Die Hypo Alpe Adria war ein Bankkonzern mit Sitz im österreichischen Bundesland Kärnten. Sie ging aus der im Jahr 1896 gegründeten Landes-Hypothekenanstalt Kärnten hervor. Die Bank wurde im Jahr 2009 verstaatlicht und legte im Jahr 2014 ihre Banklizenz zurück. Unter dem Namen Heta Asset Resolution AG wurden die verbliebenen Vermögenswerte verwertet.Milliardengrab Hypo: Ein Drama in fünf Akten diepresse.com, abgerufen am 7. Dezember 2016. Die Hypo Alpe-Adria-Bank International AG (HBInt) war die Holdinggesellschaft der in Südosteuropa tätigen Hypo Group Alpe-Adria (HGAA); die Hypo Alpe‐Adria‐Bank AG (HBA) war die österreichische Tochtergesellschaft dieser Gesellschaft. Alle Beteiligungen der Gesellschaft zusammengenommen war der mit 384 Niederlassungen in 12 Ländern (u. a. in Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Serbien und Montenegro, Bosnien und Herzegowina) aktive Konzern gemessen an seiner Bilanzsumme das sechstgrößte Geldhaus Österreichs.. Bericht vom 2. Dezember 2014, pdf, 394 Seiten, abgerufen am 13. Dezember 2014.

Nachdem im Jahr 2007 der Kauf des Geldhauses durch die BayernLB erfolgt war, kam das Unternehmen nach einer Phase der Expansion in massive finanzielle Schwierigkeiten. Nachdem die Bank im Jahr 2009 nicht mehr über das zur Bilanzierung nötige Eigenkapital verfügt hatte und daher die Gefahr einer Insolvenz bestanden hatte, übernahm im Dezember 2009 die Republik Österreich zu 100 % das Unternehmen. Damit war die Hypo Alpe Adria nach der Kommunalkredit Austria die zweite österreichische Bank, die seit Beginn der Finanzkrise ab dem Jahr 2007 verstaatlicht werden musste. Im Herbst 2014 wurde der Konzern durch die Republik Österreich zerschlagen und in Abbaugesellschaften umgewandelt.

Von den 13,6 Milliarden Euro, die die Republik Österreich in Folge der Finanzkrise 2007/08 als Hilfen an österreichische Banken vergab, erhielt allein die Hypo Alpe Adria zwölf Milliarden Euro (bis 2015).Robert Kriechbaumer: Zwischen Krisenbewältigung und Stillstand. Die Ära Faymann. Österreich 2008 bis 2016, Band 2: 2013 bis 2016, Wien 2024, S. 41.

Letztlich blieb laut Fiskalrat dem Steuerzahler ein Schaden von 9 Milliarden Euro.Der Fall um die Skandalbank Hypo Alpe Adria ist abgeschlossen. In: Kurier, 29. Dezember 2021, abgerufen am 5. Februar 2023.HETA: Abwicklung der früheren Skandalbank Hypo Alpe Adria abgeschlossen. In: Der Standard/APA, 29. Dezember 2021, abgerufen am 5. Februar 2023. Aus Sicht der Gläubiger hat sich die Auflösung der Bank nach der europäischen Bankenabwicklungsrichtlinie mit einer Recoveryquote von 89,41 %ANFRAGE - Liquidation der HETA ASSET RESOLUTION AG www.parlament.gv.at, 6. Mai 2022 (abgerufen am 19. September 2023). (Stand 2022) viel besser entwickelt als erwartet. Bei einem fiktiven Insolvenzverfahren wäre nach Schätzungen der österreichischen Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) nur gut die Hälfte der offenen Forderungen bedient worden.Hypo-Alpe-Adria: Heta-Abwicklung nach sechs Jahren abgeschlossen FONDS ONLINE, 30. Dezember 2021 (abgerufen am 19. September 2023). Die letztlich positive Abwicklung der Hypo Alpe Adria gilt branchenweit als Musterbeispiel und Bestätigung des neuen europäischen Abwicklungsregimes für Banken.Geordnete Abwicklung der ehemaligen Hypo-Alpe-Adria-Gruppe erfolgreich abgeschlossen. Das neue europäische Abwicklungsregime hat sich bewährt. FMA, 29. Dezember 2021 (abgerufen am 19. September 2023).

