Bernhard Wolfgang Wicki (* 28. Oktober 1919 in St. Pölten, Niederösterreich; † 5. Januar 2000 in München) war ein gebürtiger Österreicher, der die Schweizer, abgerufen am 26. November 2012 beim Bernhard Wicki Gedächtnis Fonds, abgerufen am 26. November 2012 Staatsbürgerschaft besaß. Er war seit den 1950er-Jahren bis wenige Jahre vor seinem Tod Schauspieler, ab den 1960er-Jahren Fotograf und feierte seinen Durchbruch als Filmregisseur 1959 mit dem Antikriegsfilm Die Brücke, der unter anderem mit dem Golden Globe Award ausgezeichnet wurde.
Leben Bernhard Wickis Vater Bernhard Emil Wicky (geb. 11. Oktober 1885 in Kriens) war ein Schweizer Ingenieur und Teilhaber einer Maschinenfabrik, seine Mutter Melanie Helene, geborenen Kleinhapl, eine Österreicherin mit ungarischen Vorfahren. In seiner Schulzeit am Köthener Ludwigsgymnasium wurde er mit 13 Jahren Mitglied der Deutschen Jungenschaft vom 1. November 1929 (kurz dj 1.11), einer linksorientierten Gruppe innerhalb der Bündischen Jugend.Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band II: Künstler. Winter, Heidelberg 2018, ISBN 978-3-8253-6813-5, S. 724.
Nach dem Abitur in Bad Warmbrunn (Schlesien) studierte er zunächst Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik an der Universität Breslau. Da er sich dann aber für eine künstlerische Laufbahn entschied, wechselte er 1938 zu Gustaf Gründgens an die Schauspielschule des Staatlichen Schauspielhauses in Berlin. 1939 wurde er wegen seiner Mitgliedschaft in der Bündischen Jugend für mehrere Monate im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert.Bei mir flogen immer die Fetzen. Die Zeit, 23. Dezember 1994. Nach seiner Entlassung siedelte er zunächst nach Wien um und studierte dort am Max Reinhardt Seminar Schauspiel und Regie, danach zog er nach Salzburg. Er war Mitglied der schlagenden pennalen Burschenschaft Borussia WienGegründet 27.4.1907. 1926 Fusion mit der fachstudentischen Burschenschaft Nibelungia Wien im CDC (Studiosus Austriacus 2007, S. 209). und der Pennalverbindung Cheruskia Salzburg.Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band II: Künstler. Winter, Heidelberg 2018, ISBN 978-3-8253-6813-5, S. 724.
Hier sammelte er auch erste Erfahrungen mit dem Film. In dem 1939/40 gedrehten Film Der Postmeister wirkte Bernhard Wicki als Statist mit. Am Schönbrunner Schlossparktheater spielte er den Urfaust, weitere Engagements waren unter anderem in Bremen von 1941 bis 1943, am Bayerischen Staatsschauspiel in München von 1943 bis 1944. Bei den Salzburger Festspielen gab er den Pylades in Goethes Iphigenie auf Tauris. Weitere Engagements folgten ab 1944 in Basel und bis 1950 in Zürich. Anfang 1945 heiratete er die Schauspielerin Agnes Fink, beide verließen noch vor Kriegsende Deutschland und gingen an das Schauspielhaus Zürich. In Zürich nahm er auch die schweizerische Staatsbürgerschaft an. Dort lernte er unter anderem den Dramatiker Friedrich Dürrenmatt kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband.
Anfang 1950 wechselte Bernhard Wicki wieder an das Staatsschauspiel in München. Im gleichen Jahr gab er sein eigentliches Debüt als Filmschauspieler in Der Fallende Stern und in Junges Herz voller Liebe. Es folgten u. a. Die letzte Brücke (1953), in dem er seine beste schauspielerische Leistung in der Rolle des serbischen Partisanenoffiziers Boro bot, und Es geschah am 20. Juli (1955). Nachdem er 1952 eine Fotografie-Ausstellung der Agentur Magnum in Luzern gesehen hatte, beschloss er, auch das Fotografieren zu erlernen. Er bat den Regisseur Helmut Käutner um Mitarbeit als Kamera-Assistent bei dessen Film Monpti (1957).
1958 führte er erstmals selbst Regie im Dokumentarfilm Warum sind sie gegen uns? International berühmt wurde er mit einem Schlag 1959 durch den Antikriegsfilm Die Brücke nach dem Roman von Manfred Gregor, in dem er die tragische Geschichte der sinnlosen Verteidigung einer Brücke durch Jugendliche am Ende des Zweiten Weltkriegs erzählt. Wicki führte in diesem Film die Regie. In den folgenden Jahren arbeitete Wicki weiterhin als Filmregisseur. Als Fotograf gab er 1960 den Bildband „Zwei Gramm Licht“ heraus. Aber auch als Theaterregisseur gehörte er mit zu den Großen dieses Fachs. So inszenierte er beispielsweise am Schauspielhaus in Zürich das Shakespeare-Stück Antonius und Cleopatra und am Wiener Burgtheater Der Sturm, ebenfalls von William Shakespeare. 1962 führte Bernhard Wicki Co-Regie für die deutschen Anteile des amerikanischen Films Der längste Tag, der als einer der aufwändigsten Kriegsfilme und letzten großen Kinofilme in Schwarzweiß gilt.
