Die Universität für angewandte Kunst Wien („die Angewandte“) in Wien ist eine Universität für Kunst, Architektur und Design, die auf die 1867 gegründete k.k. Kunstgewerbeschule zurückgeht und heute rund 2000 Studierende an 8 Instituten ausbildet. Das Hauptgebäude befindet sich im 1. Bezirk, am Oskar-Kokoschka-Platz / Ecke Stubenring 3, dem Museum für angewandte Kunst (MAK) direkt benachbart.Besuch. In: Museum für angewandte Kunst (MAK). mini|425px|Kunstgewerbeschule und Museum, ursprüngliche Ansicht (1880)
Geschichte mini|Das Gebäude Stubenring 3 mini|Der Trakt von Karl Schwanzer am Wiental
Gründung und frühe Entwicklung Am 7. März 1863 wurde das k.k. Österreichische Museum für Kunst und Industrie (später Museum für angewandte Kunst, MAK) nach langjährigen Bemühungen Rudolf Eitelbergers durch Kaiser Franz Joseph auf Initiative von Erzherzog Rainer gegründet. Das Museum folgte dem Vorbild des 1852 gegründeten South Kensington Museum (heute Victoria & Albert Museum) in London und sollte als Vorbildersammlung für Künstler, Industrielle und Publikum und als Aus- und Weiterbildungsstätte für Entwerfer und Handwerker dienen. Der Bau des Museums wurde am kurz zuvor neu angelegten Stubenring 5 nach den Plänen von Heinrich Ferstel im Renaissancestil errichtet.
1867 erfolgte die Gründung der k.k. Kunstgewerbeschule, der Vorgängerversion der späteren Universität für angewandte Kunst Wien. Sie war an das Museum angegliedert und wurde ebenfalls von Heinrich Ferstel entworfen. Ursprünglich befand sie sich in der ehemaligen Gewehrfabrik, 9., Währinger Straße 11–13/Schwarzspanierstraße 17 (heute das 1886 neu gebaute Anatomische Institut der Medizinischen Universität Wien). Damit waren theoretische und praktische Ausbildung vereint. Es erfolgte eine konsequente – räumliche und institutionelle – Trennung von künstlerischer und kunstgewerblicher Ausbildung.
Am 4. November 1871Schlusssteinlegung im neuen Museum und Eröffnung der Kunstgewerbe-Ausstellung. In: Bruno Bucher (Red.): Mitteilungen des k. k. österreichischen Museums für Kunst & Industrie (Monatsschrift für Kunst & Kunstgewerbe). Nr. 74/1871, 15. November 1871 (VI. Jahrgang), . Gerold, Wien 1871, OBV, S. 497–503 (hauspublikationen.mak.at, MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst). wurde der Museumsneubau am Stubenring eröffnet.Über das erste Museum am Ring. In: Wiener Zeitung. 1. Februar 2019, S. 36. Dort konnten Objekte permanent und nach Materialschwerpunkten gegliedert aufgestellt werden. Auch die Kunstgewerbeschule zog hier ein. 1875 bis 1877 folgte die Errichtung eines angrenzenden Neubaus für die Kunstgewerbeschule am Stubenring 3, ebenfalls nach Plänen von Heinrich Ferstel.
Rerformen um 1900 1897 übernahm Arthur von Scala, bis dahin Direktor des k. k. Orientalischen Museums (später Handelsmuseum), die Leitung des Museums für Kunst und Industrie und gewann Otto Wagner, Felician von Myrbach, Koloman Moser, Josef Hoffmann und Alfred Roller als Mitarbeiter des Museums und der Kunstgewerbeschule. mini|Expositur Vordere Zollamtsstraße 7 mini|Der Minervabrunnen am Stubenring Infolge der Auseinandersetzungen zwischen Scala und dem Kunstgewerbeverein (1884 gegründet), der seinen Einfluss auf das Museum schwinden sah, legte Erzherzog Rainer 1898 sein Amt als Protektor nieder, und es wurden mit Entschließung vom 28. November 1898 neue Statuten genehmigt.Statuten des k. k. österreichischen Museums für Kunst und Industrie. In: Arthur von Scala (Red., Hrsg.): Kunst und Kunsthandwerk. Monatsschrift des k. k. österreichischen Museums für Kunst und Industrie. Nr. 11–12/1898 (I. Jahrgang) Artaria, Wien 1898, . S. 415–419 (hauspublikationen.mak.at, MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst). 1906 bis 1908 entstand der Museums-Erweiterungsbau in der Weiskirchnerstraße 3 von Ludwig Baumann. 1909 kam es zur Trennung von Kunstgewerbeschule und Museum für Kunst und Industrie.Thomas Trenkler: Die Angewandte strebt eine Fusion mit dem MAK an. In: Der Standard. 24. Juli 2008, S. 26.
