mini|hochkant=1.5|Das T-Gebäude auf dem Gelände des SS-Übungslagers Sachsenhausen, Sitz der Inspektion der Konzentrationslager ab 1938, welches sich neben dem eigentlichen KZ befand

Inspektion der Konzentrationslager (IKL) war der Name der zentralen SS-Verwaltungs- und Führungsbehörde für die nationalsozialistischen Konzentrationslager, die während des Zweiten Weltkrieges als „Amtsgruppe D“ in das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt (WVHA) integriert wurde.

Bevor die Inspektion in das WVHA eingegliedert wurde, trug sie nach Theodor Eickes Dienststellung innerhalb der SS-Totenkopfverbände die Bezeichnung einer „Generalinspektion der Verstärkten SS-Totenkopfstandarten“.

Eicke als Inspekteur aller Konzentrationslager mini|Sitz des Geheimen Staatspolizeiamtes in der Prinz-Albrecht-Straße in Berlin (Aufn. 1933)

Bei der Ermordung der SA-Führungsspitze um Ernst Röhm wurde auch der damalige SS-Sturmbann „Dachau“ des gleichnamigen KZs aktiv eingesetzt. Im Zuge der sogenannten „Röhm-Affäre“ hatte der Lagerkommandant, SS-Oberführer Theodor Eicke, auf Anweisung Hitlers Röhm persönlich am 1. Juli erschossen.Zdenek Zofka: , Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit in Bayern, Aufruf vom 2. Februar 2007. Eicke, dessen Organisationsformen im Konzentrationslager Dachau für alle späteren KZ Modell standen, beanspruchte für sich seit Mai 1934 eigenmächtig den Titel eines Inspekteur der Konzentrationslager und der SS-Wachverbände und führte persönlich im KZ Dachau eine gleichnamige Dienststelle für sich und seinen persönlichen Stab ein.

Die parteiinterne Polizeifunktion der SS wurde am 20. Juli 1934 aus der Unterstellung unter die SA gelöst. Himmler ernannte Eicke im selben Jahr auch offiziell zum Inspekteur der Konzentrationslager und gleichzeitig zum Führer der SS-Wachverbände. Eicke wurden nun alle SS-Wacheinheiten der Allgemeinen SS und der Politischen Bereitschaften unterstellt, sofern diese mit der Bewachung eines KZs beauftragt waren. Des Weiteren wurde die IKL als Dienststelle für Eicke eingerichtet, die diesen und seinen persönlichen Stab übernahm. Am 10. Dezember 1934 bezog die IKL ihre Diensträume in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße 8. Dort befand sich auch das Geheime Staatspolizeiamt (Gestapo) und die IKL wurde diesem untergeordnet. Zu den Gebäuden vergleiche die Informationen zur Topographie des Terrors.

Der Leiter der IKL – zunächst Eicke – unterstand damit einerseits als SS-Angehöriger dem SS-Amt (ab 1935 SS-Hauptamt) und war andererseits über die Unterstellung unter die Gestapo Himmler als Polizeichef direkt zugeordnet. Diese Form der doppelten Unterstellung war charakteristisch für viele SS-Stellen und schuf für ihre Angehörigen Frei- und Interpretationsspielräume. Besonders Eicke wusste dieses System für seine eigenen Ziele zu nutzen und trug damit wesentlich dazu bei, dass die IKL faktisch die alleinige Verfügungsgewalt über alle KZ-Häftlinge hatte.

Die Inspektion von 1935 bis 1945 Bis zum Kriegsbeginn blieb die Inspektion der Konzentrationslager eine kleine Behörde. Ende 1935 waren 11 Mitarbeiter dort beschäftigt, bis Ende 1936 wuchs die Zahl auf 32. Am Ende des Jahres 1938 arbeiteten 45 Personen bei der Stelle. 1944 beschäftigte die Nachfolgeinstitution der IKL, die Amtsgruppe D im WVHA, 20 SS-Führer und etwa 80 SS-Männer. Die Mitarbeiter hatten einen relativ weitgefassten Handlungs- und Entscheidungsspielraum. Ab 1934 entstanden verschiedene Abteilungen der IKL, dabei die politische Abteilung (ab 1937 unter Arthur Liebehenschel), die Verwaltungsabteilung (ab 1936 geleitet von Anton Kaindl) und für die medizinische Versorgung der „Leitende Arzt“ (zunächst Friedrich Dermietzel, ab 1937 Karl Genzken). Wichtigster Mitarbeiter Eickes war ab 1936 Richard Glücks als Stabsführer. Dieser wurde am 1. April 1936 von Eicke als Stabsführer des Inspekteurs der Wachverbände zur IKL geholt und stieg bald zu seinem Stellvertreter auf.

