Münster ist ein Stadtteil von Laubach im mittelhessischen Landkreis Gießen und liegt etwa acht Kilometer westlich der Kernstadt. Der Ort liegt in einem „am Zufluss eines Bachlaufs in die Wetter.“ Es gibt einen Bahnhof der Butzbach-Licher Eisenbahnlinie Butzbach/West – Grünberg, der sogenannten Wettertalbahn.

Ortsgeschichte Mittelalter Münster wurde zwischen 1118 und 1137 in einem Kopiar erstmals urkundlich erwähnt: „... predium, quod domnus Hugo in Nezehe et in Munstere et in Stenhem dedit.“.Manfred Stimming: Mainzer Urkundenbuch. Band 1 (bis 1137). Darmstadt 1932. Nr. 616; S. 536. Die Urkunde sagt aus, dass der Erzbischof Erzbischof Adalbert I. zwischen 1118 und 1137 für das Erzstift Mainz von einem Herrn Hugo Eigengut in Netz (Kreis Marburg), Münster und Steinheim erwarb. Das Stift Spieskappel besaß 1197 Einkünfte in Höhe von 4 Schilling „in Munstre“. Die Lokalisierung ist allerdings bei dem Beleg von 1111–1137 unsicher.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 263.

Der Reichsministeriale Ulrich I. von Hagen-Münzenberg verschrieb 1239 das Gericht Münster: „iudicium in villa Monstere“ Guntram und Kraft aus der Familie Schenck zu Schweinsberg.Eigenbrodt, Urkunden 1836 Nr. 2 S. 286. Nach dem Absterben der Münzenberger führte die Münzenberger Erbschaft die Besitzverhältnisse in der Wetterau und in Münster grundlegend. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts (1304) besaßen die Falkensteiner fünf Sechstel, die Herren von Hanau ein Sechstel des Gerichts Münster.Heinrich Reimer (Archivar): Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau. Band 1 – 4. Leipzig 1891 – 1897. Band 2., Nr. 40. Johann und Philipp der Jüngere von Falkenstein verkauften 1357 ihren Anteil von an Philipp den Älteren. Ein sechster Teil gehörte den Herren von Hanau.Wolf-Arno Kropat: Reich, Adel und Kirche von der Karolinger- bis in die Stauferzeit. Dissertation. = Wetterauer Geschichtsblätter 13 (1964). Friedberg/Hessen. S. 165. Agnes von Falkenstein und ihr Sohn Philipp verpfändeten 1377 dem Gerlach von Trohe das Obergericht Münster.Friedrich Battenberg: Solmser Urkunden. Regesten zu den Urkundenbeständen und Kopiaren der Grafen und Fürsten von Solms im Staatsarchiv Darmstadt (Ab. B 9 und F 24 B), im gräflichen Archiv zu Laubach und im fürstlichen Archiv zu Lich, 1131-1913. = Hrsg. Hessische Historische Kommission Darmstadt 1986. = Repertorien des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt 151-5. Band 1. Nr. 451.

Nach dem Aussterben der Falkensteiner 1418 erhielten die Solmser Grafen einen erheblichen Machtzuwachs. Schon 1409 hatten sich die Linien in Solms-Braunfels und Solms-Lich geteilt. Die Brüder Graf Bernhard (Braunfels) und Graf Johann von Solms-Lich sowie Gottfried und Eberhard von Eppstein befreiten 1434 die Höfe und Landsiedel des Klosters Arnsburg zu Muschenheim, Birklar, Bellersheim, Utphe, Münster, Holzheim, Eberstadt, Kolnhausen, Hof Güll von allen Diensten, Steuern, Beden mit Ausnahme der herkömmlichen Dienste.Friedrich Battenberg: Solmser Urkunden Band 1. Nr. 1006.

Im Jahr 1462 wird in einer Urkunde „... zu Monster by Grunenberg gelegen ...“Archiv Lich, Solmser Urkunden, Kasten 33. erwähnt und 1481 heißt es „... von Wederfelde zu Moenster ...“Wolfgang Müller: Die althessischen Namen im Kreis Gießen. Marburg 1940. S. 192.

Der Ortsname ist ein Appellativum, aus dem vulgärlateinischen Wort monisterium, ahd. munistri, mhd. munster, münster entlehnt, das Kloster bedeutet.Lutz Reichardt: Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. S. 263. Seit dem 13. Jahrhundert kommt es zu einer Bedeutungserweiterung des Ortsnamens. Er kann nun auch eine Klosterkirche oder allgemein auch ein stattliches GotteshausFriedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage Berlin 1967. bearbeitet von Walther Mitzka. S. 494. bezeichnen.