Entwicklungen im 20. Jahrhundert 1919 folgte im nunmehr republikanischen Österreich die Umbenennung in Kunstgewerbeschule des österreichischen Museums für Kunst und Industrie. Ab 1921 wurde die Kunstgewerbeschule des österreichischen Museums für Kunst und Industrie als Bundeslehranstalt und ab 1931 als Bundesanstalt bezeichnet.
1937 erfolgte unter der Diktaturregierung Schuschnigg die Umbenennung in Staatliche Kunstgewerbeschule Wien, 1941 unter der NS-Diktatur in Reichshochschule für angewandte Kunst Wien, 1945 nach Wiedererrichtung der Republik Österreich in Hochschule für angewandte Kunst Wien und 1948 in Akademie für angewandte Kunst Wien.
Von 1962 bis 1965 entstand der Erweiterungsbau der Akademie am späteren Oskar-Kokoschka-Platz nach dem Entwurf von Karl Schwanzer und Eugen Wörle.
1970 wurde die Angewandte zur Hochschule aufgewertet, 1971 fand die Umbenennung in Hochschule für angewandte Kunst statt, mit 1. Oktober 1998 wurde die Hochschule gemäß dem Bundesgesetz über die Organisation der Universitäten der Künste (KUOG) zur Universität. (= S. 1581 ff.)
Die Universität für angewandte Kunst Wien gründete 1984 auf Initiative Peter Weibels und des damaligen Rektors Oswald Oberhuber die erste Meisterklasse für Medienkunst im deutschsprachigen Raum. Seit 2001 wird die Meisterklasse als Abteilung Digitale Kunst geführt und Stand 2025 von Liz Haas geleitet.
Jüngere Geschichte Anfang Oktober 2018 wurde das generalsanierte Gebäude am Oskar-Kokoschka-Platz in Betrieb genommen. Bei der Sanierung und den Modernisierungsmaßnahmen wurde das Gebäude bis auf die statische Grundstruktur rückgebaut. Das ehemalige Zollamtsgebäude in der Vorderen Zollamtsstraße 7 wurde auch adaptiert, es wurden neben neuen Räumlichkeiten für die Universitätsbibliothek der Angewandten eine Cafeteria, Studios, Werkstätten, Arbeitsräume und sogenannte „Fluxräume“ geschaffen.Ehemaliges Zollamtsgebäude nun Uni-Standort. In: ORF, Wien heute, 8. Oktober 2018, aufgerufen am 8. April 2019.
2019 begann die Zusammenarbeit zwischen der Universität für angewandte Kunst Wien und der Johannes Kepler Universität Linz mit der Unterzeichnung des gemeinsamen Manifests Innovation durch Universitas. Ziel der Kooperation war es, die Verbindung von Kunst und Wissenschaft strukturell zu stärken und gemeinsame Formate in Forschung, Lehre und gesellschaftlicher Entwicklung zu fördern. Im Herbst 2023 gründeten die Universität für angewandte Kunst Wien und die Johannes Kepler Universität Linz die Art x Science School for Transformation als interuniversitäre Einrichtung. Im Rahmen dieser Kooperation wurden ein gemeinsamer englischsprachiger Bachelor- sowie ein PhD-Studiengang eingeführt. Die Lehrveranstaltungen finden an beiden Universitäten in Wien und Linz statt.Neues Studium: Art x Science for Transformation. In: Oberösterreichische Nachrichten. 28. Januar 2023, S. 17.
2023 nahm das Applied/Experimental Sound Research Lab (ÆSR Lab) seine Tätigkeit auf, ein Labor für experimentelle Klangforschung. Es arbeitet mit der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien sowie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zusammen.
Namen der Schule seit ihrer Gründung seit 1999: Universität für angewandte Kunst Wien 1970–1998: Hochschule für angewandte Kunst in WienAus: Kunst: Anspruch und Gegenstand. Von der Kunstgewerbeschule zur Hochschule für angewandte Kunst in Wien 1918 bis 1991, Residenz Verlag, Wien 1991, ISBN 3-7017-0722-7, S. 343 (= 2. Band über die Geschichte der heutigen „Angewandten“) 1948–1970: Akademie für angewandte Kunst in Wien 1945–1948: Hochschule für angewandte Kunst Wien 1941–1945: Reichshochschule für angewandte Kunst Wien 1937–1941: Staatliche Kunstgewerbeschule in Wien 1919–1937: Kunstgewerbeschule des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie 1868–1918: Kunstgewerbeschule des K. K. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie
Direktoren / Rektoren
Organisation Die Universität für angewandte Kunst Wien zählt zu den führenden internationalen Kunsthochschulen. Mit ca. 2000 Studierenden aus 90 Ländern an 8 Instituten und rund 30 Studiengängen verbindet die Angewandte die Künste und Wissenschaften mit Gestaltungsdisziplinen Architektur und Design.
