mini|Bad Urach

Bad Urach (bis 1983 Urach) ist eine Stadt auf der Schwäbischen Alb im Tal der Erms, im Landkreis Reutlingen in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Neckar-Alb und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart. Die Stadt ist staatlich anerkannter Luftkurort und Heilbad. Bekannt ist sie auch wegen des Uracher Wasserfalls und des alle zwei Jahre stattfindenden Schäferlaufs. Bad Urach ist mit seiner gesamten Gemarkung Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb und des UNESCO Geoparks Schwäbische Alb.

Geographie mini|Marktplatz mit Rathaus mini|hochkant|Amtsgericht mini|Schule, Amandus-Kirchturm und Schloss mini|Die ehemalige Schlossmühle mini|hochkant|Der Zeughausturm

Lage Bad Urachs Lage wird zumeist beschrieben als „am Fuß der Schwäbischen Alb“, dies ist jedoch naturräumlich nicht korrekt. Die Stadt liegt zwar im Tal (der Erms), deutlich unterhalb des Albtraufs, das Stadtgebiet und die Umgebung sind jedoch in allen Richtungen als Teil der Schwäbischen Alb anzusehen. Verfolgt man den Verlauf der Erms von ihrer Mündung in den Neckar flussaufwärts, beginnt die Schwäbische Alb ungefähr bei Metzingen, für das die Lagebezeichnung „am Fuß der Alb“ zutrifft. Im Stadtgebiet von Bad Urach wird außerdem der Gesteinsuntergrund überall von Schichten des Oberen Jura gebildet (wenn nicht jüngere Ablagerungen aus Pleistozän und Holozän darüber liegen), geologisch liegt Bad Urach auf jeden Fall innerhalb der Schwäbischen Alb.

Der historische Kern der Stadt liegt an der Mündung der Elsach in die Erms, er wird an zwei Seiten begrenzt von diesen beiden Flüssen. Da bei Bad Urach noch aus verschiedenen anderen Richtungen Täler in das Ermstal einmünden, wird auch vom Bad Uracher Talknoten gesprochen.

Die höchste Stelle im Stadtgebiet Bad Urachs liegt auf 789,34 m ü. NHN, auf einer unbenannten Kuppe an der westlichen Stadtgrenze zu St. Johann, ungefähr 1000 m westsüdwestlich vom Uracher Wasserfall. Die tiefste Stelle im Stadtgebiet ist mit einer Höhe von 417,9 m ü. NHN der Ort, an dem die Erms das Stadtgebiet nach Norden, in Richtung Dettingen, verlässt.

Geologie Der Gesteinsuntergrund um Bad Urach bildet einen Ausschnitt – den oberen, jüngsten Ausschnitt – des südwestdeutschen Schichtstufenlandes. Die Gesteinsschichten, die im Stadtgebiet von Bad Urach die Erdoberfläche bilden, gehören im Wesentlichen dem Oberen Jura an, d. h. sie sind zwischen 145 und 163 Millionen Jahre alt. Aufgrund einer flachen Einsenkung der Schichtlagerung, der sogenannten Uracher Mulde, ist hier die Schichtenfolge sogar vollständiger erhalten als in den meisten anderen Gebieten der Schwäbischen Alb. Vom Talgrund die Hänge hoch bis auf die Hochfläche der Alb steht ein vollständiges Profil des Oberjura anM. Franz, E. Nitsch und T. Simon: Das mesozoische Deckgebirge der Geothermiebohrungen Urach 1, Urach 3 und Urach 4 (Baden-Württemberg). In: LGRB-Informationen 29, 2014, S. 11–47, hier S. 12, von der Impressamergel-Formation auf ca. 450 m ü. NHN bis zur Hangende-Bankkalke-Formation auf ca. 750 m ü. NHN. Im Wesentlichen handelt es sich bei den Oberjura-Sedimenten um Kalke, zu einem geringeren Teil auch um Mergel. Zur tiefsten Stelle des Stadtgebiets hin, wo die Erms das Stadtgebiet verlässt, streichen am Hangfuß auch die obersten Schichten des Mittleren Jura aus, die eher tonig ausgeprägt sind.

Differenziert wird die geologische Situation durch drei Aspekte: Zum einen deckt den Talboden zumeist eine Schicht aus quartärem Sinterkalk, den das Wasser der Erms hier abgelagert hat. Zum anderen haben im Miozän eine ganze Reihe von Vulkanschloten den Kalkkörper des Oberjura durchschlagen. Sie gehören zum Urach-Kirchheimer Vulkangebiet. Nachgewiesen sind sie entweder geomagnetisch oder durch Funde von Schlotbrekzie. Schließlich sind die Hochflächen oder auch die Talflächen oft von holozänen Ablagerungen überdeckt und an den Hängen liegt über dem anstehenden Gestein (Weißjura-)Kalkschutt.

