Bornstedt ist ein Stadtteil der Stadt Potsdam mit rund 16.000 Einwohnern. Er wird von der Pappelallee und dem Schlosspark Sanssouci im Süden, der Amundsenstraße im Westen und der Nedlitzer Straße im Norden und Osten begrenzt. Im Süden schließt sich die Jägervorstadt an, im Osten die Nauener Vorstadt, im Norden Nedlitz und im Westen Bornim.

Geschichte Das Dorf Bornstedt entstand wahrscheinlich in der Zeit 1160 bis 1200. Für den Namen „Bornstedt“ sind mehrere Quellen denkbar: „Boruta“ bezeichnet einen Waldgeist bzw. Fichtenwildnis in der slawischen Mythologie, „Bos“ bedeutet sandige Landschaft mit Birken, Ahorn, Fichten und Espen, Die Familie Bornstedt aus der Grafschaft Mansfeld siedelte im 12. Jahrhundert in die uckermärkische, vorpommersche Region und brachte ihren Namen ein.

Das Gutsgebiet des 1304 erstmals erwähnten Dorfes Bornstedt reichte von der heutigen Friedrich-Ebert-Straße im Osten bis zum Habichtweg im Westen, umfasste den Schragen, die Alexandrowka und den Kapellenberg. Nordgrenze war die noch heute so heißende Grenzallee. Südlich der Potsdamer Straße gehörten das Katharinenholz und Lindstedt, der Hopfenkrug und das Gelände um das Neue Palais und die halbe Kaiser-Friedrich-Straße dazu. Die Südgrenze war ein Graben am Fuße des Bornstedter Endmoränenbogens, auf dem Schloss Sanssouci, die Orangerie und das Belvedere stehen. Leicht verändert bildet dieser Graben heute die Südgrenze des Parks Sanssouci.

Somit befindet sich ein großer Teil der Potsdamer Parkanlagen auf Bornstedter Gebiet. Die Gemarkungsgrenzen haben sich allerdings mehrfach geändert. Heute gilt nur noch etwa ein Viertel des beschriebenen Gebiets als Gemarkung Bornstedt.

Der Große Kurfürst erwarb das Gut 1664, und König Friedrich Wilhelm I. überließ es dem Potsdamer Waisenhaus als Einnahmequelle. Die bewaldeten Stücke, der Marlygarten und die Weinberge blieben dem König vorbehalten. Im Gutshof wurde eine Brauerei eingerichtet.

Entstehung des Ruinenbergs miniatur|Normannischer Turm und Theaterwand

Friedrich II. legte ab 1744 auf Bornstedter Gebiet einen Weinberg an und ließ ein Schloss bauen, welches unter dem Namen Sanssouci bekannt wurde. Zuvor musste er sich mit dem Waisenhaus auseinandersetzen, das seine Rechte zu wahren wusste und gute Entschädigungen erwirkte.

1745 ließ Friedrich in dem Eichenwald auf dem späteren Ruinenberg, damals Hünenberg oder Höneberg, sowie in den anderen Restwaldstückchen auf dem Bornstedter Feld Rehe und Rebhühner aussetzen. 1746 entstand ein Plan, den Berg als barockes Wildgehege durchzugestalten. Der Acker zwischen Schloss und Berg blieb bestehen, von Fuß zum Gipfel des Berges wurde eine Allee gepflanzt. Weiter hinten auf dem Feld sind die Viereck- und die Fünfeckremise offenbar damals neu angelegt worden. Einige Jahre war Sanssouci also im Norden wie auch im Westen von barocken Jagdgehegen umgeben. Der König schoss hier bis 1748 Vögel.

Alsbald aber verdrängte die Gartenkunst die Jägerei. Der anfangs eingehegte Rehgarten wurde Park, und auch der Höneberg erhielt eine neue Aufgabe. Als nächste größere Erhebung musste er das Reservoir tragen, wenn Sanssouci durch Wasserkünste bereichert werden sollte. 1748 wurde das Reservoir begonnen und das Wild in die anderen Remisen umgesiedelt. Das Becken auf dem Berg erfüllte seinen eigentlichen Zweck wegen technischer Probleme jedoch zunächst nicht, und der König beschloss, es durch eine Ruinenarchitektur zu verzieren. Es wurden künstliche antike Ruinen errichtet, die dem Berg seinen heutigen Namen gaben.

Einrichtung des Exerzierplatzes

Die Aufrüstung der Armee erforderte größere Exerzierflächen besonders für die Kavallerie. Vermutlich um 1750 bestimmte der König das Bornstedter Feld zum Truppenübungsplatz. Sowohl das königliche Amt als auch die Kossäten als Amtsuntertanen mussten dulden, dass der im Rahmen der Dreifelderwirtschaft jeweils ungenutzte Teil des Ackers zum Exerzieren diente. Dies galt für das gesamte Gemeindegebiet und nicht nur für den heute unter dem Namen „Bornstedter Feld“ geläufigen Teil.

