mini|Logo des Wiener Eislauf-Vereins Der Wiener Eislauf-Verein (WEV) ist ein österreichischer Eissportverein aus Wien. Seine größten Erfolge hatte der Verein im Eiskunstlauf, Eisschnelllauf und im Eishockey. Er betreibt auf dem Wiener Heumarkt mit über 6.000 m² Eisfläche einen der großflächigsten Freilufteisplätze der Welt.

Geschichte mini|Der Wiener Eislauf-Vereinsplatz wurde 1900 vom Architekten Ludwig Baumann im Jugendstil errichtet mini|Wiener Eislauf-Vereinsplatz, ganz hinten links sind der Eingang zum Stadtpark und die Wienfluss-Einwölbung erkennbar. Das Jugendstil-Ensemble des Eislaufplatzes musste in den 1960er Jahren einem Hotelbau weichen und wurde abgerissen

Zwar fanden die „Schleiferbuben des Kanals“ schon 1803 Erwähnung,Knoll: Heimatbuch Guntramsdorf. Seite 71 zum Volkssport wurde der Eislauf jedoch erst um die Jahrhundertmitte. Es war dies die Zeit, da sich die sportlichen Wiener an Wintersonntagen im Hafen des Wiener Neustädter Kanals (Heute Areal Bahnhof Wien-Mitte) trafen oder den Kanal belebten und „in schnellstem Tempo bei Einbruch der Dunkelheit mit brennenden Fackeln zwischen Wien und Guntramsdorf dahin [glitten].“Riebe: Der Wr. Neustädter Schiffahrtskanal, in: Knoll: Heimatbuch Guntramsdorf. Seite 71

Nachdem das winterliche Hafenbecken also bereits zum „Eissportgebiet Österreichs Nr. 1 geworden war, wurde der 1867 der WEV gegründet und pachtete im Gründungsjahr einen Teil des ehemaligen Wiener Kanalhafens.“V.E.Riebe: Der Wr. Neustädter Schiffahrtskanal (Wien 1936) Der WEV wurde am 7. Februar 1867 von Artur Freiherr von Löwenthal, Karl (Carl) Korper von Marienwert, Erwin Franz Freiherr von Sommaruga, Constantin von Marguerite, Heinrich von Bach, Rudolf Grimm, Ritter von Grimburg, Cäsar Ranzi, Leon Schmidt Friedrich Böhmers, L. Mohr, Friedrich Klezl, Rudolf von Ponzen, Florian Mollo und Demeter Diamantidi gegründet. Das Areal des WEV vor der Jahrhundertwende lag in der Gegend des heutigen Bahnhofs Wien Mitte im 3. Wiener Gemeindebezirk. Am 26. Dezember des Gründungsjahres konnte der Natureislaufplatz eröffnet werden.

Im Jahr 1869 fand das erste Eisschnelllaufen der Vereinsgeschichte statt, im Jahr 1882 das erste internationale Preis-, Figuren- und Wetteislaufen. Zehn Jahre später übertrug die Internationale Eislauf-Vereinigung dem WEV in der Saison 1892/93 zum ersten Mal die Durchführung der Europameisterschaften im Eiskunstlaufen und Eisschnelllaufen. Aufgrund städtebaulicher Maßnahmen um die Jahrhundertwende übersiedelte der Verein auf das Areal des Wiener Heumarktes im 3. Wiener Gemeindebezirk, wo am 6. Jänner 1901 der neue Eislaufplatz in Betrieb genommen wurde. Eislaufen wurde um die Jahrhundertwende zu einem bedeutenden Teil der popularen Freizeitkultur in Wien. Nach dem Vorbild der im Jahr 1909 weltweit ersten Freiluftkunsteisbahn von Eduard Engelmann in Hernals eröffnete der WEV am 18. Dezember 1912 eine Kunsteisbahn in einem Ausmaß von 4.000 m².

Während des Ersten Weltkrieges kämpfte der WEV um seine Existenz. Die Kunsteisbahn sowie die Beleuchtung der Anlage konnten aufgrund des örtlichen Kohle- und Strommangels nicht betrieben werden. Für einen sportlichen Aufschwung des Vereins nach dem Krieg sorgten Eiskunstläufer und -läuferinnen wie etwa Herma Szabó und Willy Boeckl. Bald setzte auch ein wirtschaftlicher Aufwärtstrend ein. Im Jahr 1924 wurde die Kunsteisbahn von 4.000 auf 6.000 m², im Jahr 1927 von 6.000 auf 10.000 m² vergrößert – der WEV betrieb zu dieser Zeit die größte Kunsteisbahn der Welt. In der Saison 1929/1930 verzeichnete der WEV mit 9.521 Mitgliedern den höchsten Mitgliederstand in der Vereinsgeschichte.Franz Heinlein, 100 Jahre Wiener Eislaufverein, Eigenverlag des Wiener Eislauf-Vereins, Wien 1967, 17–18

