Arthur Abraham (* 20. Februar 1980 in Jerewan, Armenische SSR, Sowjetunion als Awetik Grigori Abrahamjan, in wissenschaftlicher Transliteration Avetik Abrahamyan) ist ein ehemaliger deutscher Profiboxer mit armenischem Migrationshintergrund und ehemaliger ungeschlagener zehnfacher IBF-Weltmeister im Mittelgewicht sowie ehemaliger achtfacher WBO-Weltmeister im Supermittelgewicht.

Herkunft, Ausbildung und Privatleben Die ersten 15 Lebensjahre lebte Arthur Abraham mit seiner Familie in Jerewan (Armenien). Arthur und sein jüngerer Bruder Alexander kamen im Juli 1995 mit ihren Eltern nach Deutschland. Von 1995 bis 1996 erlernte Abraham in einem Intensiv-Deutschkurs die deutsche Sprache und absolvierte dann eine handwerkliche Ausbildung zum Schreiner. Nach eigenen Aussagen absolvierte er zudem einige Semester eines armenischen Fernstudiums im Fach Internationales Management.Krömer – Die internationale Show. ARD, ausgestrahlt am 6. Oktober 2008

Als Jugendlicher fuhr er Radrennen für den RMV Concordia Strullendorf und wurde nordbayerischer und fränkischer Jugendmeister. 1999 kehrte er zusammen mit seinem Bruder Alexander in sein Heimatland Armenien zurück und leistete dort bis 2001 seinen Wehrdienst ab. Nachdem 2002 auch sein Bruder den Wehrdienst beendet hatte, kehrten beide 2003 wieder nach Deutschland zurück. Im August 2006 nahm er die deutsche Staatsbürgerschaft an, wofür er die armenische ablegen musste. Arthur Abraham ist ein Künstlername. Die Idee zu diesem Namen kam nach Angaben seines langjährigen Trainers Ulli Wegner von ihm (Wegner) und Promoter Wilfried Sauerland. Damit dieser in seinen Pass eingetragen werden konnte, musste Abraham auf dem Einwohnermeldeamt in Berlin ein Bild anfertigen, um sein künstlerisches Talent zu beweisen.Arthur Abraham will endlich berühmt werden. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 17. Oktober 2009 Er zeichnete den Berg Ararat, der über Jerewan thront. Sein Bruder Alexander besitzt immer noch die armenische Staatsbürgerschaft.

Arthur Abraham ist mit Lusya Hovhannisyan verheiratet, hat einen Sohn (* 2016) und zwei Töchter (* 2018, * 2020) und wohnt in Berlin.

Anfänge als Amateurboxer (1996–2003) Abraham begann beim ETSV Bamberg mit dem Boxen und ging später nach Nürnberg. Mehrmals wechselte er den Verein. Arthur gehörte wie sein Bruder Alexander als Amateurboxer dem Box-Club 1. FC Nürnberg an. www.brfcn.franken.de, 29. Mai 2007 Parallel boxte er auch für die Ligastaffel des BC Eichstätt. boxen.com, 26. Mai 2007 1997 wurde er Internationaler Deutscher Meister der Junioren im Halbmittelgewicht. Er bestritt als Amateur insgesamt 90 Kämpfe, von denen er 81 gewann, bei sechs Unentschieden und drei Niederlagen.

Profiboxer (2003–2021) mini|Arthur Abraham (2008)

2003 bewarben sich die Brüder Abraham bei Wilfried Sauerland und dessen Cheftrainer Ulli Wegner und wurden in den Sauerland-Boxstall aufgenommen. Arthur wurde Sparringspartner von Sven Ottke, der sich in den Vorbereitungen auf eine Titelverteidigung befand. Dabei beeindruckte er so sehr, dass Wegner begann, ihn persönlich zu trainieren. 2019 sagte Wegner rückblickend über die Zusammenarbeit mit Abraham, dieser sei „nicht der trainingsfleißigste“ gewesen.

Start im Mittelgewicht Bereits am 17. August 2003 debütierte Abraham als Profiboxer. Er schlug zu Beginn seiner Karriere mehrere überdurchschnittliche Aufbaugegner. So gewann er unter anderen gegen Nader Hamdan (Bilanz 36 Siege, eine Punktniederlage) und Héctor Velazco (ehemaliger WBO-Weltmeister) durch K. o., gegen den kanadischen Rechtsausleger Ian Gardner (18 Siege, 1 Niederlage) gelang ihm ein Punktsieg. Im Juli 2005 verteidigte er den Intercontinental-Titel der WBA mit einem Punktsieg über den hoch eingeschätzten Briten Howard Eastman (beim Ring Magazine zum damaligen Zeitpunkt Top-10). Eastman hatte zuvor nur gegen den US-Amerikaner William Joppy und den damaligen Weltmeister Bernard Hopkins verloren.

