mini|hochkant=1.5|Systematik Holzwirtschaft mini|hochkant=1.5|Schematische Darstellung des Holzflusses nach Verarbeitungsstufen
Die Holzwirtschaft ist die Branche, die sich mit der wirtschaftlichen Verwertung des Rohstoffes Holz befasst. Sie umfasst die Holzindustrie, das Holzhandwerk und den Holzhandel.
Die Holzwirtschaft erhält ihren Rohstoff aus der das Holz erzeugenden Forstwirtschaft, dem internationalen Holzhandel und zu einem kleinen Teil aus dem Recycling. Für die Produktion und Veredelung von Holzwerkstoffen zählt bei großen Unternehmen der Holzwerkstoffindustrie unter dem technischen und wirtschaftlichen Aspekt die Entwicklung von Maschinen- und Anlagensystemen zum Unternehmenszweck. Im Rahmen der holzverarbeitenden Prozesse fallen große Mengen an Nebenprodukten an. Diese werden als Kuppelprodukte weiter verarbeitet oder für die Gewinnung von Bioenergie genutzt (Kaskadennutzung).
Bedeutung von Holz als Rohstoff Mehr als ein Drittel der Landmasse der Erde ist mit Wald bedeckt. Das Leben von rund einem Viertel der Weltbevölkerung ist direkt oder indirekt vom Wald und seinen Produkten abhängig. Holz als Baustoff und Energieträger nimmt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle ein. Der Druck auf die Wälder und das Holz wird durch das Bevölkerungswachstum weiter steigen. Spätestens seit dem Ende des Kalten Krieges ist die Holzwirtschaft global geworden. Die Stoffflüsse sind deshalb komplex, weil viele Länder gleichzeitig Importeure und Exporteure sind. Die Transportkosten für Holz sind mittlerweile relativ gering, weshalb auch global damit gehandelt wird.
mini|Briefkopf des Holzexportgeschäfts H. Huber in Bozen mit dem Lager in Blumau, 1918
Holzhandel Unter dem Sammelbegriff Holzhandel wird die wirtschaftliche Tätigkeit verstanden, Güter, die überwiegend aus dem Rohstoff Holz bestehen, zu beziehen und/oder an weiterverarbeitende Abnehmer bzw. Endkonsumenten zu vermitteln. Die Transaktionen werden mit dem Begriff Holzmarkt zusammengefasst. Zentrale Aufgabe des Holzhandels ist es, die verarbeitenden Handwerksbetriebe, Holzwerkstoffe herstellende Betriebe und Baubetriebe sowie Heimwerker mit Holz und Holzprodukten zu versorgen. Die Preisentwicklung beim Holz bestimmt sich primär durch seinen Charakter als Rohstoff sowie die technische Entwicklung in der Bearbeitung und Verwendung. Die Preise werden aufgrund der zunehmenden Nachfrage nach dem nachwachsenden Material auch global mittel- bis langfristig steigen. Global gesehen stellen die folgenden Kategorien die wichtigsten Produktsorten für den Handel dar: Rohholz, Schnittware, Restholz, Plattenhandel, Zellstoff und Papier.
Rohholzhandel Seit 1985 hat der internationale Rohholzhandel um gut 40 % zugenommen. Der Nadelholzanteil liegt bei über 50 % der gesamten Rundholzexporte. Der größte Exporteur von Nadelholz ist Russland mit einem Anteil von über einem Drittel. Die wichtigsten Importländer von Nadelholz sind Japan und China, welche beide nur geringe verfügbare Holzreserven aufweisen. Tropenrundholz wird mengenmäßig am meisten von Malaysia, Gabun, Papua-Neuguinea, Indonesien und Myanmar exportiert. Zu den Hauptimporteurländern gehören wieder China und Japan sowie Indien.
Schnittwarenhandel Zwischen 1985 und 2000 hat der weltweite Schnittwarenhandel um 40 % zugenommen. Dabei stammen 90 % der Schnittholzexporte aus Nordamerika und Europa. Zu den wichtigsten Importeuren gehören die USA, welche 40 % ihres Bedarfs aus Kanada bezieht. Der restliche Schnittholzhandel spielt sich hauptsächlich in Europa ab, aber auch Asien entwickelt sich zunehmend zu einem bedeutenden Importmarkt.
