Rennersdorf/O.L. (O.L. = Oberlausitz) ist mit etwa 500 Einwohnern seit 1. Januar 2013 ein Ortsteil der sächsischen Stadt Herrnhut in der östlichen Oberlausitz im Landkreis Görlitz. Er besteht aus den Gemarkungen Ober- und Nieder-Rennersdorf.
Geographie Rennersdorf liegt östlich von Berthelsdorf und Herrnhut am Oberlauf der Pließnitz, die auf Rennersdorfer Flur durch Vereinigung der Quellbäche Berthelsdorfer Wasser und Petersbach entsteht und in nordöstlicher Richtung nach Bernstadt auf dem Eigen fließt.
Südwestlich der Siedlungsfläche liegt das Hochwasserrückhaltebecken Rennersdorf, östlich der Kleine Nonnenwald. Heideberg und Eichler (332 m) als Bergkuppen begrenzen den Ort.
Geschichte Jahr Einwohner 1834Digitales Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen: Summen der Einwohnerzahlen der beiden Orte Niederrennersdorf und Oberrennersdorf. 962 1871 976 1890 849 1910 881 1925 942 1939 872 1946 1165 1950 1266 1964 1022 1990 756 1993 694 2020 504
Im Stadtbuch von Görlitz wird 1406 der Ort als Reinherstorf (= Dorf eines Reinher) erstmals erwähnt. Die Geschichte des Ortes ist aber bedeutend älter. So fand man im Jahre 1790 beim Urbarmachen an der Südseite des Eichlers zwei ineinander passende runde, in der Mitte durchlöcherte Steine, welche ausgegraben wurden und offenbar Opfertische waren. Funde von Scherben aus dem Jahre 1972 auf dem Heideberg in der Nähe einer frühmittelalterlichen Turmhügelburg belegen eine frühe Besiedlung des Pließnitztales.
Die Geschichte Rennersdorfs ist maßgeblich geprägt durch die grundherrschaftliche Entwicklung zweier Rittergüter. Bereits im Jahre 1480 lassen diese sich nachweisen. Die Kirche zu Rennersdorf hatte 1518 einen eigenen Amtsbezirk. Sie war der Heiligen Katharina geweiht.
Im Jahre 1661 teilte man den gesamten Ort in die Gemeindeverbände Oberrennersdorf und Niederrennersdorf. Erst im Jahre 1937 wurden beide Ortsteile wieder zur Gemeinde Rennersdorf/O.L. vereinigt.
Von 1893 bis 1945 war der Ort durch die Schmalspurbahn Herrnhut–Bernstadt an das reguläre Eisenbahnnetz angeschlossen. Die Strecke wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Reparationsleistung demontiert. Im Dorf gibt es heute nur noch wenige Gebäude in traditioneller Umgebindekonstruktion oder Fachwerk. Zu erwähnen sind noch die vier Mühlen, wobei die bekannteste und noch in Betrieb befindliche die Rittermühle am Eichler ist.
Im Frühjahr 1945 fiel das alte Niederrennersdorfer Schloss, dessen Ursprünge bis ins 14. Jahrhundert hineinreichten, einer Brandstiftung zum Opfer. Das Rittergut mit 131 ha wurde durch die Bodenreform enteignet und an Siedler aufgeteilt.
Das Oberrennersdorfer Schloss und Gut wurde 1937 an die Wehrmacht verkauft und gegen Kriegsende zur Unterbringung von über 1000 Häftlingen aus dem KZ-Außenlager Görlitz genutzt, von denen zwölf starben. An die elf auf dem Rennersdorfer Friedhof beigesetzten Opfer erinnert ein Gedenkstein aus dem Jahre 1950. Der zwölfte Tote wurde vermutlich auf dem Jüdischen Friedhof in Görlitz begraben.
Am 1. März 1994 wurde Rennersdorf nach Berthelsdorf eingemeindet, welches zum Anfang des Jahres 2000 Teil der Verwaltungsgemeinschaft Herrnhut wurde. Mit Wirkung zum 1. Januar 2013 erfolgte die Eingliederung beider Orte in die Stadt Herrnhut.
Heute gibt es Familienbetriebe im Haupterwerb, einen Gartenbaubetrieb und Dienstleister im Ort. Ebenso ist das Unternehmen Euroimmun mit einer Niederlassung im Ort ansässig.
