Kreidler’s Metall- und Drahtwerke G.m.b.H. Fahrzeugbau Kornwestheim bei Stuttgart war ein deutscher Hersteller von Mopeds, Mofas, Mokicks, Klein- und Leichtkrafträdern von 50 bis 80 cm³ Hubraum. Das Unternehmen wurde 1903 gegründet und stellte ursprünglich Metallprodukte her.

Mit dem Modell K 50 brachte Kreidler 1951 das erste 50-cm³-Hubraum-Moped auf den Markt. Das Unternehmen wurde 1982 nach Konkurs geschlossen.

Die Marke Kreidler gehört heute dem Zweiradhersteller Cycle Union GmbH, einem Unternehmen der Prophete-Gruppe, der unter dem Herstellernamen Kreidler Fahrräder, Motorroller, Klein- und Leichtkrafträder in Zweirad-Fachgeschäften vertreibt. Die Produktion aller Baureihen mit Verbrennungsmotor wurde 2017 eingestellt.

Zum 1. Januar 2026 waren in Deutschland noch 9238 Kreidler-Krafträder zum Straßenverkehr zugelassen, was einem Anteil von 0,2 Prozent entspricht.

Unternehmensgeschichte mini|Firmengründer Anton Kreidler um 1925

Stuttgarter Telegraphendraht- und Kabelfabrik A. Kreidler Der Firmengründer Anton Kreidler wurde am 19. Mai 1863 in der Hauptstätter Straße in Stuttgart geboren. Er besuchte die Höhere Handelsschule und erlernte den Beruf eines Handlungsgehilfen in einem Juweliergeschäft in Genf. 1883 wurde er bereits Prokurist und Teilhaber der Textilmaschinenfabrik Heidelmann in Stuttgart. 1888 machte er sich selbständig. Er kaufte sich eine Drahtumspinnmaschine, die er im Gästezimmer seiner Eltern in Stuttgart aufstellte. 1889 gründete er die Stuttgarter Telegraphendraht- und Kabelfabrik A. Kreidler in der Böblinger Straße 52 in HeslachGabriele Kreuzberger: Fabrikbauten in Stuttgart. Ihre Entwicklung von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg, S. 270–278, Klett-Cotta, Stuttgart 1993 und stellte Kabel für den Telegraphenverkehr her. Mit diesem Produkt war er sehr erfolgreich. Schon 1891 erhielt er auf einer elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt eine Goldmedaille. Es gelang ihm bereits, Drähte mit einem Durchmesser von nur 0,025 Millimeter mit Seide umsponnen herzustellen. Im Jahre 1899 vereinigte er sein Unternehmen mit der Süddeutschen Kabelwerke AG in Mannheim.Otto Heuschele: Anton Kreidler zum 100. Geburtstag am 19. Mai 1963, Festschrift, Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg Die Außenfassaden beider Gebäude in Stuttgart-Heslach blieben auch nach der Umwidmung zu Wohnzwecken Ende der 1980er-Jahre nahezu originalgetreu erhalten.Gabriele Kreuzberger, Fabrikbauten in Stuttgart, 1993, S. 274–275.

Kreidler’s Metall- und Drahtwerke G.m.b.H. 1903 gründete er Kreidler’s Metall- und Drahtwerke G.m.b.H. in der Mörikestr. 3 in Stuttgart und stellte vor allem Kupferseile für Überland-Elektroleitungen her. 1904 wurde das Unternehmen nach Stuttgart-Zuffenhausen verlegt. Die Produktpalette weitete er ständig aus. 1908 kamen Kupferbleche und Messingstangen und 1912 bereits Freileitungsseile aus Aluminium dazu.

1924 nahm er seinen Sohn Alfred Kreidler (* 2. September 1897, † 1980) in das Unternehmen auf. Alfred Kreidler hatte in den frühen 1920er Jahren nach Abschluss seines Studiums an der Technischen Hochschule Stuttgart konstruktive Erfahrungen in Berlin gesammelt, unter anderem in der Autoindustrie. Einer persönlichen Neigung folgend, konstruierte, baute und verkaufte er damals auch schnelle Motorräder. Es waren 350-cm³-Maschinen mit stoßstangengesteuertem Motor und einer Leistung von immerhin schon 12 PS. Auf dem Tank stand der Markenname »Pan«.

Expansion und weitere Geschäftsfelder mini|Kreidler K 50 Als Anton Kreidler am 28. Juni 1942 in Stuttgart starb, übernahm Alfred Kreidler die Unternehmensleitung. 1949 begann er mit der Entwicklung von Krafträdern unter der Marke Kreidler. Die erste Kreidler war 1951 ein ungedrosseltes Motorfahrrad mit einem 50-cm³-Motor und einer Leistung von 2,2 PS, Typenbezeichnung K 50.