Plattenhandel Der Handel mit aus Holz gepressten Platten hat in den 1990er Jahren mit der MDF-Platte einen Aufschwung erlebt. Deutschland und China sind die wichtigsten Exporteure von Faserplatten. Spanplatten werden hauptsächlich von Kanada und Deutschland exportiert. Große Wachstumsraten weist Asien (Indonesien, Malaysia und China) mit der Produktion von Sperrholz auf. Die USA sind der größte Holzwerkstoffimporteur.
Zellstoff und Holzschliffhandel Der Welthandel nahm zwischen 1985 und 2000 um 75 % zu. Hauptexporteur sind Kanada, die USA, Schweden und Brasilien. Die wichtigsten Importländer sind die USA, Japan und Deutschland.FOA Yearbook 2000 und Timber Bulletin United Nations 2004
+ HandelsartenHandelsarten Bietet eingekaufte, meist Rohholzware, zur Weiterverarbeitung an andere Handelsunternehmen, gewerbliche holzverarbeitende Betriebe, oder Großverbraucher an. Holzeinzelhandel Es handelt sich beim Holzeinzelhandel um den Vertrieb von Holzhalbwaren zur Fertigung. Einzelhandelswaren werden überwiegend an private Haushalte abgesetzt.Holzaußenhandel Umfasst die Ein – sowie Ausfuhr von Holz aus dem Ausland.Rohholzhandel Der Rohholzhandel liefert Waldholz an die Sägewerksindustrie, Holzwerkstoffindustrie sowie die Papier- und Zellstoffindustrie.
+ Warengruppen Rohwaren Stammholz, Industrieholz, Sägenebenprodukte, Altpapier, Altholz-/Rohholzhandel Halbwaren Furnier, Sperrholz, Schnittholz, Span, -Faserplatten, Zellstoff, Holzschliff, –Schnittholzhandel, Handel mit sonstigen Holzhalbwaren Fertigwaren Konstruktionsholz, Bauelemente, Innenausbau, Möbel und Einrichtung, Transportmaterial, Industrieverwendungen, Papierprodukte
Holzindustrie Der Begriff Holzindustrie beschreibt alle Unternehmen, die sich mit der Be- und Verarbeitung, oder mit der Veredelung und Verwertung des Rohstoffes Holz beschäftigen. Zu den Wirtschaftszweigen der Holzindustrie gehören die Sägeindustrie, die Holzwerkstoffindustrie, die Furnierindustrie und die Zellstoff- und Papierindustrie. Die hergestellten Halb- und Fertigwaren in den einzelnen Branchen werden wiederum in anderen Wirtschaftszweigen genutzt.
Holzhandwerk In der Holzwirtschaft sind zahlreiche Berufsfelder vertreten. Dazu gehören neben traditionellen Ausbildungen wie Tischler/Schreiner, Zimmermann oder Kunsthandwerksberufen wie Drechsler oder Holzspielzeugmacher und Nischenhandwerken wie Bootsbauer oder Küfer auch viele generell in der Industrie gefragte Berufe. Das Holzhandwerk hat überall dort Tradition, wo Holz als einheimischer Rohstoff vorhanden ist.
Bedeutung der Holzwirtschaft mini|Umsatz der deutschen Holzwirtschaft im Jahr 2014
Wirtschaftliche Bedeutung mini|hochkant=1.5|Beziehung zwischen Verarbeitungstiefe und Wertschöpfung
Der Beitrag der Holzwirtschaft zur Volkswirtschaft eines Landes wird üblicherweise in Prozent des Bruttoinlandproduktes angegeben. Je höher der Anteil, desto größer die wirtschaftliche Bedeutung. Ein großer Waldanteil bedeutet aber nicht zwingend, dass die Holzwirtschaft volkswirtschaftlich eine wichtige Rolle spielt, da dies von den anderen Wirtschaftssektoren des Landes abhängt. So ist global gesehen der Beitrag der Holzwirtschaft am BIP gesunken, da andere Wirtschaftssektoren schneller gewachsen sind. Die Wertschöpfung nimmt mit zunehmender Verarbeitungstiefe zu. Wird in einem Land nur Rundholz produziert und keine Weiterverarbeitung betrieben, kann das gesamte Wertschöpfungspotential nicht ausgenutzt werden.