Korruptionsverdacht Die Bank steht in Verdacht, seit dem Jahr 1999 an zahlreichen Finanz- und Korruptionsaffären in Österreich und Kroatien maßgeblich beteiligt gewesen zu sein.Conny Bischofberger: Kurier, 13. Jänner 2010.Norbert Mappes-Niediek: Österreich: Kaufen, verkaufen, verschwinden. Die Zeit Nr. 25, 14. Juni 2007. In Deutschland, Österreich und Kroatien haben die Justizbehörden gegen Mitarbeiter und Geschäftspartner der Bank Ermittlungsverfahren eingeleitet.Ermittlungen gegen Hypo-Tochter. ORF, 14. Jänner 2010. So wurde in Österreich zur Aufarbeitung eine eigene Polizeisondereinheit, die sogenannte SOKO Hypo, gegründet, deren Arbeit von der vom Finanzministerium eingesetzten „CSI Hypo“ unterstützt wurde. Diese wurde im Jahr 2012 wieder aufgelöst. Die Ermittlungen wurden von der bankinternen Forensikabteilung fortgeführt. Bis Mai 2013 waren allein in Österreich 74 Sachverhaltsdarstellungen an die Staatsanwaltschaft erstattet. Die Schadenssumme liegt bei mindestens 670 Millionen Euro. (PDF; 1,6 MB) Abgerufen am 15. März 2013. Zudem gab es bisher fünf Untersuchungsausschüsse zur Klärung der politischen Verantwortung, und zwar in München (Bayern), in Klagenfurt (Kärnten) und in Wien. Parallel zur Aufarbeitung strafrechtlicher Vorwürfe beschäftigt die Verstaatlichung der Bank auch die EU-Kommission.

Die heutige Heta Asset Resolution AG war eine Abbaugesellschaft im Eigentum der Republik Österreich. Sie hatte den gesetzlichen Auftrag, den notleidenden Teil der im Jahr 2009 verstaatlichten Hypo Alpe Adria so effektiv und wertschonend wie möglich zu verwerten.Heta Asset Resolution – Mission Statement. Abgerufen am 4. Mai 2018. Die Verwertung ist im Rahmen der Abbauziele so rasch wie möglich zu bewerkstelligen.

Im September 2013 wurde von der EU-Kommission ein Plan für die geordnete Abwicklung der damaligen österreichischen Bank Hypo Alpe Adria (HAA) genehmigt. Im Juli 2014 wurde im österreichischen Nationalrat das Hypo-Sondergesetz beschlossen. Somit wurde die Grundlage zur Deregulierung und Schaffung der Abbaueinheit der Hypo Alpe-Adria-International AG geschaffen. Im Einklang mit dem EU-Recht darf die Abbaugesellschaft weder selbst Einlagengeschäft betreiben, noch Beteiligungen an Kreditinstituten halten. Aus diesem Grund wurden das Südosteuropa-Bankennetzwerk samt separater Steuerungsholding in Österreich und dem in Abwicklung befindlichen Geschäftsbereich Italien aus der ehemaligen Hypo Alpe-Adria-International AG herausgelöst."Gesetzliche Grundlagen" Abgerufen am 8. Juli 2025.

Mit 30. Oktober 2014 gab die Hypo Alpe-Adria-Bank International AG die Beendigung der gemäß Bankwesengesetz (BWG) erteilten Konzession zum Betrieb von Bankgeschäften bekannt. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Hypo Alpe Adria zur Abwicklungsgesellschaft Heta Asset Resolution umfirmiert.„Hypo Alpe-Adria-Bank International AG: Beendigung der Banklizenz und Fortführung als Abbaueinheit.“ Pressetext, 30. Oktober 2014. Davor erfolgte die vorübergehende Übertragung des verkaufsfertigen Balkannetzwerkes (die Südosteuropaholding samt den sechs Balkan-Banken) an die ÖIAG-Tochter Fimbag. Somit wurde der Deregulierungsbescheid der Finanzmarktaufsicht freigegeben. Heta Asset Resolution, 30. Oktober 2014.

