Die Österreichische Galerie Belvedere, seit 2007 kurz Belvedere genannt (traditionelle Aussprache ohne Schluss-e),lokale italienische bzw. traditionelle österreichische Aussprache durch französischen Einfluss – siehe: BMBF, Österreichisches Wörterbuch, Österreichischer Bundesverlag, Wien 2012, ISBN 978-3-209-06884-2 , 42. Auflage, S. 106. ist ein bedeutendes Kunstmuseum im Schloss Belvedere in Wien. Neben dem Unteren und dem Oberen Belvedere zählt seit 2002 auch das Belvedere 21 zu seinen Standorten (2011 als 21er Haus eröffnet). Von 1978 bis 2017 gehörte das Gustinus-Ambrosi-Museum und von 2013 bis 2017 das Winterpalais Prinz Eugen als Ausstellungsstandort zur Institution.
Die historisch gewachsene Kunstsammlung des Belvederes gibt einen Überblick über die österreichische Kunstentwicklung vom Mittelalter über das Barock bis ins 21. Jahrhundert. Ein Schwerpunkt liegt auf den österreichischen Malern des Fin de Siècle und des Jugendstils. Das Herzstück der im Oberen Belvedere präsentierten Sammlung „Kunst um 1900“ bildet die weltweit größte Gustav-Klimt-Gemäldesammlung. Höhepunkte sind seine goldenen Bilder „Der Kuss“ (1908/09) und „Judith“ (1901) sowie Meisterwerke von Egon Schiele und Oskar Kokoschka. Prominente Werke des französischen Impressionismus sowie die wichtigste Sammlung des Wiener Biedermeiers gehören ebenfalls zum Repertoire des Museums.
Schon zu Zeiten Prinz Eugens (1663–1736), eines bedeutenden Feldherrn, Kunstmäzens und Sammlers, waren die beiden Schlösser seiner Sommerresidenz im Belvedere Aufbewahrungsorte zahlreicher Kunstwerke. Nach dem Tod des Prinzen kamen Teile seiner Sammlungen und die Schlösser an das Kaiserhaus, das ab 1781 verschiedene Teile der kaiserlichen Kunstsammlungen dort aufstellen ließ. 1903 wurde im Unteren Belvedere die staatliche „Moderne Galerie“ eingerichtet. Nach dem Ende der Monarchie wurden das Untere und später auch das Obere Belvedere sowie die Orangerie zum Museum. Die Österreichische Galerie Belvedere gehört zu den österreichischen Bundesmuseen und ist seit dem Jahr 2000 eine vollrechtsfähige „wissenschaftliche Anstalt“.
mini|Blick aus Richtung Landstraßer Gürtel nordwärts, auf die Südseite des Oberen Belvederes mini|Blick vom Oberen Belvedere nordwärts (Richtung Stadtzentrum) auf die Gartenanlagen und das Untere Belvedere
Kaiserliche Kunstsammlungen im Belvedere (1781–1891) mini|Vinzenz Fischer: Allegorie auf die Übertragung der kaiserlichen Galerie in das Belvedere, 1781 – Minerva, die Göttin der Weisheit, Kunst und klugen Kriegsführung, weist Joseph II. auf das Obere Belvedere hin. Nachdem die kaiserliche Galerie in der Stallburg bereits an Raumnot litt und viele Gemälde deshalb nicht ausgestellt werden konnten, fassten die Regentin Maria Theresia und ihr Sohn, der spätere Kaiser Joseph II., 1776 den Entschluss, diese in das Obere Belvedere einzubringen. Für dieses Vorhaben und dessen Umsetzung zeichnete der damalige Galeriedirektor Joseph Rosa d. Ä. verantwortlich. Er nahm bereits eine Einteilung nach künstlerischen Schulen vor, die in der Folge jedoch durch die Neuaufstellung Christian von Mechels ersetzt wurde.
Im Unteren Belvedere konnte von der Zeit des Wiener Kongresses an die Ambraser Sammlung besichtigt werden. Außerdem wurden hier Objekte der kaiserlichen Kollektion antiker und ägyptischer Kunst ausgestellt. Sämtliche in den Belvedere-Schlössern befindlichen Kunstwerke wurden letztlich in das neu errichtete und 1891 eröffnete Kunsthistorische Museum verbracht.
