Die OpenTV Corporation ist einer der global führenden Anbieter von Technologien und Dienstleistungen für die Auslieferung von digitalem und interaktivem Fernsehen. Der Firmensitz ist San Francisco, USA. Am 26. März 2010 wurde OpenTV vollständig von der NAGRA Kudelski Group übernommen.

OpenTV ist ein Dienstleister, der seine Dienste und Software Fernsehsendern und Unternehmen zur Verfügung stellt und deren unterschiedliche Ansprüche und Vorstellungen mit der umfangreichen Unternehmenstechnologie implementiert. Die Technologie und Software von OpenTV ist weltweit in 96 Ländern und fast 60 Millionen digitalen Set-Top Boxen eingesetzt. Die von OpenTV angebotenen Funktionalitäten umfassen unter anderem das Interaktive Fernsehen mit Diensten wie interaktivem Shopping, interaktiver und kundenspezifisch adressierbarer Werbung, Spielen und Informationsdiensten. Beispielsweise gibt es die Möglichkeit personalisierter Videoaufzeichnungen (PVR) und eine Reihe von weiteren Applikationen zur Ausstrahlung von Diensten, Kommunikation mit den Benutzern und zur Kundenbetreuung.

OpenTV Core Middleware™ Entwicklung von OpenTV OpenTV ist 1996 in den digitalen Fernsehmarkt eingetreten. Seitdem hat sich die OpenTV-Middleware™ als meistverbreitete Set-Top-Box-Software (Middleware) für digitale TV-Dienste etabliert. Sie ist gleichzeitig der Grundstock zur Lieferung erweiterter digitaler TV-Dienste von OpenTV. Seit dem Markteintritt 1996 wurde der Leistungsumfang von OpenTV stets erweitert. Neueste hinzugekommene Features sind beispielsweise aktuelle Entwicklungen wie Internet Protocol Television (IPTV), Personal Video Recorder (PVR) 2.0 / Digital Video Recorder (DVR) oder High Definition TV (HDTV).

Unterstützung von Industriestandards Bei der Entwicklung von digitalem Broadcasting haben sich verschiedene voneinander unabhängige Technologien und Standards entwickelt. OpenTV ermöglicht es durch den speziellen Aufbau des Middleware™ Core, verschiedene Technologien und Standards für eigene Dienste einzusetzen. Es werden Standards wie DVB, MPEG, ATSC, HTML, JavaScript, Java, MHP, HTTP und SSL unterstützt. Außerdem werden die digitalen Standards für Service- und Programminformationen MPEG PSI und DVB-SI unterstützt.

Middleware™ Architektur Der OpenTV Core besteht aus einem kompakten und modularen Aufbau. Dies ermöglicht eine schnelle Anpassung an den Kunden und leichten Einsatz erweiterter digitaler TV-Dienste. Der modulare Softwarekern kann mit verschiedenen Erweiterungen verknüpft werden. Außerdem setzt der OpenTV-Kern auf die Hardware unterschiedlicher Set-Top-Box-Modelle auf und kann so jedem möglichen Kunden gerecht werden. Auf den Kern, der abwärts gerichtet mit der Set-Top-Box-Hardware kommuniziert, setzen nach oben hin die verschiedenen Applikationsumgebungen auf. Damit können die digitalen Services unabhängig auf verschiedenen Hardwareplattformen eingesetzt werden, da sie direkt auf den OpenTV Core aufsetzen und nicht direkt auf der jeweiligen Hardware.

Grundeigenschaften Wie bereits einleitend erläutert, ist der OpenTV Core modular, erweiterbar und kompakt aufgebaut. Dies sind jedoch nicht alle Eigenschaften des Kerns. Um Persistenz und Langlebigkeit zu erreichen, hält sich OpenTV an die internationalen TV-Industriestandards und beinhaltet eine Zusammenstellung von verschiedenen TV Libraries, Erweiterungen und Applikationsumgebungen. Die verschiedenen Libraries ermöglichen dabei die Grundfunktionalitäten für stabile digitale TV-Dienste. Die Erweiterungen und Applikationsumgebungen ermöglichen die Flexibilität, Features und Funktionen nach Bedarf jederzeit zu ergänzen.

Die Möglichkeit, gleiche Services und gleiche Middleware auf verschiedener Set-Top-Box-Hardware einzusetzen, spart bei der Programmierung Aufwand und Zeit. Daher werden auch in gemischten Set-Top-Box-Hardwareumgebungen keine unterschiedlichen Softwareversionen der jeweiligen Applikationen benötigt. Deshalb müssen wiederum die OpenTV-Applikationen nicht für jede Hardwareplattform extra ausgestrahlt werden, was zusätzlich Bandbreite einspart.