IBF-Weltmeister im Mittelgewicht Im Oktober 2005 wurde schließlich der IBF-Gürtel vakant, als der Titel dem unumstrittenen Mittelgewichtsweltmeister Jermain Taylor aberkannt wurde. Für viele überraschend konnte Abraham den Titel am 10. Dezember 2005 mit einem K. o.-Sieg über den beim Ring Magazine unter den besten zehn geführten Nigerianer Kingsley Ikeke gewinnen. Als „wahrer“ Weltmeister der Klasse galt allerdings nach wie vor Taylor, der zuvor im Besitz der Gürtel aller vier bedeutenden Verbände (WBC, WBA und WBO) war und den IBF-Titel nicht im Ring verlor.

Abraham verteidigte seinen Titel am 5. März 2006 durch einen klaren Punktsieg nach zwölf Runden gegen den Australier Shannan Taylor. Der Kampf war eine freiwillige Titelverteidigung und der Gegner dementsprechend risikolos ausgewählt. Da Taylor zuvor in niedrigeren Gewichtsklassen schon mehrfach K. o. gewesen war, muss man nach diesem Kampf allerdings Abstriche bei Abrahams von Management und TV propagierter Schlagkraft machen. Schon zwei Monate später gewann er die zweite Titelverteidigung gegen Kofi Jantuah ebenfalls nur nach Punkten. Jantuah war vorher schon einmal gegen den Ex-Leichtgewichtler Manuel Gomez KO gegangen.

Punktsieg mit Kieferbruch und weitere Titelverteidigungen Am 23. September 2006 verteidigte Abraham seinen IBF-Weltmeistergürtel in einem kontrovers diskutierten Kampf in der Rittal-Arena in Wetzlar gegen Edison Miranda nach Punkten. Dabei bestritt der Titelträger die letzten acht Runden des Kampfes stark blutend mit doppelt gebrochenem Unterkiefer. Obwohl der Ringarzt dem Ringrichter aufgrund der schwerwiegenden Verletzung in der fünften Runde den Abbruch des Kampfes empfohlen hatte, wurde der Kampf dennoch fortgesetzt. Abraham hätte durch Abbruch verloren, weil die Unterkieferfraktur durch reguläre Schlagwirkung entstanden war. Umstritten waren zwei Kampfunterbrechungen über mehrere Minuten, die zur Untersuchung von Abrahams Kiefer dienten, aber als Nebeneffekt auch Regenerationspausen für den Titelverteidiger mit sich zogen, wodurch sich Miranda benachteiligt fühlte. Der Kolumbianer fiel dagegen durch seinen unsauberen Kampfstil auf (Kopfstoß, mehrere Tiefschläge), was durch mehrfache Punktabzüge geahndet wurde. Jedoch hätten selbst die fünf abgezogenen Punkte den Ausgang des Kampfes nicht verhindert (Endergebnis: 114:109, 115:109, 116:109). Abraham wurde in der Nacht nach dem Kampf am Kiefer operiert. Es wurden ihm mit 22 Schrauben zwei Titanplatten eingesetzt. Trainer Ulli Wegner und Ringarzt Walter Wagner erhielten nach dem Kampf Wegners Aussage nach Anzeigen wegen Körperverletzung. Wegner sagte später rückblickend, das Geschehen habe ihn in der Woche nach dem Kampf gedanklich nicht losgelassen, „ich wusste aber: ‚Jetzt haste einen Star gemacht‘“, so Wegner wörtlich.

Am 26. Mai 2007 verteidigte er seinen Titel in Bamberg freiwillig gegen den Frankokanadier Sebastien Demers. Der Kampf endete durch K. o. in der dritten Runde nach zwei Minuten und 57 Sekunden. Dabei zeigte sich Abraham seinem Gegner physisch deutlich überlegen. Der Ringrichter brach den Kampf nach einem Niederschlag ab. Am 18. August 2007 trat Abraham gegen Khoren Gevor an. Dass der Kampf trotz des vierten Platzes von Gevor in der IBF-Rangliste als Pflichtverteidigung galt, sorgte in Boxkreisen für Unverständnis. Trotzdem entpuppte sich der Herausforderer, der die ersten Runden des Kampfes für sich entscheiden konnte, als starker Gegner für Abraham. Gevor konnte sein hohes Anfangstempo jedoch nicht halten, zudem wurde Abraham ab Runde sechs immer stärker. Auch nach mehreren Wirkungstreffern des Titelverteidigers in den Runden acht bis zehn konnte sich Gevor auf den Beinen halten. Erst in Runde elf entschied Abraham den Kampf durch einen K. o. mit einem schweren linken Haken. Am 8. Dezember 2007 gewann er bei einer Titelverteidigung seines IBF-Titels gegen Wayne Elcock durch technischen K. o. in Runde fünf. Dem folgte die erneute Titelverteidigung am 29. März 2008 gegen den US-Amerikaner Elvin Ayala, die er durch K. o. in der zwölften Runde erfolgreich absolvierte.