Ab 1975 arbeitete Bernhard Wicki an der Verfilmung der Novelle Die Eroberung der Zitadelle von Günter Herburger. Im Anschluss daran war er 1976 wieder für das Fernsehen tätig. Hier drehte er ein Porträt über seinen Freund Curd Jürgens mit dem Titel Curd Jürgens – Der Filmstar, der vom Theater kam. Gemeinsam mit Wolfgang Kohlhaase, ebenfalls ein langjähriger Freund, arbeitete er 1984 in den DEFA-Studios in Potsdam-Babelsberg. Sie drehten hier den Film Die Grünstein-Variante, in dem drei Menschen unterschiedlicher Herkunft sich bei einem Schachspiel in einer Zelle näherkommen. Der Film ist eine klassische Studie über das Erinnern an den Zweiten Weltkrieg. Seine letzte Regiearbeit (1986–1989), die Verfilmung des Romans Das Spinnennetz von Joseph Roth, kann auch als sein Vermächtnis gesehen werden: Wicki zeigt hier die Gefahr der Verstrickung des deutschen Bürgertums in rechtsextremer Ideologie und den Antisemitismus der Weimarer Republik. In 180 Minuten schildert er den schrecklichen Werdegang eines bürgerlichen Ungeheuers. Noch während der Dreharbeiten verstarb einer der Hauptdarsteller, Richard Münch. Aber auch für Wicki selbst blieb die langwierige Arbeit am Film nicht ohne Folgen. Während der Dreharbeiten erlitt er in Prag eine Gehirnblutung, dennoch führte er das Projekt zu Ende. Die Uraufführung fand am 8. Mai 1989 in Cannes statt.
In zweiter Ehe war Wicki, nach dem Tod von Agnes Fink, seit 1995 mit der Schauspielerin Elisabeth Endriss verheiratet, die er bereits 1977 kennen gelernt hatte und seine Lebensgefährtin war. In dem Dokumentarfilm Verstörung – und eine Art von Poesie (2007) porträtiert Elisabeth Wicki-Endriss später das Leben und Werk von Bernhard Wicki.
Bernhard Wicki absolvierte im Oktober 1999 seinen letzten öffentlichen Auftritt aus Anlass einer Hommage zu seinem 80. Geburtstag. Im Rollstuhl sitzend, gesundheitlich schon sichtlich angegriffen, nahm er die Ehrung durch zahlreiche Freunde und Wegbegleiter entgegen. Nach langer, schwerer Krankheit erlag er am 5. Januar 2000 einem Herzversagen in München. Wicki wurde auf dem Nymphenburger Friedhof in München beigesetzt (Grab Nr. 4-1-23).knerger.de: Das Grab von Bernhard Wicki mini|Grabstätte Bernhard Wicki, München, Friedhof Nymphenburg
Nach seinem Tod wurde 2001 in München der Bernhard Wicki Gedächtnis Fonds gegründet. Dieser vergibt seit 2002 den Friedenspreis des Deutschen Films – Die Brücke. Ein Bernhard-Wicki-Filmpreis, zurzeit mit 10.000 Euro dotiert, wird seit dem Jahr 2000 im ostfriesischen Emden verliehen. Bernhard Wicki war von Beginn an ein ideeller Förderer des 1990 erstmals veranstalteten Festivals Internationales Filmfest Emden-Norderney.
