Der Landkreis Land Hadeln war bis 1977 ein Landkreis im Norden Niedersachsens an der Elbmündung. Kreisstadt war Otterndorf.

Geografie Gliederung (Gemeinden) Die folgende Liste enthält alle Gemeinden, die zwischen 1932 und 1977 dem Landkreis Land Hadeln angehörten, sowie alle Eingemeindungen:territorial.de: Landkreis Land Hadeln Gemeinde eingemeindetnach Datum derEingemeindung Anmerkung Abbenseth Hollnseth 1. Juli 1972 Altenbruch Cuxhaven 1. Juli 1972 Altendorf Osten 1. Juli 1972 Altenwalde Cuxhaven 1. Juli 1972 Armstorf Basbeck Hemmoor 1. Juli 1968 Belum Berensch-Arensch Cuxhaven 1. Februar 1971 bis zum 1. April 1937 im Land Hamburg Bornberg Hechthausen 1. Juli 1972 Bülkau Cadenberge Dornsode Armstorf 1. Juli 1972 Franzenburg Altenwalde 1. Juli 1968 Geversdorf Cadenberge 1. November 2016 Gudendorf Altenwalde 1. Juli 1968 bis zum 1. April 1937 im Land Hamburg Hackemühlen Lamstedt 1. Juli 1972 Hechthausen Heeßel Hemmoor 1. Juli 1968 Hemm Hemmoor 1. Juli 1968 Hemmoor Hollen Hollnseth 1. Juli 1972 Hollnseth Gründung am 1. Juli 1972 Holte-Spangen Cuxhaven 1. Juni 1970 bis zum 1. April 1937 im Land Hamburg Ihlbeck Lamstedt 1. Juli 1972 Ihlienworth Gründung am 1. Oktober 1937 Isensee Osten 1. Juli 1972 Kehdingbruch Belum 1. Juli 1972 Kleinwörden Hechthausen 1. Juli 1972 Klint Hechthausen 1. Juli 1972 Lamstedt Langenmoor Armstorf 1. Juli 1972 Laumühlen Hechthausen 1. Juli 1972 Lüdingworth Cuxhaven 1. Juli 1972 Mittelstenahe Moorausmoor Stinstedt 1. Juli 1972 Neubachenbruch Stinstedt 1. Juli 1972 Neuenkirchen Neuhaus (Oste), Flecken Nindorf Lamstedt 1. Juli 1972 Nordahn Mittelstenahe 1. Juli 1972 Nordleda Oberndorf Odisheim Oppeln Wingst 1. Juli 1972 Osten Oster Ihlienworth Ihlienworth 1. Oktober 1937 Osterbruch Otterndorf, Stadt Oxstedt Altenwalde 1. Juli 1968 bis zum 1. April 1937 im Land Hamburg Sahlenburg Cuxhaven 1. Juni 1970 bis zum 1. April 1937 im Land Hamburg Steinau Stinstedt Varrel Mittelstenahe 1. Juli 1972 Voigtding Wingst 1. Juni 1970 Wanna Warstade Hemmoor 1. Juli 1968 Wester Ihlienworth Ihlienworth 1. Oktober 1937 Westersode Hemmoor 1. Juli 1968 Wingst Wisch Hechthausen 1. Juli 1972 Wohlenbeck Lamstedt 1. Juli 1972

Nachbarkreise Der Landkreis grenzte Anfang 1977 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die kreisfreie Stadt Cuxhaven, an die Elbmündung sowie an die Landkreise Stade, Bremervörde und Wesermünde. Im Nordwesten grenzte er an die Nordsee.

Geschichte Der Kreis Hadeln ging nach der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen 1885 aus dem ehemaligen hannoverschen Amt Otterndorf hervor. Bei der preußischen Kreisreform vom 1. Oktober 1932 wurde der Kreis Hadeln mit dem größten Teil des Kreises Neuhaus an der Oste sowie der Gemeinde Altenwalde aus dem aufgelösten Landkreis Lehe zu einem neuen Landkreis zusammengelegt. Der ursprünglich für den neuen Landkreis vorgesehene Name Otterndorf wurde durch Beschluss des Preußischen Staatsministeriums vom 27. September 1932 in Land Hadeln geändert.Verordnung über die Neugliederung von Landkreisen vom 1. August 1932, Preußische Gesetzsammlung 1932 S. 261Erlass des Preußischen Staatsministeriums vom 27. September 1932; Ministerialblatt für die preußische innere Verwaltung 1932, S. 1036 Umgangssprachlich war die Bezeichnung als Kreis Land Hadeln üblich; Sitz der Kreisverwaltung war Otterndorf.

Bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 erhielt die NSDAP im Kreis Land Hadeln 55,5 % der abgegebenen gültigen Stimmen.

Im Rahmen des Groß-Hamburg-Gesetzes wechselten am 1. April 1937 die Gemeinden Berensch-Arensch, Gudendorf, Holte-Spangen, Oxstedt und Sahlenburg aus dem Land Hamburg in den Landkreis Land Hadeln.

NS-Zeit mini|hochkant=1.3|Ehemaliger Friedhof der Synagogengemeinde Neuhaus im „Wingster Forst“, 2014 1932 wurde durch eine Verordnung des preußischen Staatsministeriums der größte Teil des Kreises Neuhaus in den Kreis Land Hadeln eingegliedert.Daten zum Kreis Neuhaus bei territorial.de Sitz der Kreisverwaltung war Otterndorf. Damit kamen Gebiete zusammen, die bis dahin eine durchaus unterschiedliche politische und gesellschaftliche Entwicklung durchgemacht hatten. Weder im Mittelalter noch in der Neuzeit waren das Amt Neuhaus oder die Börde Lamstedt jemals Teil der historischen Landschaft Hadeln gewesen.

Die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er und im Verlauf der 1930er Jahre forderte auch in der örtlichen Mittelschicht des Kreises, besonders in der Handwerkerschaft und unter den Kaufleuten viele Opfer. Die Steuerlast nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg lag schwer auf allen Betrieben, und in den Zeitungen häuften sich die Konkursmeldungen. Die wirtschaftliche Notlage weiter Bevölkerungskreise war Nährboden für radikale politische Strömungen. Um 1930 bildete sich die erste NSDAP-Ortsgruppe im Kreis Neuhaus. Die Mitgliederzahl stieg bis 1933 beträchtlich. Vor allem Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes traten in die Partei ein, weil sie sonst ihre Stellung verloren hätten. Als die Orte Neuhaus/Oste und Otterndorf, wo der am 1. Oktober 1930 der NSDAP beigetretene Albert Rodegerdts vom 1. Mai 1933 bis 1. November 1936 Bürgermeister war, am 1. Oktober 1932 zusammengelegt wurden, wurde er ehrenamtlicher Kreisleiter des neuen Kreises Otterndorf.Albert Rodegerdts - Lebenslauf. „Machtergreifung am 30. Januar 1933: Die Presse der Allgemeinen Zeitung der Lüneburger Heide (AZ) informiert.“; www.yumpu.com; abgerufen: 14. April 2024.

Schon 1930 gelang der NSDAP bei den Kreistagswahlen der entscheidende Durchbruch. Mit ca. 21 % der Stimmen war sie die stärkste Partei neben der SPD. Bei der Reichstagswahlen 1932 näherte sich die NSDAP m Kreis Land Hadeln der 50-%-Marke. Damit lag sie deutlich über dem Reichsdurchschnitt. Besonders enttäuschte Marschenlandwirte wandten sich der NSDAP zu. Man erhoffte sich vor allem eine Verbesserung der eigenen wirtschaftlichen Lage. Allerdings wurde dabei die nach einem Wahlsieg der Nationalsozialisten zu erwartende Verfolgung der verhältnismäßig kleinen jüdischen Minderheit billigend in Kauf genommen. Bisher hatten die meisten Juden als angesehene Viehhändler gelebt. Nach der Machtergreifung der NSDAP am 30. Januar 1933 wurden vor dem Rathaus Otterndorf die Fahnen des „alten Regimes“ verbrannt.

Sofort begann man auch auf Kreisebene das Berufsbeamtentum von „fremdrassigen, ungeeigneten und politisch unzuverlässigen Elementen“ zu säubern. Alle Beamten mussten von nun an einen Ariernachweis erbringen. Bis auf Gemeindeebene hinunter wurden „mit der Idee des Nationalsozialismus verwachsene Männer“ eingesetzt. Die Rolle der Kreistage wurde bald bedeutungslos und die gesamte Verantwortung lag bei der Person des Landrats.Erich von Lehe: Geschichte des Landes Wursten. Mit einem Beitrag von Werner Haarnagel. Bremerhaven 1973.Rudolf Lembcke (Hrsg.): Kreis Land Hadeln. Geschichte und Gegenwart. Otterndorf 1976.

