mini|Märkische Residenz- und Hauptstadt Hamm, Merianstich von 1647. Ansicht der befestigten Stadt von Norden her über die Lippe hinweg. mini|Bodendenkmal Burg Mark in Hamm. Stammsitz und Residenz des Hauses Von der Mark. mini|Residenzburg Altena
Die Grafschaft Mark (regional auch „die Mark“ genannt) war ein Territorium des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation im Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis. Sie gehörte ab dem 17. Jahrhundert zu Brandenburg-Preußen.
Die Grafschaft erstreckte sich zu beiden Seiten der Ruhr entlang von Volme und Lenne, zwischen dem Vest Recklinghausen, der Reichsstadt Dortmund, dem Hochstift Münster, der Grafschaft Limburg, den Herzogtümern Westfalen und Berg, der Grafschaft Gimborn, der Reichsabtei Werden und dem Reichsstift Essen.
Die Grafen von der Mark zählten im Hochmittelalter zu den mächtigsten und einflussreichsten westfälischen Regenten im Heiligen Römischen Reich. Ihr Name geht auf ihre Residenz Burg Mark bei dem heute zur Stadt Hamm gehörenden Dorf Mark zurück. Er lebt heute weiter im Namen des Märkischen Kreises und in der geographischen Bezeichnung Märkisches Sauerland.
Geographie Die Grafschaft Mark umfasste eine Fläche von ungefähr 3000 km² und erstreckte sich sowohl in Nord-Süd-Richtung zwischen Lippe und Agger als auch in West-Ost-Richtung zwischen Gelsenkirchen und Bad Sassendorf über ungefähr 75 km.
Die in Ost-West-Richtung fließende Ruhr trennt das Gebiet der Grafschaft in zwei landschaftlich sehr unterschiedliche Bereiche, die nördliche, fruchtbare Tiefebene der Hellwegbörden und das südliche, raue Mittelgebirge des Sauerlandes.
In Süd-Nord-Richtung wird der südliche Teil der Grafschaft von der Lenne durchquert. Im Bereich der unteren Lenne befand sich bis 1808 die nach 1243 entstandene Grafschaft Limburg, die ein Lehen der Grafen von Berg war.
Stammsitz der Grafen von der Mark war seit den 1220er Jahren die Burg Mark bei Hamm, welche ihnen auch den Namen gab. Zuvor hatten sie als Grafen von Altena ihren Hauptsitz auf der Burg Altena im Sauerland.
Städte Die Grafen von der Mark und ihre späteren Rechtsnachfolger begründeten verschiedentlich Siedlungen oder statteten diese mit Stadtrechten aus. Die älteste dieser Gründungen ist die märkische Residenzstadt Hamm, die am Aschermittwoch 1226 als Planstadt gegründet wurde und einen wichtigen Übergang über die Lippe an der Grenze zum Hochstift Münster schützte. Das Hammer Stadtrecht ist von dem nur unwesentlich älteren Lippstädter Stadtrecht übernommen. Das Hammer Recht wurde von den Grafen des Geschlechts derer von der Mark bei allen weiteren Verleihungen des Stadtrechts bis zu ihrem Aussterben im Mannesstamm 1609 als Vorbild genommen. In Hamm sowie in Iserlohn und Unna wurden auch Münzen geprägt.
Eine Sonderrolle unter den märkischen Städten nahm die Stadt Soest ein. Sie ist die älteste Stadt im Territorium der Grafschaft Mark und erhielt bei ihrem Übergang an die Grafschaft nach der Soester Fehde 1444–1449 einen Sonderstatus, der ihr weitgehende Freiheiten gewährte bzw. die alten Freiheiten, die sie im Herzogtum Westfalen genossen hatte, erhielt.
Die zweitälteste Stadt der Grafschaft, welche ihr jedoch nur teilweise zugeordnet werden kann, ist das Kondominium Lippstadt. Erstmals erlangten die Grafen von der Mark einen Teil der Herrschaftsrechte 1376 im Rahmen von Erbstreitigkeiten der Edelherren zur Lippe (Gründergeschlecht von Lippstadt) mit den Tecklenburger Grafen, bei denen sie als Vermittler zwischen den Fehdeparteien auftraten. Mit dem Übergang der Grafschaft an die Markgrafen von Brandenburg 1609 und endgültig 1666 vereinnahmten die neuen Herren Lippstadt als Festungsstadt für Brandenburg-Preußen.
