Das Biblisch-Archäologische Institut Wuppertal (BAI) wurde 1999 von der Evangelischen Kirche im Rheinland gegründet.Beschluss des Kollegiums des Landeskirchenamtes der Evangelischen Kirche im Rheinland am 21.12.1999; Veröffentlichung des Statuts im Amtsblatt 2/2000 S. 51-52. Es ist ein Institut der Kirchlichen Hochschule Wuppertal und ein An-Institut der Bergischen Universität Wuppertal mit Promotionsrecht an beiden Hochschulen. Für die notwendige finanzielle Ausstattung des Instituts sorgt ein Freundeskreis (e. V.).

Wissenschaftliche Ziele Vier wissenschaftliche Schwerpunkte werden seit 1999 verfolgt:

Ausgrabungsprojekte (besonders im östlichen Mittelmeerraum) Anwendung moderner Methoden in der Archäologie – zum Beispiel Geophysik (Geoelektrik mit Tomografie; Geomagnetik; Georadar) und terrestrische Photogrammetrie Archäometrie (chemische und mineralogische Keramikuntersuchungen; Nachbrennversuche); Ziel ist es, eine Technikgeschichte der Keramikherstellung im Zielgebiet zu schreiben Experimentelle Archäologie (Herstellung von keramischen Repliken in historisch korrekten Verfahren).https://www.archaeologie-online.de/nachrichten/antike-glasherstellung-auf-dem-tall-ziraa-1753/

Diverse Projekte Das Institut hat in den vergangenen Jahren Ausgrabungen und geophysikalische Prospektionen in Italien, Griechenland, Israel und im Haschemitischen Königreich Jordanien durchgeführt.

Villa Adriana (Italien) 2002–2004 geophysikalische Prospektion in Olympia (Griechenland) 2001 Esch-Schallaf (Jordanien) 1998–1999 Ba'ja I bei Petra (Jordanien) 1999 Sal (Jordanien) 1999–2000

Archäologische Hauptprojekte Das Gadara Region Project und der Tall Zirāʿa mini|300px|Der Tall Zirāʿa im Frühjahr 2010

Das „Gadara Region Project“ wurde im Jahr 2001 vom Biblisch-Archäologischen Institut Wuppertal initiiert. Es untersucht ca. 25 km² in den Bereichen des Wadi al-'Arab und des Wadi az-Zahar südlich der antiken Dekapolisstadt Gadara bei Umm Qais. Das Projekt wurde über den gesamten Zeitraum von Dieter Vieweger sowie ab 2004 in Kooperation mit den Direktorinnen des DEI Amman geleitet (2004–2011 Jutta Häser, 2011–2016 Frauke Kenkel, 2016–2022 Katharina Schmidt und 2022–2023 Brita Jansen).Dieter Vieweger, Jutta Häser: Der Tell Zera'a im Wadi el-’Arab. Das „Gadara Region-Project“ in den Jahren 2001 bis 2004. In: Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins. 121, 2005, S. 4–11. Die Ausgrabungen auf dem Tall Zira'a wurden von 2009 bis 2014 durch einen Umlandsurvey ergänzt (Katja Soennecken und Patrick Leiverkus). Außerdem werden die bodenkundlichen und landwirtschaftlichen Möglichkeiten, Flora und Fauna, Geologie, Hydrologie, Handelsbeziehungen (Straßen, Infrastruktur) und die strategische Bedeutung des Wadi al-ʿArab erkundet.

Zentraler Ort in der untersuchten Region ist der über 5000 Jahre besiedelte Tall Zira'a im Wadi al-'Arab. Im Laufe der Jahrtausende haben sich mehr als 16 m Kulturschutt der übereinander gebauten und wieder zerstörten Städte und Dörfer angehäuft. Von 2001 bis 2026 wurden auf dem Tall Zirāʿa vier Grabungsbereiche geöffnet, die ganz verschiedenen Erkenntniszielen dienen. Während in Areal I die allgemeinen Wohnbereiche und insbesondere dabei die Produktionsstätten der Handwerker des Talls erkundet wurden, standen in Areal II vor allem die administrative Bebauung und in Areal III ein (römisch-)byzantinischer Repräsentationsbau im Mittelpunkt des Interesses. Zu den bereits geöffneten Grabungsbereichen kam 2025 auch die artesische Quelle (Areal IV) hinzu. Zu Tage traten Funde von mehr als 35 Städten, die übereinander geschichtet waren und deren Erforschung einen wichtigen Beitrag zur Geschichte und Archäologie Nordjordaniens geleistet hat.https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/tall-ziraa

Methoden mini|Keramikofen nach spätbronzezeitlichem Vorbild, Experimentelle Archäologie am Tall Zira'a, Jordanien (2006) Vielseitige Forschungen sind nötig, um zu möglichst umfassenden Ergebnissen zu kommen. Dazu gehören die bewährten, „klassischen“ Methoden wie der Survey, aber auch das Einbeziehen naturwissenschaftlicher Untersuchungen.