Alfred Kreidler baute das Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg systematisch aus. Die Kreidler-Werke wuchsen auf insgesamt 32 Firmen an, darunter Beteiligungsgesellschaften, Betriebsgesellschaften und kleine Banken in der Schweiz.Unternehmer: Nichts ohne mich, Spiegel Nr. 11, 1981, S. 102ff. Zum Beteiligungsbesitz gehörte seit 1963 auch Deutschlands größte Uhrenfabrik, die Uhrenfabrik Kienzle in Villingen-Schwenningen, an der Kreidler zusammen mit Oerlikon-Bührle zu 80 % beteiligt war. Kienzle machte damals einen Umsatz von 48 Mio. DM mit 2.600 Arbeitnehmern. 1966 besaß Kreidler nahezu 100 % von Kienzle.

1964 wurde das Unternehmen in die Kreidler-Werke GmbH umgewandelt. Im Jahre 1969 war Kreidler ein Konzern, der rund 5.500 Arbeitnehmer beschäftigte.

Der erste Konkurs Noch unter dem alternden Alfred Kreidler begann in den 1970er Jahren der Niedergang der Kreidler-Werke GmbH & Co. KG. Aufgrund seiner Sparsamkeit wurden Investitionen eher vermieden und stattdessen alte Maschinen und Vorrichtungen repariert, wann immer es ging. Vermutlich verloren sie vor allem dadurch in ihrem Kerngeschäft an Wettbewerbsfähigkeit.

Im Januar 1981 meldete Kreidler-Werke GmbH beim Amtsgericht Stuttgart Bad Cannstatt ein Konkursverfahren an. Konkursverwalter wurde der Stuttgarter Rechtsanwalt Karl Scherbaum. Er verkaufte die Fahrzeugsparte von Kreidler am 16. März 1981 an die Willner-Gruppe zu dem Kaufpreis von 27,6 Mio. DM. Für den Kaufpreis erbrachte die Willner-Gruppe lediglich einen Betrag von 5 Mio. DM, der restliche Betrag von 22,6 Mio. DM wurde durch Übernahme von Bankkrediten der Kreidler-Werke GmbH & Co. KG getilgt. Übernommen wurden alle 457 Mitarbeiter des Fahrzeugbereiches. Schon damals waren ausländische Arbeitskräfte unverzichtbar. Unter den 310 gewerblichen Arbeitnehmern waren 188 ausländische Arbeitnehmer vertreten. Bei den Angestellten waren sechs von 147 Ausländer.Reichen 10.000 Mofas als Kreditsicherheit? Kornwestheimer Zeitung vom 29. Januar 1982

Die Willner-Gruppe führte das Unternehmen unter der neu gegründeten Kreidler Fahrzeuge GmbH & Co. KG mit Sitz in Kornwestheim weiter. Die Produktion sollte von den alten Kreidler-Werken in Stuttgart-Zuffenhausen nach Kornwestheim verlagert werden. Dazu kam es jedoch nur noch zum ganz geringen Teil, da die finanziellen Mittel für die Neuorganisation des Betriebes in Kornwestheim fehlten.

Der zweite Konkurs Bereits im Januar 1982 berichtete die Presse über finanzielle Schwierigkeiten der Kreidler Fahrzeuge GmbH & Co. KG. Im Januar 1982 kam es zu massiven Zahlungsschwierigkeiten. Die Krankenkassenbeiträge bei der örtlichen Ortskrankenkasse waren zwei Monate rückständig und Lieferanten wurden nicht mehr bezahlt. Die Arbeitnehmer von Kreidler sperrten die Werkstore, um den Ausgang von Waren zu verhindern.Erneut Konkursgefahr bei Kreidler, Belegschaft sperrt im Werk Kornwestheim die Tore ab - hohe Außenstände bei der AOK, Stuttgarter Zeitung vom 27. Januar 1982 Die Willner-Brüder versuchten, Finanzhilfen vom Land Baden-Württemberg zu erhalten. Sie waren der Meinung, dass mit dem in Kornwestheim erworbenen Grundstück ausreichende Sicherheiten geboten werden könnten. Sie gaben den Verkehrswert des Grundstückes auf der Grundlage eines Schätz-Gutachtens mit 33 Mio. DM an.Kreidler-Motorräder sollen wieder auf Touren kommen, Kornwestheimer Zeitung vom 29. Januar 1982 Verhandelt wurde über eine Kreditaufnahme von 12 Mio. DM.Kreidler sucht nach Landeshilfe, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 29. Januar 1982 Die Kreditaufnahme scheiterte, weil die Gebrüder Willner nicht in der Lage waren, das restliche Kapital in Höhe von 5 Mio. DM für die Kreidler Fahrzeuge GmbH & Co. KG einzuzahlen und weil sie es ablehnten, für den weiteren Kredit private Sicherheiten einzuräumen.Chancen für die Rettung von Kreidler sind gering, Stuttgarter Nachrichten vom 3. Februar 1982

