Eishockey hat in Wien eine lange Tradition und kann heute bis 1898 zurückverfolgt werden. Damals wurde mit einem Ball gespielt, ein Sport der auch als Bandy bekannt war. Seit 1921/22 wird mit der Scheibe (Puck) gespielt. In Wien wurde 1927 die Europameisterschaft und später fünf Mal die Eishockey-Weltmeisterschaft der Gruppe A ausgetragen: 1967, 1977, 1987, 1996 und 2005. Wiener Eishockeyteams konnten 24-mal (Männer) bzw. 5-mal (Frauen) österreichischer und zweimal deutscher Meister werden.

Männer Die ersten Jahre

Das erste Spiel auf Wiener Boden fand zu Weihnachten 1899 statt, als zwei Teams, gebildet aus Gästen des Eislaufplatzes Engelmann, gegeneinander antraten. Im Jänner 1900 fand dann die erste Partie zweier Vereinsmannschaften statt. Damals gewann das Team des Training Eisclub (TEC) gegen den Wiener Athletiksport-Club (WAC) mit 9:1. Bereits in der nächsten Saison fand das erste internationale Aufeinandertreffen statt. Gegner war Slavia Prag, das mit 17:3 gewann.

Neben dem TEC, einer kombinierten Mannschaft aus Wien und dem WAC, stellten ab 1904/05 auch die Fußballer des First Vienna Football Clubs und ab 1906/07 der tschechisch-wiener Sportclub Slovan ein Team. 1908/09 auch der Wiener Sport-Club. In der zweiten Hälfte des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Eishockeysport bedingt durch sehr milde Winter sehr langsam weiter. Der Aufstieg des österreichischen Eishockeys begann ab der Saison 1909/10, als am Eislaufplatz Engelmann in Wien die erste Kunsteisbahn Österreichs eröffnet wurde (10. November 1909). Diese Kunsteislaufbahn erwirkte auch eine jahrzehntelange Überlegenheit der Wiener Eishockeymannschaften gegenüber denen aus der Provinz, wo sich immer mehr Teams bildeten.

Ebenfalls 1909 begann der Sportclub Slovan erstmals mit der Scheibe zu trainieren. Anders als in anderen europäischen Ländern dauerte es in Österreich bis 1922, ehe Eishockey gänzlich auf das Spiel mit der Scheibe umgestellt wurde.

Der Aufschwung

In der Saison 1911/12 gesellten sich zu TEC, Vienna, Wiener Sport-Club und Slovan auch der Währinger Bicycle Club (WBC) hinzu. Die erste ausgetragene österreichische Meisterschaft im Eishockey (mit dem Ball) wurde in der Saison 1912/13 ausgetragen. Sie war jedoch auf Wien begrenzt, teilnehmende Teams waren TEC, Vienna, Wiener Sport-Club, Slovan und der Währinger Bicycle Club (WBC). Den Meistertitel gewann der Wiener Sport-Club. In der folgenden Saison nahm auch erstmals der Cottage Eislaufverein aus Wien-Währing (CEV) mit einer eigenen Mannschaft teil. Meister wurde wieder der Wiener Sport-Club.

Im Dezember des Jahres 1912 wurde die zweite Wiener Kunsteisbahn, die der Wiener Eislauf-Verein (WEV) betrieb, eröffnet. Am 25. Jänner 1914 gründete auch der Wiener Eislauf-Verein ein eigenes Eishockeyteam.

Die Kriegsjahre Bedingt durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs war der Meisterschaftsbetrieb in der Saison 1914/15 sehr eingeschränkt. Lediglich eine internationale Begegnung des WEV gegen Budapest konnte abgehalten werden. In der folgenden Saison fand in Wien eine Kriegsmeisterschaft mit den Teams WEV, Währinger Bicycle Club (WBC), Cottage Eislaufverein (CEV) und dem Verein Kunsteisbahn Engelmann, dem Nachfolger des Training Eisclubs. 1916/17 stellte auch die österreichische Lehrer-Sportvereinigung ein eigenes Team, an der Meisterschaft nahm außerdem auch wieder der Sportclub Slovan teil. Meister wurde wie auch schon in der vorigen Saison der WEV, der auch erstmals gegen Budapest mit 9:2 gewinnen konnte. Ab der Saison 1917/18 war die Kunsteiserzeugung verboten, ab Februar 1918 auch die Beleuchtung und Beheizung von Eislaufplätzen. Damit brach der Eissportbetrieb in Wien zusammen. 1918/19 fand eine Meisterschaft in Wien statt, die vom WEV gewonnen, jedoch nicht bis zum Ende ausgetragen werden konnte. Das Verbot, Kunsteis herzustellen und milde Winter verhinderten in den Saisons 1919/20 und 1920/21 den Meisterschaftsbetrieb im Eishockey. Für die Saison 1920/21 war ein Cupwettbewerb angedacht, von dem jedoch nur ein Spiel ausgetragen wurde: WEV-WAC (23:1). Dieses Spiel war auch das letzte Bandyspiel am Wiener Heumarkt, weil ab der nächsten Saison mit der Scheibe gespielt wurde. Das letzte Bandyspiel in Wien fand am 31. Dezember 1923 zwischen CEV und Verein Kunsteisbahn Engelmann statt.