Standorte und Einrichtungen mini|Kassenhalle, ehemalige Postsparkasse, Universität für angewandte Kunst Wien Die Universität ist auf mehrere Standorte in Wien verteilt. Der Hauptsitz befindet sich am Oskar-Kokoschka-Platz 2, weitere Standorte sind die Vordere Zollamtsstraße 7Räume für die Angewandte. In: Falter. 10. Oktober 2018, S. 31. sowie der Georg-Coch-Platz, wo die denkmalgeschützte ehemalige Wiener Postsparkasse als Standort für Forschung und Veranstaltungen genutzt wird.Otto Wagners Postsparkasse wird Zentrum für Kunst, Forschung. In: Die Presse. 27. November 2019, S. 9.
Zu den Universitätseinrichtungen zählt auch das 2014 gegründete Angewandte Interdisciplinary Lab (AIL), das als organisatorische Einheit interdisziplinäre Projekte und Veranstaltungen ermöglicht.Lea Weinberg: Existenz als symbiotische Beziehung. In: Der Standard. 11. Januar 2023, S. 22.Kunstuni. In: Der Standard. 30. April 2022, S. 36. Das AIL ist seit 2021 in der von Otto Wagner gebauten ehemaligen Postsparkasse angesiedelt und bespielt dort öffentlich zugängliche Räumlichkeiten mit Vorträgen, Lesungen, Diskussionsformaten und wechselnden, aus dem Universitätsbetrieb gespeisten Ausstellungen.Semesterernte & Jahrhundertschwund. In: Falter. 24. Januar 2024, S. 37.Die digitale Macht der KI. In: Vorarlberger Nachrichten. 16. Juni 2025, S. D6.
Zum Bestand der Universität gehört darüber hinaus eine Kunstsammlung,Die Angewandte gewährt Einblicke. In: Die Presse. 20. Oktober 2013, S. 11. die 1980 auf Initiative des Künstlers und damaligen Rektors Oswald Oberhuber als Schulsammlung zur Förderung der künstlerischen Praxis von Studierenden gegründet wurde und die Werke von Lehrenden, Absolventinnen und Absolventen sowie historische Materialien umfasst. Die Sammlung ist gemeinsam mit dem Archiv der Universität organisiert, zeigt ihre Exponate im Rahmen von Ausstellungen in und außerhalb der Universität und steht auch für Forschungszwecke zur Verfügung. Außerdem verfügt die Universität im Heiligenkreuzerhof in der Wiener Innenstadt über eine eigene Kunstgalerie.
Institute Institut für Architektur Institut für Bildende und Mediale Kunst Institut für Design Institut für Konservierung und Restaurierung Institut für Kunstwissenschaften, Kunstpädagogik und Kunstvermittlung Institut für Kunst und Gesellschaft Institut für Kunst und Technologie Institut für Sprachkunst
Universitätsrat Der Universitätsrat für die Funktionsperiode 2023 bis 2028 besteht aus Hildegund Amanshauser (Vorsitzende), Kurt Wagner (Stellvertreter), Lilli Hollein, Klaus Bollinger und Hemma Schmutz.
Studienrichtungen Diplomstudien (Mag. arch., Mag. des. ind., Mag. art.) Bildende Kunst (8 Semester) Studienzweige: Zeichnung und Druckgrafik, Malerei, Fotografie, Ortsbezogene Kunst, Malerei und Animationsfilm, Skulptur und Raum Bühnen- und Filmgestaltung (8 Semester) Design (8 Semester) Studienzweige: Angewandte Fotografie und zeitbasierte Medien, Design und Narrative Medien, Kommunikationsdesign, Mode Industrial Design (10 Semester) Konservierung und Restaurierung (10 Semester) Medienkunst (8 Semester) ** Studienzweige: Digitale Kunst und Transmediale Kunst
Bachelor Studies (BA — Bachelor of Arts) Cross-Disciplinary Strategies (8 Semester) Lehramtsstudium für die künstlerischen Unterrichtsfächer (8 Semester) Kunst und Kommunikative Praxis, Design, materielle Kultur und experimentelle Praxis Sprachkunst (6 Semester) TransArts (6 Semester) Transformation Studies. Art X Science (6 Semester)
Master Studies (MA — Master of Arts) Architektur (6 Semester) Art & Science (4 Semester) Cross-Disciplinary Strategies (4 Semester) Cultural Heritage Conservation and Management (3 Semester) Expanded Museum Studies (4 Semester)