Die Honda ST 1100 Pan European ist ein Motorrad von Honda Motor Co., Ltd. Die Tourenmaschine wurde weltweit unter anderem als Einsatzmotorrad bei Polizei, Notärzten und Feuerwehren genutzt.Gerhard Siem: Motorräder: Die besten Bikes aller Zeiten. Heel. 30. Juni 2013, ISBN 978-3-86852-704-9, S. 132. Zitat: „ABS und eine erste Traktionskontrolle … gepaart mit Ausdauer und Zuverlässigkeit, machten die ausgereifte Pan European frühzeitig zu einem der sichersten Motorräder der Welt. So war die Honda ST 1100 Pan European auch als Einsatzmotorrad bei Polizei, Notarzt, Straßenwacht und Feuerwehr sehr beliebt.“

In Deutschland hat Honda etwa 8.400 Motorräder dieses Typs verkauft.Dieter Höner: Service, Gebrauchtkauf Honda ST 1100 Pan European Fernfahrers Liebling In: Zeitschrift Tourenfahrer Nr. 6, 2014, S. 90. Anfang 2016 waren davon in Deutschland nach der Bestandsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamtes noch 2.757 Stück zugelassen. Webseite des KBA. Bestand an Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern nach Herstellern und Handelsnamen, Seite 481, 1. Januar 2016 (FZ 2). Abgerufen am 8. Februar 2017.

Entwicklung und Modellgeschichte Das Motorrad wurde in Deutschland im Honda Research and Development Center in Offenbach unter dem Projektnamen Transeuropa als Konkurrenz zur BMW K 100 LT (Luxus Tourer) entwickelt und zuerst nur in Japan, später auch in Honda-Werken in Europa gebaut.Reiner H. Nitschke: Touren-Test Honda Pan-European: Souveräne Zähmung. In: Zeitschrift Tourenfahrer Nr. 3, 1990, S. 24.Touring News: Neuer Supertourer: Honda Pan-European. In: Zeitschrift Tourenfahrer Nr. 6, 1989, S. 9. Als Vorgabe forderte Honda von den Entwicklern hohe Reichweite, perfekten Wetterschutz und Komfort sowie ein integriertes serienmäßiges Gepäcksystem, das zwei Integralhelme fasst, dazu sichere Fahreigenschaften bei voller Beladung und Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen, verbunden mit handlichem Fahrverhalten und absoluter Zuverlässigkeit. Die Entwicklungsabteilung in Offenbach entwarf, angelehnt an die großen V2-Reisemaschinen von Moto Guzzi, ein Motorrad mit Kardanantrieb und neu entwickeltem, längs eingebautem V4-Motor, hohem und breitem Windschutz und vollständig geschlossenen Seitenverkleidungen mit integrierten 35-Liter-Koffern.

Markteinführung 1990 brachte Honda die ST 1100 (Sport Touring 1100), in Europa versehen mit dem Beinamen Pan European, auf den Markt. Ab 1992 war gegen Aufpreis von 2.500 DM ein Antiblockiersystem mit Traktionskontrolle (TCS) lieferbar.Martin Schempp: Touren-Test Honda ST 1100 ABS-TCS: Jetzt ist sie fast perfekt. In: Zeitschrift Tourenfahrer Nr. 1/2, 1993, S. 22. Ab 1993 reduzierte Honda die Leistung von 100 auf 98 PS, um eine günstigere Versicherungseinstufung zu erreichen.

Überarbeitung Ab 1996 gab es eine Verkleidungsscheibe mit Schlitzen zur Verringerung des Sogs hinter der Scheibe, neue Seitenverkleidungen und auf Wunsch vieler Behörden, die das Motorrad mit Funk und Signaleinrichtungen betrieben, eine stärkere 480-Watt-Lichtmaschine, dazu 43-mm-Standrohre für die Teleskopgabel, einen breiteren Vorderreifen (120/70 ZR 18 statt 110/80 V 18) bei gleichbleibendem Lenkkopfwinkel (63 Grad) und Nachlauf (100 mm). Der Hinterradreifen blieb in der Dimension gleich (160/70 ZR 17), wurde jedoch wie der Vorderradreifen auf Radialbauweise umgerüstet. Die ABS-Version erhielt das bereits 1993 in der CBR 1000 F eingeführte DUAL-CBS-Verbundbremssystem.Intern/News: Starke Bremse In: Zeitschrift Tourenfahrer Nr. 10, 1995, S. 4.

Nachfolge ST1300 Das Motorrad wurde von 1990 bis 2002 gebaut und 2003 von der ST1300 Pan European abgelöst, die Honda auf der Intermot in München im September 2002 vorstellte. Dieses Modell konnte aber wegen Fahrwerksschwächen nicht an den Erfolg der ST 1100 anknüpfen.Honda ST 1100 Pan European: Der Name ist Programm. Webseite Bikerszene. Volker Hellmann. Vergleich Honda ST 1100 und ST 1300. Abgerufen am 16. April 2015.

