Die Ringelnatter (Natrix natrix) ist eine Schlangenart aus der Familie der Nattern (Colubridae). Sie ist mit mehreren Unterarten in großen Teilen Europas und Asiens verbreitet. Die Art lebt meist in der Nähe von Gewässern und ernährt sich überwiegend von Amphibien. Wie die anderen (in Mitteleuropa heimischen) Arten der Nattern ist die Ringelnatter für Menschen vollkommen ungefährlich.

Namensherkunft Der Name „Ringelnatter“ soll sich auf den „Halsring“ beziehen, der durch die beiden markanten Nackenflecke gebildet wird. Die Fähigkeit der Tiere, sich sehr stark einzuringeln, stellt eine weitere Erklärungsmöglichkeit dar. Ältere, heute kaum noch gebräuchliche Bezeichnungen waren Schwimm-, Wassernatter, Hausschlange, Kuk und SchnakeDuden: SchnakeLászló Gozmány: Vocabularium nominum animalium europae septem linguis redactum. Latina, Germanica, Anglica, Gallica, Hungarica, Hispanica, Russica. Band I. Akadémiai Kiadó, Budapest 1979, ISBN 963-05-1381-1. S. 693 Eintrag 7550 Natrix natrix. (vgl. engl. snake).

Merkmale mini|Kopfpartie einer Ringelnatter mit typischer Hinterkopfzeichnung Ringelnattermännchen erreichen in Deutschland durchschnittlich Gesamtlängen um 75 cm, Weibchen sind mit 85–152 cm deutlich länger. Längen von mehr als 110 cm werden von den Weibchen allerdings nur sehr selten erreicht.

In der Nackenregion befinden sich in der Regel zwei hellgelbe bis kräftig gelbe Flecken, die nach hinten von einem je etwa halbmondförmigen schwarzen Fleck begrenzt werden. Auf der meist grauen, teilweise auch bräunlichen oder grünlichen Oberseite befinden sich oftmals vier bis sechs Reihen kleiner schwarzer Flecken.

Schwärzlinge kommen vor, sie können an typischen Merkmalen der Beschuppung und Beschildung erkannt werden: Die Rückenschuppen der Ringelnatter sind gekielt (im Gegensatz zu denen der ähnlich aussehenden Äskulapnatter), der vor dem Auge liegende Schild (Präoculare) ist ungeteilt. Der Kopf ist oben mit großen Schilden bedeckt und individuell unterschiedlich deutlich (mitunter kaum ausgeprägt) vom Hals bzw. Rumpf abgesetzt. Die Pupillen sind rund.

Die Barrenringelnatter mini|Barrenringelnatter Die in Westeuropa, Italien und Südwestdeutschland vorkommende Barren-Ringelnatter (N. helvetica, seit 2017 nicht mehr als Unterart der Ringelnatter betrachtetCarolin Kindler, Maxime Chèvre, Sylvain Ursenbacher, Wolfgang Böhme, Axel Hille, Daniel Jablonski, Melita Vamberger & Uwe Fritz: Hybridization patterns in two contact zones of grass snakes reveal a new Central European snake species. In: Scientific Reports 7, 2016, Artikelnummer 7378, DOI:10.1038/s41598-017-07847-9.) weist an den Körperseiten je eine Reihe quer gestellter Flecke („Barren“) auf. Ihre Nackenflecken sind oft blasser als bei der im übrigen Deutschland zu findenden Ringelnatter. Zudem treffen sich die hellen Nackenflecken stärker in der Mitte, vor den hellen Flecken befinden sich keine oder nur weniger ausgeprägte schwarze Flecken und die schwarzen Flecken hinter den hellen Nackenflecken sind länger ausgezogen. In Deutschland kommt sie vom westlichen Niedersachsen über das westliche Nordrhein-Westfalen und Mittelhessen bis in das Rhein-Main-Gebiet und die Oberrheinebene vor. Linksrheinisch lebt in Deutschland ausschließlich die Barrenringelnatter, rechtsrheinisch kann es im Gebiet zwischen Mittelhessen und der Grenze zur Schweiz zu Hybridisierungen mit der Ringelnatter kommen, außerdem im Münsterland, Niedersachsen und eventuell Ostfriesland.Carolin Kindler, Eva Graciá & Uwe Fritz (2018) Extra-Mediterranean glacial refuges in barred and common grass snakes (Natrix helvetica, N. natrix). Scientific Reports 8, 1821. doi:10.1038/s41598-018-20218-2.