Die 1920er-Jahre Nicht nur durch die Einführung des Spiels mit der Scheibe veränderte sich das österreichische Eishockey. Sowohl Tore als auch die Spielfläche wurden verkleinert. Seit 1922/23 wird eine österreichische Meisterschaft im Eishockey durchgeführt. Nach wie vor war diese Meisterschaft sehr auf Wien konzentriert. Der EV Stockerau war das einzige vertretene Team, das nicht aus der Hauptstadt kam. Meister wurde der WEV, vor dem Pötzleinsdorfer SK, dem Cottage Eislaufverein und dem Amateursportverein. Außerdem nahmen der WAC und der SC Ostmark teil.

1923/24 wurde die österreichische Meisterschaft auf 12 Teams aufgestockt, die in zwei Gruppen spielten. Der Meister wurde in einem Spiel der beiden Gruppensieger ermittelt. Erstmals wurde auch ein Jugendbewerb ausgetragen, der wie die österreichische Meisterschaft vom WEV gewonnen wurde. Erstmals traten spezielle Stücke für Torleute auf und die Spielzeit wurde von 2 × 20 Minuten auf 3 × 20 Minuten verlängert.

1924/25 fand die österreichische Meisterschaft erstmals in zwei Klassen statt. In der ersten Klasse waren ausnahmslos Wiener Vereine vertreten: WEV, Pötzleinsdorfer SK, Verein für Bewegungsspiele, Cottage Eislaufverein, WAC und dem Verein Kunsteisbahn Engelmann. Die Meisterschaft wurde abermals vom WEV gewonnen. Die Meisterschaft der 2. Klasse konnte nicht zu Ende gespielt werden. Jugendmeister wurde der Cottage Eislaufverein. 1924 wurde eine eigene Eishockeysektion des Klagenfurter AC gegründet. Der spätere Rekordmeister sollte sich zum schärfsten Konkurrenten der Wiener Teams entwickeln. 1925 errang Österreich in einer aus nur 4 Teams bestehenden Europameisterschaft den zweiten Platz. Das Team bestand abgesehen vom Tormann, der dem Pötzleinsdorfer SK angehörte, ausnahmslos aus Spielern des WEV.

1925/26 wurde abermals der WEV Meister und Jugendmeister. Herausragendes Ereignis war die Verpflichtung des Kanadiers Blake H. Watson als Spielertrainer des WEV. Die Spieldauer wurde wieder auf 2 × 20 Minuten reduziert. Bei der Europameisterschaft konnte von Österreich der 3. Platz unter 8 teilnehmenden Teams erreicht werden. Die Spieler stammten aus den Vereinen WEV, Pötzleinsdorfer SK, Cottage Eislaufverein, und WAC.

1926/27 gab es neben der Spielerpasspflicht auch einen neuen Austragungsmodus der österreichischen Meisterschaft. Diese wurde in drei Klassen ausgetragen. Der österreichische Eishockeyverband ernannte die sechs stärksten Teams, die unter sich den Meister der ersten Klasse in einer einfachen Runde, bei der jedes Team gegen jedes andere spielen musste, ausspielten. WEVa wurde vor WEVb Meister. Die erste Mannschaft des Pötzleinsdorfer SK wurde Dritter, der Verein für Bewegungsspiele Vierter, Fünfter und Absteiger wurde der WECa. Mehrere Spiele wurden auf einer Eissportanlage beim Hotel Panhans am Semmering ausgetragen. Jugendmeister wurde in dieser Saison eine Kombinationsmannschaft aus Pötzleinsdorfer SK und Cottage Eislaufverein. 1927 wurde in Wien erstmals die Eishockey-Europameisterschaft ausgetragen. Das österreichische Team, das aus Spielern des Pötzleinsdorfer SK und des WEV gewann alle Spiele gegen die 5 teilnehmenden Mannschaften und wurde somit Europameister. International erfolgreich war auch der WEV erfolgreich. Sämtliche europäischen Spitzenteams konnten besiegt und in Paris der Coup Jean Potin gewonnen werden. Dem österreichischen Eishockeyverband gehörten neben elf Vereinen aus Wien mittlerweile auch sieben Clubs aus den Bundesländern an.