In Bad Urach befindet sich die mit 61 °C heißeste Thermalquelle Baden-Württembergs. Die hohe Wärme beruht auf einer Temperaturanomalie im Untergrund. 1970 wurde die Thermalquelle erschlossen. Sie dient dem Kur- und Heilbadbetrieb. Das Mineral-Thermalbad „AlbThermen“ sowie das „Gesundheitszentrum Schwäbische Alb“ nutzen das Wasser für ihre Gäste. Vor mehreren Millionen Jahren herrschte in der Region aktive Vulkantätigkeit vor. Die Überreste hiervon bilden mit über 350 dokumentierten Plätzen das Gebiet Schwäbischer Vulkan, auch Urach-Kirchheimer Vulkangebiet genannt.

Zur Ausnutzung dieser Temperaturanomalie bestand fast ein Jahrzehnt lang das Geothermie-Projekt „Hot-Dry-Rock Bad Urach“ mit den Zielen der geothermischen Stromerzeugung und der Erdwärmeversorgung eines Großteils der Stadt. Die Vollendung des bis dahin aussichtsreichen und weltweit beachteten Projekts scheiterte 2004 an der Entscheidung des damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel, die notwendige Nachfinanzierung zu bewilligen. Seitdem werden die Bohrungen genutzt, um Thermalwasser zu fördern. In den Jahren 2021 und 2022 wurden zwei neue Bohrungen abgeteuft, mit denen zusätzlich zur Versorgung mit Thermalwasser ein Nahwärmenetz betrieben werden soll.Geothermie-Projekt erfolgreich abgeschlossen: zweite Bohrung ist auf Thermalwasser gestoßen, RTF1, 23. Februar 2022

Stadtgliederung Bad Urach besteht aus den Stadtteilen Hengen (687,01 ha; 899 Einwohner, Stand 31. Dezember 2014), Seeburg (220,65 ha; 278 Einwohner), Sirchingen (481,78 ha; 957 Einwohner), Bad Urach (2.797,89 ha; 9133 Einwohner) und Wittlingen (1362,24 ha; 1068 Einwohner). Mit Ausnahme des Stadtteils Bad Urach bilden die Stadtteile zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung.

Zum Stadtteil Bad Urach gehören die Stadt Urach, die Kartause Güterstein und die Häusergruppe Bleiche. Zu den Stadtteilen Hengen und Sirchingen gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zum Stadtteil Seeburg gehören das Dorf Seeburg, Schloss und Hof Uhenfels und das Einzelhaus Wyhler ob Seeburg, und zum Stadtteil Wittlingen gehören das Dorf Wittlingen, das Gehöft Hohenwittlingen und die Einzelhäuser und Häusergruppen Elektrizitätswerk, Georgenau, Pumpwerk Ermsgruppe XIII, Pumpwerk Vordere Albgruppe, Schanz und Villa Mühleisen.

Im Stadtteil Hengen liegt die abgegangene Burg Fischburg. Im Stadtteil Bad Urach liegen die abgegangenen Ortschaften Berg, Gyrenbad, Merzhausen, Mietenhausen, Pfählen, Sontheim und Weiler, und im Stadtteil Wittlingen liegen die abgegangenen Ortschaften Hennibrunnen, Hofstetten und Winneden sowie die abgegangene Burg Baldeck.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4, S. 27–99.

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Bad Urach, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören zum Landkreis Reutlingen:

Hülben, Grabenstetten, Römerstein, Gutsbezirk Münsingen, Münsingen, St. Johann und Dettingen an der Erms.

Schutzgebiete

Die Stadtfläche von Bad Urach liegt fast vollständig in verschiedenen Schutzgebietskategorien. Im Westen der Stadt liegt das Naturschutzgebiet Rutschen und im Norden das Naturschutzgebiet Nägelesfelsen. Beide werden vom Landschaftsschutzgebiet Reutlinger und Uracher Alb umgeben, das etwa die Nordhälfte der Stadtfläche einnimmt. im Osten liegt das Landschaftsschutzgebiet Fischburgtal. Daneben gibt es eine Reihe kleinerer Landschaftsschutzgebiete, die sich um Seeburg, Wittlingen und Hengen verteilen: die Öde und Sommerschafweide unter dem Ernstfeld, die Öde am Hartberg, die Sommerschafweide im Buch, die Wolfsschlucht, der Waldkopf östlich der Ruine Hohenwittlingen und die Brunnhalde südlich Hof Hohenwittlingen.

Ein Großteil der Stadtfläche gehört zum FFH-Gebiet Uracher Talspinne und zum Vogelschutzgebiet Mittlere Schwäbische Alb. Das gesamte Stadtgebiet gehört zum Biosphärengebiet Schwäbische Alb, wobei das Fischburgtal, die Gewanne Talsteige und Kazletter und die Bereiche um den Nägelesfels als Kernzonen ausgewiesen sind.

