miniatur|hochkant|Martin 00-28 1907
C. F. Martin & Co., Inc. (kurz Martin Guitars) ist ein Produzent hochwertiger Akustikgitarren aus Nazareth (Pennsylvania) in den USA.
Das Unternehmen wurde 1833 durch den Emigranten Christian Friedrich Martin (1796–1873, später Christian Frederick Martin genannt) aus dem vogtländischen Musikwinkel gegründet und ist heute in der sechsten Generation weiterhin durch den seit 1986 als VorstandsvorsitzendenTony Bacon, Paul Day: The Ultimate Guitar Book. 1991; Neudruck 1993, S. 26. tätigen Christian Frederick Martin IV. familiengeführt.
Das Unternehmen ist durch Produktequalität weltweit bekannt für Akustikgitarren (Westerngitarren). Die Firmengeschichte von C. F. Martin & Co. ist ein Beispiel erfolgreicher Gründungen europäischer Einwanderer.
Gründungszeit
Der Gründer, Christian Friedrich Martin Senior, wurde am 31. Januar 1796 in Markneukirchen geboren. Er ging zunächst bei seinem Vater, dem Tischler und InstrumentenbauerTony Bacon, Paul Day: The Ultimate Guitar Book. Hrsg. von Nigel Osborne, Dorling Kindersley, London/New York/Stuttgart 1991; Neudruck 1993, ISBN 0-86318-640-8, S. 26. Johann Georg Martin in die Lehre. Mit 24 Jahren ging er nach Wien, um in der zu dieser Zeit wohl besten Wiener Gitarrenmanufaktur bei Johann Georg Stauffer eine Lehre zu absolvieren. Christian Friedrich brachte es in dessen Werkstatt auf Grund seiner Geschicklichkeit zum Vorarbeiter. Die Heirat mit Ottilie Lucia Kühle, Tochter eines Wiener Tischlers und Instrumentenbauers, veranlasste ihn offensichtlich, Stauffer zu verlassen, da er in der Werkstatt seines Schwiegervaters eine neue Anstellung fand.
Insgesamt blieb er 14 Jahre in Wien, danach kehrte er in seine Heimatstadt zurück und eröffnete sein eigenes Geschäft. Dabei kam er in eine turbulente Situation, denn gerade hatte die Innung der Geigenbauer der Stadt Neukirchen (später „Markneukirchen“) Beschwerde beim sächsischen König geführt. Die Geigenbauer behaupteten, die Tischler Carl Friedrich Jacob und Carl Gottlob Wild fertigten unerlaubt Gitarren; jene seien keine Mitglieder der Zunft der Geigenbauer, deren Mitgliedern alleine das Recht zukomme, alle Arten von Saiteninstrumenten herzustellen. In den Gerichtsakten aus dem Jahre 1832 wird Christian Friedrich Martins Vater bereits als Hersteller von Gitarren erwähnt:
Christian Friedrich wanderte im September 1833 nach New York aus. Man schreibt diesen Entschluss den oben beschriebenen Schwierigkeiten zu. Es ist belegt, dass die Geigenbauer-Innung seit dem Jahre 1806 mindestens drei behördliche und gerichtliche Verfahren gegen Gitarrenbauer in die Wege geleitet hatten. Die Verfahren waren von unterschiedlichem Erfolg, müssen aber als jahrelanger Zustand der Unsicherheit einen starken Druck auf die nicht der Geigenbauer-Innung angehörenden Hersteller von Zupfinstrumenten ausgeübt haben.
In New York eröffnete Christian Friedrich Martin noch im selben Jahr sein Gitarrenbaugeschäft. In den Anfängen unterhielt er eine auch nach heutigen Vorstellungen durchaus gewöhnliche Musikalienhandlung, in der man neben Gitarren auch Blas- und Streichinstrumente, Saiten, Noten und Zubehör erstehen konnte. Gitarren fertigte er auf Bestellung. Bei deren Vertrieb, aber auch bei der Fertigung der Gitarren selbst arbeitete er mit einer Anzahl von Musiklehrern, Großhändlern und anderen Partnern zusammen. Daher sind auch viele Modelle aus dieser Zeit mit Martin & Schatz oder Martin & Coupa bezeichnet. Martins Gitarren genossen schon während der Zeit, die er in New York verbrachte, einen ausgezeichneten Ruf, der sich bei Interessenten rasch herumsprach.