Verbreitung mini|Verbreitungsgebiet der Ringelnatter. Bei den angegebenen Vorkommen in den Niederlanden und Frankreich handelt es sich jedoch um die Barrenringelnatter und nicht die Ringelnatter. Das Verbreitungsgebiet der Ringelnatter umfasst beinahe ganz Mittel- und Osteuropa, in Asien reicht es bis ins südliche Sibirien und den Mittleren Osten. Auf der Iberischen Halbinsel und im Südwesten Frankreichs wird die Ringelnatter von der Iberischen Ringelnatter abgelöst, im übrigen Frankreich, im Süden von England und in ItalienUwe Fritz, Edoardo Razzetti und Josef Friedrich Schmidtler: The valid scientific names of the barred grass snake and its subspecies from mainland Italy and Sicily. in Amphibia-Reptilia, Mai 2020, DOI: 10.1163/15685381-bja10015 von der Barrenringelnatter, deren Verbreitungsgebiet östlich bis ins deutsche Rheinland reicht. In den Alpen ist die Ringelnatter bis auf 2000 m, gelegentlich auch höher, zu finden. Der Nordrand des Verbreitungsgebiets verläuft über Schweden, Norwegen, Finnland zu den Nordküsten von Ladoga- und Onega-See im europäischen Teil Russlands. Außerhalb Europas reicht das Verbreitungsgebiet bis zum burhatischen Teil der Mongolei etwa 200 km östlich vom Baikalsee. Die Südgrenze verläuft durch die nordwestliche Mongolei, Nord-Xinjiang (China), durch Kasachstan, Turkmenien, den nördlichen Iran bis Syrien und vermutlich den nördlichen Libanon.

Lebensräume mini|Schwimmende Ringelnatter Ringelnattern bewohnen ein sehr weites Spektrum offener bis halboffener Habitate. Diese sind durch das Vorhandensein von Gewässern und Biotopmosaiken mit vielfältigen Vegetationsstrukturen gekennzeichnet. Trockene Winterquartiere, Eiablage- und Sonnenplätze sowie Jagdgebiete für die unterschiedlichen Altersklassen liegen teilweise eng nebeneinander, z. T. müssen die Schlangen im Jahreslauf größere Distanzen (> 1 km) überwinden. In solchen Fällen lassen sich im Gesamtlebensraum oft (wie bei einigen Amphibien) getrennte Feucht- (z. B. Sümpfe, Auen) und Landhabitate (Wälder und ihre Ränder, Gärten u. v. m.) ausmachen.

Typische Fundorte sind Bäche, Flüsse, Grabensysteme, Teiche und Seen, Feuchtwiesen, Moore, Sümpfe und deren jeweilige Umgebung. Auch in Laub- und Kiefernwäldern, an Bahndämmen, auf natürlichen (Bergland) und künstlichen (Halden) Hanglagen, Parks und Gärten werden Ringelnattern regelmäßig beobachtet.

Lebensweise Ringelnattern sind tagaktive Tiere. Ihre Körpertemperatur regulieren sie über ihr Verhalten, indem sie geeignete temperierte Bereiche wie Sonnen- und Schattenplätze oder das Wasser aufsuchen. Zusätzlich können sie ihre Körperoberfläche gezielt vergrößern (Abflachen beim Sonnen) oder verkleinern (Aufrollen in kühler Umgebung), um den Wärmeaustausch mit der Umgebung zu beeinflussen. Für eine effektive Thermoregulation sind strukturreiche Lebensräume, die viele unterschiedliche Temperaturen bieten, wichtig. Zeiten ungünstiger Außenbedingungen (Mittagshitze, Winter) verbringen Ringelnattern in geschützten Quartieren.

In Mitteleuropa endet die Überwinterung in der Regel im März oder April. Nach einer Phase des intensiven Sonnens beginnt etwa ab Ende April die Paarungszeit, die Frühjahrshäutung hat dann oftmals schon stattgefunden. Eiablagen erfolgen während des Sommers, der Schlupf von Ende Juli bis zum Herbst.

Bei „normalem“ Witterungsverlauf werden die Winterquartiere meist zwischen Ende September und Mitte Oktober aufgesucht. Als Winterquartier dienen Baue von Kleinsäugern, Hohlräume im Boden, in Felsen oder Bäumen sowie in Mauerwerk, Haufen aus organischen Materialien (Kompost, Mist, Stroh usw.) oder Steinen. Im Quartier wechseln die Schlangen teilweise zwischen verschieden tiefen Bodenschichten und reagieren so auf Änderungen der Außentemperatur.

