Aurelio Tiratelli (* 1842 in Rom; † 3. Mai 1900 ebenda) war ein italienischer Bildhauer, Genre-, Landschafts- und Tiermaler sowie Fotograf.

Leben Tiratelli wurde 1856 im Alter von 14 Jahren ein Schüler der Accademia di San Luca in seiner Heimatstadt. Anfangs war er Schüler der Bildhauer Scipione Tadolini und Pietro Tenerani und arbeitete mit diesen gemeinsam an der Erschaffung des Grabmals für den mexikanischen Gesandten Baron Guerra.

Tiratelli wechselte 1873 von der Bildhauerei zur Malerei und wurde ein Schüler von Alessandro Capalti, Tommaso Minardi und Francesco Podesti. Über die Genre- und Tiermalerei kam er ab 1875 zur Landschaftsmalerei. Er fand die Themen für sein künstlerisches Wirken in Rom und dessen Umgebung und zeichnete sich, trotz teilweise angedeuteter Monumentalität, durch Genauigkeit in den Details aus. Die Darstellung seiner Tiere und Landschaften wurde 1892 in der Danziger Zeitung sehr lobend hervorgehoben:

Sein Sohn, der Maler Cesare Tiratelli (1864–1933), wurde von ihm in der Malerei ausgebildet. Tiratelli, der in Rom in der Via Margutta wohnte, nahm seit 1870 mehrfach mit seinen Gemälden an internationalen Ausstellungen teil, so unter anderem 1880, 1886 und 1896 in Berlin, 1873 und 1881 in Wien, 1883 in München, 1894 an der Weltausstellung „Oud Antwerpen“ in Antwerpen oder 1893 an der World’s Columbian Exposition in Chicago. Er beschickte in den Jahren 1878, 1880 und 1886 auch den Pariser Salon mit seinen Werken. Seit den 1870er Jahren reiste er häufig durch die römische Campagna und fertigte dort Skizzen vom bäuerlichen Leben. In seinem Atelier in der Via Margutta, das er sich mit seinem späteren Schwager Pio Joris teilte, schuf er daraus seine Gemälde.

Eines seiner Hauptwerke Eine Ochsenherde in Ostia wurde von König Vittorio Emanuele erworben. Die Darstellung eines Eisenbahnunglücks wurde durch das Bildungsministerium angekauft und für König Umberto fertigte er davon noch eine Kopie. Sein Büffelkarren in den Pontinischen Sümpfen, den er auf einer Ausstellung in Triest zeigte, kam ins dortige Stadtmuseum. Bei der Weltausstellung in Paris 1889 zeigte er einen Kampf der Stiere in der römischen Landschaft und einen von unterschiedlichen Tieren gezogenen Mambrucca, der im Morgengrauen eine Landstraß entlangfährt. Tiratellis Bilder waren sehr gefragt, so fertigte er unter anderem zwei sehr wertvolle Gemälde für den Khediven von Ägypten. Das Gemälde Un cavadenti in mezzo ad una fiera nella Valle del Sacco (Ein Zahnzieher inmitten eines Jahrmarkts im Sacco-Tal) gilt als eines seiner Meisterwerke. Es zeigt eine Vielzahl von Figuren, bizarre Gruppen, unzählige Tiere in einer prächtigen Landschaft und löste 1884 in der Ausstellung Bewunderung aus und wurde von einem wohlhabenden Herrn aus Chile gekauft.

Er begann vermutlich bereits in der Mitte der 1860er Jahre sich mit der Fotografie zu beschäftigen und schuf eine Vielzahl von Fotografien, auf denen er die römische Landschaft, Weiden, Zäune, Hütten, einzelne Tiere oder Gruppen von Hirten, Rinder-, Schweine-, Ziegen- und Schafherden abbildete. Er fotografierte auch Gebäudeteile, Kutschen und Gespanne oder Personen in typischer Landestracht.Giovanni Fanelli: Aurelio Augusto Tiratelli – Pittore fotografo della Campagna romana. 2020 (italienisch, PDF).

Auszeichnungen (Auswahl) Viele seiner Werke wurden bei den Ausstellungen mit Medaillen prämiert und er wurde als Mitglied oder Ehrenmitglied in zahlreiche Akademien und Gesellschaften aufgenommen. Ritter des Ordens der italienischen Krone Offizier des Ordens der italienischen Krone

Werke Ein Eisenbahnunglück 1880: Ein Herbstabend in Anagni (Neapel) Rückkehr vom Feste in den Pontinischen Sümpfen oder Büffelkarren in den Pontinischen Sümpfen

Tiermalerei 1873: Das Erwachen der Herde Viehmarkt in der römischen Campagna Ochsenherde auf der Landstraße 1880: Kampf der Büffel in der Campagna 1884: Büffelherde an der Tränke 1891: Kämpfende Stiere 1896: Stier am Sumpf 1896: Verirrtes Schaf im Gebirge

Genremalerei 1873: Hirten des Agro Romano Landleute auf einem von Büffeln gezogenen Wagen Ernte in der Campagna Erntewagen in der römischen Campagna 1883: Schäferleben 1883: Zahnausreisser auf der Messe 1886: Der Schäfer Mußestunde 1894: Schulstunde

Fotografien Villa Ludovisi-Torlonia in Frascati Grashütte in der Campagna (Unterkunft der Hirten und Herdentiere) Mädchen in ortsüblichen Trachten

Literatur

Weblinks

Aurelio Tiratelli (italienisch, 1842–1900) artnet.de Giovanni Fanelli: Aurelio Augusto Tiratelli – Pittore fotografo della Campagna romana. 2020 (italienisch, PDF)

Einzelnachweise

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