Die Rückwärtskompatibilität zu älteren OpenTV-Middleware™-Versionen ermöglicht Netzwerkbetreibern, Applikationen und Dienste auf die neusten Versionen Schritt für Schritt umzustellen. Außerdem wird dynamischer Download unterstützt. Libraries, Erweiterungen und Applikationen können in Modulen nach Netzkapazität dynamisch beziehungsweise „on demand“ heruntergeladen werden. Daher wird der Speicher nicht übermäßig belastet und die Einbindung neuer Funktionalitäten, Erweiterung oder Wartung kann schnell und einfach durchgeführt werden.

Audio- und Video-Streaming wird ebenfalls unterstützt. Spezielle Libraries ermöglichen die Decodierung des empfangenen Datenstroms wie mit Hilfe von MPEG-Videodecodern. Das beinhaltet auch die Unterstützung von skalierter oder positionierter MPEG-Videoanzeige, weiterer Bildebenen und applikationsbasierter Lautstärkeregelung.

Hinsichtlich der Sicherheit gibt es verschiedene Mechanismen. Empfangene Programme und Dienste können nur von autorisierten Empfängern und Hardware empfangen werden. Geschützter Inhalt kann nicht unerlaubt kopiert oder verwendet werden. Heruntergeladene Module und Updates werden erst nach Authentizitätsprüfung ausgeführt. Spezielle Services und Libraries sind für das Digital Rights Management und die Ver- und Entschlüsselung zuständig.

Erweiterungen Neben den beschriebenen Grundeigenschaften der OpenTV Middleware™ können weitere Funktionen zum OpenTV Core hinzugefügt werden. Die Erweiterungen sind nichts anderes als optionale Libraries. Erweiterungen können beispielsweise eingebunden werden, um der Zielhardware oder deren Leistungsumfang zu entsprechen. Um effizient eingesetzt zu werden, ermöglicht OpenTV Middleware™, Pakete entsprechend der Hardware zu ergänzen oder zu löschen. Somit werden keine unnötigen Speicherkapazitäten verbraucht. Weiterhin gibt es eine Reihe von optionalen Erweiterungen wie zum Beispiel OpenTV Measure.

Applikations-/Ausführungsumgebungen OpenTV Virtual Machine (OVM) Die OpenTV Virtual Machine ist eine Abstraktionsschicht über dem OpenTV-Betriebssystem und der darunter liegenden Set-Top-Box-Hardware. OpenTV-Applikationen sind in ANSI C geschrieben. Den kompilierten Quellcode nennt man O-code. Die O-code-Applikationen laufen dann auf einer allgemeinen virtuellen Set-Top-Box, die nur softwaremäßig implementiert ist, und werden von der OpenTV Runtime interpretiert.

Zur Kompilierung und Ausführung gibt es zwei Varianten:

a) In der Applikationsschicht mit Hilfe der OpenTV O-code Virtual Machine (OVM) und standardbasierter optionaler zusätzlicher Ausführungsumgebungen b) In der Hardwareschicht durch Abstraktion der Treiberfunktionalitäten mit Hilfe der OpenTV Libraries.

OpenTV HTML Package Mit Hilfe des OpenTV HTML Package wird es ermöglicht, für TV geschriebenen HTML- und JavaScript-Code interpretieren zu lassen. Damit wird Webbrowsing in Zusammenhang mit einer Browser-Komponente auf der Set-Top-Box ermöglicht. Dienstbetreiber können mit Hilfe einer Authoring-Umgebung existierenden HTML- und JavaScript-Code für das Internet auf die Basis für Interaktives Fernsehen migrieren. Zusätzlich kann der Betreiber maßgeschneiderte und mit Markenzeichen versehene Benutzerschnittstellen für das Websurfen bereitstellen (z. B. mit eigenem Logo). Die Daten werden entweder als Teil des Broadcastsignals empfangen oder über den Rückkanal gesendet. Für die Visualisierung des Webinhalts stehen 16 Bit Farben (65536) zur Verfügung. Virtuelle Anwendungen können erzeugt werden, indem übliche Webtechnologien verwendet werden, die dynamisch den Inhalt aus HTML und JavaScript generieren.

Das OpenTV-HTML-Paket unterstützt weiterhin eine zentrierte TV-Anzeige, eine Media-Stream-Kontrolle, einen TV Media Handler mit Fensterpositionierung (z. B. bei Videoskalierung), Unterstützung von PNG-, GIF-, JPEG- und XBM-Bildern, HTML 4.0, CSS 1.0 (und absolute Positionierung von CSS 2.0), JavaScript 1.3, DOM Level 1, SSL 2.0 und SSL 3.0 und ETSI TS 102 330.