1927/28 wurde neben der Meisterschaft, die abermals der WEV für sich entschied, auch erst mal der Schlesinger-Cup ausgetragen. Im Finale dieses Bewerbs gewann überraschend der Pötzleinsdorfer SK gegen den WEV. In der 1. Klasse nahm als einziger Verein aus den Bundesländern der EV Stockerau als Aufsteiger teil. Am Ende der Saison stand der Verein jedoch am letzten Tabellenplatz und musste sogleich wieder in die 2. Klasse absteigen. Dritte Klasse gab es keine mehr. Eishockey boomte in dieser Zeit in Wien in einem unglaublichen Ausmaß, sodass sogar ein Aufnahmestopp für Wiener Vereine erlassen wurde, da es nicht genügend Trainingsmöglichkeiten gab. Auch wurde wieder an den Regeln gefeilt: Die Spielzeit wurde auf 3 × 15 Minuten verlängert, die Abseitslinie wurde auf ein Drittel des Spielfeldes versetzt und die Torhüter durften nun auch kniend, sitzend oder liegend abwehren. Bei den Olympischen Spielen in St. Moritz 1928 schied die österreichische Mannschaft in der Vorrunde aus. Trotz gründlicher Vorbereitung gelang nur ein 4:4 gegen die Schweiz und ein 0:0 gegen Deutschland.

1928/29 wurde die Aufnahmesperre wieder aufgehoben, nachdem der WEV seine Anlagen an vier Tagen dem Verband zur Verfügung gestellt hatte. Als die Vereine aus den Bundesländern immer mehr zu jenen aus Wien aufschlossen, stellte sich immer mehr die Frage, ob denn diese Wiener Meisterschaft, die gleichzeitig österreichische Meisterschaft war überhaupt noch repräsentativ war. Hauptproblem der Provinzteams war die Abhängigkeit von der Witterung. Sowohl die Meisterschaft als auch der Szabo Jugendwanderpreis vom WEV gewonnen werden. Das Nationalteam, das an der Europameisterschaft in Budapest teilnahm, bestand abermals ausschließlich aus Spielern von Pötzleinsdorfer SK und WEV. Das Team erkämpfte die Bronzemedaille.

1929/30 wurde der Meisterschaftsmodus wieder verändert. Gespielt wurde in zwei Gruppen, die Gruppensieger spielten um den Meistertitel. Dieser wurde wie in den Jahren zuvor vom WEV gewonnen, ebenso der Schlesinger Wanderpreis. Die Jugendmeisterschaft ging an den jüdischen Sportverein Hakoah. Österreich wurde Dritter in der Europameisterschaft und Vierter in der Weltmeisterschaftswertung. Der größte Erfolg dieses Jahres war jedoch der 1:0-Sieg am 7. Februar 1930 gegen Weltmeister Kanada.

Die 1930er-Jahre

1930/31 wurde die Meisterschaft wieder nur von Wiener Vereinen und Vereinen aus der Wiener Umgebung in 2 Gruppen ausgetragen. Das schon fast obligatorische Finale Pötzleinsdorfer SK gegen WEV konnte der WEV gewinnen. Ebenso den Schlesinger Wanderpokal. Der Szabo-Jugendpreis ging erneut an Hakoah. Die anderen Wiener Vereine kamen wieder mehr unter Druck, als der WEV die dem Verband zur Verfügung gestellten Trainingstage auf der Eisanlage am Heumarkt von vier auf drei reduzierte. Bei der Welt- und Europameisterschaft in Krynica-Zdrój wurde Österreich zum zweiten Mal Europameister und in der WM-Wertung Dritter hinter Kanada und den USA. Auch wurde der Fair-Play-Preis gewonnen. Erstmals standen bei der Europameisterschaft im Nationalteam neben Spielern von Wiener Vereinen auch zwei Legionäre vom Berliner Schlittschuhclub und der Cambridge University (Hans Trauttenberg).

In der Saison 1931/32 wurde der Meister erst mal aus den Gruppenersten und -zweiten der beiden Gruppen ausgespielt. Erstmals seit der Einführung des Spiels mit der Scheibe wurde nicht der WEV Meister. Er unterlag dem Pötzleinsdorfer SK im Finale mit 1:2. Der WEV gewann außerdem ein in Klagenfurt stattfindendes internationales Turnier vor dem KAC. In der Nationalmannschaft spielten mit Egger (KAC) und Amenth (Innsbruck) erstmals Spieler aus dem Bundesländern. Dieses Team konnte zwar aus finanziellen Gründen nicht an den Olympischen Winterspielen teilnehmen, sehr wohl jedoch an der Europameisterschaft, wo es die Silbermedaille gewann.

Nachdem der WEV in der Vorsaison dem Verbandsbetrieb auf dem Heumarkt erneut reduziert hatte, wurde dieser in der Saison 1932/33 gänzlich eingestellt, was den Training Eislaufclub und dem Wiener Eishockeyverein zum Aufgeben zwang.