Von 1933 bis 1945 gab es eine NSDAP-Kreisleitung mit Sitz in Otterndorf, später in Cuxhaven, und Ortsgruppen, SA, SS, NS-Kraftfahrkorps, Hitlerjugend (HJ), Bund Deutscher Mädel (BDM), NS-Frauenschaft, Deutsche Arbeitsfront (DAF) etc.Klenck, Willi (1957): „Heimatkunde des ehemaligen Kreises Neuhaus an der Oste“. Faksimiledruck der Ausgabe von 1957. Lamstedt, W Klenck Verlag: Otterndorf, reprint: 1986, Kranichhaus-Gesellschaft, 561 S.; hier S. 192.Der Autor, W. Klenck, war hauptamtlicher Funktionär der Nationalsozialisten, und von 1943-1945 Leiter des Rassenpolitischen Amtes des NSDAP-Gaues Ost-Hannover mit Sitz in Lüneburg. Daneben schrieb er in Blättern der NSDAP und ihrer Gliederungen, u. a. zu den sogenannten „Verkartungen“ deutscher Dörfer, in denen angebliche Rassemerkmale der arisch-germanischen Rasse erforscht werden sollten. Die Darstellung der NS-Zeit auf gerade einmal 10 Seiten in seinem 561 Seiten zählenden Werk ist voreingenommen. Der Schwerpunkt der Schilderungen liegt auf den Kriegsvorbereitungen und -Auswirkungen. Die NSDAP-Geschichte des Kreises Neuhaus beschreibt er eher vage, meist ohne konkrete Daten und Namen.Hans-Jürgen Kahle: „25 Jahre Wilhelm Heidsiek Verlag. Cuxhaven“, 1996; aufgerufen: 15. April 2024. Bald nach der Machtergreifung wurden der Landrat und die Bürgermeister ihrer Ämter enthoben. An ihre Stelle traten NSDAP-Anhänger. Darauf folgte die Gleichschaltung nach dem Führerprinzip in allen anderen staatlichen Einrichtungen (Schulen, der Post etc.) und Vereinen, wie dem Schützenverein, der Feuerwehr, Gesangsverein.Klenck, 1957, S. 193

Politisch Andersdenkende, insbesondere SPD und KPD wurden verfolgt.

Während der NS-Zeit hatten nacheinander Sup. Hermann August Friedrich Steinmetz (amt. 1906–1935) und P. Hermann Karwehl (amt. 1937–1955) das Pfarramt Neuhaus inne. Nach den Angaben im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ gehörten beide nicht der NSDAP an. Zum 1933 neu gewählten Kirchenvorstand schrieb P. Karwehl, ein Mitglied habe zu den führenden Männern der Partei in Neuhaus gehört, er trat später aus der Kirche aus.„Kirchengemeindelexikon 1.800 Geschichten“; abgerufen: 13. April 2024. Zur Synagogengemeinde Neuhaus gehörten auch Juden aus umliegenden kleinen Dörfern, so u. a. aus Balje, Bülkau, Geversdorf, Krummendeich und Osten. Der Zusammenschluss zu einer Synagogengemeinde war heftig umstritten und führte zu jahrelangen Querelen. Vor allem die Juden aus Osten wehrten sich vehement gegen die Integration in die Synagogengemeinde Neuhaus. Ab Beginn des 20. Jahrhunderts nahm die Zahl der Mitglieder der Synagogengemeinde Neuhaus immer mehr ab, so dass wegen des fehlenden Minjan keine Gottesdienste mehr abgehalten werden konnten. Die Gemeinde löste sich Anfang der 1930er Jahre völlig auf.Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum – Neuhaus/Oste (Niedersachsen); abgerufen: 13. April 2024. Die Novemberpogrome 1938 stießen im Kreis Neuhaus auf wenig Verständnis, da die Bevölkerung zum Großteil die Juden bemitleidet, mit denen sie zum Teil, z. B. mit jüdischen Viehhändlern, auf gutem Fuße stand.Otto Dov Kulka & Eberhard Jäckel (Hrsg.): „Die Juden in den geheimen NS-Stimmungsberichten 1933-1945“, „Bürgermeister Amt Neuhaus: Aktion gegen Juden am 10.11.1938“. Droste Verlag Düsseldorf, S. 319.; abgerufen: 13. April 2024. Drei jüdische Familien des Ortes wurden deportiert und in Vernichtungslagern ermordet.Klenck, 1957, S. 194