Unter den Nachfolgern Friedrichs II. zog sich das Militär weiter von Sanssouci zurück. Eine Karte von 1824 gibt an, dass das Mühlenfeld südlich des Ruinenbergs von den Übungen befreit war. Nach der Bauernbefreiung, die 1831 abgeschlossen war, lastete die militärische Nutzung lediglich auf den Amtsäckern und nicht mehr auf den privaten. Friedrich Wilhelm IV. zog nördlich des Ruinenbergs eine gerade Linie von West nach Ost, um Landwirtschaft und Exerzierplatz zu trennen. Hinter dem Ruinenberg verlief seit alten Zeiten ein kurviger Feldweg. Die neue Straße von der Jägerallee nach Bornstedt wurde (wohl 1841/42) schnurgerade gebaut und mit kanadischen Pappeln bepflanzt. Seitdem heißt sie Pappelallee.

Bornstedt als Paradebeispiel der Landesverschönerung Friedrich Wilhelm IV. förderte seit seinem Regierungsantritt 1840 die Landesverschönerung und Gartenkunst. Bornstedt war hierbei von besonderem Interesse, weil es in unmittelbarer Nähe seiner Sommerresidenz Sanssouci lag. Die Verschönerung der Bornstedter Umgebung stand am Anfang der Verschönerungsarbeiten Friedrich Wilhelms IV. Es war wohl Peter Joseph Lenné, der vorschlug, „in Hinsicht auf die Schönheit“ die seit 1838 geplante Chausseeanbindung nach Hamburg von der Trasse der bisherigen Landstraße am Westhang des Ruinenberges an den Bornstedter See zu verlegen und jenseits von Bornim einige Begradigungen vorzunehmen. 1842 wurde die Chaussee bis zum Heineberg ausgeführt. Sie verlief in kühnem Schwung am Bornstedter Seeufer (die heutige B 273), um dessen malerisches Potential zu erschließen.

Am Nordhang des Ruinenberges befanden sich drei Schießstände des 1. Garde-Ulanen-Regiments. 1841 wurden diese Schießstände aufgegeben und ins Katharinenholz verlegt. Um freie Hand für die Umgestaltungen zu haben, erwarb der König das Gut Bornstedt zurück und gliederte es dem Kronfideikommiss ein. Vom Forstfiskus kaufte er den Ruinenberg hinzu. Damit war der König Eigentümer der meisten wichtigen Ländereien nördlich von Sanssouci, vom Bornstedter See bis zur Alexandrowka, von Schloss Sanssouci bis zum Nedlitzer Holz. Nur zwischen Bornstedt und Bornim gab es noch Kossätenäcker.

1842 wurde Bornstedt Gegenstand eines landwirtschaftlichen Großversuchs des Königs. Die Ackerflächen zwischen Ruinenberg und Bornstedter See wurden mit Hecken eingefasst, wie er es auf Reisen gesehen hatte. Neben dem „nie geahnten landschaftlichen Reiz“ rechnete er mit dem Verdunstungsschutz, den die Hecken gewährten.

Zu den von Lenné geplanten Neuanlagen gehörten weiter ein landschaftlich gestalteter Weg von Schloss Sanssouci in den Neuen Garten, der „Königsweg“ getauft wurde (jetzt „Voltaireweg“) sowie ein Abzweig zum Bornstedter Feld, der spätere Ulanen- oder Lazarett-, dann Brandhorstweg, jetzt Schlegelstraße.

Zum Schluss wurde der Ruinenberg als Landschaftspark gestaltet, und 1845 baute Ferdinand von Arnim nach Entwürfen von Ludwig Persius einen Wartturm im normannischen Stil. Seine Hauptaufgabe war es, Aussichten zu ermöglichen. Auch das Bornimer Amtsgehöft war zu sehen. Diese Sichtachse ist jetzt durch ein Technologiezentrum verbaut. Der Turm war zugleich Zielpunkt der neubepflanzten Chaussee von Bornim und des Bornstedter Kirchenschiffs. Der Weg von Bornstedt nach Nedlitz (heute Kirschallee) wurde 1842 von Lenné auf der Ostseite mit einer Hecke und eine Lindenreihe bepflanzt.

Der Raubfang Der bewaldete Hügel namens Raubfang wurde 1844 mit Spazierwegen erschlossen und als Aussichtsberg gestaltet. Fünf Wege führten zu einem Aussichtsrondell. Man konnte besonders gut zum Pfingstberg und nach Bornim blicken. Am nördlichen Ausgang des Raubfangs begann die Lindenallee zum Amtsgehöft, die hinter demselben weiter bis nach Marquardt führt. Parallel zur Chaussee wurde ein Parkstreifen mit einem Spazierweg angelegt, der vom heutigen Habichtsweg zum Raubfang führte und Parkstraße genannt wurde. Unter Leitung Lennés entstand durch dieses Maßnahmenbündel in Bornstedt ein „neuer Park oder das Bornstädter Feld“, wie ein zeitgenössischer Führer schreibt.

