Video Computer 4000 260px|Logo 280px|Video Computer 4000 300px Verkaufsstart und Neupreis 1978 für 398 DM 1978 für 129,95 £ Einstellung der Produktion Mitte 1983 Hauptprozessor Signetics 2650A @ 0,887 MHz Arbeitsspeicher ab Werk 37 Byte Grafikausgabe 128 × 200 in 2 Farben, 4 einfarbige Sprites pro Zeile Tonausgabe 1 Tongenerator (Ausgabe über TV) Lieferumfang (Westdeutschland) Computer, Netzteil, Anleitung, zwei Controller, zwei Styroporschalen, Verpackung

Der Interton Video Computer 4000 oder kurz Interton VC 4000 ist eine Videospielkonsole der Interton-Electronic Hörgeräte GmbH. Sie basiert auf dem Mikroprozessor Signetics 2650A und war ab 1978 in der Bundesrepublik Deutschland erhältlich, wenig später auch in anderen europäischen Ländern. Erstmals verfügte mit diesem Gerät eine Spielkonsole über einen Controller mit analogen Joysticks und Funktionstastenfeld. Die Produktion wurde wegen Insolvenz des Herstellers im Mai 1983 eingestellt.

Der VC 4000 gilt als die einzige mikroprozessorgesteuerte Videospielkonsole, die in Deutschland entwickelt wurde. Ihre speziellen Controller werden als wegweisend für verschiedene Videospielkonsolen der darauffolgenden Generation angesehen.

Entwicklung und Vermarktung Mitte der 1970er Jahre beschloss die in Köln ansässige Interton-Electronic Hörgeräte GmbH die Entwicklung einer eigenen mikroprozessorgesteuerten Spielkonsole. Durch deren Programmierbarkeit sollte ein leichter und preiswerter Austausch von Spielen in Form von Steckmodulen mit eingebauten ROM-Speicherchips ermöglicht werden. Ein solcher Wechsel war mit den damals weit verbreiteten festverdrahteten Konsolen in den meisten Fällen nicht möglich oder die Austauschmodule waren durch die Vielzahl ihrer elektronischen Bauelemente in der Herstellung wesentlich teurer. Häufig musste für jedes neue Spiel eine entsprechende Konsole erworben werden.David Churchill: All systems go for video games sales. Financial Times, 23. Dezember 1978, S. 3. Expertise im Bereich der Unterhaltungselektronik hatte sich Interton zuvor mit Konsolen wie beispielsweise Interton Video 2000 und Interton Video 3000 erworben.Die neue deutsche Videospiel-Welle. TeleMatch, April/Mai 1983, S. 41.David Winter Interton Video 2000. Abgerufen am 3. Mai 2019.

Die Entwickler des neuen „Videocomputer-Spielsystem“ wählten bei Konstruktionsbeginn im Jahr 1976 den Mikroprozessor Signetics 2650 als Grundlage ihrer Systemarchitektur. Ob die Kombination mit weiteren elektronischen Komponenten in Eigenregie geschah oder ob Interton auf das häufig zitierte 1292 Advanced Programmable Video System des Unternehmens Radofin International zurückgriff, ist ungeklärt.VC 4000. IGDB.com, abgerufen am 1. Mai 2019.Vom Hörgerät zum Computerspiel. Heinz Nixdorf MuseumsForum, 27. Juli 2018, abgerufen am 1. Mai 2019.Gerhard Jungsberger: Interton VC4000. Jungsis Corner, 9. September 2016, abgerufen am 1. Mai 2019. Während der bis ins Jahr 1977 hineinreichenden Entwicklungsarbeiten stattete mit Interton erstmals ein Hersteller seine Konsole mit Controllern aus, die über einen analogen Joystick und ein integriertes Tastenfeld zur Spielbedienung verfügten. Als Produktionsstandort wählte Interton Irland.

Ein Prototyp des Geräts wurde der Öffentlichkeit am 29. August 1977 auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin vorgestellt. Dort verkündete Interton auch den geplanten Verkaufsstart für den Februar 1978 und einen Preis von etwa 300 DM.Blackjack und Schach: Fernsehschirm wird zur "Spielwiese". Pforzheimer Zeitung, 31. August 1977, S. 7.Henning Kriebel und Winfried Knobloch: Glotzen-Spiele. ELO, November 1977, S. 38. Die Markteinführung verzögerte sich jedoch bis Herbst des Jahres.Video-Computer. ELO, November 1978, S. 11. Die zwischenzeitlich in „Video Computer 4000“ oder kurz „VC 4000“ umbenannte Konsole konnte dann in Westdeutschland und in Großbritannien in Warenhäusern und über den Versandhandel erworben werden. Der Hersteller betonte in der begleitenden gedruckten Werbung insbesondere die innovative Nutzung des heimischen Fernsehers („Ihr Fernsehgerät kann mehr, als Sie glauben“) durch ein „zukunftssicheres“ Gerät, mit dem man alle von Interton „heute, morgen und übermorgen“ herausgebrachten Spiele nutzen könne.Interton VC 4000 (1978-1983). The Vintage Machine, 28. Mai 2011, abgerufen am 1. Mai 2019.

