Die Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 1970 diente zur Ermittlung der Teilnehmer an der Endrunde in Mexiko.
Übersicht mini|453px|Teilnehmer der Qualifikation zur WM 1970 Für die Fußball-Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko hatten 71 Mannschaften gemeldet, darunter
30 Mannschaften aus Europa 12 Mannschaften aus Afrika (Rhodesien aus politischen Gründen in der Asien-Ozeanien-Gruppe) 4 Mannschaften aus Asien 2 Mannschaften aus Ozeanien 10 Mannschaften aus Südamerika und 13 Mannschaften aus Nord- und Mittelamerika
Da Titelverteidiger England und Veranstalter Mexiko direkt qualifiziert waren und die WM-Endrunde mit 16 Mannschaften ausgetragen wurde, standen für die verbleibenden 69 Mannschaften 14 freie Endrundenplätze zur Verfügung. Diese wurden wie folgt verteilt: Titelverteidiger: Gastgeber: 8 an Europa 3 an Südamerika 1 an Nord- und Mittelamerika 1 an Afrika 1 an Asien und Ozeanien
Nur Nordkorea zog seine Meldung zurück, so dass insgesamt 68 Mannschaften Qualifikationsspiele bestritten, was einen neuen Teilnahmerekord bedeutete.
Europäische Zone / UEFA 150px|links|Europäische Zone Aus Europa meldeten 30 Mannschaften für die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1970. England war als Titelverteidiger automatisch qualifiziert. Die restlichen 29 Mannschaften wurden auf acht Gruppen verteilt, darunter fünf Vierer- und drei Dreiergruppen. Die acht Gruppensieger qualifizierten sich für die WM 1970 in Mexiko. Bei Punktgleichheit auf dem ersten Rang entschieden nicht die Tore, sondern es gab ein Entscheidungsspiel auf neutralem Boden.
Gruppe 1 Portugal, der WM-Dritte von 1966, galt als haushoher Favorit dieser Gruppe. Allenfalls der Schweiz räumte man Außenseiterchancen ein. Das erste Spiel gewannen die mit Weltstar Eusébio angetretenen Portugiesen plangemäß gegen Rumänien mit 3:0. Aber bereits das nächste Spiel gegen Griechenland ging mit 2:4 verloren. Eine bittere Heimniederlage gegen die Schweiz, der man sich trotz drückender Überlegenheit und 19:1 Ecken mit 0:2 geschlagen geben musste, leitete endgültig den Niedergang ein.
Am letzten Spieltag kam es in Bukarest zu einem echten Endspiel zwischen Rumänien (7:3 Punkte) und Griechenland (6:4 Punkte). Vor über 100.000 begeisterten Zuschauern trennte man sich 1:1. Rumänien hatte sich damit erstmals seit 1938 wieder für eine WM-Endrunde qualifiziert. Portugal, der große Favorit, wurde Gruppenletzter.
Tabelle
Spielergebnisse 12.10.1968 Basel Schweiz – Griechenland 1:0 27.10.1968 Lissabon Portugal – Rumänien 3:0 23.11.1968 Bukarest Rumänien – Schweiz 2:0 11.12.1968 Athen Griechenland – Portugal 4:2 16.04.1969 Lissabon Portugal – Schweiz 0:2 16.04.1969 Athen Griechenland – Rumänien 2:2 04.05.1969 Porto Portugal – Griechenland 2:2 14.05.1969 Lausanne Schweiz – Rumänien 0:1 12.10.1969 Bukarest Rumänien – Portugal 1:0 15.10.1969 Thessaloniki Griechenland – Schweiz 4:1 02.11.1969 Bern Schweiz – Portugal 1:1 16.11.1969 Bukarest Rumänien – Griechenland 1:1
Gruppe 2 Die unstrittigen Favoriten der Gruppe 2 waren die als etwa gleich stark eingeschätzten Ungarn und die Tschechoslowakei. Ungarn hatte 1966 Brasilien hinter sich gelassen, und die ČSSR war 1962 Vizeweltmeister geworden.
Nach Abschluss der Gruppenspiele standen beide Teams punktgleich an der Spitze. Gemäß dem damaligen Reglement wurde damit ein Entscheidungsspiel auf neutralem Platz erforderlich. Sollte es unentschieden ausfallen, würde das Torverhältnis der Abschlusstabelle entscheiden, und damit wäre Ungarn qualifiziert. Vor nur 8000 Zuschauern in Marseille trat Ungarn betont defensiv auf. Kurz vor der Halbzeitpause gingen die Tschechoslowaken in Führung. Die Ungarn erholten sich von dem Schock nicht mehr und verloren am Ende deutlich mit 1:4.