Stadtrechtsverleihungen durch die Grafen von der Mark bis 1609 20px Hamm (Siedlungsgründung und Stadtrechte seit Aschermittwoch 1226) 20px Iserlohn (vermutlich 1237 Stadtrechte, ab 1240 Münzprägung) 20px Lüdenscheid (Stadtwerdung 1268, Erwähnung als Oppidum erst 1278) 20px Lünen (1279 Erwähnung als Oppidum, märkisches Stadtrecht 1341) 20px Kamen (ältestes Stadtsiegel 1284, Bestätigung der Stadtrechte 1346) 20px Unna (Stadtrecht seit 1288 nach der Schlacht von Worringen) 20px Bergneustadt (Planstadt errichtet ab dem 13. Mai 1301) 20px Holten (Stadtrecht seit 1310) 20px Bochum (Erweiterte Marktrechte 1321, gilt als Stadtwerdung) 20px Hörde (Stadtrechte seit 1340) 20px Neuenrade (Stadtrechte seit dem 7. Juli 1355) 20px Hattingen (Stadtbefestigung im Jahr 1396 gilt als Stadtwerdung) 20px Breckerfeld (Stadtrecht seit 1396) 20px Schwerte (1397 volles Stadtrecht) 20px Plettenberg (Stadtrecht seit 1397) 20px Schwelm (Stadtrecht seit 1496 bzw. 1590)
Freiheiten 20px Volmarstein (Freiheit ab 1342) 20px Wetter (Freiheit ab 1355) 20px Blankenstein (Freiheit 1355 bestätigt) 20px Altena (Freiheit ab 20. Dezember 1367) 20px Westhofen (Freiheit ab dem 14. Jh.) 20px Wattenscheid (Freiheit ab 1417) 20px Castrop (Freiheit ab 1470)
Stadtwerdungen ab 1609 bis zur Gründung der Provinz Westfalen 20px Hagen (3. September 1746)
Geschichte Grafschaft Mark (1180–1391) mini|hochkant|Wappen der in märkischer Hand vereinigten Grafschaften Kleve und Mark, später des Herzogtums Kleve und der Grafschaft Mark. Darstellung aus dem Scheiblerschen Wappenbuch 1450–1480. In den Jahren 1160/61 spalteten sich die Grafen von Altena von den Grafen von Berg ab. Die so entstandene Grafschaft Altena wurde ab 1180 in einer erneuten Erbteilung zwischen den Söhnen des Grafen von Altena aufgeteilt. Der jüngere Sohn Adolf erhielt um 1198 die Besitzung um den Oberhof Mark bei Hamm. Diese war um 1170 von dem Edelherrn von Rüdenberg, Rabodo von der Mark, an den Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg veräußert und an Rabodo zurückbelehnt worden und war danach entweder im Wege des Verkaufs von Rabodos Lehnsrecht oder durch Neubelehnung nach Rabodos Tod an Adolfs Vater Friedrich von Berg-Altena gelangt. Adolfs Vater errichtete 1198/1199, kurz vor seinem Tod, zugunsten seines neugeborenen Sohnes auf dem zum Oberhof Mark gehörenden Burghügel die Burg Mark. Adolf verlegte seinen Hauptsitz dorthin, und er, wie auch das von ihm abstammende Geschlecht, nannte sich fortan „von der Mark“.
In der Schlacht von Worringen 1288 kämpfte Graf Eberhard I. von der Mark auf der Seite Brabants und seines Verwandten, des Grafen von Berg. Eberhard bezog somit Stellung gegen seinen Lehnsherrn, den Erzbischof von Köln, in dessen Funktion als Herzog von Westfalen. Da Brabant mit seinen Verbündeten siegreich war, konnte die Grafschaft Mark in der Folgezeit die Vormachtstellung im südlichen Westfalen erlangen und wurde politisch von Köln unabhängig.
Engelbert III. von der Mark erwarb 1359 von den Grafen von Sayn die Lehnsherrschaft über Bilstein und Fredeburg. 1363 starb die Linie der Herren von Bilstein aus; die Herrschaft wurde von Engelbert eingezogen und verblieb bis zum Ende der Soester Fehde in der Hand der Grafen von der Mark. Mit dem Friedensschluss gelangten Bilstein und Fredeburg an Kurköln.
1388 und 1389 beteiligte sich Engelbert an der Großen Dortmunder Fehde; sein Hauptbündnispartner war der Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden. Die Fehde endete mit einem Friedensschluss unter Vermittlung Soests. Dortmund zahlte je 7000 Gulden an Mark und Kurköln; die „freiwillige“ Zahlung, die auf Druck Soests zustande kam, wurde jedoch nicht im Friedensschluss festgehalten. Militärisch hatten weder Mark und das Erzbistum Köln noch die Stadt Dortmund die Oberhand gewonnen. Dortmund erlitt jedoch erheblichen wirtschaftlichen Schaden und war daher zu diesem Kompromissfrieden gezwungen. Engelbert befand sich fast während seiner gesamten Regierungszeit im Krieg mit dem Erzstift Köln und anderen Herren in Westfalen. Er starb 1391 an der Pest.
