Das Heizkraftwerk Herne ist ein Steinkohlekraftwerk und zum Teil ein Gaskraftwerk der Steag. Es befindet sich in Baukau, einem Stadtteil von Herne (Nordrhein-Westfalen).
Geschichte In den Jahren 1962/63 wurden die ersten beiden Kraftwerksblöcke mit einer Leistung von jeweils ca. 150 MW gebaut. 1966 kam Block 3 mit 280 MW hinzu (1987 zur Fernwärmekopplung umgebaut). Block 3 hatte einen Wirkungsgrad von nur 30 Prozent. 1988 wurde das Kraftwerk mit einer Rauchgasentschwefelungsanlage nachgerüstet.
1989 wurde ein vierter Kraftwerksblock mit 449 MW elektrische Leistung gebaut; dieser Block kann ebenfalls bei Bedarf Fernwärme bereitstellen. Im Zusammenhang mit diesem Neubau entstanden 1984 auch der 300 Meter hohe Schornstein und der große Kühlturm (130 m), die gegenwärtig das Bild des Kraftwerks prägen. Dieser neue Schornstein ersetzte drei alte Schornsteine, die anschließend abgerissen wurden. Der älteste Block 1 wurde im Jahre 2000 stillgelegt. 2014 folgte dann Block 2 und im Juni 2017 Block 3. Für den Block 4 mit einer Leistung von 449 MWel ist die Stilllegung für März 2025 beantragt.https://www.steag.com/de/steag-beantragt-stilllegung-von-kraftwerk-herne-4 Die Bundesnetzagentur stufte im September 2024 das Kraftwerk als systemrelevant bis zum 31. März 2027 ein.Schreiben der Bundesnetzagentur vom 27. September 2024 zur Systemrelevanz von Herne-4
Technische Daten Die vier ursprünglichen Kraftwerksblöcke hatten zusammen eine elektrische Leistung von 950 Megawatt. Mit Block 4 sind noch 449 MW an elektrischer Leistung in Betrieb., Stand: 7. März 2019 Die installierte Leistung beträgt 511 MWel., abgerufen am 5. September 2020.
Das Kraftwerk produzierte im Jahr 2008 ca. 5,2 Mrd. kWh Strom (Energiebedarf von ca. 1,3 Mio. Haushalten) und 0,8 Mrd. kWh Fernwärme, die in die Fernwärmeverbundleitung der Fernwärmeschiene Ruhr eingespeist wurden.
Der Steinkohleverbrauch im Jahr 2008 betrug ca. 2,0 Mio. Tonnen. Der CO2-Ausstoß in diesem Jahr summierte sich laut European Pollutant Emission Register (EPER 2004) auf 4,51 Mio. Tonnen.
Aufgrund der veränderten Bedingungen auf dem Strommarkt durch die Energiewende reduzierte sich die Stromproduktion im Jahr 2011 auf 2.501 GWh (5.200 GWh im Jahr 2008). Durch die verringerte Stromproduktion verringerte sich auch der Steinkohleverbrauch von ca. 2.000.000 Tonnen (Jahr 2008) auf ca. 961.923 (Jahr 2011).
+ Stromproduktion und Kohleverbrauch Kraftwerk Herne Jahr Nutzbare Stromabgabe Gesamtkohleverbrauch Kohleverbrauch pro Gigawattstunde 2008 5.200 GWh 2.000.000 t 384,62 t 2011 2.501 GWh 961.923 t 384,63 t
Die Kohlebelieferung erfolgt über den Rhein-Herne-Kanal, aus dem auch das benötigte Kühlwasser entnommen und wieder eingeleitet wird. Im Kraftwerk arbeiteten 2008 etwa 250 Mitarbeiter. Das Kraftwerk ist außerdem ein Standort der Themenroute „Großchemie und Energie“ der Route der Industriekultur.
Planungen mini|Luftbild des Kraftwerks von Herne und des Rhein-Herne-Kanals in Richtung Westen mini|Das Kraftwerk von oben Ehemals geplanter Kohle-Kraftwerksblock 5 Im Herbst 2006 gab die Steag bekannt, gemeinsam mit kommunalen Partnern einen fünften Kraftwerksblock mit einer Leistung von 750 MW und einem Nettowirkungsgrad von 45 % errichten zu wollen. Der Bau des 800 Mio. € teuren Projektes sollte im Sommer 2008 beginnen, die Inbetriebnahme des Blocks war für Herbst 2011 vorgesehen. Das Projekt „Herne 5“ sah den Bau eines 180 m hohen Kühlturmes vor, über den auch die Rauchgase abgeleitet werden sollten (Reingaseinleitung), die Errichtung eines separaten Schornsteins wäre somit nicht notwendig gewesen. Für den Betrieb von Block 5 wären 50 neue Arbeitsplätze entstanden.
