Inzell ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Traunstein und seit 2013 Sitz des bayerischen Landesleistungszentrums für Eisschnelllauf.BLSV: . (PDF). Stand 2013. online unter blsv.de. Die Gemeinde ist außerdem staatlich anerkannter Luftkurort.Amtliches Verzeichnis der anerkannten Kurorte, Luftkurorte und Erholungsorte in Bayern
Geographie mini|hochkant=1.1|Inzell aus Ostsüdost, im Hintergrund der Chiemsee
Geographische Lage Der Ort Inzell liegt in einem weiten Talgrund in den Chiemgauer Alpen, der vom Rauschberg, dem Zinnkopf, dem Teisenberg und dem Gebirgsstock des Staufen umrahmt wird. Im Ortsgebiet von Inzell nimmt am Zusammenfluss von Großwaldbach und Mahderbach die Rote Traun ihren Anfang. Inzell wird auch als das „Tor zum Landkreis Berchtesgadener Land“ bezeichnet. Der Grund dafür ist die Zwing, eine Bergenge zwischen Inzell und Weißbach, die den Chiemgau vom Landkreis Berchtesgadener Land trennt.
Topographie Bei einer Gebietsfläche von 45,35 Quadratkilometern liegt der Ortskern von Inzell (Rathausplatz) auf 693 m über NHN.Zahlen und Daten der Gemeinde Inzell, Webseite der Gemeinde Inzell, online unter gemeindeverwaltung-inzell.de
Gewässer
Fließgewässer Der Inzeller Talkessel wird im Norden von der Roten Traun entwässert, die aus dem Großwaldbach, dem Mahderbach und dem Falkenseebach hervorgeht. Das Quellgebiet des Großwaldbachs liegt zwei Kilometer nordöstlich des Inzeller Gemeindeteils Adlgaß. Der Mahderbach oder Sulzbach entspringt im Inzeller Gemeindeteil Zwing, durchquert den Zwingsee, verläuft unterirdisch unter dem Gelände der Max-Aicher-Arena und mündet in der Inzeller Filze in den Großwaldbach. Der Falkenseebach entspringt in fünf Quellen im Naturschutzgebiet Östliche Chiemgauer Alpen, südlich des Falkensees zwischen dem Scharnkopt und dem Falkenstein. Er durchquert den Falkensee und mündet im Inzeller Kurpark in den Großwaldbach. 250 Meter südlich der Falkensteinquellen entspringt im Wasserloch der Weißbach, der nach Süden in die Saalach fließt.
Seen Seen im Gemeindegebiet von Inzell:
Frillensee etwa 5 km östlich der Ortsmitte von Inzell am Nordfuß des Zwiesel, Fläche 4,3 ha, maximale Tiefe 7,5 m Falkensee im Naturschutzgebiet Östliche Chiemgauer Alpen zwischen Gruberhörndl und Falkenstein, Fläche 1,5 ha, maximale Tiefe 4 m Krottensee im Naturschutzgebiet Östliche Chiemgauer Alpen zwischen Gruberhörndl und Falkenstein, Fläche 1,2 ha, maximale Tiefe 3 m Zwingsee, ein im Jahr 1925 künstlich angestauter See zwischen dem Gemeindeteil Zwing im Süden und der Max-Aicher-Arena im Norden, Fläche 2,4 ha, maximale Tiefe 5 m Naturbadesee Inzell, ein in den Jahren 2005/2006 auf dem Gelände des seit 1972 bestehenden Warmfreibades unter Einbezug der bestehenden Schwimmbecken künstlich angelegter Badesee mit einer Wasserfläche von 10.000 m² in der Ortsmitte von Inzell
Nachbargemeinden An die Gemeinde grenzen im Westen die Gemeinden Ruhpolding und Siegsdorf (beide Landkreis Traunstein), im Norden und Nordosten der Markt Teisendorf und die Gemeinde Anger, im Osten die Gemeinde Piding, im Südosten am Hochstaufen die Stadt Bad Reichenhall und im Süden die Gemeinde Schneizlreuth (alle Landkreis Berchtesgadener Land).
Gemeindegliederung
Es gibt 51 Gemeindeteile:
mini|Soleleitung zwischen Hochbehälter Nagling und Zwing (oberhalb des Gletschergartens)
Geschichte mini|alternativtext=|Ortsansicht mit Pfarrkirche St. Michael Nach Gründung des Klosters Sankt Zeno bei Reichenhall übergab Erzbischof Conrad von Salzburg am 20. September 1177 „dem hl. Zeno und seinen Klosterbrüdern das Gut und den Wald Inzella“. Schon 1195, nach Erbauung der Kirche St. Michael, wird Inzell durch Abtrennung von Vachendorf selbständige Pfarrei und Hofmark. Der Sitz der Hofmark, das Schloss Inzell, fiel der Säkularisation zum Opfer und wurde 1811 abgebrochen. Inzell wurde im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern 1818 eine selbständige politische Gemeinde. Wie schon im Wappen zu sehen ist, war der Bergbau und die Verhüttung der Erze eine wichtige Einnahmequelle der Ortschaft Inzell. Zuerst wurde am Hochstaufen und von 1665 an fast 150 Jahre lang am Inzeller Kienberg, dem Nordabhang des Rauschbergs, Blei und Zink abgebaut. Im jetzigen Ortsteil Schmelz wurde das Erz aufgeschmolzen.
