Ozy and Millie ist ein Comicstrip von D. C. Simpson (früherer Name David Simpson). Erstmals erschien er 1997 in der College-Zeitung Copper Point Journal. Vom 29. April 1998 bis zur Einstellung am 23. Dezember 2008 wurde er als Webcomic veröffentlicht und mehrmals pro Woche aktualisiert.
Wesentliches Handlungselement des Comicstrips sind die Schwierigkeiten junger Schüler, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen. Die beiden zehnjährigen Füchse Ozy und Millie sind die namensgebenden Hauptcharaktere des Comicstrips, in dem ausschließlich anthropomorphe Tiere auftreten. Seine Komik geht vor allem vom Gegensatz zwischen dem absurden Verhalten der Comicfiguren und den dabei gleichzeitig thematisierten ernsten moralischen und philosophischen Fragestellungen aus.
Charaktere Ozy Ozy lebt zusammen mit seiner ebenfalls zehnjährigen Freundin Millie in der fiktiven amerikanischen Kleinstadt North Harbordale. Ozy ist ein Polarfuchs, sollte nach Angaben des Zeichners aber ursprünglich einen Wolf darstellen. Nachdem David Simpson im November 1999 einige Fotos junger Polarfüchse gezeigt worden waren, änderte er aufgrund der großen Ähnlichkeit jedoch seine anfängliche Klassifizierung.
Ozys voller Name, Ozymandias J. Llewellyn, geht auf das Gedicht Ozymandias über den ägyptischen König Ramses II. (1304–1237 v. Chr.) von Percy Bysshe Shelley zurück:
„My name is Ozymandias, king of kings: Look on my works, ye Mighty, and despair!“ („Mein Name ist Ozymandias, König der Könige! Seht meine Werke, ihr Mächtigen, und verzweifelt!“)
Simpson hat Ozymandias als Namen vor allem deshalb gewählt, weil die zentrale Aussage des Gedichts, die Vergänglichkeit des Seins, auch zu den Leitmotiven des von Ozy praktizierten Zen-Buddhismus zählt. Auch weitere zentrale Motive des Gedichts wie die Arroganz der Macht und das oft ambivalente Verhältnis des Künstlers zu seiner Schöpfung werden in Ozy and Millie ab und zu aufgegriffen.
Ozys Markenzeichen ist sein großer Zylinder, welchen er von seinem Vater Llewellyn erhalten hat, als ihn dieser im Alter von einem Jahr adoptierte. Ozy trägt keine Hose, was ungeachtet der Tatsache, dass dies auch auf einige andere Charaktere wie zum Beispiel Avery zutrifft, des Öfteren Auslöser einer dahingehenden spitzen Bemerkung seitens Millies ist.
Ozy ist ein nachdenklicher, ruhiger Typ und stellt damit ein dankbares Opfer für die anderen Schüler dar. Während er Millies Streiche gelassen über sich ergehen lässt, hat er sehr unter den Nachstellungen des Schulschlägers Jeremy zu leiden. Hin und wieder gelingt es ihm zumindest, Millie mit einer pointierten Bemerkung über den Wahnwitz ihres Verhaltens den Wind aus den Segeln zu nehmen. Unter Anleitung seines Vaters Llewellyn übt sich Ozy in der Kunst des Zen, oder besser gesagt einer witzigen Variante davon, deren Grundsätze fast immer als Antithese formuliert sind: „It has been said that, while knowledge is acquired by learning… Wisdom is acquired by unlearning.“ („Wissen erlangt man durch Lernen, Weisheit durch Verlernen!“)
Millie „I act weird because I figure, hey, I’m gonna be an outcast anyway, so I might as well do it with style.“ („Ich verhalte mich so seltsam, weil… nun ja, egal was ich mache, ich werde sowieso wie eine Aussätzige behandelt; so tue ich es wenigstens mit Stil.“) – Millie
Ozy verbringt viel Zeit mit seiner besten Freundin Millie, einer Rotfüchsin. Millicent Mehitabel Mudd, wie ihr voller Name lautet, ist zwar genauso intelligent wie Ozy, im Gegensatz zu ihm aber nie um eine Entschuldigung verlegen, wenn es darum geht, sich vor anstehender Arbeit zu drücken.