Tabelle
Spielergebnisse 25.09.1968 Kopenhagen Dänemark – Tschechoslowakei 0:3 20.10.1968 Bratislava Tschechoslowakei – Dänemark 1:0 04.05.1969 Dublin Irland – Tschechoslowakei 1:2 25.05.1969 Budapest Ungarn – Tschechoslowakei 2:0 27.05.1969 Kopenhagen Dänemark – Irland 2:0 08.06.1969 Dublin Irland – Ungarn 1:2 15.06.1969 Kopenhagen Dänemark – Ungarn 3:2 14.09.1969 Prag Tschechoslowakei – Ungarn 3:3 07.10.1969 Prag Tschechoslowakei – Irland 3:0 15.10.1969Das Spiel war ursprünglich für den 4. Dezember 1968 angesetzt, musste aber nach 50 Minuten wegen Nebel beim Stand von 1:1 abgebrochen werden und wurde am 15. Oktober 1969 wiederholt. (dbu.dk: Danmark – Irland 1 – 1) Dublin Irland – Dänemark 1:1 22.10.1969 Budapest Ungarn – Dänemark 3:0 05.11.1969 Budapest Ungarn – Irland 4:0
Entscheidungsspiel
Gruppe 3 Der amtierende Europameister Italien traf in der Gruppe 3 auf Wales (letzte WM-Teilnahme 1958) und die DDR, die sich zuvor noch nie für eine WM-Endrunde qualifizieren konnte. Das erste Spiel gewannen die Südeuropäer in Cardiff mit Mühe gegen die nahezu pausenlos anstürmenden Waliser mit 1:0. Ein Konter von Luigi Riva brachte die Entscheidung. Im zweiten Spiel gegen die DDR geriet man zwei Mal in Rückstand, konnte aber jeweils ausgleichen. Mit etwas Glück hatte Italien somit die beiden Auswärtsspiele überstanden. Durch ungefährdete Heimsiege konnte anschließend die Qualifikation knapp vor der DDR gesichert werden.
Tabelle
Spielergebnisse 23.10.1968 Cardiff Wales – Italien 0:1 29.03.1969 Ost-Berlin DDR – Italien 2:2 16.04.1969 Dresden DDR – Wales 2:1 22.10.1969 Cardiff Wales – DDR 1:3 04.11.1969 Rom Italien – Wales 4:1 22.11.1969 Neapel Italien – DDR 3:0
Gruppe 4 Die Mannschaft der UdSSR war eindeutiger Favorit der Gruppe 4. Nachdem jedoch Nordirland, das ohne seinen verletzten Star George Best antreten musste, überraschend das Auswärtsspiel gegen die Türkei mit 3:0 gewonnen hatte, war der Ausgang der Qualifikation offen. In Belfast erreichte die favorisierte UdSSR-Auswahl anschließend ein glückliches 0:0 gegen die pausenlos anstürmenden Nordiren, die zwei Lattentreffer verbuchen konnten. Die verbleibenden Spiele wurden von der sowjetischen Mannschaft glatt gewonnen, so dass sie sich letztendlich doch noch ungefährdet für die WM Endrunde qualifizieren konnte.
Tabelle
Spielergebnisse 23.10.1968 Belfast Nordirland – Türkei 4:1 11.12.1968 Istanbul Türkei – Nordirland 0:3 10.09.1969 Belfast Nordirland – UdSSR 0:0 15.10.1969 Kiew UdSSR – Türkei 3:0 22.10.1969 Moskau UdSSR – Nordirland 2:0 16.11.1969 Istanbul Türkei – UdSSR 1:3
Gruppe 5 Die Vorentscheidung um den Gruppensieg fiel bereits im zweiten Spiel, als Frankreich eine sensationelle Heimniederlage gegen das drittklassige Norwegen hinnehmen musste. Da die Schweden ihre beiden Spiele gegen Norwegen gewonnen hatten, würde ein Heimsieg im vorletzten Gruppenspiel gegen Frankreich zum Gruppensieg reichen. Die Skandinavier schafften es, Freigaben für ihre Auslandslegionäre zu erreichen, und hatten wenig Mühe, Frankreich mit 2:0 zu besiegen. Das abschließende Gruppenspiel in Paris war ohne Bedeutung, Schweden war als uneinholbarer Gruppensieger für Mexiko qualifiziert.
Tabelle
Spielergebnisse 09.10.1968 Stockholm Schweden – Norwegen 5:0 06.11.1968 Strasbourg Frankreich – Norwegen 0:1 19.06.1969 Oslo Norwegen – Schweden 2:5 10.09.1969 Oslo Norwegen – Frankreich 1:3 15.10.1969 Stockholm Schweden – Frankreich 2:0 02.11.1969 Paris Frankreich – Schweden 3:0
Gruppe 6 In der Gruppe 6 kämpften zwei der stärksten europäischen Mannschaften, Spanien und Jugoslawien, um den Gruppensieg. Doch zunächst übernahm Belgien durch zwei Siege über den krassen Außenseiter Finnland die Tabellenführung. Durch einen hart erkämpften Heimsieg gegen Jugoslawien konnte diese Position noch gefestigt werden. Die Belgier gingen zunächst mit 1:0 in Führung. Die Jugoslawen reagierten mit übergroßer Härte. Es kam zu drei Platzverweisen. Am Ende musste sogar die Polizei eingreifen.