1838 verkaufte Martin sein Geschäft in New York und zog mit der Manufaktur 110 km westlich nach Nazareth (Pennsylvania). Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit verlegte sich nun endgültig auf die Herstellung hochwertiger Gitarren.
Nach diesem Umzug wandelte sich das Geschäft zu einem Betrieb mit etwa 20 Angestellten und vergrößerte sich kontinuierlich, bis 1859 die erste Fabrik in der North Street eröffnet wurde. C. F. Martin starb am 16. Februar 1873 und hinterließ eine erfolgreiche Gitarrenbaufirma.
Gitarrenbau-Technik und Innovationen mini|Früheste Gitarre mit X-Bracing (1842) miniatur|X-Bracing
In den 1840er-Jahren perfektionierte C.F. Martin Sr. das X-Bracing, welches eine erhöhte Stabilität und Belastbarkeit der Decke ermöglicht. Das X-Bracing (aufgeleimte Leisten auf der Innenseite der Korpusdecke) gilt bis heute als eines der besten Bracing-Muster und wird weltweit vor allem bei Gitarren mit Stahlsaiten genutzt. Heute wird allgemein behauptet, Martin habe diese Beleistungsform erfunden. Allerdings ist belegbar, dass das „X-Bracing“ in den 1840er-Jahren, also zeitgleich auch von anderen Gitarrenbauern verwendet wurde, die deutscher Herkunft und untereinander bekannt waren, wie Schmidt, Maul und Stumcke.Philip F. Gura, C. F. Martin and His Guitars 1796-1873, University of North Carolina Press, 2003, S. 106. Eine Patentierung des „X-Bracing“ ist nicht erfolgt. Wenn seine Urheberschaft auch Christian Friedrich Martin zugeschrieben wird, so wird die wirkliche Urheberschaft wohl nicht mehr aufzuklären sein.
Mit dem X-Bracing waren die Martin-Gitarren jedenfalls unwissentlich für eine Entwicklung vorbereitet worden, die um die Jahrhundertwende begann. Als die Gitarre als Volksinstrument in den Vereinigten Staaten immer beliebter wurde, trat immer drängender das Problem in den Vordergrund, dass die Gitarre allgemein gegenüber anderen Instrumenten zu leise war. Gitarrenspieler hatten einige Mühe, sich gegen die viel lauteren Instrumente Mandoline, Violine und Banjo Gehör zu verschaffen. Angeregt von Banjo- und Mandolinenspielern begannen Gitarristen, ihre eigentlich für Darmsaiten konstruierten Instrumente mit Mandolinensaiten zu bespannen, um eine bessere Lautstärke zu erreichen. Martin blieb diese Entwicklung nicht verborgen. Allerdings waren die Instrumente dem höheren Saitenzug der Metallsaiten auf Dauer nicht gewachsen. Martin griff die Entwicklung aber auf, indem er die Gitarren konstruktiv den geänderten Anforderungen anpasste. Die Gitarren der Korpusgröße „000“ waren eine gewisse Zeit für die Nutzung sowohl mit Darm- als auch mit Stahlsaiten vorgesehen. Bereits im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts lag der Schwerpunkt Martins bei den Gitarren mit Stahlsaiten.
1916 produzierte Martin die ersten Dreadnought-Gitarren, über längere Zeit die größte Bauform für eine Gitarre. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wurde diese Bauform weltweit akzeptiert und ist heute eine Art Markenzeichen von Martin & Co. Die „Dreadnought“ mit dem Halsansatz am vierzehnten Bund dürfte heute die am häufigsten hergestellte Bauform bei den akustischen Stahlsaiten-Gitarren sein. Nahezu jeder Hersteller akustischer Stahlsaiten-Gitarren kopiert diese Bauform, teils mit geringen Variationen, teils auch in einer der Martin-Dreadnought völlig übereinstimmenden Weise.
Martin baute ab 1929 Gitarren, deren Hals erst am vierzehnten Bund in den Korpus der Gitarre überging. Zuvor war generell ein Übergang des Gitarrenhalses am zwölften Bund üblich. Der Übergang am vierzehnten Bund sollte dem Spieler ermöglichen, die Bünde jenseits des zwölften Bundes leichter zu erreichen. Die Innovation ging ebenso auf den Hinweis des Banjo-Spielers Perry Bechtel zurück, wie eine Verringerung der Breite des Griffbrettes.