Der Preis im Katalog 1978/79 von Quelle GmbH beispielsweise betrug zunächst 398 DM (entspricht heute etwa  EURDiese Zahl wurde mit der Vorlage:Inflation ermittelt, ist auf volle 10 EUR gerundet und vergleicht 1978 mit Januar .), wurde aber bereits im Jahr 1979 auf 298 DM (heute ca.  EUR) gesenkt. In Großbritannien kostete das Gerät bei Verkaufsstart 129,95 Pfund SterlingAngus Robertson: From Television to Home Computer. Blandford Press, 1979, ISBN 0713709731, S. 193., womit es etwa 25 Prozent teurer als in Westdeutschland war.Britisches Pfund: Entwicklung des Wechselkurses. Reisebuch.de, abgerufen am 6. Mai 2019. Der VC 4000 war damit bei Erscheinen sowohl in Deutschland als auch Großbritannien günstiger als die ebenfalls 1978 erschienene Konsole Philips G-7000. Vermutlich kurz nach dem Verkaufsstart war das Gerät über regionale Anbieter auch in Österreich, den Niederlanden, Frankreich, Spanien und Australien erhältlich.Jens Brinkmann und Stephan Freundorfer: Interton VC 4000. Bundesrepublik Pong, 31. März 2010, abgerufen am 1. Mai 2019. x37px Im Jahr 1979 lizenzierte Interton den VC 4000 an den Elektronikkonzern Grundig.Der Mitspieler. ELO, Dezember 1979, S. 50. Wegen seines speziellen TV-Anschlusses konnte dieser ansonsten fast baugleiche Super Play Computer 4000 nur mit Super-Color-Fernsehern von Grundig betrieben werden.K. Maul: Der GRUNDIG Super Play Computer 4000. Grundig Technische Informationen, Heft 4/1979, S. 149 ff. Im Produktkatalog Grundig-Revue von 1979 beschrieb der Hersteller seine Konsole daher als „ideale[s], immer aktuelle[s] Tele-Spiel-System für Ihr Super Color Spitzenmodell“, das „zu jeder Tages- und Nachtzeit Spielspaß ohne Grenzen, Unterhaltung und Lernstoff am laufenden Band“ biete.Viele intelligente Tele-Spiele: Grundig Super Play Computer 4000. Grundig-Revue, 1979, S. 42. Das Gerät wurde zusammen mit dem Spielmodul Autorennen ausgeliefert und kostete Ende 1979 etwa 380 DM. Die Körting Hannover AG brachte mit dem Tele-Video-Computer TVC 4000 ein weiteres Lizenzgerät auf den Markt.Gerhard Jungsberger: Körting Tele-Multi-Play 825/042. Jungsis Corner, 12. November 2017, abgerufen am 16. Juni 2019.

Nach und nach stellte Interton insgesamt 37 Spiele für den VC 4000 zur Verfügung. Die ersten Titel kosteten im Quelle-Katalog von 1978/79 zunächst 49,95 DM, nur wenig später waren die Preise auf bis zu 99 DM angehoben worden. In Großbritannien konnten die Module für 15 Pfund Sterling erworben werden. Im Mai 1983 stellte das in Konkurs gegangene Unternehmen Interton die Produktion ein und es wurde mit dem Ausverkauf noch verbliebener Bestände begonnenHartmut Huff: Das Grosse Videospiel-Zittern. TeleMatch, August 1984, S. 13.Messenotizen. TeleMatch, August/September 1983, S. 75.. Verkaufszahlen sind nicht bekannt.

+ Preisentwicklung im Quelle-Katalog 1978/79 1979 1979/80 1980 1980/81 1981 1981/82 1982 1982/83 1983 398 DM 298 DM 298 DM 298 DM 298 DM 298 DM 328 DM 328 DM unbekannt 289 DM

Technische Details Auf der Oberseite des Plastikgehäuses befinden sich der Aufnahmeschacht für das Steckmodul und diverse Tasten zur Steuerung des Geräts. Die elektronischen Komponenten befinden sich auf einer Platine, die im Inneren des Gehäuses verbaut ist. Die beiden identischen, jeweils etwa 200 Gramm schweren Controller können zum Spielen den entsprechenden Gehäusemulden entnommen werden. Verbunden sind sie mit dem Grundgerät jeweils über ein ca. 1 Meter langes Kabel, das an der Rückseite der Konsole eingesteckt wird.Alles unter Kontrolle. TeleMatch, Juni/Juli 1983, S. 15.