Die Aufnahme der Befunde erfolgte zunächst von einem Ballon (Drohnen sind verboten), dann mit Structure from Motion, um 3D-Aufnahmen zu erzeugen.

Mit Hilfe der Archäometrie wurde untersucht, aus welchen Materialien die auf dem Tall Zirāʿa gefundenen Artefakte bestehen. Im Vordergrund stand dabei die Erforschung der Zusammensetzung von Keramik aus den verschiedenen Epochen, die Auskunft über deren Herstellungsort und den jeweiligen Stand der (Fertigungs-)Technik gibt. Begleitet wurde die Archäometrie von der experimentellen Archäologie, bei der die alten Ofenbautechniken und das Brennen der Keramiken nachgestellt werden.Dieter Vieweger, Wolfgang Auge, Andreas Hauptmann: Archaeometry in Archaeological Research. 5000 years of pottery technology on Tall Zar‘a. Studies in the History and Archaeology of Jordan X, 2009, S. 245–258.

Bei der geophysikalischen Erkundung des Tall Zirāʿa wurden das geoelektrische Mapping und die Tomographie mit Bodenradar eingesetzt, um archäologische Ausgrabungen im Vorhinein exakt planen und exakte Ausgrabungsstrategien festlegen zu können, Erkenntnisse auch über nicht ausgegrabene Bereiche zu gewinnen und größere Grabungsflächen für künftige Generationen unzerstört zu erhalten.

Durch die Zeiten – das archäologische Projekt unter der Erlöserkirche von Jerusalem

Die historische Fragestellung Die Orte des Lebens Jesu und die Frage nach der Echtheit des Heiligen Grabes standen schon im 19. Jh. im Mittelpunkt des Interesses der Jerusalempilger. In den besonderen Fokus geriet damals die Suche nach der „Zweiten Stadtmauer“ Jerusalems aus der Zeit Herodes des Großen (37 bis 4 v. Chr.). Diese hatte der jüdische Schriftsteller Flavius Josephus – der Jerusalem gut kannte – beschrieben. Konnte die in der Anastasis der Grabeskirche gezeigte Grabstätte tatsächlich korrekt sein, wenn die Kirche doch seit ihrem Bestehen innerhalb der ummauerten Stadt lag? Der Kreuzigungs- und Beerdigungsplatz mussten doch nach römischem und jüdischem Brauch außerhalb der Stadt gelegen haben. War möglicherweise das von protestantischen Christen 1867 entdeckte Gartengrab weit mehr geeignet, die biblische Topographie mit den im Neuen Testament beschriebenen Passionsgeschichten zu verbinden? Von den Ausgrabungen im Muristanviertel beim Bau der Erlöserkirche erhoffte man sich dazu neue Erkenntnisse.Dieter Vieweger: »Durch die Zeiten«. Wird Golgota am richtigen Ort gezeigt? Zwei Jahrtausende Stadtgeschichte unter der Jerusalemer Erlöserkirche. Antike Welt 5, 2012, S. 44–52.

Die Ausgrabungen von 1883 bis 1974 Als 1893 beim Bau der Erlöserkirche eine große Mauer in Ost-West-Richtung entdeckt wurde, schien die „Zweite Stadtmauer“ gefunden und der Beweis für die Authentizität der heiligen Stätten in der Grabeskirche erbracht. Doch als in den 1960er-Jahren Kathleen Kenyon mit ihren Ausgrabungen im Hof der etwas südlicher gelegenen Martin-Luther-Schule diese Idee widerlegte, stand die Frage erneut im Fokus der Wissenschaft. Während der Restaurierung der Erlöserkirche führte das DEI unter Leitung seiner damaligen Direktorin Ute Wagner-Lux zwischen 1970 und 1974 Grabungen zur Sicherung archäologischer Befunde durch.