Neuzeit Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Münster am 31. Dezember 1970 auf freiwilliger Basis in die Stadt Laubach eingemeindet. Für den Stadtteil Münster wurde, wie für die anderen eingemeindeten ehemals eigenständigen Gemeinden von Laubach, ein Ortsbezirk eingerichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Münster angehört(e):

vor 1718: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Lich, Amt Lich ab 1718: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Hohensolms-Lich, Amt Lich ab 1792: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Solms-Hohensolms-Lich, Amt Lich ab 1806: Großherzogtum Hessen,Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Ober-Hessen, Amt Lich (des Fürsten Solms-Hohensolms-Lich) ab 1815: Provinz Oberhessen, Amt Lich (des Fürsten Solms-Hohensolms-Lich) ab 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt LichPatrimonialgericht: Standesherrliches Amt Lich des Fürsten Solms-Hohensolms-Lich ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk HungenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Lich; 1822 gingen die Rechte des „standesherrlichen Amts Lich“ an das Landgericht über, wo sie im Namen der Standesherren ausgeübt wurden) und Verwaltung ab 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis GießenIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt LaubachAm 31. Dezember 1970 als Ortsbezirk zur Stadt Laubach. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Laubach ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Laubach ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Stadt Laubach

Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Münster ab 1806 das „Patrimonialgericht der Fürsten Solms-Braunfels“ in Lich zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. Ab 1822 ließen die Fürsten Solms-Hohensolms-Lich ihre Rechte am Gericht durch das Großherzogtum Hessen in ihrem Namen ausüben. „Landgericht Lich“ war daher die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Münster zuständig war. Auch auf sein Recht auf die zweite Instanz, die durch die Justizkanzlei in Hungen ausgeübt wurde, verzichtete der Fürst Karl 1823. Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Lich“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Zum 1. Januar 1882 wurde Münster an das Amtsgericht Laubach abgegeben.Bekanntmachung, die Bildung der Amtsgerichtsbezirke Hungen, Lich, Laubach, Grünberg, Homberg, Alsfeld, Vilbel und Friedberg betreffend vom 24. Dezember 1881 (Hess. Reg.Bl. S. 203–204)

Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Laubach und Münster wurde dem Sprengels des Amtsgerichts Gießen zugelegt.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Münster 711 Einwohner. Darunter waren 18 (2,5 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 126 Einwohner unter 18 Jahren, 303 zwischen 18 und 49, 156 zwischen 50 und 64 und 129 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 312 Haushalten. Davon waren 96 Singlehaushalte, 96 Paare ohne Kinder und 87 Paare mit Kindern, sowie 27 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 63 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 222 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung

Historische Religionszugehörigkeit 1830: 291 evangelische, ein katholischer Einwohner 1961: 400 evangelische, 71 katholische Einwohner

Historische Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 96 Land- und Forstwirtsch., 93 Prod. Gewerbe, 39 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 14 Dienstleistung und Sonstiges.

Politik Für den Stadtteil Münster besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Münster) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus neuen Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 57,14 %. Dabei wurden gewählt: ein Mitglied des Bündnis 90/Die Grünen, fünf Mitglieder der SPD, sowie drei Mitglieder der „Freien Wähler“ (FW). Der Ortsbeirat wählte Klaus Dieter Schmitt (SPD) zum Ortsvorsteher.

Sehenswürdigkeiten und Kultur Kirche miniatur|Die Evangelische Kirche von Münster

Die spätgotische, dreischiffige Hallenkirche wurde im Wesentlichen um 1300 erbaut. Lediglich Steinkanzel und Turmspitze stammen aus dem 16. Jahrhundert. Der aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammende Taufstein bildet das älteste Element der Kirche.

User Dort soll schöner werden Im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ gewann Münster im Jahr 1965 die Goldmedaille.

Verkehr Münster ist an ein Nahverkehrssystem nach Schotten, Gießen, Laubach und Grünberg angebunden.

Persönlichkeiten Christian Theodor Roth (1766–1848), Pädagoge, Oberschulrat und Fachautor Theodor Weber (1880–1980), Landrat des Landkreises Gießen

Literatur

Weblinks

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Gießen Kategorie:Geographie (Laubach) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Gießen) Kategorie:Gemeindeauflösung 1970