mini|Paul Watson vor der Steve Irwin, 2009 Paul Franklin Watson (* 2. Dezember 1950 in Toronto, Ontario) ist ein kanadisch-US-amerikanischer Umweltschützer. Watson war eines der Gründungsmitglieder und Direktoren von Greenpeace. Im Jahr 1977 verließ er Greenpeace und gründete die Sea Shepherd Conservation Society. Im Jahr 2022 gründete er die Captain Paul Watson Foundation.
Herkunft und Privatleben Paul Watson wurde als Sohn von Anthony Joseph Watson und Annamarie Larsen geboren und wuchs in St. Andrews (New Brunswick), einem Fischerdorf an der kanadischen Ostküste, auf. 1968 trat er in die kanadische Küstenwache ein. 1969 heuerte er auf dem norwegischen Massengutfrachter Bris (35.000 BRT) für eine Reise nach Asien und Afrika an, kehrte jedoch bereits in den frühen 1970er Jahren zur Küstenwache zurück. Watson studierte Kommunikations- und Sprachwissenschaften an der Simon Fraser University in der kanadischen Provinz British Columbia. Er hielt Vorträge an Universitäten in der ganzen Welt und war von 1990 bis 1994 Professor für Ökologie am Art Center College of Design im kalifornischen Pasadena.
Watson hat eine Tochter und einen SohnWhale Wars' Captain Paul Watson Welcomes Son Tiger. People (Zeitschrift), 5. Oktober 20126., er besitzt die kanadische sowie die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.Umweltschutzgruppe: Sea-Sheperd-Gründer in Frankfurt festgenommen. Spiegel Online, 14. Mai 2012.
Aktivismus Frühes Mitglied von Greenpeace mini|250px|Paul Watson, 2005 Anfang der 1970er Jahre stieß Watson zur Friedensbewegung Don’t Make a Wave Committee. Die Gruppe wollte 1971 einen amerikanischen Atombombentest vor der Aleuteninsel Amchitka verhindern. Paul Watson hatte genug seemännische Erfahrung und übernahm sein erstes Umweltkommando auf einem Schiff. Den Atombombentest konnte die Gruppe nicht verhindern. Aus dieser Aktion entstand 1971 die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Seine Mitgliedsnummer bei Greenpeace war die 007. Da Robert Hunter als erste Mitgliedsnummer die 000 wählte, war er das achte Mitglied.Walschützer Paul Watson: 007 der Meere. Spiegel Online, 6. Januar 2010 in IVY World, 9. April 2008Militanter Umweltaktivist Watson: Nummer 007 in Haft. Spiegel Online, 14. Mai 2012 Der Angabe Watsons, eines der Gründungsmitglieder von Greenpeace zu seinWal-Schützer Watson über Gott und Würmer – Meine Mission ist einfach. In: taz, 26. Dezember 2012; abgerufen am 31. Dezember 2012, widerspricht die Organisation.
1975 diente Paul Watson als Erster Offizier unter dem Kommando von Kapitän John Cormack. Auf dieser Reise suchten sie die Konfrontation mit der sowjetischen Walfangflotte. Im Juni desselben Jahres waren Watson und Hunter die ersten Menschen, die ihr Leben für den Schutz der Wale einsetzten.Paul Watson bio: Sharkwater Actor auf tribute.ca In einem Schlauchboot versuchten sie, sich zwischen einem sowjetischen Schiff mit seiner Harpune und den Pottwalen zu positionieren. Die Wale konnten sie trotzdem nicht retten. Nach eigenen Angaben entschloss er sich danach, sein Leben zum Schutz der Wale und aller anderen Geschöpfe der Meere einzusetzen.
Bei einem Protest gegen die Robbenjagd 1977 auf dem Eis vor Kanadas Küste warf Watson die erbeuteten Felle und den Knüppel eines Robbenjägers ins Wasser. Es kam daraufhin innerhalb von Greenpeace zum Streit um den Einsatz von Gewalt, infolgedessen Watson die Organisation verließ. Seitdem lehnt Greenpeace eine Zusammenarbeit mit Watson ab, während Watson Greenpeace als zu moderat, zu bürokratisch und zu harmlos kritisiert.Wal-liebender Schiffeversenker in taz vom 8. Januar 2010 In: Süddeutsche Zeitung, 8. Januar 2010
Sea Shepherd Conservation Society
Nach der Trennung von Greenpeace 1977 gründete Watson die Sea Shepherd Conservation Society, welche gegen die Ausbeutung von Meereslebewesen kämpft.Torsten Hampel: Neptuns Admiral. In: Der Tagesspiegel. 5. Dezember 2010.