Im August 1938 bezog die Inspektion, die vorher in Berlin war, in Oranienburg ein großes Stabsgebäude am südlichen Rand des KZ Sachsenhausen, das wegen seiner charakteristischen dreiflügeligen Form auch „T-Gebäude“ genannt wurde.

Am Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Eicke als Kommandeur der SS-Totenkopf-Standarten an die Front abkommandiert. Mit seinen Verbänden verübte er in der Sowjetunion und Frankreich vielfach Massenmorde. Bei der Zurückeroberung Charkows kam Eicke am 26. Februar 1943 zu Tode.

Am 18. November 1939 wurde Glücks, rückwirkend zum 15. November 1939, zum Inspekteur der Konzentrationslager ernannt. Im Vergleich zu seinem Vorgänger blieb die Politik Glücks weitgehend unauffällig, da die wesentlichen Organisationsstrukturen bereits unter Eicke gefestigt worden waren. Glücks blieb bis Kriegsende Inspekteur der Konzentrationslager.

Zum Jahresende 1941 / Anfang 1942 kam es kriegsbedingt zu einem Funktionswandel der Konzentrationslager: die Häftlinge sollten verstärkt zur Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie eingesetzt werden. Daraus resultierte schließlich die Unterstellung der IKL als Amtsgruppe D unter das SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (WVHA). Dessen Leiter Oswald Pohl hatte bereits seit Errichtung des KZ-Systems versucht, Einfluss auf die Verwaltung der Konzentrationslager zu erlangen. Dies gelang ihm teilweise dadurch, dass alle SS-Angehörigen der KZ dem KZ-Kommandanten zwar disziplinarisch, nicht jedoch fachlich unterstellt waren. Die fachlichen Weisungen empfingen die Abteilungsleiter der Konzentrationslager von der jeweils übergeordneten Stelle in der IKL (später Amtsgr. D). Dies entspricht ebenfalls der SS-Praxis der Doppelunterstellungen.

In einer leitenden Funktion von DIII genannt wird in späterer Zeit Ludwig Blies.Blies: Hauptsturmführer zunächst (Februar - März 1940) SS-Truppenarzt im KZ Buchenwald und im KZ Dachau, geb. 1892 in Langenschwalbach, Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität München 1915/16, 1916/17 als Soldat von dort beurlaubt; zum Arzt promoviert in Gießen 1929, nach dem Krieg unentdeckt als Arzt in Offenbach am Main tätig, Sterbedatum unbekannt. Siehe Yves Ternon, Socrate Helman: Histoire de la médecine SS. Casterman, Paris 1969, S. 212 (hier Falschschreibungen "Bliess" und "d(épartement) 14" statt DIII, da auf handschriftl. Unterlagen fußend). In dieser Funktion sind von ihm amtliche Schreiben überliefert: Aus: Buchenwald-Report. Von März bis Mai 1945 war Blies, SS-Oberführer seit dem 1. September 1944 , als Arzt beim Korpsstab "III.(germ.) SS-Panzer-Korps" unter Felix Steiner. 1944 war er Stellvertreter von Oskar Hock. NSDAP-Mitgliedsnr. 1.662.092; SS-Nr. 78.004

Die IKL besaß fast die alleinige Verfügungsgewalt über die KZ-Häftlinge. Die Einweisung und Entlassung von Gefangenen wurde dagegen durch die Gestapo (bzw. später durch das Reichssicherheitshauptamt) vorgenommen. Über alle lagerinternen Angelegenheiten entschied dagegen Eickes Behörde. Sie war auch über die systematischen Mordaktionen in anderen SS-Bereichen (vor allem Ermordung der sowjetischen Kommissare und anderer Kriegsgefangenen – Durchführung des Kommissarbefehls, Genickschussanlagen in KZ bzw. Aktion 14f13) informiert und koordinierte diese auch. Mit den KZ Auschwitz-Birkenau und Majdanek unterstanden der IKL auch zwei Konzentrationslager, die im Rahmen der „Endlösung der Judenfrage“ speziell als Vernichtungslager gebaut und verwendet wurden.

Hierarchie der SS innerhalb eines Lagers Abteilungen, Zuständigkeiten Innerhalb der IKL bildete sich die zentrale (politische) Abteilung als wichtigste Unterabteilung heraus, die das Leben der Häftlinge in jedem Lager wesentlich bestimmte.

