mini|Der Porträt-Stich Shakespeares von Martin Droeshout auf dem Titel der „First Folio“ (1623) rahmenlos|zentriert|klasse=skin-invert-image|Shakespeares Unterschrift William Shakespeare [] (getauft am in Stratford-upon-Avon; gestorben am ebenda) war ein englischer Dichter, Theaterunternehmer und Schauspieler, dessen Dramen zu den bedeutendsten Werken der Weltliteratur gehören. Das überlieferte Gesamtwerk umfasst um 38 Bühnenstücke, sechs Versdichtungen sowie 154 Sonette.
Leben Shakespeares Leben ist nur spärlich durch Dokumente belegt. Dies gilt insbesondere für die ersten Jahre in London, in denen er sich dort als Schauspieler und Dramatiker etablierte. Dies überrascht jedoch nicht bei einem jungen Mann, der weder der Aristokratie angehörte noch in Prozessakten oder in Urkunden von Grundstückstransaktionen erwähnt wurde.Vgl. Ulrich Suerbaum: Das elisabethanische Zeitalter. Philipp Reclam Jun., Stuttgart 1998 (Erstauflage 1989), ISBN 3-15-008622-1, Kapitel 3: Ein Bürgerleben: William Shakespeare, S. 345–376, hier S. 350 f. Siehe dazu auch grundlegend Ina Schabert (Hrsg.): Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt. 5., durchgesehene und ergänzte Auflage. Kröner, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2, S. 118ff.
Dass nur wenige Fakten von Shakespeares Biographie historisch gesichert sind, hatte unter anderem zur Folge, dass seine Urheberschaft an seinen Werken immer wieder angezweifelt wurde. Bis heute kursieren von der Forschung nicht gedeckte Spekulationen darüber, wer womöglich der „wahre“ Autor seiner Werke gewesen sein könnte. Zum anderen entstanden in den Jahrhunderten nach seinem Tod immer wieder Darstellungen seiner Persönlichkeit und seines Lebens, die sich von Epoche zu Epoche teilweise drastisch unterschieden. Das Shakespeare-Bild wurde trotz – oder gerade wegen – fehlender Nachweise immer neu an sich ändernde rezeptionsgeschichtliche Bedürfnisse und Ansprüche angepasst, um, je nach dem Blick auf seine Werke, die dazu passende Künstlerpersönlichkeit zu konstruieren.Siehe dazu Ulrich Suerbaum: Der Shakespeare-Führer. Reclam, Stuttgart 2006, 3. rev. Auflage 2015, ISBN 978-3-15-020395-8, S. 13f. Dessen ungeachtet kann sich die umfangreiche Shakespeare-Forschung, auf zahlreiche überlieferte Dokumente und registrierte Eintragungen stützen, so dass die Biographie des Dichters die vermutlich bestdokumentierte eines englischen Bürgers des Elisabethanisches Zeitalters darstellt. Vgl. dazu auch Ulrich Suerbaum: Shakespeares Dramen. UTB, Stuttgart 2001, ISBN 3-8252-1907-0, S. 241f.
Frühe Jahre und Familie mini|Shakespeares Geburtshaus Shakespeares Geburtsdatum ist nicht überliefert. Laut Kirchenregister der Holy Trinity Church in Stratford-upon-Avon, Warwickshire, wurde er am 26. April 1564 getauft. Der Taufeintrag lautet auf Gulielmus filius Johannes Shakspere ().Diese in der Sekundärliteratur weitgehend als korrekt angesehene Transkription des Taufeintrages in Druckform findet sich beispielsweise in Frank Ernest Halliday: A Shakespeare Companion 1550-1950. Gerald Duckworth & Co. Ltd., London 1952, Nachdruck 1968, Seite 443. Ebenso Michael Dobson, Stanley Wells (Hrsg.): The Oxford Companion to Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2. rev. Ausgabe 2015, Seite 492 und Günter Jürgensmeier (Hrsg.): Shakespeare und seine Welt. Galiani, Berlin 2016, S. 11. Eine Fotoreproduktion des ursprünglichen handschriftlichen Eintrags findet sich bei Halliday auf S. 572, bei Dobson und Wells (Hrsg.) auf S. 492 und bei Jürgensmeier auf S. 12. Ulrich Suerbaum Der Shakespeare-Führer. Reclam, Ditzingen 2006, 3. rev. Auflage 2015, S. 14 und Ulrich Suerbaum: Das elisabethanische Zeitalter. Reclam, Ditzingen 1989, S. 347. enthalten eine leicht abweichende, wahrscheinlich fehlerhafte Transkription des schwer lesbaren Originals (Gulielmus filius Johannes Shakespere). Auf der Webseite der Folger Library, die den Eintrag des The Shakespeare Birthplace Trust spiegelt, wird in der Beschreibung des "Parish register entry" die Transkription ebenso fehlerhaft wiedergegeben (Guilielmus filius Johannes Shakspere). Die korrekte Transkription findet sich dann in dem Abschnitt "Semi-diplomatic transcription" (Gulielmus filius Iohannes Shakspere). Aufgrund der elisabethanischen Eigenwilligkeiten der Namensschreibung und der über achtzig überlieferten unterschiedlichen Schreibweisen des Namens der Familie von Shakespeare (Ina Schabert (Hrsg.): Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt. 5., durchgesehene und ergänzte Auflage. Kröner, Stuttgart 2009, S. 133) wird in einzelnen Quellen der Name im Taufeintrag auch fälschlich als “Shakespeare” zitiert (oder nicht erwähnt, dass es sich dabei um eine Modernisierung der Schreibweise handelt). Seit dem 18. Jahrhundert wird oft der 23. April als sein Geburtstag