Filmografie Darsteller (Auswahl) 1940: Der Postmeister (Statist), Regie: Gustav Ucicky 1950: Der fallende Stern, Regie: Harald Braun 1953: Der Haflinger Sepp, Regie: Paul May 1953: Die letzte Brücke, Regie: Helmut Käutner 1954: Rummelplatz der Liebe, Regie: Kurt Neumann 1954: Das zweite Leben, Regie: Victor Vicas 1954: Die Mücke, Regie: Walter Reisch 1954: Gefangene der Liebe, Regie: Rudolf Jugert 1954: Ewiger Walzer, Regie: Paul Verhoeven 1955: Es geschah am 20. Juli, Regie: Georg Wilhelm Pabst 1955: Kinder, Mütter und ein General, Regie: László Benedek 1955: Rosen im Herbst, Regie: Rudolf Jugert 1955: Du mein stilles Tal, Regie: Leonard Steckel 1956: Frucht ohne Liebe, Regie: Ulrich Erfurth 1956: Weil du arm bist, mußt du früher sterben, Regie: Paul May 1956: Skandal um Dr. Vlimmen, Regie: Arthur Maria Rabenalt 1957: Königin Luise, Regie: Wolfgang Liebeneiner 1957: Flucht in die Tropennacht, Regie: Paul May 1957: Es wird alles wieder gut, Regie: Géza von Bolváry 1957: Die Zürcher Verlobung, Regie: Helmut Käutner 1958: Madeleine und der Legionär, Regie: Wolfgang Staudte 1958: Die Katze (La chatte), Regie: Henri Decoin 1958: Frauensee, Regie: Rudolf Jugert 1958: Unruhige Nacht, Regie: Falk Harnack 1958: Frau im besten Mannesalter, Regie: Axel von Ambesser 1960: Lampenfieber, Regie: Kurt Hoffmann 1960: Die Nashörner (TV-Rolle), Regie: Gustav Rudolf Sellner 1960: Die Nacht (La notte), Regie: Michelangelo Antonioni 1962: Liebe macht erfinderisch (L’amore difficile), Regie: Alberto Bonucci 1962: Erotica (L’amore difficile) 1963: Ferien in Portugal (Vacances Portugaises), Regie: Pierre Kast 1963: Elf Jahre und ein Tag, Regie: Gottfried Reinhardt 1968: Affaire Dreyfus (TV-Rolle), Regie: Franz Josef Wild 1968: Der Feldmarschall (TV-Rolle), Regie: Hermann Kutscher 1968: Graf Öderland (TV-Rolle), Regie: Rolf Hädrich 1969: Deine Zärtlichkeiten, Regie: Peter Schamoni 1971: Carlos, Regie: Hans W. Geißendörfer 1972: Der Kommissar – Episode: Toter Gesucht (TV-Rolle), Regie: Theodor Grädler 1972: Das Jahrhundert der Chirurgen (TV-Rolle), Regie: Wolf Dietrich 1973: Der Kommissar – Herr und Frau Brandes (TV-Rolle), Regie: Leopold Lindtberg 1975: Frankensteins Spukschloß, auch: Crime And Passion, Regie: Ivan Passer 1975: Glückssucher (TV-Rolle), Regie: Peter Beauvais 1975: Drei Wege zum See (TV-Rolle), Regie: Michael Haneke 1977: Derrick – Eine Nacht im Oktober (TV-Rolle), Regie: Wolfgang Becker 1977: Die linkshändige Frau, Regie: Peter Handke 1978: Despair – Eine Reise ins Licht, Regie: Rainer Werner Fassbinder 1978: Die gläserne Zelle, Regie: Hans W. Geißendörfer 1978: Die Abenteuer des David Balfour (TV-Rolle, 4 Teile), Regie: Jean-Pierre Decourt 1978: Der Mann im Schilf, Regie: Manfred Purzer 1979: Lemminge (TV-Rolle), Regie: Michael Haneke 1979: Theodor Chindler, Regie: Hans W. Geißendörfer 1979: Der Alte – Alte Kameraden (TV-Rolle), Regie: Theodor Grädler 1980: Im Schlaraffenland (TV-Rolle), Regie: Fritz Umgelter 1980: Death Watch – Der gekaufte Tod, auch: La Mort En Direct, Regie: Bertrand Tavernier 1980: Derrick – Zeuge Yurowski (TV-Rolle), Regie: Alfred Vohrer 1981: Der Alte Der Zigeuner (TV-Rolle), Regie: Theodor Grädler 1982: Domino, Regie: Thomas Brasch 1982: Der geheimnisvolle Fremde, Regie: Peter H. Hunt 1982: Max Haufler, „Der Stumme“ (Dokumentarfilm) 1982: Bereg – Das Ufer, Regie: Alexander Alow, Wladimir Naumow 1983: Frühlingssinfonie, Regie: Peter Schamoni 1983: Eine Liebe in Deutschland, Regie: Andrzej Wajda 1983: Eine Art von Zorn (TV-Rolle), Regie: Ulrich Edel 1984: Duell ohne Gnade (La diagonale du fou), Regie: Richard Dembo 1984: Paris, Texas, Regie: Wim Wenders 1984: Ein Fall für zwei: Elf Jahre danach (TV-Rolle), Regie: Michael Meyer 1985: Marie Ward – Zwischen Galgen und Glorie, Regie: Angelika Weber 1986: Killing Cars, Regie: Michael Verhoeven 1990: Das Erbe der Guldenburgs, Regie: Gero Erhardt 1991: Erfolg, Regie: Franz Seitz junior 1993: Prinzenbad, Regie: Richard Blank 1994: Rosamunde Pilcher – Wilder Thymian (TV-Rolle), Regie: Gero Erhardt
Regie 1958: Warum sind sie gegen uns? 1959: Die Brücke, nach dem gleichnamigen Roman von Manfred Gregor 1961: Das Wunder des Malachias, nach einem Roman von Bruce Marshall 1962: Der längste Tag (zusammen mit anderen Regisseuren, unter anderem Ken Annakin und Andrew Marton) nach dem gleichnamigen Tatsachenbericht von Cornelius Ryan über den D-Day 1964: Der Besuch, nach dem Drama Der Besuch der alten Dame von Friedrich Dürrenmatt 1965: Morituri (Fernsehtitel: Kennwort: Morituri), nach einem Roman von Werner Jörg Lüddecke 1967: Der Paukenspieler (Co-Regie) 1970: Karpfs Karriere