulipa aleppensis 1873 Aleppo Tulpe Türkei, Syrien, Libanon Tulipa altaica 1825 Russland (Westsibirien), Kasachstan (Altai), China(Xinjiang) 100px Tulipa anisophylla 1935 S Tadschikistan, Usbekistan Tulipa armena 1859 Armenische Tulpe Türkei, Iran, Süd Kaukasus Tulipa banuensis 1974 Afghanistan Tulipa borszczowii 1868 Kasachstan, Usbekistan 100px Tulipa botschantzevae 1973 S Turkmenistan bis NO Iran Tulipa butkovii 1961 Usbekistan (Tian Shan) 100px Tulipa carinata 1971 Tadschikistan, Usbekistan, N Afghanistan (Pamir) Tulipa cypria 1934 Zypern Tulipa dubia 1935 Usbekistan, Kirgistan, Kasachstan Tulipa faribae 2007 Iran (Zāgros-Gebirge) Tulipa ferganica 1935 Usbekistan, Kirgistan Tulipa foliosa 1885 Türkei Z+S Tulipa fosteriana 1906 Foster-Tulpe Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan (Pamir), Afghanistan 100px Tulipa gesneriana 1753 Türkei 100px Tulipa greigii 1873 Greig-Tulpe Iran, Mittelasien 100px Tulipa heweri 1998 NO Afghanistan Tulipa hissarica 1935 Tadschikistan, Usbekistan (Hissargebirge) 100px Tulipa hoogiana 1910 S Turkmenistan bis N Iran Tulipa hungarica 1882 Ungarn, O Serbien, Bulgarien (WZ+S), Griechenland Tulipa iliensis 1879 Kasachstan, Kirgistan, China (Xinjiang) Tulipa ingens 1902 Feurige Tulpe Tadschikistan, Usbekistan Tulipa julia 1849 Julia-Tulpe O Türkei, Süd Kaukasus, Syrien, Libanon Tulipa kaufmanniana 1877 Seerosen-Tulpe oder Kaufmanns Tulpe Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan 100px Tulipa kolpakowskiana 1877 Kasachstan, Kirgistan, NO Afghanistan, China (NW Xinjiang) Tulipa korolkowii 1875 Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan Tulipa kosovarica 2012 Kosovo Tulipa kuschkensis 1932 Iran, S Turkmenistan, Afghanistan 100px Tulipa lanata 1884 Woll-Tulpe Tadschikistan, Usbekistan, Afghanistan, Pakistan (West Himalaja) Tulipa lehmanniana 1852 O Iran, Turkmenistan, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Afghanistan 100px Tulipa lemmersii 2012 Kasachstan Tulipa ostrowskiana 1884 Kasachstan, Kirgistan 100px Tulipa persica 1830 NW Iran Tulipa platystemon 1935 Kirgistan Tulipa praestans 1903 Vortreffliche Tulpe Tadschikistan 100px Tulipa scardica 1923 S Kosovo bis W Griechenland Tulipa scharipovii 2009 Usbekistan (Kurama Geb.), Kirgistan (Tschatkalgebirge) Tulipa schmidtii 1909 Süd Kaukasus bis NW Iran Tulipa serbica 1997 N Kosovo bis SO Serbien Tulipa sosnowskyi 1950 Süd Kaukasus Tulipa suaveolens 1794 Schrenks Tulpe Ukraine, Russland (bis Südsibirien), Kaukasus, Türkei, W Iran, Kasachstan, Kirgistan 100px Tulipa subquinquefolia 1946 Tadschikistan, Usbekistan Tulipa systola 1885 O Türkei, W Iran, Irak Libanon, Israel, Palästina, Sinai-Halbinsel 100px Tulipa talassica 2011 Kirgistan, Usbekistan Tulipa tetraphylla 1875 Vierblättrige Tulpe Kasachstan, Kirgistan, China (NW Xinjiang) 100px Tulipa ulophylla 1967 N Iran (Elburs-Gebirge) Tulipa undulatifolia 1844 S Balkan, W+Z Türkei, Süd Kaukasus, NO Iran, Turkmenistan, Tadschikistan, Usbekistan Tulipa uzbekistanica 1971 S Usbekistan Tulipa vvedenskyi 1954 Tadschikistan, Usbekistan 100px Subgenus Eriostemones Tulipa biflora 1776 Zweiblütige Tulpe Nordmazedonien, Türkei, Krim Russland (bis Westsibirien), Libanon, Israel, Palästina, Sinai, Saudi-Arabien, Iran, Irak, Afghanistan, Pakistan, China (Xinjiang) 100px Tulipa bifloriformis 1971 Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan 100px Tulipa cinnabarina 2000 Türkei 100px Tulipa cretica 1854 Griechenland (Kreta) 100px Tulipa dasystemon 1879 Kleine Stern-Tulpe Mittelasien, China (Xinjiang) 100px Tulipa humilis 1844 Niedrige Tulpe Türkei, Kaukasus, Iran Irak, Libanon, Afghanistan 100pxTulipa humilis var. aucheriana 2013 O Türkei bis Afghanistan 100pxTulipa humilis var. kurdica 2013 N Irak Tulipa humilis var. pulchella 2013 S + SO Türkei bis N Iran 100px Tulipa kolbintsevii 2012 SO Kasachstan Tulipa koyuncui 2010 SO Türkei Tulipa orithyioides 1935 Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan Tulipa regelii 1888 SO Kasachstan 100px Tulipa saxatilis 1825 Felsen-Tulpe oder Kreta-Tulpe Griechenland, S Türkei, Ägäis, SW Türkei, Kreta 100px Tulipa sprengeri 1894 Türkei† (erloschen) 100px Tulipa sylvestris 1753 Wilde Tulpe, Weinbergs Tulpe Eurasien von Portugal bis China (Xinjiang) (Neophyt in N, NO, Europa) 100pxTulipa sylvestris subsp. australis 1914 Südalpine Tulpe Mediterran, N Afrika, SZ + O Europa, Kaukasus, W Asien, Z Asien, China (Xinjiang) 100px Tulipa urumiensis 1932 Tarda-Tulpe oder Stern-Tulpe Kasachstan, Kirgistan, NW Iran 100px Tulipa turkestanica 1875 Turkestanische Tulpe Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, China (Xinjiang) 100px weitere akzeptierte Arten Tulipa auliekolica 2014 Kasachstan Tulipa boettgeri 1887 Tadschikistan Tulipa intermedia 2014 Usbekistan Tulipa ivasczenkoa 2013 Kasachstan Tulipa jacquesii 2015 Kirgistan Tulipa orphanidea 1862 Orphanides-Tulpe Bulgarien, Griechenland, Kreta, W Türkei 100px Tulipa × tschimganica T. dubia × T. kaufmanniana 1961 Kirgistan, Usbekistan 100px Tulipa turgaica 2014 Kasachstan Tulipa zonneveldii 2017 Kirgistan
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