Geschichte mini|Urach im 17. Jahrhundert mini|Urach 1912 mini|Marktplatz Urach, um 1937–1942 (Foto von Franz Grasser) mini|Ein Blick auf Bad Urach von der Ruine aus

Frühe Geschichte Der Ortsname setzt sich aus ahd. ûr „Auerochse“ und dem Gewässernamen -ach zusammen und bedeutet „(Siedlung am) Auerochsenbach“.Deutsches Ortsnamenbuch. Hg. Manfred Niemeyer. Berlin / Boston 2012, S. 646.

Reichhaltige Funde auf dem Runden Berg bei Bad Urach belegen, dass dieser in der Spätantike/Frühmittelalter eine bedeutende alamannische Höhensiedlung und ein Machtzentrum der Alamannen war. Urach war Anfang des 12. Jahrhunderts Sitz eines von Egino I. gegründeten Grafengeschlechts. Die heutige Siedlung wurde wahrscheinlich mit Markt und Pfarrei Urach um 1100 gegründet, nachdem die Vorfahren der Grafen von Urach und Achalm ihren Stammsitz mit Grablege in Dettingen aufgegeben hatten. 1265 verkaufte Graf Heinrich von Fürstenberg die Burg Hohenurach und die meisten Besitzungen an Graf Ulrich von Württemberg.

Während der Teilung Württembergs von 1442 bis 1482 war Urach Residenzsitz des Grafen der Uracher Linie. Besonders hervorzuheben ist die Uracher Hochzeit zwischen dem Grafen Eberhard V. im Bart und Barbara Gonzaga, in der die Macht des Grafen demonstriert wurde.

Bei Bad Urach befinden sich folgende Burgruinen und Burgreste: Burg Baldeck, Burg Blankenhorn, Burg Hohenwittlingen, Burg Hohenurach, Burgrest Fischburg, Burg Littstein, Burg Pfälen, Burg Runder Berg, Burg Schorren (Venedigerloch, Schorrenhöhle) und Burg Seeburg.

Dreißigjähriger Krieg

Nach der verlorenen Schlacht bei Nördlingen war Württemberg vollständig von Truppen entblößt. Wenige Tage später, am 9. September 1634 (alten Stils), erschienen bayerische Reiter in der Gegend von Urach. Stadt und Festung wurden damals unter dem weimarischen Oberstleutnant Gottfried Holtzmüller verteidigt.

Drei erste Anläufe durch das Infanterieregiment Reinach auf die Dettinger Schanzen konnte Holtzmüller bis zum 10. September abwehren. Doch als am 19. Oktober 1634 Graf Walter Butlers Dragonerregiment anrückte und Tiefenbach die Stadt albseitig umschloss, wurde die Lage prekär. Am 21. Oktober 1634 gab Butler schließlich das Signal zum Angriff, indem er die Brandfackel an die Metzinger Keltern legte. Butler marschierte auf Seiten der Weinberge vor. Um nach Urach vorzudringen, musste er die Wagenburg bei Dettingen gewinnen, hinter der sich mutige Dettinger Bürger und ein Teil der Hohenuracher Besatzung verschanzten. Das Kräfteverhältnisu. a.: Peter Engerisser: Nördlingen 1634. Verlag Heinz Späthling, 2009. vor dem Sturm auf die Stadt: Schweden-Weimarer: Gottfried Holtzmüller: 150-300 Dragoner und Soldaten Georg Albrecht von Bettendorf: 50 Mann württembergische Besatzungsknechte Einige Dorf- und Stadtschützen Kaiserliche: Obrist Graf Walter von Buttler: etwa 900 Dragoner und Kroaten Infanterieregiment Tiefenbach: 750 Mann Infanterieregiment „Grünewehr“: Unbekannt

Als der Sturm auf die Wagenburg losbrach, strömte das feindliche Fußvolk unaufhörlich über die Weinberge herab und durchschlug die verteidigte Schanze. 94 Bürger und 30 württembergische Knechte wurden niedergemacht.

Der Marktort Dettingen erfuhr Tage der Plünderung; der Weg nach Urach war nun offen. Am 21. Oktober 1634 begann die Belagerung der Amtsstadt. 12 Tage lang konnte sich Urach der Übermacht erwehren und wurde während dieser Zeit sechsmal zur Kapitulation aufgefordert. Doch Holtzmüller lehnte die Akkordaufforderung ab. Erst als am 2. November 1634 der Pulverturm im Hundsstall explodierte, gab er die Stadt auf und floh auf die Burg. Zur Strafe für die Weigerung wurde Urach 5 Tage lang der Plünderung preisgegeben. Danach zogen kaiserliche Truppen ein.