Aufschwung der Baukultur im 19. Jahrhundert mini|Gut und Kirche Bornstedt um 1850 mit Ruinenberg im Hintergrund mini|Säulenarkade und Glockenturm am Bornstedter Friedhof mini|Krongut Bornstedt (2008)

Bornstedt bestand bis Mitte des 19. Jahrhunderts aus ärmlichen Fachwerkhäusern mit Strohdächern. Auf der Südseite der Chaussee entstand 1843 als Dorferweiterung die Kolonie Neu-Bornstedt. Es waren niedrige Kossätenhäuser, denen jeweils ein Morgen Land zugeordnet war. Die Siedler nutzen das Land vorwiegend zum Obstbau. 1843 verpflichtete der König den Tischlermeister Heinrich Rietz sein Haus (heute Ribbeckstraße 22) nach einem italianisierenden Entwurf mit Turm von Ludwig Persius zu erbauen und gewährte ihm hierzu einen Zuschuss von 600 Talern. Rietz musste sich verpflichten, „keinerlei aeußere bauliche oder sonstige Einrichtung oder Anlagen ohne Genehmigung Sr. Majestät des Königs vorzunehmen.“ Diese Erklärung wurde im Hypothekenbuch eingetragen und galt auch für nachfolgende Eigentümer. Das aus Klinkern erbaute Wohnhaus erhielt einen Turm und war mit dem Werkstattgebäude durch eine weinberankte Pergola verbunden. Dies war der erste italianisierende Bau in Bornstedt.

1844 besprach der König mit Persius den Umbau sämtlicher Bauernhäuser in Bornstedt, verzichtete aber darauf, als er von den Kosten erfuhr. Jedoch ließ er alle Bauvorhaben in Bornstedt durch Ludwig Ferdinand Hesse, später Ferdinand von Arnim, begutachten.

1846–48 wurden die Gebäude des Krongut Bornstedt italienisch umgestaltet, 1851 wurde mit der Neuen Orangerie begonnen, die sich im Bornstedter See spiegelt. 1855/56 schließlich ließ der König die Dorfkirche italienisch umbauen. Vor der Kirche entstand eine von Arkaden begrenzte Terrasse für die Aussicht über den See zum Ruinenberg. Das baufällige alte Küster- und Schulhaus, das der Kirche genau gegenüberstand, wurde auf Wunsch des Königs 1855 abgerissen und weiter südlich daneben ein neues gebaut, damit die Sicht frei war. Selbstverständlich erhielt auch dieses ein italienisches Gewand (von Hesse) und einen kleinen Turm. Hier ging der spätere Wilhelm II. zur Schule. Nach dem Tode Friedrich Wilhelms IV. wurde das Italianisieren unmodern, wenngleich es sich in Potsdam besonders lange hielt. In Bornstedt fühlte sich noch der Architekt Emil Kopp dem königlichen Vorbild verpflichtet, als er 1872 eine Villa unterhalb der Orangerie baute (Ribbeckstraße 51), die später mit einem Turm versehen wurde. Nur noch vage italianisierend ist die Villa des Kaufmanns Heydemann (Ribbeckstraße 2) von 1873, deren turmartige Südseite sich aufdringlich zwischen Orangerie und Krongut schiebt. Das Pfarrhaus von 1870 passte sich nur noch in Material und Dachneigung dem italienischen Stil an. Gegenüber entstand 1912 das Feodora-Kinderheim. Die Nedlitzer Straße zwischen den beiden Gebäuden wurde erst 1938 geschlossen und in den Schulplatz einbezogen. Die späteren privaten Neubauten in der Dorfstraße lösten sich ganz von solchen Vorgaben. Ein letztes Mal erinnerte sich Kaiser Wilhelm an den Stil seines Bruders, als 1887 am Anfang des Königswegs auf königlichem Grund ein Steuerhaus zur Einnahme von Wegezöllen errichtet werden sollte. Dieses Häuschen, das den Blick von der Chaussee und vom Aussichtsweg auf sich zieht, wurde – gänzlich anachronistisch – in der Art von Persius mit Turm und Rundbogenfenstern erbaut.

1876 ließ der Regimentsschneidermeister Albert Burde in der Potsdamer Straße das erste größere Mietshaus bauen. Damit begann Bornstedts bescheidene Gründerzeit. Die Bevölkerung blieb aber vorwiegend aus Kleinbauern, Handwerkern und Arbeitern zusammengesetzt.

Bornstedt als Wohnsitz des Kronprinzenpaares