Nachhaltige Holznutzung Der Begriff Nachhaltigkeit findet eine erstmalige Verwendung in der deutschen Sprache in der in Schrift Silvicultura oeconomica, die 1713 durch Hans Carl von Carlowitz verfasst wurde. Im forstwirtschaftlichen Sinne bedeutet Nachhaltigkeit ein langfristig angelegter verantwortungsbewusster Umgang mit Ressourcen oder dass nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann. Die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung definierte 1987 im Brundtland-Bericht das Konzept der Nachhaltigkeit als Vorgehensweise, die allen heute lebenden Menschen erlaubt, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, ohne damit die Chancen kommender Generationen zu gefährden.
Im Bezug auf die Holznutzung bedeutet Nachhaltigkeit, dass die Versorgung mit dem Rohstoff Holz durch eine langfristig geplante Bewirtschaftung der Wälder sichergestellt werden soll und die Verwertung des Rohstoffs so geplant wird, dass der Rohstoff auch zukünftigen Generationen zur Verfügung steht.
Für die Minimierung der Folgen des Klimawandels nimmt Holz als Baumaterial eine wichtige Rolle ein. Nachhaltig genutzte Wirtschaftswälder, in denen ebenso viel Holz entnommen wird, wie nachwächst, sind natürliche CO2-Speicher, da der Baum den der Atmosphäre entzogenen Kohlenstoff im Holz einlagert. Der Rohstoff Holz könnte daher bei langfristiger Verwendung, insbesondere durch eine Kaskadennutzung, einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Gesellschaft leisten. Real wird Stammholz allerdings energieintensiv global gehandelt. Beispielsweise sind Transporte mitteleuropäischer Baumarten wie Buche oder Esche nach China bzw. Vietnam Teil des globalen Handelsgeschehens. Gleichzeitig sind die Holzproduktlebenszeiten weltweit insgesamt viel zu kurz, um die Speichermöglichkeiten des Holzes auszuschöpfen. Auch die Verbrennung von Holz als Energieträger, beispielsweise beim Co-Firing, ist oftmals nicht mit einer nachhaltigen Ressourcennutzung vereinbar. In vielen Fällen wäre es daher aus Sicht der Kohlenstoffspeicherung effektiver, das Holz im Wald als Totholz zu belassen. Die politische Steuerung fokussiert allerdings eher einen stärkeren Einschlag bestehender Holzvorräte, ohne dabei die Regionalisierung des Holzhandels, die Verlängerung der Produktlebenszyklen oder die ineffiziente Verbrennung von Holz zu adressieren.
Das weltweite Ziel der nachhaltigen Holznutzung ist insbesondere durch unterschiedliche menschliche Aktivitäten in den Regen- und Urwäldern gefährdet. Zu den Gründen für die Gefährdung der tropischen Regenwälder gehört, neben dem legalen und illegalen Holzschlag, auch die Rodung mit gelegten Waldbränden für landwirtschaftliche Zwecke. Weltweit gesehen werden circa 56 % der gesamten Rohholzproduktion als Brennholz verwendet, was vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern zu einer Übernutzung oder Zerstörung von Waldflächen führt. In einigen Entwicklungsländern werden sogar bis zu 80 % des Holzertrages als Brennholz genutzt. Vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern wird daher oft keine nachhaltige Holznutzung betrieben. Gründe dafür sind schlechte politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, fehlendes Wissen, Korruption, die steigende Weltbevölkerung und die Armut.
Maßnahmen zur Erhaltung der Regen- und Urwälder sind die Errichtung und Erhalt von Schutzgebieten, wobei diese oft durch die politische und wirtschaftliche Instabilität gefährdet werden, die nachhaltige Waldbewirtschaftung und die Einführung von Zertifikaten und Labels für nachhaltige Waldbewirtschaftung. Zu den wichtigsten Zertifikaten und Labels gehören folgende Organisationen: