mini|hochkant=1.7|Ehemaliges Wohngebiet (violett)
Coahuiltec (im Spanischen Coahuilteco und im Englischen Coahuiltecan genannt) ist ein Sammelbegriff für mehrere (vermutlich hunderte) kleiner autonomer Indianerstämme, die beiderseits des Rio Grande im Süden von Texas sowie im Nordosten Mexikos (Coahuila, Nuevo León und Tamaulipas) lebten. Manchmal wurde namentlich zwischen indigenen Gruppen/Bands südlich und nördlich des Rio Grande unterschieden; die in Mexiko lebenden wurden als „Coahuilteco“ (nach dem mexikanischen Bundesstaat Coahuila) und die in Texas lebenden als „Tejano“ bezeichnet. Die verschiedenen Ethnien waren meist semi-nomadisch und teilten eine gemeinsame Kultur und Geographie, jedoch nicht wie lange vermutet eine gemeinsame Sprache, die ebenfalls Coahuilteco genannt wurde. Zudem ist eine Abgrenzung der dokumentierten Gruppen/Bands zu benachbarten Gruppen/Bands der Karankawa und Tonkawa (die kulturell den Coahuiltec nahe standen) sowie Conchos und Jumanos in den historischen Dokumenten oft nicht möglich und die Zugehörigkeit einzelner Gruppen/Bands zu größeren Stammesgruppen (Coahuiltec, Karankawa, Tonkawa, Conchos und Jumanos) daher nicht geklärt. Heute werden vermehrt die Bezeichnungen Pakawá, Tāp Pīlam, Comecrudo sowie Coahuilteco und Carrizo verwendet.Native American Peoples of South Texas
Gruppen der Coahuiltec Es handelt sich hier um einige ausgewählte Gruppen, die entweder in diesem Artikel erwähnt werden oder von denen es hinreichende Informationen über ihre Lebensweise und Kultur gibt. Alle Gruppen sind aber entweder ausgestorben oder sie gaben frühzeitig ihre Identität auf.
Aranama (auch: Aname, Arrenamus, Auranean, Hazaname, Jaraname, Xaraname; nicht identisch mit den Xarame.) Arcahomo (auch: Axcahomo genannt, vermutlich ein Synonym für Tacame oder eine Untergruppe der Tacame.) Atanaguaypacam (auch: Atanaguipacane, Atanaouajapaca genannt.) Borrado (mit „Borrado“ wurden zwei Bands/Gruppen auf Grund ihrer streifenförmigen Körperbemalung bezeichnet: die vermutlich kleinere Gruppe lebte im Westen Texas; die größere Gruppe im 17./18. Jhd. vom Südosten Coahuilas ostwärts über Nuevo León bis nach Tamaulipas, später Ende des 18. Jhd. am Unterlauf des Rio Grande und entlang der Küste im Süden von Texas.) Cacaxtle (auch: Casastle, Cataxtle genannt.) Carrizo (span.: „Schilfrohr“, vermutlich da sie von ihnen als Wama’k bezeichnete Gras-bzw. Strauchhütten bewohnten, von den Mexikanern später „Comecrudo“ – „Rohes Fleisch/Gemüse Esser“ genannt, auch: Carrizo-Comecrudo genannt, da es sich bei den „Carrizo“ und „Comecrudo“ wahrscheinlich um dieselbe Gruppe handelt; Eigenbezeichnung: Estók kuák iyopém – „Carrizo Volk“, heute jedoch Esto'k Gna – „einheimisches Volk, d. h. Carrizo-Comecrudo“.) Cenizo (auch: Cenis, Ceniz, Seniso, Zenizo genannt.) Chaguane (auch: Chaguame, Ohaguame genannt.) Comecrudo (span.: „Rohes Fleisch/Gemüse Esser“ – mexikanische Bezeichnung, früher von den Spaniern als „Carrizo“ – „Schilf/Schilfgras/Schilfrohr“ bezeichnet, auch: Carrizo-Comecrudo genannt, da es sich bei den „Carrizo“ und „Comecrudo“ wahrscheinlich um dieselbe Gruppe handelt; Eigenbezeichnung: Somná-u „Volk“ bzw. Somná-u Atmaú pakmaú – „Volk entlang des Rio Grande“, heute jedoch Esto'k Gna – „einheimisches Volk, d. h. Carrizo-Comecrudo“.) Cootajanam (auch: Cootajan genannt.) Cotoname (auch: Catanamepaque, Cotomane, Cotonan genannt, oft auch als „Carrizo“ bezeichnet.) Garza (span.: „Reiher“, oft auch als „Carrizo“ bezeichnet.) Gueiquesal Hape (auch: Ape, Jeapa, Xape genannt; eventuell identisch mit den Aba.) Juncal (auch: Juncataguo, Juncata, Junced, Zuncal genannt.) Mariame (auch: Marian, Mariane, Mariave genannt; nicht identisch mit den Muruam.) Mesquite (auch: Mesquita, Mesquitte, Mezquite genannt.) Muruam (auch: Moroame, Moruame genannt; nicht identisch mit den Mariame.) Napuap (auch: Nacuap, Napuat genannt.) Orejone (auch: Orejón, Orejana genannt.) Pachalaque (auch: Pachalaca, Pachalate genannt; nicht identisch mit den Pajalat.) Pajalat (auch: Cajalate, Pajalac, Pajalache, Pajalatam, Pallalat, Paxolot genannt; nicht identisch mit den Pachalaque.) Pakawa („[Jene, die] tätowiert sind“; nicht identisch mit den Pinto.) Pamoque (auch: Pamaque, Pamaca, Pamache, Panague genannt.) Pampopa PayayaThe Payaya (auch: Paia, Paialla, Payai, Payagua, Payata, Piyai, u. a. genannt.) Paquache Parchaque (auch: Pachague, Pachaque, Parchaca genannt; nicht identisch mit den Pachoche oder Pakawa.) Pasnacane (Pasnacane, Piguique und Viayan waren vermutlich Untergruppen der Pamaque.) Pastia (auch: Pastias, Paxti genannt, spanisch: Chamuscados; nicht identisch mit den Pasxa (Patzau) und Pachal (Pacal, Pasteal) oder der Patiri/Petaros Band der Westlichen Atakapa (Hikike Ishak).) Pelone („Haarlos, Unbehaart, Kahl/Glatzköpfig“; nicht identisch mit der bis 1760 als „Pelones“ bezeichneten Stammesgruppe der Forest Lipan Apache (Chishį́į́hį́į́).) Perpepug (auch: Perpapug – „weißhaarige Köpfe“ bzw. „Jene mit weißen Haaren auf den Köpfen“, abgl. von Comecrudo-Wörtern: iapel – „Kopf“, pela – „Haar“ + andpepók – „weiß“, vermutlich ein Verweis auf die für mehrere texanische Stämme belegte Gewohnheit – wie später bei den Lipan Apache, sich eine graue Paste auf die Haut und in die Haare zu schmieren.) Piguique (auch: Piguicane, Pihuique genannt; Pasnacane, Piguique und Viayan waren vermutlich Untergruppen der Pamaque.) Piniquu Pinto (span. „die Bemalten“; nicht identisch mit den Pakawa.) Pomulum (auch: Pamulam, Pamuli, Pomuluma genannt.) Quem (auch: Cems, Qems, Quimzo, Quinze, Quexamos genannt.) Rayado (span.: „gestreift/bemalt (tätowiert)“, auch: Jumano genannt; nicht identisch mit den Jumano im Westen von Texas, Südosten New Mexicos und Norden Mexikos (insbesondere der Junta de los Rios Region), den ebenfalls als „Rayado“ bzw. „Jumano“ bezeichneten Teyas und Wichita-Völker – jedoch waren die Jumano/Teyas und Wichita dafür bekannt, sich auffällig zu tätowieren und zu bemalen.) Salapaque (auch: Alapagueme, Saulapaguet, Talapagueme, Zalapagueme genannt.) Sepinpacam (span.: Salineros, beides: „Salzhersteller“) Sijame (auch: Cijame, Hijame, Xixame, Zihame genannt.) Siquipil Solano (auch: Olelato genannt.) Tamique Teaname (auch: Teana, Peana genannt.) Tejón (auch: Texón genannt.) Tepemaca (vermutlich identisch mit den Cuero Quemados.) Terocodame (auch: Teroodam, Hieroquodame, Perocodame, Codam, Oodame genannt.) Tetecore (auch: Tet genannt.) Tilpacopal Viayan (Viayan, Pasnacane und Piguique waren vermutlich Untergruppen der Pamaque.) Xarame (auch: Charame, Chaulama, Jarame, Shiarame, Zarame genannt; nicht identisch mit den Aranama/Xaraname.) Xiabu (vermutlich identisch mit den Abau; nicht identisch mit den Aba.)
Aufzeichnungen aus über 350 Jahren Geschichte enthalten die Namen von über 1.000 ethnischen Gruppierungen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben aber ergeben, dass die Zahl der genannten Namen die Zahl der ethnischen Einheiten um mindestens 25 Prozent übersteigt, weil die Bezeichnungen oder Berichte ungenau sind. Manche Namen stammen aus einem einzelnen Dokument, andere erscheinen in einem Dutzend oder in Hunderten von Aufzeichnungen. Zwei oder mehrere ähnliche Namen beziehen sich oft auf dieselbe ethnische Gruppe. Eine beträchtliche Zahl bezieht sich auf Indianer, die aus angrenzenden Gebieten geflohen waren. Einige Gruppen sind sehr frühzeitig ausgestorben oder wurden später unter anderen Namen bekannt. Die besten Informationen stammen aus Dokumenten von Nuevo León. Mehr als 60 % dieser Namen beziehen sich auf landschaftliche oder pflanzliche Merkmale, während sich andere auf Tiere oder Körperbemalungen beziehen. Weniger als 10 % stammen von physikalischen Merkmalen oder beziehen sich auf kulturelle Besonderheiten. Namen spanischen Ursprungs sind selten oder bezeichnen schon früher benannte Gruppen.