Technik und Sicherheit Honda ST 1100 (1990–2002)DatenMotor 4-Zylinder-Viertakt 90°-V-MotorHubraum 1085 cm³Bohrung × Hub 73 × 64,5 mmVerdichtung1 : 10Leistung bei 1/min 72 kW (98 PS) bei 7500VergaserGleichdruck 31,6 mm DurchlassKühlung Wasserkühlung (mit elektr. Ventilator)Getriebe 5-Gang-Getriebe mit FußschaltungKupplungMehrscheibenkupplung im ÖlbadRahmen Doppelschleifen-StahlrohrrahmenBremse vorne Doppelscheibenbremse, Ø 296 mmBremse hinten Scheibenbremse, Ø 296 mmAntiblockiersystem optionales ABS mit TraktionskontrolleFederung vorn Teleskopgabel, Ø 43 mm, hydraulisch gedämpftFederung hinten einzelnes Teleskopfederbein rechtsRadstand1555 mmGesamtlänge2285 mmGesamtbreite900 mmLenkerbreite780 mmSitzhöhe800 mmSitzbanklänge690 mmReifengröße vorne 120/70 ZR 18Reifengröße hinten 160/70 ZR 17Eigengewicht 318 kgZul. Gesamtgewicht517 kgTankinhalt 28 LiterNormverbrauch 6,5 l/100 km (Normalbenzin)Höchstgeschwindigkeit 216 km/h miniatur|Motor ohne Verkleidung miniatur|CBS-ABS ab 1996 Der nach dem Vorbild von Moto Guzzi längs und sehr tief eingebaute 90°-V4-Motor ermöglicht einen Kardanantrieb ohne Umlenkgetriebe und macht das Motorrad handlicher als mit quer eingebautem Motor, da das Kreiselmoment der mit hoher Drehzahl rotierenden Kurbelwelle den Schräglagenänderungen nicht entgegenwirkt. Außerdem rotiert die Kupplung gegenläufig zur Kurbelwelle, um das guzzitypische Kippmoment beim Gasgeben zu verringern. Der Motor ist flüssigkeitsgekühlt, hat vier Ventile pro Zylinder und vier Vergaser. Der Kühler wird durch einen elektrischen Ventilator unterstützt, der sich bei hohen Temperaturen über einen Temperaturregler zuschaltet. Der Verbrauch liegt bei etwa 6,5 Liter Normalbenzin für 100 km bei Autobahnrichtgeschwindigkeit 130 km/h, unabhängig von der Beladung.Martin Schempp: Touren-Test Honda ST 1100 ABS-TCS: Jetzt ist sie fast perfekt. In: Zeitschrift Tourenfahrer Nr. 1/2, 1993, S. 26.

Der V-Motor zieht schon ab 1000 Umdrehungen ruckelfrei mit wenig Drehmoment, was das Motorrad auf Fahrten bei nasser Fahrbahn leicht beherrschbar macht.Martin Schempp: Touren-Test Honda ST 1100 ABS-TCS: Jetzt ist sie fast perfekt. In: Zeitschrift Tourenfahrer Nr. 1/2, 1993, S. 25. Wo bei anderen Motorrädern der Tank montiert ist, sitzt bei der ST 1100 ein großer Luftfilter aus dem Pkw-Bereich, der große Stahlblechtank liegt schwerpunktgünstig im Rahmendreieck unter der Sitzbank und ermöglicht auf Landstraßen Reichweiten von über 500 km.Reiner H. Nitschke: Touren-Test Honda Pan-European: Souveräne Zähmung. In: Zeitschrift Tourenfahrer Nr. 3, 1990, S. 33. Der Doppelscheinwerfer ist mittels Handrad aus dem Cockpit höhenverstellbar, in Deutschland durfte ab Werk aber nur einer der beiden Abblendscheinwerfer leuchten. Die Schwinge stützt sich auf ein verstellbares Federbein rechts.

Schon das ABS der ersten Generation enthielt mit dem TCS (Traction Control System) eine Antriebsschlupfregelung, 15 Jahre, bevor sie BMW 2007 in der K 1200 GT als Neuheit für sich in Anspruch nahm.Till Kohlmey: Anti-Schlupf. In: Zeitschrift Tourenfahrer Nr. 3, 2007, S. 14/15. Ab 1996 integrierte Honda die bei Moto Guzzi bewährte Verbundbremse, die beim Tritt auf das Bremspedal beide Räder verzögerte, in sein DUAL-ABS-CBS (Combined Brake System). Bei diesem System werden über Drei-Kolben-Bremszangen immer beide Räder gebremst, auch wenn der Fahrer nur den Hand- oder Fußbremshebel betätigt.Richard Rompa: Bremsen ohne Wenn und Aber. In: Zeitschrift Tourenfahrer Nr. 1/2, 1996, S. 10/11.