Heute werden auch Gitarren mit Cutaway hergestellt, etwa die mit Pickups (Tonabnehmern) ausgestatteten Modelle OMC-1E (eine OOO-Form) und DC-1E (im Dreadnought-Maß).Jens Prüwer: Erschwingliche Qualität: Martin OMC-1E & DC-1E. In: guitar. Band 112, Nr. 9, 2009, S. 124–125.
Modell-Entwicklung Am Anfang des 19. Jahrhunderts war die Gitarre zwar ein seit langem bekanntes, aber noch unausgereiftes Instrument. Nachdem die Gitarre neben der Laute, der Waldzither, der Mandoline, der Cister und der Vihuela eine untergeordnete Rolle gespielt hatte, entwickelte sich im Europa der nach-Napoleonischen Ära eine starke Nachfrage sowohl nach dem Instrument an sich als auch nach der für es geeigneten Musik. Mit Spielern und Komponisten wie Fernando Sor, Dionisio Aguado, Mauro Giuliani, Ferdinando Carulli und anderen begann die Gitarre zudem, sich vom Laien-Instrument für die Liedbegleitung zu einem als polyphon und für konzertante Musik geeignetes Instrument zu entwickeln. In der Zeit nach 1815 tauchte in Europa und etwas später auch in den USA für das Phänomen der massiven Begeisterung für das Instrument der Begriff Gitarromania auf. So kam es, dass sich in der Zeit ab 1830 die Entwicklungsschritte und Reifeprozesse des Musikinstruments Gitarre vollzogen, die zu den Instrumenten führten, die wir heute kennen und die man – zumindest in einigen Bereichen – als Endformen betrachten kann.
mini|hochkant|Martin 12-Bund-Dreadnought (CEO-5)
In dieser Atmosphäre, die sich auch auf die neue Welt übertrug, wanderte C. F. Martin von Sachsen in Deutschland nach den USA aus. Während es Antonio de Torres vorbehalten war, die Entwicklung der Gitarre auf dem europäischen Kontinent als Konzertinstrument zur Reife zu führen, war es an dem jungen Christian Frederick Martin, die Entwicklung in Gang zu setzen, die letztlich die Stahlsaiten-Gitarre hervorbrachte, die in der Volksmusik vieler Regionen, der populären Musik aller nur denkbaren Stilrichtungen und vermehrt auch moderner konzertanter Musik einen unvergleichlichen Siegeszug angetreten hat.
Sowohl in Europa als auch in Amerika war die Entwicklung der Gitarre in erster Linie von einer deutlichen Vergrößerung des Klangkörpers begleitet. Betrachtet man die frühen Modelle der Firma Martin, erkennt man noch recht deutlich deren gemeinsame Wurzeln mit zeitgenössischen europäischen Instrumenten jener Zeit. Sie waren deutlich kleiner als alles heute Übliche und glichen mit ihren ähnlich großen Ausladungen beidseits der „Taille“ ein wenig einer „8“.
Martin ging recht bald dazu über, seine Instrumente zu standardisieren. So bezeichnete er die kleinste Gitarre mit der Ziffer „3“, die nächstgrößere mit „2“, das Größte mit „1“. Nachdem die Entwicklung zu noch größeren Korpusformen gegangen war, wurde das Modell „0“ eingeführt, (eine Größe, die heute noch als kleinstes Modell erhältlich ist). Die Nomenklatur erwies sich als nicht sehr weitsichtig gewählt, denn nach der Entwicklung noch größerer Korpusformen hätte man eigentlich „−1“ und „−2“ als Bezeichnung wählen müssen. Martin aber nannte das nächstgrößere Modell schlicht „00“ und die dann einige Jahre als größtes Modell erhältliche Gitarre „000“.
Parallel zur Entwicklung der Korpusgrößen vollzog sich in den Anfängen des 20. Jahrhunderts die oben bereits beschriebene Umstellung der Modellpalette auf Stahlsaiten. Dabei erwies sich die Bevorzugung des „X-bracing“ als vorteilhaft, denn es widerstand dem erhöhten Zug der Stahlsaite bedeutend besser als die in diesem Bereich vereinzelt eingesetzte Beleistung nach dem Muster von Torres.
mini|hochkant|Martin 14-Bund-Dreadnought (HD-28)
Die Dreadnought-Gitarre