Unter der Ägide Eickes wurden alle neuen Konzentrationslager nach dem Dachauer Modell strukturiert. Prinzipiell bedeutete das die Trennung der SS-Mannschaften in Angehörige der Wachtruppe oder der Kommandanturabteilungen. Innerhalb der Kommandantur wurden jeweils die gleichen Abteilungen gebildet. Damit bildete sich im Kern auch die immer gleiche Struktur des Führungspersonals in einem KZ aus: Kommandant / Adjutant (der K. war zugleich Vorgesetzter der Wachmannschaften) Schutzhaftlagerführer (in vielen Lagern zugleich Adjutant) Verwaltungsführer Beamter der Sicherheitspolizei (Gestapo oder Kripo) in der politischen Abteilung Standortarzt Totenkopfwachsturmbann (Wachmannschaft, z. T. um Hilfstruppen verstärkt)

Auch aufgrund der Personalpolitik der IKL-Chefs, die sich im Wesentlichen auf persönliche Beziehungen und Kameraderie gründete, gab es während der gesamten Zeit des Nationalsozialismus nur eine kleine Elite von KZ-Führungspersonal. Im Gegensatz zu den Wachmannschaften wurden diese „Experten“ i. d. R. nicht zum Frontdienst herangezogen.

Aufgaben des Schutzhaftlagerführers Die Aufgaben des Schutzhaftlagerführers und seines Adjutanten: der „Betrieb“ des Lagers im Sinne aller Befehle zur inneren Ordnung, Tagesablauf, Appelle etc. Die Hierarchie unter ihm: Die Rapportführer, der Arbeitseinsatzführer und evtl. die Oberaufseherin (wenn ein Frauenlager bestand) unterstanden ihm. Sie waren für die Ordnung im ganzen Lager und die Zuteilung der einzelnen Häftlinge in Außenkommandos zuständig. Sie standen den Blockführern vor, die jeweils einen oder wenige Blocks beaufsichtigten.

Der Arbeitseinsatzführer war für den Arbeitseinsatz der Häftlinge nach berufsmäßigem Können und Leistungsfähigkeit bei den Innen- und Außenkommandos verantwortlich. Alle Häftlinge des Lagers waren in einer sogenannten Berufskartei vom Arbeitseinsatzführer erfasst. Ihm unterstanden dazu die Arbeitsdienstführer (SS-Unterführer), die die Arbeitskommandos zusammenstellten und beaufsichtigten.

Die Blockführer bestimmten die Zusammensetzung der internen Arbeitskommandos, die jeweiligen Blockältesten und Stubenältesten aus den Reihen der Häftlinge. Als Funktionshäftlinge wurden von ihnen in einer weiteren „Teile-und-Herrsche-Strategie“ Häftlinge quasi als Hilfspolizei eingesetzt (vgl. Kapo (KZ)).

Aufgaben der politischen Abteilung Die Aufgaben/Zuständigkeiten der politischen Abteilung des Lagers waren: Registrierung von Neuzugängen, Entlassungen, Verlegungen, polizeiliche Aufgaben wie die Reaktion auf Tod oder Flucht der Häftlinge, deren Vernehmung (meist verbunden mit Folter oder deren Androhung), Führung der Häftlingskartei. Leiter war immer ein Beamter der Geheimen Staatspolizei (d. h. in der Regel ein Beamter der Kriminalpolizei). Er unterstand der jeweiligen Gestapoleitstelle, erhielt aber häufig auch unmittelbar Anweisungen und Befehle durch das RSHA, Amt IV (dort in der Regel dem Amt C 2 – Schutzhaftangelegenheiten). Z. Bspl. gingen Exekutionsbefehle vom RSHA unmittelbar an die Politische Abteilung. Umgekehrt waren die Führungsberichte über Schutzhaftgefangene an das RSHA zu richten. Vom RSHA wurden auch einzelne Einweisungen und Entlassungen von Schutzhaftgefangenen verfügt.

Der Chef der Politischen Abteilung war als Gestapobeamter dem RSHA bzw. der zuständigen Gestapoleitstelle verantwortlich. Er unterstand dieser sowohl sachlich als auch disziplinarisch. Das Gleiche galt für seinen Vertreter. Die anderen Angehörigen der Politischen Abteilung unterstanden als Angehörige der Waffen-SS einerseits fachlich ebenfalls der Gestapo, gehörten aber zur Stabskompanie des Lagers und unterlagen der Disziplinargewalt des Kommandanten.

Aufgaben des Verwaltungsführers