In der nächsten Begegnung trotzten die Belgier, die auf ihren verletzten Star Paul van Himst verzichten mussten, den Spaniern in Madrid ein Unentschieden ab und setzten sich damit endgültig an der Tabellenspitze fest. Die Entscheidung fiel acht Wochen später im Rückspiel. In einem hochdramatischen Match konnten die Belgier einen knappen 2:1-Vorsprung gegen die pausenlos anrennenden Spanier über die Zeit retten. Da sich Spanien und Jugoslawien gegenseitig die Punkte abnahmen, war damit Belgien seit 1954 erstmals wieder für eine WM-Endrunde qualifiziert.
Tabelle
Spielergebnisse 19.06.1968 Helsinki Finnland – Belgien 1:2 25.09.1968 Belgrad Jugoslawien – Finnland 9:1 09.10.1968 Waregem Belgien – Finnland 6:1 16.10.1968 Brüssel Belgien – Jugoslawien 3:0 27.10.1968 Belgrad Jugoslawien – Spanien 0:0 11.12.1968 Madrid Spanien – Belgien 1:1 23.02.1969 Lüttich Belgien – Spanien 2:1 30.04.1969 Barcelona Spanien – Jugoslawien 2:1 04.06.1969 Helsinki Finnland – Jugoslawien 1:5 25.06.1969 Helsinki Finnland – Spanien 2:0 15.10.1969 Cádiz Spanien – Finnland 6:0 19.10.1969 Skopje Jugoslawien – Belgien 4:0
Gruppe 7 Die Bundesrepublik Deutschland war eindeutiger Favorit der Gruppe 7, hatte allerdings noch nie zuvor gegen Schottland gewonnen. Der Österreichische Fußballbund hatte erst Anfang September 1967 beschlossen, an der Weltmeisterschaft teilnehmen zu wollen.
Der Grundstein für eine erneute WM-Endrundenteilnahme des bundesdeutschen Teams wurde am 13. Oktober 1968 in Wien gelegt, als eine ersatzgeschwächte deutsche Mannschaft gegen Österreich mit Mühe 2:0 gewann. Im zweiten Auswärtsspiel gegen Zypern kam der ohne Franz Beckenbauer angetretene amtierende Vizeweltmeister durch ein von Gerd Müller in der Nachspielzeit erzieltes Tor zu einem glücklichen 1:0-Erfolg. Durch einen Poststreik auf der Mittelmeerinsel konnte das Ergebnis erst mit mehrstündiger Verspätung übermittelt werden.
Im dritten Auswärtsspiel in Folge trotzte die deutsche Nationalmannschaft im Glasgower Hampden Park den Schotten, die zuvor Österreich mit 2:1 geschlagen hatten, in einem hart umkämpften Spiel ein 1:1 ab. Die Führung erzielte Gerd Müller kurz vor der Halbzeitpause, der Ausgleich fiel unmittelbar vor Spielende. Im Rückspiel gegen Österreich hatte die deutsche Mannschaft unerwartet viel Mühe mit dem Gegner. Erst durch ein erneutes Müller-Tor zwei Minuten vor Schluss konnte der knappe Sieg gesichert werden.
Am 22. Oktober 1969 kam es in Hamburg zur entscheidenden Begegnung gegen Schottland. Nach einem Fehler von Sepp Maier war Deutschland bereits in der dritten Minute in Rückstand geraten. Der Ausgleich konnte erst eine halbe Stunde später erzielt werden. Eine zwischenzeitliche deutsche Führung wurde von Schottland praktisch im Gegenzug ausgeglichen. Den Siegtreffer erzielte Reinhard Libuda mit einem bemerkenswerten Alleingang in der 78. Minute.
Tabelle
Spielergebnisse 19.05.1968 Wien Österreich – Zypern 7:1 13.10.1968 Wien Österreich – BR Deutschland 0:2 06.11.1968 Glasgow Schottland – Österreich 2:1 23.11.1968 Nikosia Zypern – BR Deutschland 0:1 11.12.1968 Nikosia Zypern – Schottland 0:5 16.04.1969 Glasgow Schottland – BR Deutschland 1:1 19.04.1969 Nikosia Zypern – Österreich 1:2 10.05.1969 Nürnberg BR Deutschland – Österreich 1:0 17.05.1969 Glasgow Schottland – Zypern 8:0 21.05.1969 Essen BR Deutschland – Zypern 12:0 22.10.1969 Hamburg BR Deutschland – Schottland 3:2 05.11.1969 Wien Österreich – Schottland 2:0
Gruppe 8