Geschichte des Museums seit 1903 mini|Einblick in die Moderne Galerie 1903 mini|Egon Schiele: Bildnis Dr. Franz Martin Haberditzl, 1917 1903 wurde vom k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht die Moderne Galerie im Unteren Belvedere eröffnet. Jahrelang hatten zahlreiche österreichische Künstler, allen voran Carl Moll mit den Wiener Secessionisten, darauf gedrängt, ein staatliches Museum für zeitgenössische Kunst einzurichten. Zum Zeitpunkt ihrer Eröffnung 1903 besaß die Moderne Galerie schon eigene Sammlungsbestände, den Grundstein dafür hatte die Secession mit Schenkungen in den Jahren zuvor gelegt. Die Leitung der Modernen Galerie besorgte anfangs das Ministerium selbst, erst 1909 erhielt sie in Friedrich Dörnhöffer, der den Erwerb von Kunstwerken aller Epochen vorantrieb, ihren ersten Direktor. 1912 wurde die Moderne Galerie in k.k. Österreichische Staatsgalerie umbenannt. Sie zeigte zu diesem Zeitpunkt bereits einen repräsentativen Querschnitt durch das österreichische Kunstschaffen vom Mittelalter bis zur Gegenwart und gab die grundsätzliche Struktur des heutigen Museumskomplexes vor.
Von 1915 an bis zu seiner Amtsenthebung 1938 leitete Franz Martin Haberditzl das Museum und legte mit seiner klugen Ankaufspolitik den Grundstein für die Sammlung von Hauptwerken der Klassischen Moderne. In seine Amtszeit fallen auch die Erweiterung der Österreichischen Staatsgalerie auf beide Schlösser und die Neuordnung der ehemaligen kaiserlichen Sammlung durch Hans Tietze.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Gründung der Ersten Republik im November 1918 standen die Museen in Wien vor großen Problemen. Das ehemalige Hofärar, Staatsbesitz in direkter Verwaltung durch den kaiserlichen Hof, wurde Ende 1918 als Eigentum der Republik festgestellt, die habsburgische Familienstiftung (Fideikommiss) im Habsburgergesetz 1919 zu Gunsten des Staates enteignet. Allerdings verpflichtete der Vertrag von Saint-Germain 1919 Österreich zur Rückgabe von Sammlungen, die einst im Besitz jener ehemaligen Kronländer gewesen waren, die nicht zur neuen Republik Österreich gehörten. Deshalb wechselte ein Teil der Kunstwerke der Österreichischen Staatsgalerie in andere Nachfolgestaaten der Monarchie. In der Sammlung des Belvederes befinden sich seit damals kaum noch Werke von Künstlern aus ehemaligen Ländern der österreichischen Reichshälfte der Doppelmonarchie, die 1918 Ausland wurden.
Die Österreichische Galerie, wie sie ab 1921 genannt wurde, beherbergte seit 1923 im Unteren Belvedere ein Barockmuseum, ab 1924 im Oberen Belvedere die Galerie des 19. Jahrhunderts und ab 1929 eine Moderne Galerie in der Orangerie. Es wurden zahlreiche bedeutende Werke erworben, unter anderem Gemälde von Gustav Klimt und Egon Schiele.Michael Krapf: Wissenschaft für das Museum – Museum für die Wissenschaft. In: Das Museum. Spiegel und Motor kulturpolitischer Visionen. Wien 2004, S. 133 ff.
Während des nationalsozialistischen Regimes blieb die Moderne Galerie ab dem 22. März 1938 geschlossen. Die dort ausgestellten Kunstwerke des 20. Jahrhunderts wurden deponiert, wodurch der Bestand an sogenannten „entarteten“ Werken unangetastet blieb. Die Galerie des 19. Jahrhunderts und das Barockmuseum blieben bis 1944 geöffnet. Bei den Bombardierungen Wiens ab September 1944 wurde das Belvedere schwer getroffen. Das NS-Regime nutzte das Obere Belvedere für Konferenzen und Empfänge.
Nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete Direktor Karl Garzarolli-Thurnlackh 1953 die Mittelaltersammlung des Belvederes in der Orangerie beim Unteren Belvedere. Die Bestände für diese Sammlung erhielt das Belvedere vom Kunsthistorischen Museum und gab im Gegenzug seine Sammlung internationaler Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts an das KHM ab.Veronika Pirker-Aurenhammer: Mittelalterliche Kunst im Belvedere. In: Meisterwerke des Belvedere. Wien 2012, S. 37 ff.
1955 konnte das Obere Belvedere nach jahrelangen Wiederaufbau- und Renovierungsarbeiten der Öffentlichkeit wieder als Museum zugänglich gemacht werden, die Werke Gustav Klimts, Egon Schieles, Oskar Kokoschkas und anderer bedeutender österreichischer Künstler konnten gezeigt werden. Bedeutende Ausstellungen (1958: Van Gogh, 1960: Gauguin, 1961: Cézanne) brachten dem Museum schon damals viele Besucher.
Die Neuerwerbungen ab 1938 unterliegen seit 1998 der Prüfung durch die Provenienzforschung des Belvederes und der Kommission für Provenienzforschung. Je prominenter ein Werk ist, desto zäher verliefen allerdings die Maßnahmen, es den rechtmäßigen Eigentümern zurückzustellen. Exemplarisch dafür steht Klimts Bildnis Adele Bloch-Bauer I (die sogenannte goldene Adele), das 2006 an die rechtmäßige Erbin des ehemaligen Besitzers zurückgegeben wurde.