genannt, doch diese Angabe ist nicht gesichert. Sie geht einerseits wohl darauf zurück, dass Shakespeare am gleichen Apriltag des Jahres 1616 verstorben istE. K. Chambers: William Shakespeare – A Study of Facts and Problems. At the Clarendon Press, Oxford 1930. Band 2, S. 1 f. Siehe auch Ulrich Suerbaum: Das elisabethanische Zeitalter. Philipp Reclam Jun., Stuttgart 1998 (Erstauflage 1989), ISBN 3-15-008622-1, Kapitel 3: Ein Bürgerleben: William Shakespeare, S. 345–376, hier S. 347. Suerbaum sieht die Festlegung von Shakespeares Geburtstag auf den 23. April, dem Tag des Festes des Nationalheiligen St. George, ebenso als Teil der Shakespeare-Legende. Ähnlich die Darstellung bei Ina Schabert (Hrsg.): Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt. 5., durchgesehene und ergänzte Auflage. Kröner, Stuttgart 2009, S. 136 f. und andererseits auf die unbelegte Annahme, es habe im elisabethanischen England ein Brauchtum gegeben, nach dem Kinder drei Tage nach ihrer Geburt getauft werden sollten.Chambers, Band 1, S. 13; Band 2, S. 2. Anders Sonja Fielitz: William Shakespeare. Eine Einführung in Werk und Wirkung. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2013, ISBN 978-3-534-24646-5, S. 12. William Shakespeares Eltern waren John Shakespeare und Mary Arden, die einer wohlhabenden Familie entstammte. Sein Vater war freier Landbesitzer und brachte es in seiner Stadt zum Oberaldermann. Seit Ende der 1570er Jahre geriet er jedoch in finanzielle Schwierigkeiten und verlor sein Ansehen.Ina Schabert (Hrsg.): Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt, 5. Auflage, Kröner, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2, S. 134 ff.
Wahrscheinlich hat William Shakespeare die Lateinschule (Grammar School) in Stratford-upon-Avon besucht und dort Unterricht in Latein, Griechisch, Geschichte, Morallehre und Dichtkunst erhalten.T. W. Baldwin: William Shakspere’s Small Latine and Lesse Greeke. Univ. of Illinois Press, Urbana 1944, 2 Bände. In der Forschung wird Baldwins Nachweis, dass Shakespeare tatsächlich eine Grammar School besucht hat, allgemein anerkannt, so ausdrücklich bei Charles Martindale/Michelle Martindale: Shakespeare and the Uses of Antiquity: An Introductory Essay. Routledge, London 1989, S. 6. Allerdings ist Shakespeares Schulbesuch historisch nicht dokumentiert; eine solche fehlende Dokumentation des Schulbesuchs hat jedoch wenig Aussagekraft, da der Schulbesuch zu Shakespeares Zeiten üblicherweise nicht durch schriftliche Belege erfasst wurde und Schülerlisten der Grammar School in Stratford erst seit etwa 1800 existieren. Ein Besuch der Grammar School wird in der Shakespeare-Forschung allgemein aufgrund des Bildungshorizontes von Shakespeare und der zahlreichen Zitate aus Schulbüchern in seinen dramatischen Werken als sehr wahrscheinlich bzw. „so gut wie sicher“ angesehen. Darüber hinaus spricht für die hohe Gewissheit einer solchen Annahme laut Frank Günther auch die soziale Stellung der Herkunftsfamilie Shakespeares. Sein Vater war zu der Zeit Bürgermeister der Stadt Stratford, mithin der höchste Amtsträger, genoss hohe soziale Achtung, legte auf standesgemäßes Verhalten großen Wert und galt als aufstiegsorientiert. Da der Schulbesuch kostenlos und Bildung ein wichtiges Mittel zum sozialen Aufstieg war, kann auch in dieser Hinsicht mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass Shakespeare als ältester Sohn auf die Grammar School geschickt wurde. Auf jeden Fall ist bei dem heutigen Forschungsstand die Annahme unbestritten, dass Shakespeare sich das in einer grammar school zur damaligen Zeit vermittelte Wissen angeeignet hat, wenngleich sein akademisch ausgebildeter dichterischer Rivale Ben Jonson später diese Kenntnisse Shakespeares als „small Latin and less Greek“ (dt.: „kaum Latein und noch weniger Griechisch“) herunterspielte. Vgl. dazu auch Ulrich Suerbaum: Das elisabethanische Zeitalter. Philipp Reclam Jun., Stuttgart 1998 (Erstauflage 1989), ISBN 3-15-008622-1, Kapitel 3: Ein Bürgerleben: William Shakespeare, S. 345–376, hier S. 350, sowie Frank Günther: Unser Shakespeare: Einblicke in Shakespeares fremd-verwandte Zeiten. Deutscher Taschenbuch-Verlag, 2. Auflage München 2016, ISBN 978-3-423-14470-4, S. 188–194. Siehe ebenfalls Samuel Schoenbaum: The Life of Shakespeare. In: Kenneth Muir und Samuel Schoenbaum (Hrsg.): A New Companion to Shakespeare Studies. Cambridge University Press 1971, Nachdruck 1976, ISBN 0-521-09645-6, S. 1–14, hier S. 3 f. Der Unterricht einer Grammar School vermittelte Kenntnisse in Rhetorik und Poetik und leitete die Schüler auch zur Produktion kleiner Dramen nach dem Muster antiker Vorbilder an. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass Shakespeare wie andere zeitgenössische englische Dramatiker eine Universität besucht hat.