OpenTV MHP Package Das OpenTV MHP (Multimedia Home Platform) Package ist eine voll MHP-konforme Erweiterung zum OpenTV Middleware™ Core. Dieses Package wurde in Zusammenarbeit mit Alticast entwickelt. Das MHP Package bietet den Betreibern des Dienstes den Vorteil, dass MHP verträglich mit OpenTV O-code-Applikationen auf einer Set-Top-Box verwendet werden kann. Die MHP-Komponente kann verschiedene Services der OpenTV Middleware™ verwenden (beispielsweise Audio/Video-Bearbeitung, OSD, PVR/DVR, Rückkanal etc.).

OpenTV Bluestack Package for Flash Dieses Erweiterungspaket ermöglicht es Betreibern, Flashinhalte über eine Ausführungsumgebung anzubieten. Somit können vom Anbieter auch komplexe Flashanwendungen angeboten werden. Diese Flashanwendungen werden dann mit Flash-Entwicklungstools für TV erstellt und geauthort. Mögliche Anwendungsbereiche sind verbesserte Bildschirmanzeigen, Navigation, Grafiken und Animationen.

Digital Rights Management und Bedingter Zugang (CA) Bedingter Zugang (CA) und Digital Rights Management (DRM) wird bei OpenTV mit Hilfe von Partner Libraries realisiert. Es gibt weiterhin optionale Erweiterungen, um der Übertragung von geschützten Inhalten im Netzwerk eine sichere Basis zu bieten. OpenTV unterstützt Händler und Inhaltsanbieter mit den Lösungen den Schutz hinsichtlich CA und DRM zu maximieren. Entsprechende IP-Set-Top-Boxen mit einem speziellen CA/DRM-Client sind bereits im Einsatz (zum Beispiel das Encryptonite System™ von SecureMedia in der SV-500 Set-Top-Box).

Core 2.0 Grundeigenschaften Der Core 2.0 ist die neueste Version des OpenTV Set-Top Box-Middleware™-Kerns und bietet standardmäßig eine Reihe von neuen Eigenschaften und eine verbesserte Speicherarchitektur. Der Support für den Personal Video Recorder (PVR) ist im Core 2.0 bereits direkt integriert. Hardwareseitig werden neue Set-Top-Box-Typen, die mit mehreren Tunern und Dekodern ausgestattet sind, unterstützt. Die Möglichkeit der Nutzung von Heimnetzwerken, High Definition Television (HDTV) und Anschluss externer Speichermedien (z. B. Festplatten) ist ebenfalls integriert. Der Core 2.0 ist, wie die vorherige Version auch, vollständig rückwärtskompatibel zu allen älteren O-code-Applikationen und -erweiterungen.

Speicherarchitektur Die neue Speicherarchitektur nennt sich OpenTV Multi-Pipe-Mass-Storage-(MPMS)-Architektur. Jedes Event wird in die entsprechende Pipeline eingereiht und nacheinander abgearbeitet. Es existieren mehrere Pipelines parallel. Somit können spezielle Dienste die Ablaufsteuerung und Kontrolle der Datenströme übernehmen. Damit ist es nun möglich, Datenströme verschiedener Quellen (Tuner, Festplatte etc.) gleichzeitig wiederum unterschiedlichen Zielen (z. B. Festplatte, TV etc.) zuzuleiten. Durch MPMS werden also unter anderem gleichzeitige Zuschauer-/Benutzungsaktivitäten ermöglicht. Es kann eine Sendung aufgezeichnet und zur gleichen Zeit zurückgesprungen und die Sendung angesehen werden. Oder aber eine Aufzeichnung wird angesehen und parallel dazu eine Live-Sendung. Damit wird beispielsweise der PVR flexibler. Während der Aufzeichnung können andere Programme problemlos angeschaut werden. Die Set-Top-Box kann grundsätzlich parallel mehrere Programme und On Screen Displays (OSD) anzeigen. Das ist natürlich auch abhängig von der verwendeten Set-Top-Box.

Mit Hilfe des integrierten Multi Stream Support können alle gesendeten Datenstromtypen empfangen und unabhängig voneinander verwendet werden. Die dynamische Pipeline-Definition, wo die unterstützten Datenstromtypen sowie zugehörige Quellen und Ziele definiert sind, kann stets erweitert werden. So können neue Datenstromtypen, Quellen oder Ziele ständig ergänzt und anschließend sofort verwendet werden (z. B. Unterstützung von USB 2.0, FireWire, DVD oder externe Festplatten).

PVR 2.0/DVR