Ernährung mini|Ringelnatter beim Fressen eines Teichmolches mini|Ringelnatter beim Jagen in einem Gartenteich Ringelnattern ernähren sich überwiegend von Amphibien. Teilweise stellt die Erdkröte das wichtigste Beutetier dar,C. J. Reading, J. L. Davies: Predation by grass snakes (Natrix natrix) at a site in southern England. In: Journal Zoology London 239, 1996, S. 73–82. andernorts bilden Frösche, insbesondere Braunfrösche, die Nahrungsgrundlage.Hans-Peter Eckstein: Untersuchungen zur Ökologie der Ringelnatter. In: Jahrbuch für Feldherpetologie, Beiheft 4, Duisburg 1993. Auch Kleinsäuger, Fische und VögelPatrick T. Gregory, Leigh Anne Isaak: Food habits of the grass snake in southeastern England: Is Natrix natrix a generalist predator? In: Journal of Herpetology 38, 2004, S. 88–95. sowie Eidechsen und Wirbellose werden immer wieder gefressen. Mit der Größe der Nattern steigt auch die Größe ihrer Beutetiere: Jungschlangen fressen vor allem Molche, junge Froschlurche und kleinere Kaulquappen, große Ringelnatter-Weibchen ernähren sich vor allem von den großwüchsigen Erdkröten-Weibchen. Größere Froschlurche werden von den Schlangen oft zunächst an einem, dann am anderen Hinterbein gepackt und nach und nach hinuntergeschlungen. Die Vorderbeine werden möglichst einfach nach vorne geklappt – wenn dies nicht gelingt, werden auch sie stückweise Richtung Kopf verschlungen. Die Beute wird optisch anhand ihrer Bewegungen und insbesondere über ihren Geruch erkannt, der beim Züngeln an das Jacobson-Organ übertragen wird.

Fortpflanzung und Entwicklung mini|Paarungsgruppe mini|Ringelnattern bei der Paarung mini|Gelege in Kompost

Zwischen Ende April und Ende Mai finden die meisten Paarungen statt. Die Männchen werden wahrscheinlich von Sexualpheromonen der Weibchen angelockt, teilweise werben mehr als 20 Männchen um ein Weibchen. Beißereien zwischen den Konkurrenten kommen dabei nicht vor. Die Männchen versuchen mit zuckenden Bewegungen, sich an das Weibchen zu schmiegen. Wenn dieses Vorspiel erfolgreich war, umwindet der Schwanz des Männchens das Hinterende des Weibchens, es presst seine an die ihre. Ein Hemipenis dringt in die Kloake ein und schwillt dabei so stark an, dass er zunächst nicht wieder zurückgezogen werden kann. Bei Störungen wird der kleinere Partner (i. d. R. das Männchen) daher vom fliehenden Tier mitgeschleift. Die Kopulation kann mehrere Stunden andauern.

Die Eiablage erfolgt vor allem von Ende Juni bis Anfang August. Nach Möglichkeit legen die Weibchen die Eier in Substrate, in denen durch Verrottung organischen Materials Wärme frei wird, z. B. Mist-, Kompost- und Sägemehlhaufen, vermodernde Baumstümpfe, Binsen- und Schilfansammlungen. Teilweise wurden mehr als Tausend Eier gefunden, die in enger Nachbarschaft von verschiedenen Weibchen abgelegt worden waren.

Ein einzelnes Gelege umfasst häufig 10–30 Eier, die zu Klumpen verklebt sind. Die Eilänge beträgt in der Regel zwischen 23–40 mm, die Breite 13–20 mm. Die Masse liegt oft zwischen 4,5 und 5,5 g. Die Inkubationszeit kann bei Temperaturen von 28–30 °C nur 30–33 Tage betragen, sich aber bei ungünstigen Bedingungen über zehn Wochen oder mehr erstrecken. Entsprechend schlüpfen die Jungschlangen gewöhnlich zwischen Ende Juli und Ende September. Kopfbewegungen und der feine Eizahn am Schnauzenende helfen ihnen, die pergamentähnliche Eihaut von innen aufzuscheuern. Bei Störungen können sich halb ausgeschlüpfte Schlänglein wieder in die Eihaut zurückziehen.

Im Zusammenhang mit deren Wachstum steht die regelmäßige Häutung der Schlangen. Bläulich-grau eingetrübte Augen sind Vorzeichen baldiger Häutung, verursacht durch die Ausschüttung proteolytischer Enzyme zwischen der alten, äußeren– und der neuen, sich erweiternden inneren Haut. Die Sehbehinderung lässt die Nattern sich verkriechen und die Kopfhaut mit den trüben Linsen aufscheuern. In diesem Stadium kann man Ringelnattern mit aufstehender Kopfhaut begegnen, was wahrscheinlich der Ursprung der sagenhaften «Krönchennatter» ist. Bleibt sie damit beim Kriechen an einem Hindernis hängen, wird es ihr möglich, an einem Stück aus ihrer alten Haut zu schlüpfen, wie wir einen Strumpf vom Bein streifen. Entsprechend sind in ihren Biotopen auch ganze Natternhäute («Natternhemden») samt Augenkalotten und der ganzen Schildervielfalt zu finden. Die vorerst noch dehnbare, neue Haut erscheint in frischen, kontrastreichen Farben.

Flucht- und Abwehrverhalten