Die Ausgrabungen von 2009 bis 2012 und die Etablierung des archäologischen Parks unter der Erlöserkirche mini|Tiefschnitt, 14 m unter der Erlöserkirche in Jerusalem, 2012 Die archäologischen Untersuchungen wurden 2009 von Dieter Vieweger wieder aufgenommen und führten 2012 zur Einweihung des archäologischen Parks unter der Erlöserkirche, der fortan bis zu 30.0000 Besucher jährlich anzog.Eröffnung der Grabung unter der Erlöserkirche. „Durch die Zeiten“, Gemeindebrief – Stiftungsjournal 4, 2012, 48-50. Den Besuchern wird heute in diesem archäologischen Park die Frage nach dem historischen Ort von Golgotha und dem Verlauf der zweiten Mauer eingehend erläutert und auf dem Hintergrund der historischen Entwicklung Jerusalems transparent dargestellt.Dieter Vieweger unter Mitarbeit von Katja Soennecken, Jennifer Zimni-Gitler, Jürgen Sachs und Thomas Just: Archäologie in Jerusalem. Die Ausgrabungen des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes zwischen 2009 und 2023, Hans Lietzmann-Vorlesung 22, Berlin 2025, 45-61.

Die Tiefgrabung widerlegte endgültig die Annahme, die große Mauer unter der Erlöserkirche sei ein Teilstück der „Zweiten Stadtmauer“. Der Tiefschnitt führte vielmehr auf einen Steinbruch, der für den Bau der alttestamentlichen Stadt Jerusalem genutzt wurde. Auch Herodes der Große ließ dort Steine brechen, als er die Stadt vergrößerte. Damals lag der Steinbruch im Nordwesten vor der Stadt, unmittelbar vor der Stadtmauer. Durch den Abbau des Gesteins entstand ein zusätzlicher Trockengraben zum Schutz der Stadtmauer. Der Steinbruch enthielt offenbar auch weiches, für Architektur unbrauchbares Gestein. Das baute man nicht ab, sondern man ließ es einfach stehen: Dadurch entstand der sogenannte Hügel Golgotha. An den Rändern des Steinbruches legte man später Felsengräber an. Als der Steinbruch nach der Regierungszeit Herodes des Großen nicht mehr benötigt wurde, schwemmte mit der Zeit Erde die Gräben und Löcher zu, es entstanden Gärten. Unter der Erlöserkirche entdeckte man drei Erdschichten mit Spuren landwirtschaftlicher Nutzung. Dabei wurde auch eine Gartenmauer gefunden.www.durch-die-zeiten.info

Das heutige Gelände der Grabes- und der Erlöserkirche lag also zu Jesu Lebzeiten außerhalb der Stadt. Der Leidensweg von Jesus – die Via Dolorosa – führte folglich auch nicht über die heute gezeigte Strecke. Jesus wurde höchstwahrscheinlich im ehemaligen Herodes-Palast – in dem auch Pontius Pilatus an hohen jüdischen Feiertagen residierte – verurteilt. Danach wurde er durch das Gartentor bis zum Golgotahügel geführt.

Die von Flavius Josephus beschriebene „Zweite Stadtmauer“ aus der Zeit Herodes d. Gr. mini|links|Vehikel mit Bodenradar in den Gassen Jerusalems mini|Vermuteter Verlauf der Zweiten Stadtmauer Die „Zweite Stadtmauer“ gibt bis heute Rätsel auf, da man noch keine Reste dieser Mauer finden konnte. Aus den Befunden des DEI und anderer Grabungen ergibt sich, dass sie sich östlich des „Muristan“ nach Norden gezogen haben muss. Über ihren weiteren Verlauf konnten nur geophysikalische Untersuchungen Auskunft geben. Zwischen 2015 und 2019 wurden von der TU Ilmenau (Jürgen Sachs) und vom DEI (Dieter Vieweger) Bodenradar-Untersuchungen in der Altstadt von Jerusalem durchgeführt. Aufgrund der schwierigen messtechnischen Ausgangssituation musste eigens dafür ein geeignetes neues Konzept für ein Bodenradar entworfen und umgesetzt werden.Dieter Vieweger, Jürgen Sachs, Thomas Just: Geophysikalische Erkundung der Lage und des Verlaufs der herodianischen Stadtmauer unter dem heutigen christlichen Viertel der Altstadt von Jerusalem. Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins 139, 2023, 64-76, Taf. 6–8.