Besitzer/Lehensmänner Niederrennersdorf Jahr Besitzer/Lehensmann bzw. -frau 1560 Melchior von Breitenbach 1562 Christoph von Gersdorff; Schwager des Vorherigen 1572 Siegmund von Schwanitz 1584 Joachim von Klüx 1587 Caspar von Klüx; Sohn des Vorherigen 1594 Caspar von Gersdorff 1619 Hans III. von Gersdorff; Sohn des Vorherigen 1641 Hans Jakob von Gersdorff; Sohn des Vorherigen 1641 Anna Margarethe (verheiratete von Nostitz) und Anna Sophia von Gersdorff, Töchter Hans III.fehlerhafter Weise wird in Walter von Boettichers 3. Band (S. 407) angegeben, sie seien Hans Jakobs Töchter gewesen. Seinem referenzierten 1. Band zufolge starb Hans Jakob von Gersdorff unverheiratet, wohingegen seine Schwestern das Gut erbten 1648 Anna Margarethe von Nostitz; die Vorherige. 1649 Wolf Abraham von Eberhardt 1673 Magnus Adolphus von Eberhardt; Bruder des Vorherigen 1686 Johann Nikol von Eberhardt; Vetter des Vorherigen 1718 Johann Christian Nesen 1727 Christiane Sophie, geborene von Noack; Witwe des Vorherigen vor 1759 Christian Siegfried Nesen; Neffe des vorherigen Johann Christian Nesen 1766 Christiane Friederike Nesen (verheiratete Mücke); Nichte des vorherigen Christian Siegfried Nesen 1793 Christian Siegfried Mücke, Sohn der Vorherigen
Oberrennersdorf Jahr Besitzer/Lehensmann bzw. -frau 1580 Joachim von Klüx 1587 Bernhard von Klüx; Sohn des Vorherigen vor 1617 Joachim, Rudolf und Hans Christoph von Klüx; wahrscheinlich Söhne des Vorherigen nach 1630 Joachim von Klüx; der Vorherige vor 1652 Hermann Hull 1652 Georg Rudolph von Gersdorff 1653 Joachim Bernhard von Gersdorff; Sohn des Vorherigen 1695 Peter Rudolph; Sohn des Vorherigen 1698 Bernhard, Hans Rudolph und Carl Gottlob von Gersdorff; Söhne des Vorherigen 1712 Bernhard von Gersdorff; der Vorherige 1729 Wolfgang Caspar Troppanegger; Pastor Primarius in Bernstadt 1732 Wolf Rudolph von Ziegler und Klipphausen 1742 Kloster Marienthal 1759 Sophia Christiane von Hennitz, geborene von Damnitz 1765 Henriette Benigna Justine Freifrau von Wattewille, geborene Gräfin von Zinzendorf und Pottendorf 1789 Elisabeth Freifrau von Wattewille; Schwester der Vorherigen 1807 Friedrich Rudolph Freiherr von Wattewille; Witwer der Vorherigen 1811 Charlotte Sophie Gräfin von Einsiedel 1844 Direktorin der evangelischen Brüderunität
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Rittermühle Oberrennersdorfer Gut Ev.-Luth.-Kirche
Sonstiges Rennersdorfer Meilenstein Tuchfabrik C.Wiedemann Nieder-Rennersdorf
Persönlichkeiten Alexander Eduard von Mücke (1815–1883), königlich-sächsischer Jurist Gustav Adolph Brösel (1825–1888), Pfarrer Martin Rade (1857–1940), evangelischer Theologe und Publizist Winfried Stöcker (* 1947), Mediziner, Wissenschaftler, Erfinder und Unternehmer
Literatur Frohberger: Kurze historisch topographische Beschreibung von Rennersdorf. In: Lausizische Monatsschrift. Görliz 1792, S. 290–297 (Online). (Digitalisat der SLUB Dresden, abgerufen am 15. September 2020) Felix Moeschler: Gutsherrlich-bäuerliche Verhältnisse in der Ober-Lausitz. Rekonstruktion der Dörfer Rennersdorf, Berthelsdorf und Groß-Hennersdorf bei Herrnhut i. S. Görlitz 1906, S. 1–42 Im Selbstverlag der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften in Görlitz gedruckt. (Digitalisat der SLUB Dresden, abgerufen am 2. Juli 2025)
Rennersdorf, Nieder- und Rennersdorf, Ober- in: Walter von Boetticher: Geschichte des Oberlausitzischen Adels und seiner Güter 1635-1815, Band 3. Oberlößnitz bei Dresden 1919, S. 407–409. Sächsische Oberlausitz. (Online)
Weblinks
Ortsteil Rennersdorf In: Webauftritt der Stadt Herrnhut.
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der Oberlausitz Kategorie:Ort im Landkreis Görlitz Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Görlitz) Kategorie:Geographie (Herrnhut) Kategorie:Ersterwähnung 1406 Kategorie:Gemeindeauflösung 1994