Sie lehnt sich zudem gegen jede Form von Autorität auf, was selbstverständlich weder von ihren Lehrern noch von ihrer ansonsten verständnisvollen Mutter Ms. Mudd toleriert werden kann. Ihre anarchistisch-destruktive Einstellung wird auch zu vielen anderen Anlässen deutlich, womit sie nicht nur sich, sondern auch Ozy immer wieder in Schwierigkeiten bringt. Millie spricht aus, was andere denken, und tut, was andere aus Angst vor den Reaktionen ihrer Mitmenschen niemals wagen würden. Sie ist nicht bereit, sich einfach damit abzufinden, in einer ungerechten Welt zu leben, in der nur Oberflächlichkeiten zählen. Aufgrund ihres Alters von nur zehn Jahren beschränkt sich ihre Rebellion gegen das Establishment jedoch zumeist darauf, ihre Mutter zu ärgern, Ozy Streiche zu spielen und gegen die Schulordnung zu verstoßen. Trotz ihres ungezogenen Verhaltens dient sie Ozy aber nicht nur als witziger Sidekick, sondern ist gelegentlich auch melancholisch oder geht wie Ozy in sich, um über moralische oder philosophische Fragestellungen nachzudenken.
Llewellyn und Ms. Mudd „Whatever does not kill me makes me stranger.“ („Was mich nicht umbringt, macht mich seltsamer.“) – Llewellyn
Ozys Adoptivvater Llewellyn ist ein roter Drache, dessen Verhalten getreu dem obigen Zitat nur als seltsam zu beschreiben ist. Wenn er nicht gerade als Vorsitzender der Zen-Partei für die amerikanische Präsidentschaft kandidiert, indem er nicht für die amerikanische Präsidentschaft kandidiert, gibt er seinem Sohn, während er ein Bad in Bananenpudding nimmt, mehr oder weniger kluge Ratschläge fürs Leben.
Llewellyn führt eine platonische Beziehung mit Millies ebenfalls alleinerziehender Mutter Ms. Mudd, von deren Vornamen nur bekannt ist, dass er mit dem Buchstaben M beginnt. Llewellyn und Ms. Mudd werden als liebevolle Eltern porträtiert, die ihre Kinder stets dazu anhalten, sich ihre eigenen Gedanken zu machen. Insbesondere Ms. Mudd, die als Anwältin arbeitet, muss ihrer aufgedrehten Tochter dabei aber immer wieder ihre Grenzen aufzeigen.
Avery, Timulty und Stephan „Look, if dignity were cool, Jimmy Carter would have groupies.“ („Wenn Würde cool wäre, hätte Jimmy Carter Groupies gehabt.“) – Avery
Avery ist ein Waschbär, der alles dafür tut, um „cool“ zu sein. In seinem Streben danach, andere „coole“ Schüler von seiner eigenen „Coolheit“ zu überzeugen, übersieht er, dass dies von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, weil es einfach nicht „cool“ ist, mit aller Gewalt „cool“ sein zu wollen. Verwunderlich dabei ist, dass Avery trotzdem oft mit dem Computerfreak Stephan zusammen ist, dem zweifellos „uncoolsten“ Charakter des ganzen Comicstrips. Avery ist zutiefst materialistisch eingestellt und schickte seinen Wunschzettel in einem Strip etwa an Tommy Hilfiger statt an den Weihnachtsmann. Seinen jüngeren Bruder Timulty tadelt Avery ständig für dessen Naivität und er stellt sich zuweilen sogar gegen Ozy und Millie, wenn ihm dies opportun erscheint. Als Verlierertyp, der zumindest gelegentlich die Einsicht zeigt, dass die Freundschaft zu Ozy, Millie und Stephan wichtiger ist als von einer anonymen Masse als „cool“ anerkannt zu werden, bietet er trotzdem gewisse Identifikationsmöglichkeiten.
„Who better than a little naked raccoon child to announce that the emperor has no clothes?“ („Wer wäre besser dafür geeignet, auszusprechen, dass der Kaiser keine Kleider trägt, als ein nackter Waschbärwelpe?“) – D. C. Simpson über Timulty
Averys jüngerer Bruder Timulty verkörpert im Gegensatz dazu die reinste Form kindlicher Unschuld, wie sie von William Blake beschrieben wurde. In einigen der besten Strips ist es Timulty, der mit seiner kindlichen Naivität das sinnlose Streben seines Bruders nach Anerkennung ad absurdum führt oder der Gesellschaft einen Spiegel vorhält.