Am 1. Februar 1982 stellte die Geschäftsführung beim Amtsgericht Ludwigsburg Antrag auf Eröffnung des gerichtlichen Vergleichsverfahrens zur Abwendung des Konkurses. Zum vorläufigen Vergleichsverwalter bestellte das Gericht den Stuttgarter Rechtsanwalt Volker Grub.Kreidler stellt Vergleichsantrag, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 2. Februar 1982 Am 12. März 1982 wurde das Anschlusskonkursverfahren eröffnet, weil für eine Unternehmensfortführung kein Geld mehr vorhanden war. Grub wurde auch zum Konkursverwalter bestellt. Weil ihm jegliche finanziellen Mittel für eine Unternehmensfortführung fehlten, kündigte er an, das Unternehmen zum 31. März 1982 stillzulegen.Anschlusskonkurs für Kreidler, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. März 1982

Die Willner-Gruppe versuchte, aus der schwierigen Lage zu entkommen und erklärte im März, den Kaufvertrag über den Kauf von Kreidler aus dem ersten Konkursverfahren wegen arglistiger Täuschung anzufechten. Grub wies diese Vorwürfe zurück mit dem Hinweis, Konkursverwalter Karl Scherbaum habe damals die gesamten Unterlagen der Produktion offengelegt.Vergleichsverwalter: “Vorwürfe der Brüder Willner dummes Geschwätz”, Handelsblatt vom 15. März 1982 Die Willner-Gruppe reichte keine Klage ein.

Ende des Unternehmens Die Betriebs- und Geschäftsausstattung sowie Teile des Fahrzeugbestandes wurden von dem Hamburger Auktionator Angermann versteigert. Die Bestände an Fahrzeugen wurden überwiegend an Händler, zum Teil mit Rabatten, veräußert. Den Ersatzteildienst führte der Insolvenzverwalter mit sechs Mitarbeitern noch bis zum Jahr 1985 fort und mietete sich dafür noch im Jahr 1982 bei der Maschinenfabrik G.W. Barth in Ludwigsburg ein. Der jährliche Umsatz mit Fahrzeugersatzteilen belief sich noch immer auf 3 Mio. DM im Jahr. 1986 übernahmen die Kreidler Mitarbeiter Gekeler und Weller von Grub den Ersatzteildienst unter der Firma Gekeler & Weller Fahrzeugteile GmbH mit Sitz in Ludwigsburg.

Das Industriegelände in Kornwestheim verkaufte Grub am 10. März 1983 an die Stadt Kornwestheim zu einem Kaufpreis von 14 Mio. DM. Im November 1988 schloss Grub das Konkursverfahren mit einer Zahlungsquote von 71 % ab. Die gesicherten Bankverbindlichkeiten von 20,1 Mio. DM, die Eigentumsvorbehaltsansprüche der Lieferanten mit 1,15 Mio. DM und die bevorrechtigten Ansprüche der Arbeitnehmer mit 6,2 Mio. DM waren bereits zuvor in vollem Umfang ausbezahlt worden.

Die letzte Neuentwicklung, ein Leichtkraftrad mit 80-cm³ Hubraum, liegendem Zylinder und Target Design, kam nicht mehr auf den Markt, nachdem die Produktion eingestellt worden war.Andy Schwietzer: Kreidler? Ach, schluchz! Artikel in der Welt

Fortbestand der Marke Die Marke Kreidler existiert in Form der Kreidler-Zweiradgesellschaft weiter. Zunächst wurden Garelli-Mofas – mit Tanks des Kreidler-Mofas Flory – unter dem Namen Kreidler verkauft. 1986 begann die Herstellung von Kreidler-Fahrrädern und 1996 wurde die Produktion von motorisierten Zweirädern wieder aufgenommen. Der Anteil der Eigenentwicklung an diesen Fahrzeugen ist gering; sie beschränkt sich auf die Zusammenstellung bewährter Komponenten asiatischer Hersteller. Kreidler wurde in den 1990er-Jahren vom Fahrradhersteller Prophete übernommen.

Seit 1987 vertreibt der Niederländer John Bos Kreidler-Ersatzteile sowie restaurierte Floretts. Er erwarb die notwendigen Produktionsmaschinen nach dem Konkurs. Die Produktion begann zuerst in Eindewege, Zeeland, dieser Standort erwies sich jedoch schnell als zu klein. Seit 2003 liefert Bos Ersatzteile aus Barrô (Agueda), Portugal, wo er ein beeindruckendes Fabrikgebäude baute. Der Markenname KREIDLER sowie das Firmenlogo prangen in großen roten Buchstaben an der Fassade."John Bos Story" https://www.kreidleroriginal.com/de/content/12-john-bos-story

Modelle mini|Kreidler Florett RS mini|Kreidler Mofa MF 2 CL, 1973 Kreidler stellte bis in die 1980er-Jahre Mopeds, Mofas, Mokicks, Klein- und Leichtkrafträder von 50 bis 80 cm³ Hubraum her.