Ab dem Jahr 1619 durchlief die Soleleitung (Bad Reichenhall) das Gemeindegebiet von Inzell. Durch die Leitung wurde Sole, die man wegen fehlender Kapazitäten in der Saline in Reichenhall nicht verarbeiten konnte, zur Filialsaline Traunstein gepumpt. Die Leitung verlief oberirdisch von Reichenhall kommend über die Inzeller Gemeindeteile Zwing und Niederachen entlang der Roten Traun nach Hammer und weiter nach Traunstein. Bei der Modernisierung der Soleleitung in den Jahren 1808–1810 wurde im Gemeindeteil Zwing eine zusätzliche Solereserve errichtet. Die Soleleitung blieb bis in die 1930er Jahre in Betrieb. Heute bestehen mehrere Themenwanderwege (u. a. Salzalpensteig) entlang der Trasse dieser Soleleitung zwischen Bad Reichenhall und Traunstein. An mehreren Schautafeln entlang dieser Wege kann man sich über die alte Soleleitung informieren. Reste der Soleleitung, die aus vier Meter langen Fichtenstämmen (Deicheln) bestand, sind noch zwischen dem Hochbehälter oberhalb des Brunnhaus Nagling und dem Inzeller Gemeindeteil Zwing erkennbar. Zwischen den Gemeindeteilen Niederachen und Wald sind entlang des Soleleitungswegs erhaltene Deicheln ausgestellt.
Ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Fremdenverkehr zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor in Inzell (siehe Abschnitt Entwicklung des Tourismus).
Der Gemeindeteil Ramsen wurde mit Wirkung vom 1. Dezember 1996 von der westlichen Nachbargemeinde Ruhpolding nach Inzell umgegliedert.
Bevölkerungsentwicklung Zwischen 1987 und 31. Dezember 2023 wuchs die Bevölkerung der Gemeinde Inzell von 3736 auf 4986 um 1250 Einwohner bzw. um 33,5 %. Bevölkerungsentwicklung Gemeinde Inzell Jahr 1840 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2005 2010 2015 2020 2022 2023 2024 2025Einwohner 980 936 1060 1464 1671 2413 2315 3007 3736 4065 4097 4327 4490 4622 4836 4311 4388 4704 4668
Religion Die Mehrheit der Bürger gehört der römisch-katholischen Kirche an (etwa 73 %). Dieser Wert liegt über dem des Landkreises Traunstein sowie Oberbayerns. Das Gebiet der Gemeinde wird von der Pfarrei Inzell-Weißbach versorgt. Neben der Pfarrkirche St. Michael im Ortszentrum befinden sich zwei weitere katholische Kirchen (Liebfrauenkirche im Ortsteil Niederachen und die Filialkirche St. Nikolaus in Einsiedl) sowie mehrere Kapellen in der Gemeinde Inzell.
10 % der Bevölkerung sind Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche. Im Ortsteil Oed befindet sich die moderne Christuskirche. Der ev.-luth. Pfarrsprengel Inzell gehört zur Kirchengemeinde Ruhpolding.
Ohne bzw. anderer Konfession sind ca. 16 % der Bevölkerung.
Kirchen und Kapellen (Quelle: ) Pfarrkirche St. Michael Der romanische Vorgängerbau der heutigen Pfarrkirche St. Michael wurde 1190 vom Erzbischof von Salzburg geweiht. Durch einen Brand am 16. September 1724 wurde die Kirche zum Teil zerstört. 1725–1727 wurde der heutige Kirchenbau zusammen mit der zweistöckigen Sakristei errichtet. Die Ausstattung der Kirche wurde überwiegend um 1770 geschaffen. Vom Deckengewölbe hängt ein überlebensgroßer Gnadenstuhl, der um 1730 gestaltet wurde. Die Kirche wurde in den Jahren 1811, 1848, 1888, 1936 und 1985 renoviert. Am 19. Oktober 1997 wurde eine neue Metzler-Orgel mit 24 Registern und 1494 Pfeifen eingeweiht.
Kirche Maria Himmelfahrt (Liebfrauenkirche) im Ortsteil Niederachen
Die Kirche steht etwas erhöht auf dem Steilufer eines Baches. Die erste Kirche an diesem Ort wurde 1496 geweiht. Das jetzige Gotteshaus errichtete man in den Jahren 1696–1698 als einheitlich gegliederten Barockbau. Einige wenige Votivbilder (unter der Empore) deuten darauf hin, dass die Frauenkirche früher ein beliebter Wallfahrtsort war.