Rückkampf gegen Miranda in den USA Am 21. Juni 2008 kam es in Hollywood (Florida) zum lang erwarteten Rückkampf zwischen Abraham und Edison Miranda. Abrahams IBF-Titel stand jedoch nicht auf dem Spiel, da man sich auf eine Gewichtsobergrenze von 166 Pfund, also zwischen den regulären Mittel- und Supermittel-Gewichtsklassen einigte. Abraham startete in den ersten zwei Runden zurückhaltend, drehte dann auf und gewann den Kampf nach drei Niederschlägen durch technischen K. o. in der vierten Runde.

Am 4. Oktober 2008 war ein Pflichtverteidigungskampf gegen Raúl Márquez geplant, der im Vorkampf Giovanni Lorenzo in zwölf Runden besiegt hatte. Wegen eines Infektes musste Abraham den Kampf aber kurzfristig absagen. Eurosport, 4. Oktober 2008 Den Kampf, der am 8. November 2008 nachgeholt wurde, gewann der klar überlegene Abraham durch Aufgabe seines Herausforderers nach der sechsten Runde. Am 14. März 2009 verteidigte Abraham seinen IBF-Titel gegen Lajuan Simon nach Punkten und damit erstmals seit sieben Kämpfen nicht vorzeitig.

Am 27. Juni 2009 verteidigte Abraham seinen Titel gegen Mahir Oral durch TKO. Orals Trainer Hans-Jürgen Witte warf in Runde zehn nach mehreren Niederschlägen in den vorherigen sowie in der aktuellen Runde das Handtuch. Oral bewies große Nehmerqualitäten, konnte sich aber nicht durchsetzen. Direkt nach dem Kampf gab Abraham den Wechsel ins Supermittelgewicht bekannt. Als Begründung gab er an, dass er im Mittelgewicht vor jedem Kampf zu viel Gewicht verlieren musste, um unter die Mittelgewichtsgrenze von 72,574 kg zu kommen, und damit ein zu hoher Substanzverlust einherging. Außerdem gab er an, dass es außer den geplanten, aber nicht zustande gekommenen Vereinigungskämpfen gegen Felix Sturm oder Kelly Pavlik in dieser Gewichtsklasse keinerlei Herausforderung mehr für ihn gäbe und er das Ziel habe, Superchampion im Supermittelgewicht zu werden.boxen.com, 10. Juli 2009: sport.rtl.de, 15. Juli 2009 Abraham beendete damit seine Mittelgewichtskarriere ungeschlagen mit 30 Siegen aus 30 Kämpfen.

Supermittelgewicht Super-Six-Turnier Anlässlich des Super-Six-Turniers wechselte Abraham im Jahr 2009 in das Supermittelgewicht und legte dafür seinen IBF-Weltmeistertitel im Mittelgewicht nieder. Als Teilnehmer starteten neben Abraham der WBA-Weltmeister Mikkel Kessler, WBC-Weltmeister Carl Froch, Andre Dirrell, Andre Ward und Jermain Taylor, der nach seinem ersten Kampf durch Allan Green ersetzt wurde. Abraham kündigte an, im Falle eines Turniersiegs seine Karriere zu beenden.Interview Abraham www.bild.de, 6. Juli 2009

Seinen ersten Kampf im Super-Six-Turnier bestritt Abraham am 17. Oktober 2009 in Berlin gegen den ehemaligen Weltmeister aller Verbände, Jermain Taylor, den er – nach Punkten knapp in Führung liegend – durch K. o. zehn Sekunden vor Ende des Kampfes besiegen konnte. Obwohl Taylor in den Kämpfen zuvor bereits seine WM-Gürtel an Kelly Pavlik und Carl Froch verloren hatte, galt der Sieg des Gewichtsklassen-Aufsteigers Abraham als Überraschung. Taylor, der durch den Knockout eine leichte Gehirnblutung erlitt, beendete daraufhin seine Teilnahme an dem Turnier.

Im zweiten Kampf des Super-Six-Turniers verlor Abraham am 28. März 2010 in Detroit gegen Andre Dirrell und verließ den Ring damit zum ersten Mal in seiner Profikarriere als Verlierer. In der vierten Runde des Kampfes ging Abraham – ebenfalls zum ersten Mal in seiner Karriere – zu Boden. Ab der siebenten Runde hatte er mit einem tiefen Cut am rechten Auge zu kämpfen. In der elften Runde schlug Abraham – nach Punkten deutlich zurückliegend (92:97, 91:98, 92:97) – einen rechten Haken an das Kinn des auf dem Ringboden knienden Dirrell, der zuvor ausgerutscht war.