Stephan, ein Erdferkel, ist ein typischer Geek. Wenn er nicht zusammen mit Avery Videospiele spielt, versucht er vergeblich, die anderen Charaktere von der genetischen Überlegenheit der Geeks zu überzeugen; auch wenn ihm der Zusammenbruch der New Economy im Jahr 2001 einen schweren Schock versetzt hat. Stephan tendiert dazu, sich unglücklich in Mädchen zu verlieben, die nichts von ihm wissen wollen; weder Felicia noch Isolde und Stephanie erwiderten seine Liebe.
Felicia und Jeremy „You totally should try to be less of a dork, you know.“ („Weißt du, du solltest unbedingt versuchen, kein derartiger Trottel zu sein!“) – Felicia
Felicia Laine, das beliebteste Mädchen der Schule, ist fast immer mit zwei Freundinnen aus ihrer Clique zusammen, die ihr als Stichwortgeberinnen dienen. Ihr ganzes Denken kreist um Markenkleidung und Boygroups, weshalb es nicht weiter verwunderlich ist, dass sie und Millie eine innige Feindschaft verbindet. Felicia wirft Millie entweder vor, zu individualistisch eingestellt zu sein, oder sich ganz einfach wie ein Trottel zu verhalten. Anders als man vermuten könnte, ist Felicia aber nicht dumm und weiß sich auch in einer verbalen Auseinandersetzung mit Ozy oder Millie zu behaupten.
Jeremy Studley hat dagegen in den Fäusten, was er nicht im Kopf hat. Jeremy ist ein typischer „Bully“, der schwächere Mitschüler zum Spaß verprügelt. Ozy, Millie und Stephan zählen zu seinen bevorzugten Opfern und werden von ihm mit Vorliebe in den nächsten Abfalleimer gestopft.
Genauso wenig wie es Zufall ist, dass Ozys Vater Llewellyn ein gutmütiger Drache und der Schuldirektor Beau Vine ein Rind ist, ist es Zufall, dass Felicia und Jeremy, die beiden Hauptgegenspieler der Helden, ein Schaf beziehungsweise ein Hase sind. Mit der Umkehrung der üblichen Rollenverteilung zwischen Raub- und Beutetieren werden gängige Klischees vermieden und gleichzeitig erste Ansatzpunkte für Komik geschaffen.
Weitere Charaktere Wenn Ozy oder Millie die Geduld ihrer Klassenlehrerin Ms. Sorkowitz überstrapazieren, werden sie entweder zur Schulpsychologin Dr. I. Wahnsinnig oder direkt zum Schuldirektor Beau Vine geschickt. Um die Schüler auf das harte Leben nach der Schule vorzubereiten, versucht Beau Vine die Schüler mit diversen, pädagogisch fragwürdigen Methoden zu angepassterem Verhalten zu erziehen. Dass dies im krassen Gegensatz zu den Individualität predigenden Plakaten steht, die überall im Schulgebäude hängen, stört ihn nicht weiter. Dr. I. Wahnsinnig setzt sich dagegen sehr für Ozy und Millie ein und kritisiert den Schuldirektor regelmäßig dafür, jedem Trend nachzulaufen und das amoralische Verhalten von Jeremy und Felicia auch noch zu unterstützen.
Ozys Cousine Isolde ist wie alle Angehörigen der Familie Llewellyn, die ihren Stammsitz auf einem alten Schloss in Idaho hat, in mehrere Verschwörungen verwickelt. Isolde unterstützte Llewellyn unter anderem bei seinen zwei Kandidaturen für die amerikanische Präsidentschaft.
Captain Locke, seines Zeichens zehnjähriger Kapitän eines Piratenschiffs, lebt in einer Parallelwelt, die über ein Dimensionstor im Wohnzimmersofa Llewellyns mit dieser Welt verbunden ist. Wie man in einer im Sommer 2002 veröffentlichten Geschichte erfährt, ist Locke außerdem Millies Vater, was dadurch zu erklären ist, dass man in seiner Heimatwelt alt geboren wird und jung stirbt.
Aussage Ozy and Millie als Appell zu mehr Toleranz In einem Kommentar zu einem früher veröffentlichten Strip strich der Zeichner von Ozy and Millie heraus, dass es ihm, wie vielen anderen Comiczeichnern auch, nicht darum gehe, darzustellen, wie sich Kinder ausdrücken und verhalten, sondern wie es sich anfühlt, ein Kind zu sein. Ozy und Millie stehen somit sinnbildlich für alle Kinder, die aufgrund ihrer Andersartigkeit von ihren Mitschülern gemieden werden oder auf andere Formen des Unverständnisses stoßen.