Kirche St. Nikolaus im Ortsteil Einsiedl Die Kirche wurde von Luitpold II., Graf von Plain als Buße für ein Verbrechen errichtet: im Jahr 1167 wurde die Stadt Salzburg von seinen Soldaten angezündet und fast ganz zerstört. Das Langhaus mit der ursprünglichen Form stammt aus der Zeit um 1200. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kirche ständig umgebaut und verändert: Der Chor wurde in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet. Das Kreuz im Chorbogen ist als „Lebensbaum“ gestaltet. Diese Arbeit stammt vermutlich aus der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts. Ein Glasgemälde im nördlichen Chorfenster wird als Salzburgische Arbeit auf 1420/30 datiert. Im 17. Jahrhundert tauchen barocke Stilelemente auf und 1866/67 wurden gotische Teile der Kirche erneuert.
Evang. Christuskirche, Schwimmbadstr. 17 Die Kirche wurde 1993 vom damaligen Landesbischof Johannes Hanselmann eingeweiht.
Kapellen Schmelzer Kapelle: Bau mit Schopfwalmdach und Dachreiter, 18./19. Jahrhundert. Außen verziert mit Reliefs des 2013 verstorbenen Inzeller Künstlers Ernst Rappel, im Ortsteil Schmelz. Knappenkapelle am Fahrrießboden: Bau mit Schopfwalmdach, im Inneren bezeichnet mit dem Jahr 1800. Zuletzt renoviert 2024 von den Inzeller Gebirgsschützen. Oberhalb des Ortsteils Schmelz. Antonius-Kapelle: erbaut 1894 durch den Hammerschmied Johann Kugelstatter, im Ortsteil Wien. Brenner Kapelle: erbaut 1852/53 von Philipp Grill, 100 Jahre später vom Inzeller Pfarrer Alfons Hessenhofer neu errichtet, im Ortsteil Brenner. Klaffl Kapelle: Hofkapelle des Klaffl-Hofs, erbaut um 1930, Bau mit einseitigem Walmdach, im Ortsteil Klaffeln. Louise von Marillac Kapelle: erbaut von Luise und Claus Stock, eingeweiht 2005, im Ortsteil Windgrat. Judas Thaddäus Kapelle: errichtet 2002 von Gertraud und Hans Bauer, im Ortsteil Breitmoos Wasserkapelle: quadratischer Bau mit Zeltdach, 18. Jahrhundert. Im Innern der Kapelle befindet sich eine Quelle. Unterhalb der Kirche Maria Himmelfahrt im Ortsteil Niederachen Holzner Kapelle: Hofkapelle des Holzner-Hofs, erbaut 2008, im Ortsteil Holzen. Auferstehungs Kapelle: gestiftet von Fritz und Brigitta Gastager, gestaltet vom Inzeller Künstler Ernst Rappel in den 1990er Jahren. Im Friedhof bei der Kirche Maria Himmelfahrt im Ortsteil Niederachen. Lourdes Kapelle: die Kapelle wurde 1887 an der Nordwestseite der Kirche Maria Himmelfahrt im Ortsteil Niederachen angebaut. Kriegergedächtnis Kapelle: an der Südwestseite der Pfarrkirche St. Michael. Die bis dahin so genannte Allerchristgläubigen-Allerseelen Kapelle wurde 1922 nach dem 1. Weltkrieg in die Kriegergedächtnis Kapelle umgestaltet.
Politik Gemeinderat Im Gemeinderat sind die Sitze seit der Gemeinderatswahl vom 2. März 2008 mit einer Wahlbeteiligung von 66,0 Prozent wie folgt verteilt: Partei CSU SPD / Unabhängige Bürger für Inzell Forum aktiv OBIC Gesamt 2008 Sitze 7 3 3 2 1 16 Stimmenanteil 40,9 18,1 % 20,4 % 14,7 % 5,9 % 100 %
Die Gemeinderatswahl vom 16. März 2014 führte bei einer Wahlbeteiligung von 66,2 Prozent zu folgendem Ergebnis: Partei CSU SPD Bürger für Inzell Junge Liste OBIC Gesamt 2014 Sitze 6 4 4 1 1 16 Stimmenanteil 36,0 % 24,1 % 26,3 % 8,8 % 4,7 % 100 % Die Gemeinderatswahl vom 15. März 2020 führte bei einer Wahlbeteiligung von 64,3 Prozent zu folgender Sitzverteilung:, Meldung vom 17. März 2020 zur Kommunalwahl 2020 und ihre Ergebnisse, online unter chiemgau24.de. ParteiCSUSPDBürger für
InzellJunge
ListeGrüneGesamt2020Sitze6342116Stimmenanteil34,9 %17,5 %25,7 %12,8 %9,1 %100 %
Bürgermeister Berufsmäßiger Erster Bürgermeister ist seit 1. Mai 2024 Michael Lorenz (CSU). Der bisherige zweite Bürgermeister wurde am 3. März 2024 mit 94,3 % der gültigen Stimmen gewählt; er war einziger Bewerber.Amtliches Wahlergebnis, abgerufen am 9. März 2024