Als Grund nannte der damalige Betreiber Evonik die Ausweitung des Emissionsrechtehandels ab 2012 auf Neuanlagen. Die Weltfinanzkrise 2007–2008 und der seit Jahren niedrige Stromgroßhandelspreis waren wohl weitere Faktoren, die die Investition fraglich erscheinen ließen. Daher wurden die Planungen für diesen Block aufgegeben und stattdessen ein Gaskraftwerk errichtet (siehe unten).Herne 6 soll bis Mitte 2022 am Netz sein. In: Energie und Management, 23. April 2018. Abgerufen am 23. April 2018.
Gas-und-Dampf-Kraftwerk – GuD Herne STEAG baute einen gasbefeuerten GuD-Kraftwerksblock am Kraftwerksstandort Herne, der in Kraft-Wärme-Kopplung betrieben wird. Für die Gasversorgung wurde eine 22 Kilometer lange Gasleitung zwischen Datteln und Herne gebaut. Der als GuD Herne bezeichnete Block verfügt über eine elektrische Nettoleistung von 608 MW und kann zusätzlich bis zu 400 MW Fernwärme auskoppeln. Es war ein Gesamtnutzungsgrad von 85 % geplant. Mit der Anlagenerrichtung wurde Siemens beauftragt, die eine KWK-Anlage auf Basis der SGT5-8000H errichtete., Pressemitteilung Steag vom 2018-07-31 Anfang 2019 begannen die Bauarbeiten mit der Vorbereitung des Grundstücks.Startschuss für Bau von neuem Gas-Kraftwerk in Herne. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 21. Januar 2019. Abgerufen am 28. April 2019. Mit Inbetriebnahme des neuen Gas-und-Dampf-Kraftwerks soll der kohlebefeuerte Block 4 perspektivisch ersetzt werden.Auf Kraftwerkstour im Ruhrgebiet In: Lokalkompass, 25. April 2019. Abgerufen am 30. Mai 2020. Am 2. September 2022 ging der neue Block schließlich in Betrieb und soll 250.000 Haushalte mit Strom und Fernwärme versorgen.
Emissionen Kohlekraftwerke stehen aufgrund ihres Schadstoffausstoßes in der Kritik. Auch nach dem Einbau von Filteranlagen in den 1980er Jahren, die die Abgase weitgehend entschwefeln, emittieren Kohlekraftwerke weiterhin relevante Mengen Schwefeldioxid. Zudem gelangen umwelt- und gesundheitsschädliche Stickstoffoxide sowie gesundheitsschädliche Feinstäube, darin enthaltene Schwermetalle und PAK in die Umwelt. In Deutschland trug die Energiewirtschaft 2010 mit 71 % (6,571 Tonnen) zur Gesamt-Quecksilberemission bei.Umweltbundesamt (2012): Emissionsentwicklung 1990–2010, Schwermetalle Nationale Trendtabellen für die deutsche Berichterstattung atmosphärischer Emissionen seit 1990 (Excel-Tabelle)
Die Schadstoffemissionen aller großen Kohlekraftwerke und Industrieanlagen sind im Europäischen Schadstoffemissionsregister (via deutschem Portal www.Thru.de) veröffentlicht.
Emissionen unterhalb der berichtspflichtigen Mengenschwelle sind in der Tabelle mit „<“ neben dem Grenzwert aufgeführt.