Hauptprozessor Der VC 4000 basiert auf dem 8-Bit-Mikroprozessor Signetics 2650A mit einem Systemtakt von ca. 0,887 MHz.K. Maul: Der GRUNDIG Super Play Computer 4000. Grundig Technische Informationen, Heft 4/1979, S. 151. Diese CPU kann auf einen Adressraum von 32768 Byte zugreifen, was auch die theoretisch mögliche Obergrenze des Arbeits- bzw. Festwertspeichers von 32 Kilobytes (KB) festlegt.H. Bernstein: TV-Computerspiele. Frech-Verlag Stuttgart, 1980, ISBN 3-7724-0436-7, S. 14. Der Adressraum segmentiert sich beim VC 4000 in verschiedene Abschnitte unterschiedlicher Größe. Aus praktischen Gründen ist es üblich, für deren Adressen anstelle der dezimalen Notation die hexadezimale zu verwenden. Ihr wird zur besseren Unterscheidbarkeit üblicherweise ein $-Symbol vorangestellt. Den Adressen von 0 bis 32767 in dezimaler Notation entsprechen im hexadezimalen System die Adressen $0000 bis $7FFF. Die bis zu 6 KB umfassenden Inhalte von Steckmodulen etwa werden beim VC 4000 ab der Speicheradresse $0000 eingeblendet.Johannes Maibaum: Retrocomputing als praktische Medienarchäologie. Projektarbeit, 28. September 2015, S. 2.James Jacobs: Interton VC 4000 Coding Guide. 27. Dezember 2017, abgerufen am 1. Mai 2019.

Unmittelbar nach dem Einschalten des Geräts mit dem Schiebeschalter beginnt die CPU mit dem Auslesen der Inhalte eines eingesteckten Spiels: es erscheint zunächst ein roter Farbstreifen auf dem Bildschirm. Durch Betätigen der Einlesetaste (Doppelpfeil-Piktogramm) wird nun das erste Spiel des Steckmoduls gestartet. Mithilfe der Fortschalt-Taste (Pfeil-Piktogramm) können weitere Spiele bzw. Spielvariationen ausgewählt und durch Drücken der Start-Taste ausgeführt werden.K. Maul: Der GRUNDIG Super Play Computer 4000. Grundig Technische Informationen, Heft 4/1979, S. 149. Die Konsole verfügt über keine eigene Firmware.

Grafik- und Tonerzeugung mini|Screenshot von Ballspiele mit Schlägern (schwarzes und rotes Sprite), Ball (gelbes Sprite), Spielfeld (dunkelblauer Rahmen) und separater Punkteanzeige für jeden Spieler (Ziffernblöcke oben) Die Grafik- und Tonerzeugung übernimmt der ebenfalls von Signetics stammende elektronische Baustein Programmable Video Interface 2636, der im Adressbereich von $1E80 bis $1FFF angesprochen wird. Der VC 4000 stellt mit seiner Hilfe maximal 128 horizontale und 200 vertikale Bildpunkte dar. Der Bildschirm für die Spielfläche ist dabei in 16 × 20 unterschiedlich hohe, aber jeweils acht Bildpunkte breite Zellen eingeteilt. In allen Zellen können lediglich vier verschiedene horizontale Punktemuster dargestellt werden. Das vom VC 4000 erzeugbare Spielfeld beschränkt sich daher auf gitterartige Strukturen, erweitert um die Möglichkeit, im oberen und unteren Bereich Punktestände einzublenden.Dieter König: Interview With Hans-Heinz Bieling. Classic Consoles Center, 8. September 2003, abgerufen am 1. Mai 2019. Es steht eine Auswahl von insgesamt acht Farben zur Verfügung, wobei für das Spielfeld lediglich zwei (Vordergrund und Hintergrund) gleichzeitig darstellbar sind.Signetics: Signetics Programmable Video Interface (PVI) 2636. Abgerufen am 1. Mai 2019.K. Maul: Der GRUNDIG Super Play Computer 4000. Grundig Technische Informationen 4/1979, S. 150.

Der Grafikbaustein erlaubt es zudem, bis zu vier unabhängige Grafikobjekte pro Zeile zu ergänzen. Diese Sprites werden gemäß benutzerdefinierbaren Überlappungsregeln in das aktuelle Hintergrundbild kopiert und dann einer Kollisionsprüfung unterzogen. Dabei wird festgestellt, ob sich die Sprites untereinander oder Teile des Hintergrundbildes wie beispielsweise Labyrinthwände berühren. Diese Fähigkeiten dienen der vereinfachten Erstellung von Spielen mit interagierenden Grafikobjekten und schnellem Spielgeschehen.