Kleve-Mark (1391–1521) Adolf III. von der Mark, der Sohn Adolfs II. von der Mark und Margaretes von Kleve, erwarb 1368 die Grafschaft Kleve. Nach dem Tod seines älteren Bruders Engelbert III. von der Mark, der ohne männliche Nachkommen 1391 starb, trat er dessen Nachfolge als Graf von der Mark an, und beide Grafschaften wurden erstmals in Personalunion vereinigt. 1417 wurde die Grafschaft Kleve zum Herzogtum erhoben und die Herrscher nannten sich nun Herzöge von Kleve und von der Mark. Beide Territorien gehörten später zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis.
Adolf II./IV. konnte 1404 die rechtsrheinischen Klever Besitzungen um Wesel und Dinslaken von seinem Onkel Dietrich I. von der Mark für die Hauptlinie zurückerwerben. Ab 1409 musste er sich der Ansprüche seines Bruders Gerhard erwehren, der die Grafschaft Mark für sich beanspruchte und sich mit Dietrich II. von Moers, dem Erzbischof von Köln, verbündet hatte. Zu offenen Kämpfen kam es ab 1423. 1430 wurde ein vorläufiger Friedensschluss erzielt, der 1437 in einen dauerhaften Frieden umgewandelt wurde: Adolf überließ seinem Bruder zwar fast die gesamte Grafschaft Mark auf Lebenszeit, behielt sich selbst aber eine Oberherrschaft und den märkischen Grafentitel vor.
Als Folge der Soester Fehde (1444–1449) gelangte die Stadt Soest mit der Soester Börde unter die Herrschaft von Herzog Johann I. von Kleve und Mark und damit in enge Verbindung zur Grafschaft Mark. Das Verhältnis der Stadt Soest zu ihren neuen Herren war von sehr weitgehender Selbstverwaltung geprägt.
mini|Die Vereinigten Herzogtümer mit der Grafschaft Mark, dem Kondominat Lippstadt (Lippe) und dem Herzogtum Geldern sowie der Grafschaft Zutphen, die von 1538 bis 1543 Teile der Vereinigten Herzogtümer waren, sowie der Vogtei des Stiftes Essen um 1540
Das älteste Schatzbuch Schatboik in Mark aus dem Jahre 1486 wird heute im Staatsarchiv Münster aufbewahrt. Die an Herzog Johann II. zu zahlende allgemeine Landsteuer wurde auf den Landtagen zu Wickede am 24. April und 4. Mai 1486 beschlossen. Weitere Steuerlisten zur Erhebung der Türkensteuer stammen aus den Jahren 1542 und 1598.
Vereinigte Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg (1521–1609) und Brandenburg-Preußen (1609–1807) mini|Einwohnerstatistik der Grafschaft Mark, 1787 Im Jahre 1521 starb Johann II. von Kleve-Mark, und sein Sohn Johann, seit 1511 Herzog von Jülich-Berg, trat auch die Nachfolge in Kleve-Mark an. Er bildete damit die Vereinigten Herzogtümer Jülich, Kleve und Berg, wodurch er zum mächtigsten Fürsten im deutschen Westen wurde. Im Jahre 1609 starb das Herrschergeschlecht des Hauses Mark im Mannesstamm aus, und die Grafschaft Mark gelangte bei der Teilung der Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg zusammen mit dem Herzogtum Kleve und der Grafschaft Ravensberg zunächst provisorisch und 1666 beim Erbvergleich dann definitiv an den Kurfürsten und Markgrafen von Brandenburg (Jülich-Klevischer Erbfolgestreit).
Die Reformation wurde in Jülich-Kleve-Berg, anders als in den meisten Gebieten des Reichs, nicht zentral nach dem Territorialprinzip durchgesetzt. Dadurch hatten lokale Autoritäten großen Entscheidungsspielraum; vielerorts fanden kaum merkliche Übergänge statt.Universität Münster Im 16. Jahrhundert setzte sich in der Grafschaft Mark das Luthertum stark durch, im 17. Jahrhundert wechselten mehrere Pfarreien zum Calvinismus. Die Bochumer Pfarrei und zwei weitere Pfarrer waren zu dieser Zeit noch katholisch.
In der Grafschaft existierten insbesondere seit der preußischen Zeit, nicht zuletzt auch gefördert durch eine merkantilistische Wirtschaftspolitik, verschiedene überregional bedeutsame vorindustrielle Verdichtungszonen. Dazu zählten die Drahtherstellung im Raum Altena und die Herstellung von Sensen an der Enneperstraße. Vor diesem Hintergrund wurde auch der Steinkohlebergbau gefördert.