Luftschadstoffe +Jährliche Emissionsmengen des Kraftwerks HerneLuftschadstoffPRTR 2007PRTR 2008PRTR 2009PRTR 2010PRTR 2011PRTR 2012PRTR 2013 Kohlenstoffdioxid (CO2) 3,09 Mt 2,78 Mt 2,23 Mt 2,48 Mt 2,46 Mt 2,34 Mt 2,62 Mt Stickstoffoxide (NOx/NO2) 2,18 kt 1,86 kt 1,57 kt 1,79 kt 1,79 kt 1,51 kt 1,94 kt Schwefeldioxide (als SOx/SO2) 1,75 kt 1,79 kt 1,32 kt 1,34 kt 1,25 kt 1,33 kt 1,73 kt Methan (CH4) keine Angaben keine Angaben keine Angaben keine Angaben keine Angaben 207 t 231 t Flüchtige organische Verbindungen (NMVOC) keine Angaben keine Angaben keine Angaben keine Angaben keine Angaben 206 t 231 t Ammoniak (NH3) keine Angaben keine Angaben keine Angaben keine Angaben keine Angaben 16,9 t 18,9 t Distickstoffmonoxid (N2O) 18,6 t 13,9 t 13,2 t 15,6 t 14,6 t 10,8 t 14,8 t Anorganische Fluorverbindungen (als HF) 21,2 t 9,9 t 10,3 t 11,8 t 12,4 t 10,9 t 13,7 t Anorganische Chlorverbindungen (als HCl) 67,1 t 61,3 t 10,3 t 11,5 t 12,4 t 10,5 t 13,6 t Quecksilber und Verbindungen (als Hg) 37,6 kg 41,7 kg 32,3 kg 30,3 kg 31,7 kg 50,5 kg 44 kg
Weitere typische Schadstoffemissionen wurden nicht berichtet, da sie im PRTR erst ab einer jährlichen Mindestmenge meldepflichtig sind, z. B. Dioxine und Furane ab 0,0001 kg, Cadmium ab 10 kg, Arsen ab 20 kg, Nickel ab 50 kg, Chrom sowie Kupfer ab 100 kg, Blei sowie Zink ab 200 kg, Ammoniak und Chlorwasserstoff ab 10.000 kg, Methan und flüchtige organische Verbindungen außer Methan (NMVOC) ab 100.000 kg sowie Kohlenmonoxid ab 500.000 kg. über die Schaffung eines Europäischen Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregisters und zur Änderung der Richtlinien 91/689/EWG und 96/61/EG des Rates
+Spezifische Emissionen des Kraftwerks Herne (Berichtsjahr 2011)Europäisches Schadstoffemissionsregister – Emissionsdaten zum Steag Kraftwerk HerneKraftwerkProduzierte StrommengeKohle-verbrauchKohlendioxid (CO2)Stickstoffoxide (NOx/NO2)Schwefeloxide (SOx/SO2)Anorganische Chlorverbindungen als HClAnorganische Fluorverbindungen als HFDistickoxid (N2O)Quecksilber (Hg) Herne 2.501 GWh 961.923 t 2.460.000 t 1.790 t 1.250 t 12.400 kg 12.400 kg 14.600 kg 31,7 kg Menge pro GWh 1 GWh 384,62 t 983,61 t 0,716 t 0,499 t 4,958 kg 4,958 kg 5,838 kg 0,0127 kg
Wasserschadstoffe +Wasserschadstoffe des Kraftwerks Herne (Berichtsjahr 2011)KraftwerkProduzierte StrommengeKohleverbrauchChloride –Abwasser–Fluoride (als Gesamt-F) –Abwasser–Zink (Zn) –Abwasser–Kupfer (Cu) –Abwasser– Herne 2.501 GWh 961.923 t <2.000.000 kg 2.440 kg <100 kg 358 kg Menge pro GWh 1 GWh 384,62 t keine genauen Daten 0,976 kg keine genauen Daten 0,143 kg
Feste Schadstoffe (Verbringung gefährlicher Abfälle) +Feste Schadstoffe (Verbringung gefährlicher Abfälle) des Kraftwerks Herne (Berichtsjahr 2011)KraftwerkProduzierte StrommengeKohleverbrauch Gesamtabfallmenge Abfall zur Beseitigung Abfall zur Verwertung Herne 2.501 GWh 961.923 t 248 t 227 t 21 t Menge pro GWh 1 GWh 384,62 t 0,099 t 0,091 t 0,008 t
Bilder
Siehe auch Liste der Kraftwerke
Literatur Steag: Kraftwerksprojekt in Herne nimmt Gestalt an. In: Bergbau Heft 11/2006, S. 517 (Digitalisat, pdf, 92 kB)
Weblinks
Heizkraftwerk Herne auf der Website des Betreibers Steag Infoblatt des WWF Deutschland zum CO2-Ausstoß der 30 klimaschädlichsten Kohlekraftwerke des Landes (PDF; 670 kB) WAZ: , vom 30. Januar 2008 Informationen und Bilder zum Kraftwerk auf kohlekraftwerke.de
Einzelnachweise
Herne Baukau Kategorie:Unternehmen (Herne) Kategorie:Route der Industriekultur (Herne) Kategorie:Steag-Kraftwerk Herne