Das erste Schiff für die Umweltorganisation Sea Shepherd wurde im Dezember 1978 erworben und auf den Namen Sea Shepherd getauft. Sea Shepherd etablierte sich bald als eine der umstrittensten Umweltgruppen. Sie wurde bekannt für provokante Aktionen, die über den sonstigen Protest hinausgingen. Im Gegensatz zu moderaten Umweltschützern greift Watson zu aggressiven Mitteln, jedoch stets unter Beachtung des Gebots, keine Menschen zu verletzen. Unter anderem rammte er WalfängerKampf gegen den Walfang – Kollision auf hoher See. In: Süddeutsche Zeitung, 6. Februar 2009 und Schiffe illegal fischender Fangflotten und bewarf diese mit ungiftiger, jedoch sehr geruchsintensiver Buttersäure.Buttersäure auf Walfänger: Japan nennt Tierschützer Terroristen in Spiegel Online vom 3. März 2008 Diese „Stinkbomben“ sollten den Fang ungenießbar machen und damit die kommerzielle Verwertung ebendieses verhindern. Watson sieht sein Handeln durch internationales Recht abgesichert und beruft sich auf das Seerechtsübereinkommen von 1982 und das Internationale Übereinkommen zur Regelung des Walfangs, nach dem kommerzieller Walfang in diesen Gebieten zum jeweiligen Zeitpunkt verboten war. Watson bezeichnete das Handeln der Japaner als kriminell und seine Aktionen nur als Weg, gegen diese illegalen Aktivitäten vorzugehen.„Nur direkte Aktionen helfen den Walen“. In: taz, 26. Januar 2008; Interview mit Paul Watson seashepherd.org; abgerufen am 31. Dezember 2012
Rechtliche Auseinandersetzungen In einem isländischen Hafen versenkte die Sea Shepherd Conservation Society zwei Walfangschiffe. 1988 flog Paul Watson nach Reykjavík, wo er die isländische Regierung dazu zwingen wollte, ihn anzuzeigen und zu verhaften. Diese weigerte sich jedoch und verwies ihn nur des Landes.
Watson wurde 1993 in Kanada wegen seiner Handlungen gegen kubanische und spanische Fischerboote vor der Küste Neufundlands verklagt. 1997 wurde Watson in Abwesenheit von der norwegischen Regierung angeklagt und wegen des Versuchs verurteilt, den Fischkutter Nybrænna 1992 versenken zu wollen. Er erhielt eine Gefängnisstrafe von 120 Tagen. Die holländischen Behörden weigerten sich, ihn an die norwegischen Behörden zu übergeben und behielten ihn für 80 Tage in Haft.
Auf Veranlassung von Japan gab Interpol für Watson im Juni 2010 eine sogenannte blue notice heraus, die dazu dient, Informationen über Aktivitäten und den Aufenthaltsort einer Person einzuholen. Eine red notice, die einem Festnahmeersuchen entspricht, wurde nicht herausgegeben.Anti-whaling leader ‘on Interpol list’ in The Sydney Morning Herald vom 25. Juni 2010
2010 befreite Sea Shepherd unter der Leitung von Paul Watson 800 Blauflossen-Thunfische die illegal von dem Fischereiunternehmen Fish&Fish gefangen wurden. Das Unternehmen verklagte Watson, Sea Shepherd UK und die Sea Shepherd Conservation Society auf eine Million Euro Entschädigung. Fish&Fish verlor den Fall und musste seinerseits eine Zahlung über 250.000 € an Sea Shepherd leisten, um die Organisation für die angefallenen Gerichtskosten zu entschädigen.
Am 13. Mai 2012 wurde Watson am Flughafen in Frankfurt am Main aufgrund eines Festnahmebegehrens aus Costa Rica festgenommen.Captain Paul Watson in Frankfurt aufgrund eines von Costa Rica ausgestellten Haftbefehls festgenommen. In: seashepherd.org, 13. Mai 2012., abgerufen am 31. Dezember 2012 Die deutschen Behörden verhafteten Watson aufgrund eines am 25. Oktober 2011 von einem lokalen Gericht in Costa Rica erlassenen Haftbefehls wegen Behinderung der Schifffahrt. Dessen Grundlage geht auf einen Vorfall aus dem Jahr 2002 während der Dreharbeiten des Films Sharkwater – Wenn Haie sterben zurück. Damals hatte Paul Watson ein Schiff vor Costa Ricas Küste unter anderem mit einer Wasserkanone angegriffen, um es am Shark-Finning zu hindern. Die Behörden in Costa Rica betrieben das Verfahren nach zwei richterlichen Anhörungen und der Vorlage von Videoaufnahmen nicht weiter, Watson und sein Schiff wurden freigelassen. Watson warf Costa Rica vor, das Festnahmeersuchen sei auf japanischen Druck zustande gekommen. Hintergrund ist, dass der Haftbefehl nach einem japanisch-costa-ricanischen Regierungstreffen Ende 2011 erlassen wurde, nachdem Japan Costa Rica eine größere Geldspende überwiesen hatte.Spiegel Online International gesuchter Tierschützer: Paul Watsons Coup. In: Spiegel Online, 5. Dezember 2012. Am 14. Mai 2012 veröffentlichte Interpol eine Erklärung, wonach man bereits am 2. März 2012 allen 190 Mitgliedstaaten von Interpol schriftlich mitgeteilt habe, dass man für Paul Watson kein Festnahmeersuchen (red notice) herausgeben werde, da die Grundlage hierfür nicht gegeben sei. Mitteilung der Interpol vom 14. Mai 2012 Im März 2019 wurde die Anklage seitens Costa Ricas niedergelegt, nachdem Paul Watson sechs Monate zuvor vom Umweltminister Costa Ricas als „Held“ bezeichnet wurde.
