mini|hochkant|Chromatische Doppel­­harfe (Pleyel, Wolff, Lyon & Cie., Anfang des 20. Jh.). mini|hochkant|Chromatische Doppel­harfe nach Lyon (Henry Greenway, nach 1895). Die Pleyel-Harfe, auch Lyon-Harfe, französisch auch harpe chromatique, ist eine Bauform der Doppelharfe.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts unternahm Gustave Lyon, der Chef des Musikhauses Pleyel, den Versuch, eine chromatische Harfe mit gekreuzten Saiten einzuführen, nachdem er zwei Beschränkungen der Doppelpedalharfe entdeckt hatte: Durch die diatonische Stimmung können mit dieser Halbtöne außerhalb der Diatonischen Tonreihe und chromatische Stücke nur mit erheblichem Pedalaufwand gespielt werden.

Durch die gekreuzten Saiten können sowohl die diatonische Tonreihe als auch die Halbtöne erreicht werden, ohne durch Saiten hindurchgreifen zu müssen. Die Töne der diatonischen Reihe liegen für die linke Hand unterhalb, für die rechte oberhalb des Kreuzungspunktes der Saiten. Die Halbtöne liegen für Links dagegen oberhalb, für Rechts unterhalb des Kreuzungspunktes. Zum Spielen des Halbtones muss dann jeweils nach oben bzw. nach unten gegriffen werden. Diese Technik erfordert einige Übung, weil zusätzlich zum Greifen der Saiten an sich noch die Bewegung nach oben und unten koordiniert werden muss.

Die Stimmung der Pleyel-Harfe ist analog zur spanischen Barockharfe mit einer diatonischen Saitenreihe (weiße Klaviertasten) und den gekreuzten Halbtönen (schwarze Tasten am Klavier). Die Konstruktion ähnelt sonst sehr der Konzertharfe.

Claude Debussy komponierte seine Deux Dances für chromatische Harfe und Streichorchester als Auftragskomposition für die Pleyel-Harfe. Diese konnte sich jedoch nicht gegen die Doppelpedalharfe durchsetzen.

Nach einem Bericht der New York Times wurde die chromatische Harfe 1897 auf einer Ausstellung in Brüssel erstmals gezeigt. Sie hat je Oktave fünf Saiten mehr als die Pedalharfe, ohne dass die Oktavspanne über die Griffweite des Spielers hinauswächst, weil die Saiten in zwei schräg zueinander stehenden Ebenen verlaufen, die sich wie ein schmales X kreuzen. Ein Glissando lässt sich weiterhin ausführen, indem der Spieler mit dem Finger der Kreuzungslinie entlangfährt.French Harpist Plays. Mme. Wurmser-Delcourt Introduces the Chromatic at American Debut. In: The New York Times. 29. Dezember 1919, S. 7.

In den Vereinigten Staaten stellte Walter Damrosch das Instrument am 28. Dezember 1919 in einem Nachmittagskonzert der New York Symphony Society in der Aeolian Hall vor. Solistin war die französische Harfenistin Wurmser-Delcourt, die dabei ihr amerikanisches Debüt gab und das Konzertstück op. 39 von Gabriel Pierné sowie Debussys Danse sacrée und Danse profane spielte.Harpe Chromatique. A New Novelty Introduced by Walter Damrosch. In: The Billboard. Band 32, Nr. 1, 3. Januar 1920, S. 24.

Einzelnachweise

Weblinks Debussys "Danses für chromatische Harfe und Streichorchester"

Kategorie:Harfenart