Design und Komfort Die ausladende Verkleidung mit den als Windschutz für die Hände integrierten Spiegeln bietet dem Fahrer und Beifahrer Schutz vor Wind und Regen.Norbert Kappes: Vergleichstest Supertourer Upper Class In: Zeitschrift MOTORRAD Ausgabe 16/1994, S. 20. Sturzgefährdete Unterseiten von Verkleidung und Koffern sind nicht lackiert, sondern waren bei der ersten Serie hellgrau durchgefärbt und ab 1996 dunkelgrau. Serienmäßig hat das Motorrad zwei Sturzbügel, die sich unter zwei grauen Flügeln links und rechts an der Verkleidung verbergen und bei einem Sturz Schäden an der mehrteiligen Verkleidung gering halten sollen.Reiner H. Nitschke: Touren-Test Honda Pan-European: Souveräne Zähmung. In: Zeitschrift Tourenfahrer Nr. 3, 1990, S. 24. Außerdem erleichtern sie es dem Fahrer, eine auf der Seite liegende Maschine wieder aufzurichten. Die zwei Spiegel klappen bei Stürzen ein, die lackierten Spiegelgehäuse sind mit Druckknöpfen befestigt und hängen nach Kontakt mit Hindernissen unverlierbar an Sicherungsbändern.

Manche Motorradfahrer bezeichnen die Pan European als Auto auf zwei Rädern und bemängeln das hohe Gewicht.Alles Roger – Gebrauchtkauf Honda ST 1100. Webseite der Zeitschrift Motorrad. Abgerufen am 15. April 2015. Auch in Druckausgabe: Peter Limmert: Alles roger In: Zeitschrift MOTORRAD Ausgabe 9/1996, S. 186–193. Durch den längs eingebauten V-Motor wird der ST 1100 ein einfaches Fahrverhalten nachgesagt.Reiner H. Nitschke: Touren-Test Honda Pan-European: Souveräne Zähmung. In: Zeitschrift Tourenfahrer Nr. 3, 1990, S. 28 und 31/32. Der vierte Gang reicht bis 205 km/h und der fünfte Gang dient als Overdrive zur Drehzahlsenkung. Bei 200 km/h beträgt die Motordrehzahl nur 6500/min.Reiner H. Nitschke: Touren-Test Honda Pan-European: Souveräne Zähmung. In: Zeitschrift Tourenfahrer Nr. 3, 1990, S. 28. Die lange und breite Sitzbank ermöglicht Fahrer und Beifahrer auch auf sehr langen Tagesetappen über 1000 km eine bequeme Sitzposition.Martin Schempp: Touren-Test Honda ST 1100 ABS-TCS: Jetzt ist sie fast perfekt. In: Zeitschrift Tourenfahrer Nr. 1/2, 1993, S. 28. Die Zuladung ist mit 200 kg im Gegensatz zu vielen anderen Tourern ausreichend für zwei Erwachsene mit Schutzkleidung und Gepäck.

Ab Werk wurden Griffheizung, ein Topcase in zwei Größen, Verbreiterungen der Verkleidung und Spiegelaufsätze als zusätzlicher Windschutz für die Hände angeboten. Der Tourenlenker von Magura und eine höhere Verkleidungsscheibe können die Ergonomie der ST für besonders kleine oder große Fahrer noch verbessern.Martin Fütterer: Aufrechte Sache: ST 1100-Hochlenker In: Zeitschrift Tourenfahrer Nr. 9, 1994, S. 79. In den meisten Modelljahren wurde die ST 1100 in zwei neuen Farben angeboten.. Webseite des STOC Germany. Abgerufen am 21. April 2015.

Praxistauglichkeit und Langlebigkeit Das hohe Gewicht der ST 1100 von 318 kg ohne und noch 9 kg mehr mit ABS macht sich beim Rangieren im Stand deutlich bemerkbar. Mit einem ausklappbaren Handgriff unter der linken Sitzbankkante kann das Motorrad aber auch von kleinen Personen auf dem Hauptständer aufgebockt werden.Martin Schempp: Touren-Test Honda ST 1100 ABS-TCS: Jetzt ist sie fast perfekt. In: Zeitschrift Tourenfahrer Nr. 1/2, 1993, S. 28. Sobald das Motorrad fährt, spürt der Fahrer das Gewicht nicht mehr,Reiner H. Nitschke: Touren-Test Honda Pan-European: Souveräne Zähmung. In: Zeitschrift Tourenfahrer Nr. 3, 1990, S. 27. Zitat: Zunächst besteigt ein jeder dieses Motorrad mit Respekt, um sich allerdings nach den ersten Metern, den ersten Kurven zu fragen: Wo haben die Japaner eigentlich die satten sechs Zentner versteckt? Rasch wird auch klar, wie fahrlässig oft mit der Aussage „ja, wenn sie einmal rollt, dann ist sie aber handlich“ umgegangen wird. Alle anderen Boliden dieser Klasse und sogar weitaus leichtere Maschinen sind im Vergleich zur ST tatsächlich „Eisenhaufen“. die Bremsen verzögern sehr gutMartin Schempp: Touren-Test Honda ST 1100 ABS-TCS: Jetzt ist sie fast perfekt. In: Zeitschrift Tourenfahrer Nr. 1/2, 1993, S. 24. und die Beschleunigung ist mit 4,3 Sekunden auf 100 km/h angegeben. Die Inspektionsintervalle betragen 12.000 km; der Zahnriemen aus dem Honda Accord muss alle 100.000 km gewechselt werden.