Am 18. Mai 2012 entschied das Oberlandesgericht Frankfurt am Main, dass Watson gegen Zahlung einer Kaution von 250.000 Euro freizulassen sei. Bis zum Abschluss des Auslieferungsverfahrens dürfe er Deutschland jedoch nicht verlassen.Militanter Umweltaktivist Watson: Tierschützer kommt gegen Kaution frei. In: Spiegel Online, 18. Mai 2012. Am 21. Mai 2012 wurde er aus der Justizvollzugsanstalt in Frankfurt-Preungesheim entlassen. in Stern, 21. Mai 2012. Am 19. Juli stellte auch die japanische Küstenwache ein Auslieferungsgesuch. Paul Watson floh am 22. Juli aus Deutschland. Nach eigenen Angaben hatte er eine Warnung von einem Unterstützer aus dem deutschen Innenministerium bekommen, dass er beim nächsten Meldetermin bei der Polizei festgenommen und nach Japan ausgeliefert werden solle.Wal-Schützer Watson über Gott und Würmer: „Meine Mission ist einfach“. In: Taz de, 26. Dezember 2012.
Seit August 2012 hat Interpol den aus Deutschland geflohenen Paul Watson in einer sogenannten red notice zur Verhaftung ausgeschrieben. Eine weitere red notice wurde am 14. September 2012 herausgegeben, diesmal auf Anfrage von Japan. Nach mehr als vier Monaten, – zum Ende seiner Flucht um den halben Erdball per Schiff – im Dezember 2012, gab Paul Watson seinen damaligen Standort an Bord seines Flaggschiffes Steve Irwin, das sich vor der neuseeländischen Küste in internationalen Gewässern befand, der Öffentlichkeit bekannt.Jörg Michel: Gefangen auf hoher See. In: taz.de. 17. Dezember 2012, abgerufen am 20. Dezember 2012. Infolge der red notice trat er aus mehreren Ämtern zurück, darunter die Präsidentschaft von Sea Shepherd Australien und der Kapitänsposten der Steve Irwin. Im April 2016 kehrte Watson als Präsident des Board of Directors und des Executive Director der Sea Shepherd Conservation Society of the United States zurück. Er und seine Frau leben in Vermont.
Im Juli 2024 wurde Watson während eines routinemäßigen Tankstopps im Hafen der grönländischen Hauptstadt Nuuk festgenommen. Grundlage war die im Jahr 2012 in Japan ausgeschriebene Interpol-Fahndung, die ihm vorwirft, 2010 in der Antarktis ein japanisches Walfangschiff beschädigt zu haben. Fast 14 Jahre lang hatte Watson ungehindert über Grenzen reisen und ohne Probleme Irland, die Schweiz, Monaco, Frankreich und die USA bereisen können. Seine Verhaftung geschah deshalb für ihn unerwartet. Weil Fluchtgefahr angenommen wurde, kam er nicht wieder aus dem Gewahrsam. Die Untersuchungshaft wurde mehrfach verlängert. Die endgültige justiziable Entscheidung über eine Auslieferung nach Japan lag beim dänischen Justizministerium, weil Grönland ein (selbstverwalteter) Bestandteil des Königreichs Dänemark ist. Mitte Oktober 2024 hatte Watson politisches Asyl in Frankreich beantragt, wo er zuletzt lebte. Die Präsidentin der Tierschutzorganisation Sea Shepherd France, Lamya Essemlali, übermittelte Watsons Gesuch an Staatspräsident Emmanuel Macron. Kurz vor Jahresende 2024 wurde die Auslieferung an Japan abgelehnt und Watson freigelassen.