Der Museumsbetrieb nach dem Zweiten Weltkrieg war durch zahlreiche Neuerwerbungen, Erweiterungen und Modernisierungsmaßnahmen gekennzeichnet. Während der Direktion von Gerbert Frodl (1991–2006) wurde das Obere Belvedere generalsaniert (1991–1996). Im Jahr 2000 wurde das Belvedere wie alle anderen Bundesmuseen mit Vollrechtsfähigkeit ausgestattet, blieb aber nach wie vor im Eigentum des Staates.
Direktionen des Museums Friedrich Dörnhöffer: 1909–1914 Franz Martin Haberditzl: 1915–1938 Bruno Grimschitz: 1939–1945 Fritz Novotny: provisorischer Leiter 1945–1947 Karl Garzarolli-Thurnlackh: 1947–1959 Fritz Novotny: 1960–1968 Hans Aurenhammer: 1969–1982 Hubert Adolph: 1983–1991 Gerbert Frodl: 1992–2006 Agnes Husslein-Arco: 2007–2016 Generaldirektorin und Wissenschaftliche Geschäftsführerin Stella Rollig: seit 16. Jänner 2017 Kaufmännischer Geschäftsführer: Dieter Bogner (Juli 2016 – 15. Jänner 2017, interimistisch), Wolfgang Bergmann (seit 16. Jänner 2017)
Im März 2026 wurde bekanntgegeben, dass Nina Zimmer im Jänner 2027 auf Stella Rollig als Generaldirektorin folgen soll.
Neustrukturierung des Museums seit 2007 Von 2007 bis 2016 leitete Agnes Husslein-Arco, vormals Direktorin des Salzburger Rupertinums und des Museums der Moderne auf dem Mönchsberg, das Museum. Sie positionierte das Belvedere als Museum österreichischer Kunst im internationalen Kontext.
Nach umfangreichen Adaptierungs- und Umbaumaßnahmen sind die Hauptwerke der Sammlungen mittelalterlicher Kunst und des Barocks (ehemals im Unteren Belvedere) seit Frühjahr 2008 im Oberen Belvedere zu sehen. Die adaptierten Räumlichkeiten des Unteren Belvederes und der Orangerie bieten nunmehr Platz für Sonderausstellungen. Weiters wurde im ehemaligen Prunkstall eine Galerie für die mittelalterlichen Bestände eingerichtet.
2011 präsentierte Husslein-Arco die neu konzipierte Schausammlung im Oberen Belvedere. Am 15. November 2011 konnte das 21er Haus als Museum für die Kunst des 20. und des 21. Jahrhunderts wiedereröffnet werden. Von November 2013 bis November 2017 besaß das Belvedere mit dem Winterpalais des Prinzen Eugen einen weiteren Ausstellungsort in der Wiener Innenstadt; dieser wurde dann an das Bundesministerium für Finanzen zurückgestellt.
Die Besuchszahlen des Belvederes stiegen 2012 erstmals über eine Million (Gesamtbesuch 2015: 1.266.620); bis 2017 stiegen sie auf 1,427 Millionen, 2018 auf 1,592 Millionen.
Im Sinne des Bestrebens der öffentlichen Hand, in der Leitung ihrer Betriebe das Vier-Augen-Prinzip einzuführen, wurde im Juli 2016 der bei der Gründung des Wiener MuseumsQuartiers aktive Experte Dieter Bogner zum interimistischen kaufmännischen Geschäftsführer bestellt. Ende Juli 2016 ließ der für Kultur zuständige Kanzleramtsminister Thomas Drozda wissen, er plane für das Belvedere eine neue strukturelle, organisatorische und personelle Konstellation.
Die neue Besetzung der wissenschaftlich-künstlerischen und der kaufmännischen Leitung (Stella Rollig, Wolfgang Bergmann) wurde von Thomas Drozda am 17. Oktober 2016 bekanntgegeben. Die Amtsübernahme fand am 16. Jänner 2017 statt. Im Mai 2017 berichtete die neue Leitung über nötige Veränderungen.
Das Ausstellungsprogramm unter Generaldirektorin Stella Rollig stellt insbesondere feministische Positionen sowie Einzel- und Gruppenausstellungen von Künstlerinnen in den Fokus, wie etwa Stadt der Frauen (2019), Monica Bonvicini (2019), Henrike Naumann (2019), Maja Vukoje (2020), Renate Bertlmann (2020 & 2024), Rebecca Waren (2022), Stanislava Kovalcikova (2022), Louise Bourgeois (2023), Tamuna Sirbiladze (2024), Hannah Höch (2024), Kazuko Miyamoto (2024), Maria Hahnenkamp (2025), Radikal! (2025).