Sprache und ethnische Identifikation Lange wurde vermutet, dass die oben gelisteten Stämme und Bands/Gruppen im Nordosten Mexikos und Süden Texas eine gemeinsame Sprache bzw. Sprachen einer gemeinsamen Sprachfamilie sprachen, die daher Coahuilteco genannt wurde. Heute wird jedoch davon ausgegangen, dass die Bands/Gruppen mindestens zwei Sprachfamilien angehörten, die wiederum aus mehreren untereinander oftmals gegenseitig nicht verständlichen Sprachen bestanden. Unter dem geographisch-historischen Oberbegriff „Coahuilteco“ werden heute die Pakawa-Sprachen („Coahuilteco/Pakawa“, „Cotoname“, „Comecrudo (Carrizo)“, „Garza“ und „Mamulique (Carrizo de Mamulique)“) und das „Aranama-Tamique“ und „Solano/Olelato“ zusammengefasst. Jedoch werden die drei Sprachen „Comecrudo“, „Garza“ und „Mamulique“ oft zusammen als Comecrudo-Sprachen bezeichnet. Alle genannten Sprachen gelten als Isolierte Sprachen und zählen heute zu den Ausgestorbenen Sprachen. Die Einzelsprache „Coahuilteco/Pakawa“ diente vielen Gruppen/Bands der Coahuiltec in Texas als Lingua Franca zur Verständigung mit benachbarten Gruppen und wurde daher als Zweitsprache gesprochen, daher ist es heute meist unmöglich bestimmte Gruppen/Bands einzelnen Sprachen zuzuordnen.
Zum Zeitpunkt ihrer Dokumentation wurden seitens Coahuiltec Bands folgende Sprachen gesprochen: „Coahuilteco/Pakawa“ (entlang des San Antonio River und Guadalupe River sowie Nueces Rivers südwärts bis zum Rio Grande im Süden Texas), die Comecrudo-Sprachen „Comecrudo“ (im Gebiet von Rio Grande City, Texas/Camargo, Tamaulipas bis McAllen, Texas/Ciudad Mier und Reynosa, Tamaulipas), „Garza“ (im Gebiet von McAllen, Texas/Ciudad Mier und Reynosa, Tamaulipas) und „Mamulique“ (im Gebiet von Mamulique, Nuevo León). Die Sprachen „Solano/Olelato“ (im Gebiet von Eagle Pass, Texas/Piedras Negras, Coahuila) und „Aranama-Tamique“ (im Gebiet von Brownsville, Texas/Heroica Matamoros, Tamaulipas) (Goddard 1979:369-373) und „Cotoname“ (im Lower Rio Grande Valley im Nordosten von Tamaulipas und äußersten Süden von Texas) (Swanton, 1940:118).
Die östlichen Nachbarn der Coahuiltec an der texanischen Küste waren die Karankawa, wobei die genaue Grenze der Territorien der beiden Ethnien nicht genau bestimmt werden kann und vermutlich sich im Laufe der Zeit änderte, da die Gebiete zwischen dem Nueces River und dem Guadalupe River in den Quellen einmal als Stammesgebiete der Karankawa ein anderes mal als Stammesgebiete der Coahuiltec bezeichnet werden. Im Landesinneren im Nordosten lebten die Tonkawa (Tickanwa•tic). Karankawa und Tonkawa (Tickanwa•tic) waren möglicherweise sprachlich mit einem Teil der Coahuiltec – vermutlich den „Coahuilteco/Pakawa“-sprachigen Bands/Gruppen – verwandt. Im Norden lebten die Jumanos zwischen dem Pecos River und Río Conchos und weiter flussaufwärts (westwärts) am Zusammenfluss (La Junta de los Rios des Rio Conchos und Rio Grande) nahe der Städte Presidio/Ojinaga die La Junta Indianer. Direkt südlich der La Junta Indianer und Jumanos und somit westlich der Coahuiltec lebten die Concho sowie die Chiso (auch: Chizo, eventuell eine Band/Gruppe der Conchos) und Toboso. Südwestlich lebten die Irritilas (Laguneros – „Volk der Seen“) und direkt südlich die Guachichilen.
Die besten Informationen über Coahuilteco sprechende Gruppen stammen von den beiden Missionaren Damián Massanet und Bartolomé Gareta. In den Jahren 1690 und 1691 unternahm Massanet zwei Reisen von einer Mission bei Candela im östlichen Coahuila nach San Antonio in Texas und berichtete über 39 indianische Gruppen. Auch bemerkte er, dass von allen Indianern auf seinem Weg die gleiche Sprache benutzt wurde. Diese Sprache war offensichtlich Coahuilteco, weil einige Ortsnamen diesem Idiom zugeordnet werden konnten. Es ist jedoch möglich, dass einige vor den Apachen geflohene Gruppen in diesem Gebiet Coahuilteco als Zweitsprache benutzten. Massanet bezeichnete diese Gruppen als Jumano und Hape.