Die Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre traf auch den WEV. Der Verein musste Sparmaßnahmen durchsetzen und den Betrieb der Kunsteisbahn einschränken. Die Eiskunstläufer und -läuferinnen blieben trotz der erschwerten Trainingsbedingungen weiterhin international höchst erfolgreich, Fritzi Burger und Felix Kaspar holten Welt- und Europameistertitel sowie Olympiamedaillen nach Wien.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurde der WEV in den Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen überführt. Adolf Eder wurde als kommissarischer Verwalter eingesetzt und blieb in dieser Funktion bis zur Wahl eines neuen Vereinsführers. Am 23. Februar 1939 wurde durch eine außerordentliche Mitgliederversammlung der SA-Brigadeführer Heribert Seidler einstimmig gewählt, der Eder zum ständigen Vertreter ernannte. Infolge der antisemitischen Gesetze des NS-Regimes wurden unmittelbar nach dem Anschluss Österreichs die als „jüdisch“ definierten Funktionäre, Mitglieder sowie Sportler und Sportlerinnen aus dem Verein ausgeschlossen. Im Jahr 1944 musste der WEV aufgrund der absehbaren Kriegsniederlage des Deutschen Reiches zum ersten Mal in seiner Geschichte den Betrieb einstellen, nachdem sich im Jahr 1939 die Sportsektionen des WEV und des Eissport Klub Engelmann aus wirtschaftlichen Gründen zu einer Startgemeinschaft – der Wiener Eissport-Gemeinschaft (WEG) – zusammengeschlossen hatten. Einige WEG-Athleten und -Athletinnen, wie etwa Eva Pawlik – bereits als 12-Jährige Jugendmeisterin –, Edi Rada oder das Eishockeyteam, konnten auf Reichsebene sportlich reüssieren.

Nach Kriegsende 1945 war das Areal des WEV durch Bomben und Schützengräben beschädigt, die Kunsteisbahn konnte jedoch nach kurzer Zeit wieder in Betrieb genommen werden. Nach einer längeren kriegsbedingten Pause im internationalen Sport fanden die ersten Wettbewerbe mit Beteiligung von Sportlern und Sportlerinnen des WEV im Jahr 1948 statt. Eva Pawlik gewann bei den Olympischen Winterspielen in St. Moritz Silber, Edi Rada Bronze. Bei der Europameisterschaft 1949 gewannen Pawlik und Rada jeweils den Titel. Maßgeblichen Anteil an der raschen Wiederbelebung des WEV in sportlicher, gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht hatte die im Winter 1945 im WEV gegründete Wiener Eisrevue. Die Revue wurde zu einem Kassen- und Exportschlager und bescherte dem WEV ein Millionenpublikum. Die Musik von Robert Stolz, der aus seiner freiwilligen Emigration 1946 nach Wien zurückgekehrt war, war eines von mehreren Signalen für einen Neuanfang. Seine erste Eis-Operette widmete Stolz dem damaligen Spitzenstar Eva Pawlik („Die ewige Eva“, 1952/53). Diese Produktion feierte am Platz des Wiener Eislaufvereins besondere Triumphe. Mit der Wiener Eisrevue wurden auch 7 Spielfilme gedreht (u. a. Frühling auf dem Eis mit Eva Pawlik und Traumrevue mit Eva Pawlik, Ingrid Wendl und Hanna Eigel). Auch in sportlicher Hinsicht erlebte der WEV in den 1950er und 1960er Jahren einen Höhepunkt. Zu den international erfolgreichen Eiskunstläufer und -läuferinnen dieser Zeit zählten Hanna Eigel, Ingrid Wendl, Hanna Walter, Regine Heitzer, Emmerich Danzer (der unter anderem 1967 am Platz des WEV Weltmeister wurde) und Wolfgang Schwarz oder die Paarläufer Sissy Schwarz und Kurt Oppelt.

In den späten 1950er-Jahren stand für den Verein die Schaffung neuer Freizeit- und Kulturangebote fernab dem Eislaufbetrieb im Mittelpunkt. So richtete der WEV in den Sommermonaten zahlreiche internationale Ring- und Boxkämpfe aus, beheimatete eine Tennissektion und veranstaltete Musikkonzerte. Insbesondere in den 1960er/70er-Jahren lockte „Catchen am Heumarkt“ Tausende Fans an, Wien wurde zu einer europäischen Kampfsportmetropole.

In den 1970er- und 1980er-Jahren wurde es mit wenigen Ausnahmen stiller um die Sportsektionen des Vereins. Trixi Schuba, in den Jahren 1971 und 1972 jeweils zweimalige Welt- und Europameisterin im Eiskunstlauf, krönte 1972 ihre Karriere mit Olympiasieg in Sapporo. Die österreichische Seriensiegerin Claudia Kristofics-Binder feierte im Jahr 1982 mit dem Gewinn des Europameistertitels der Eiskunstläuferinnen den letzten internationalen Erfolg für den Verein.

