Niederweimar ist ein Ortsteil der Gemeinde Weimar (Lahn) im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf und Sitz der Gemeindeverwaltung.
Geschichte Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Weimar erfolgte unter dem Namen Wimare im Jahr 1138/39. Dabei ist aber nicht klar, ob es sich um Ober- oder Niederweimar handelt. Die älteste bekannte Erwähnung von Niederweimar unter dem Namen Niderwimere stammt aus dem Jahr 1320.
Ein erster Ausbau des Dorfes setzte nach dem Bau der Main-Weser-Bahn und der Einrichtung eines Haltepunktes an dieser Bahnlinie ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden am Hang des Weinberges (südliches Ende des Marburger Rückens) in verschiedenen Phasen Neubaugebiete erschlossen.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Gemeinsam mit Oberweimar und Allna war Niederweimar im Zuge der Gebietsreform in Hessen am 1. Februar 1971 auf freiwilliger Basis Gründungsort der neuen Großgemeinde Weimar (Lahn), die inzwischen aus zwölf Ortsteilen besteht. Für Oberweimar wurde wie für die übrigen Ortsteile von Weimar ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet. Als Verwaltungssitz wurde der Ortsteil Niederweimar bestimmt.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten, denen Niederweimar angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Marburg ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Marburg 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg), Amt Marburg ab 1648: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Marburg ab 1754: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Kaldern und Reitzberg ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Kaldern und Reitzberg 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Lohra ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Amt Kaldern und Reitzberg ab 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis MarburgVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 73 f.Trennung von Justiz (Landgericht Marburg) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Marburg ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Marburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg, Gemeinde Weimar ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde Weimar
Gerichte seit 1821 Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. In Marburg wurde der Kreis Marburg für die Verwaltung eingerichtet, und das Landgericht Marburg war als Gericht erster Instanz für Niederweimar zuständig. 1850 wurde das Landgericht Marburg in Justizamt Marburg umbenannt. Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des Justizamtes in Amtsgericht Marburg.Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte () Auch mit dem Inkrafttreten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Niederweimar 2382 Einwohner. Darunter waren 63 (2,6 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 411 Einwohner unter 18 Jahren, 999 zwischen 18 und 49, 495 zwischen 50 und 64 und 477 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 1050 Haushalten. Davon waren 324 Singlehaushalte, 300 Paare ohne Kinder und 309 Paare mit Kindern, sowie 93 Alleinerziehende und 241 Wohngemeinschaften. In 195 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 741 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1577: 32 Hausgesesse • 1630: 21 Mannschaften, 3 Witwen. (4 vierspännige, 5 dreispännige, 4 zweispännige, 2 einspännige Ackerleute, 9 Einläuftige) • 1681: 19 hausgesessene Mannschaften • 1838: 331 Einwohner (Familien: 32 nutzungsberechtigte, 17 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 4 Beisassen)
Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1861: 430 evangelisch-lutherische Einwohner • 1885: 413 evangelische (= 100,00 %) Einwohner • 1961: 987 evangelische (= 91,47 %), 76 katholische (= 7,04 %) Einwohner
Historische Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1745: Erwerbspersonen: ein Wagner, ein Branntweinbrenner, vier Leineweber, drei Schmiede, vier Schneider, ein Zimmermann, 7 Tagelöhner(-innen). • 1838: Familien: 24 Ackerbau, 11 Gewerbe, 15 Tagelöhner. • 1961: Erwerbspersonen: 105 Land- und Forstwirtschaft, 188 Produzierendes Gewerbe, 119 Handel und Verkehr, 82 Dienstleistungen und Sonstiges.
Kultur und Sehenswürdigkeiten miniatur|hochkant|Alte Kirche
Ortskern Der nahezu kreisrunde Dorfkern von Niederweimar liegt an einer ehemaligen Furt durch die Allna im Verlauf der alten Weinstraße, die durch Niederweimar führte und weiter bis nach Goßfelden über den Marburger Rücken und westlich an Marburg vorbei verlief. Von der Weinstraße zweigte hier eine Talstraße nach Marburg ab. In der Mitte des Ortskerns liegt die Alte Kirche, die heute als Kulturveranstaltungszentrum genutzt wird, nachdem sie in den 1970er Jahren durch das neue evangelische Gemeindezentrum ersetzt wurde.
Vereine Ein sportliches Angebot in Niederweimar bietet der TSV Niederweimar mit den Abteilungen Fußball, Tischtennis, Turnen und Badminton. Vom Schützenverein wird Luftgewehr-, Luftpistole- und Bogenschießen angeboten. Außerdem gibt es in Niederweimar einen Verein für Musik, den Männergesangverein, zwar singen die Männer zurzeit nicht mehr, aber es gibt auch einen gemischten Chor und einen Kinderchor für die Kleinsten, welche vom MGV als Träger unterhalten werden. Auch eine Freiwillige Feuerwehr existiert im Ort.
Infrastruktur Durch Niederweimar führt die Bundesstraße 255 sowie die Main-Weser-Bahn. Regionale Bedeutung erlangt Niederweimar durch das Freizeitgebiet Weimarer See mit seinem Badestrand und seiner Wasserskianlage.
Literatur
Weblinks
Ortsteil Niederweimar. In: Webauftritt der Gemeinde Weimar.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Marburg-Biedenkopf Kategorie:Geographie (Weimar (Lahn)) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Marburg-Biedenkopf) Kategorie:Gemeindeauflösung 1971