Eishockey im WEV

Der Wiener Eislauf-Verein (WEV) betrieb von 1914 bis 1985 eine Eishockeysektion für Männer. Ab 1923 wurde eine österreichische Eishockeymeisterschaft der Herren ausgetragen, an der sich der WEV beteiligte. Ende der 1920er Jahre wurde außerdem der Versuch unternommen, ein Dameneishockeyteam zu gründen.

mini|links|Spieler der Meistermannschaft 1916: Hans Mayringer, Rudolf Rauch, Alfred Revy, Dalbeare, Tauber, Alexander Poppovich, Alexander Lebzelter mini|links|Spielszene AC Sparta Prag (in dunkler Spielkleidung) gegen den WEV (1924) Die vorerst auf Wien begrenzte österreichische Eishockeymeisterschaft wurde in ihren Anfangsjahren vom Wiener Eislauf-Verein dominiert. Von 1923 bis 1931 gewann der WEV jede Meisterschaft sowie mehrmals den Schlesinger-Pokal und die Jugendmeisterschaft. Auch 1933 und 1937 konnte sich das Team des WEV gegen die Konkurrenz durchsetzen. Darüber hinaus bestand die österreichische Eishockeynationalmannschaft zu dieser Zeit vorwiegend aus Spielern des Wiener Eislauf-Vereins. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurden die besten österreichischen Vereine in die deutsche Eishockeymeisterschaft aufgenommen. Im Oktober 1939 bildeten der WEV und der EK Engelmann Wien (zwangsweise) eine Startgemeinschaft und diese gewann als Wiener Eissport-Gemeinschaft im Jahr 1940 als zweiter Wiener Verein (nach dem EKE 1939) den deutschen Meistertitel im Eishockey.

Nach dem Krieg siedelte der Lokalrivale EK Engelmann Wien in die Arena des Wiener Eislauf-Vereins über, da deren Kunsteisbahn während des Krieges schwer beschädigt wurde. Die Meisterschaften 1947 und 1948 konnte der WEV erneut gewinnen. 1948 wurde erneut eine Spielgemeinschaft der beiden Vereine, die Wiener Eissport-Gemeinschaft (WEG), gebildet. Dieses Team holte in den folgenden drei Jahren (1949, 1950, 1951) die österreichischen Meistertitel, bevor die Wiener Eissport-Gemeinschaft 1951 aufgelöst wurde und die beiden ursprünglichen Vereine wieder getrennte Wege gingen. 1958 gründete der WEV zusätzlich den Verein Wiener Eissport-Vereinigung, um in diesem künftig die Sportsektionen und die Wiener Eisrevue zu führen. Ende der 1950er Jahre fiel das Wiener Eishockey im Vergleich zur Konkurrenz aus den Bundesländern zusehends zurück. Während der EK Engelmann Wien 1956 und 1957 noch zwei Meistertitel in die Hauptstadt holen konnte, erlebte der WEV eine Durststrecke bis zur Saison 1961/62, als der WEV die österreichische Eishockeymeisterschaft zum letzten Mal gewinnen konnte.

1966 siedelte die WEV-Eishockeysektion von der traditionsreichen Freilufteisarena am Wiener Heumarkt in die Donauparkhalle über. Diese Halle im Bezirk Donaustadt wurde ursprünglich als Blumenhalle für die Internationale Gartenschau (WIG) 1964 errichtet. Unter Eishockeyliebhabern war die Donauparkhalle für ihre Akustik beliebt, ihre Betonpfeiler erschwerten jedoch mitunter das Zusehen. Sie fasste etwa 3.300 Besucher.

Trotz der verbesserten Infrastruktur konnte das WEV-Eishockeyteam nie seine frühere Vormachtstellung zurückgewinnen. Die Konkurrenz aus den Bundesländern wurde mit dem Klagenfurter AC, dem Innsbrucker EV und dem ATSE Graz zu stark und mit WAT Stadlau bekam der WEV ab den 1970er Jahren auch einen Lokalrivalen in Wien. Zwar errang der WEV noch mehrere Vizemeistertitel, ein erneuter Gewinn der Meisterschaft blieb dem Eishockeyteam jedoch verwehrt.

Tradition des WEV außerhalb des Stammvereins (1982 bis 2021) 1982 wurde die Eishockeysektion unter dem Namen Wiener Eissport Vereinigung selbständig. Nach einer verpatzten Saison 1983/84 stieg der WEV in die Nationalliga (2. Liga) ab. Der Wiederaufstieg gelang zwar bereits in der Folgesaison. 1991 zog der WEV aus der Donauparkhalle in die Sporthalle Hopsagasse um. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten fusionierte der WEV 1992 mit dem WAT Stadlau zum EC Wien, ab 1993 CE Wien. Der Club spielte erst in der Nationalliga, ab 1994 durch Aufstockung in der Bundesliga. 1997 wurde der CE Wien in Wiener Eishockeyverein umbenannt.