Bis 2021 wurde die Heta Asset Resolution als Abbaueinheit im Eigentum der Republik Österreich gemäß § 3 des Bundesgesetzes zur Schaffung einer Abbaueinheit (GSA) fortgeführt. Heta Asset Resolution, 30. Oktober 2014. Die Heta Asset Resolution AG verfügt über lokale Tochtergesellschaften in Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro, Mazedonien, Bulgarien, Deutschland und Ungarn. Das laufende Bankgeschäft ist seit der Zerschlagung eingestellt.

Am 23. Dezember 2014 gingen die Balkantöchter an ein Bieterkonsortium aus dem US-Fonds Advent und der Osteuropabank EBRD. Gemäß EU-Vorgabe war die Reprivatisierung des Netzwerks bis Mitte 2015 vorgesehen. Bis zum Closing firmierten die Balkantöchter unter der Bezeichnung Hypo Group Alpe Adria AG. Das SEE Bankennetzwerk umfasst sechs Bankenbeteiligungen in fünf Ländern in Südosteuropa (Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro) mit einer Bilanzsumme von rund EUR 8,4 Mrd., 245 Filialen und 1,15 Mio. Kunden. Heta Asset Resolution, 23. Dezember 2014.

Geschichte

Anfänge der Kärntner Landes-Hypothekenanstalt Die Bank wurde 1896 vom Land Kärnten als Landes-Hypothekenanstalt gegründet. Damals – zum Teil auch später – entstand in jedem österreichischen Bundesland eine Landes-Hypothekenanstalt. Die Hauptaufgabe war die Finanzierung öffentlicher Institutionen, das Wohnbaugeschäft und die Begebung von Hypothekenpfandbriefen und Kommunalschuldverschreibungen. Im Jahre 1920 wurde das Spareinlagengeschäft aufgenommen. 1924 wurde die Landes-Hypothekenanstalt ein öffentlich-rechtliches Kreditinstitut und 1928 übernahm das Land Kärnten die volle Haftung für die Anstalt. Ab 1929 war sie die alleinige Zahlstelle des Landes.

Zweite Republik, Umbau zur Firmengruppe Im Jahre 1962 wurde das neue Geschäftslokal in der Domgasse bezogen und ab 1970 wurden nach und nach in größeren Kärntner Orten Zweigstellen errichtet. 1980 erfolgte die Umbenennung in Kärntner Landes-Hypothekenbank und die Bank wurde 1982 zur Universalbank. 1988 setzte die Bank mit einer Leasinggesellschaft in Udine den ersten internationalen Expansionsschritt. 1991 wurde der bankgeschäftliche Betrieb in eine neugegründete Aktiengesellschaft, die Hypo-Alpe-Adria-Bank International AG, eingebrachtgemäß § 8a Kreditwesengesetz, BGBl. Nr. 64/1979 in der Fassung des Bundesgesetzes BGBl. Nr. 325/1958., während die Bank selbst als weiterhin öffentlich-rechtliche Holding mit dem Namen Kärntner Landes- und Hypothekenbank Holding (Kärntner Landesholding) weiterbestand. 1992 beteiligte sich neben dem Land Kärnten die Grazer Wechselseitige Versicherung mit einem Anteil von 48 % als zweiter Aktionär. Zu dieser Zeit kam Wolfgang Kulterer in den Vorstand der Bank. Die Bilanzsumme lag 1992 bei 1,87 Mrd. Euro. Kulterer trieb die Expansion gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Jörg Schuster beharrlich voran. Nach dem Zerfall Jugoslawiens konzentrierten sie sich auf die Nachfolgestaaten, 1995 wurde das Institut in Hypo Alpe-Adria-Bank AG (HAAB) umgewandelt und 1999 wurde das moderne neue Hypo-Alpe-Adria-Zentrum am Alpe-Adria-Platz in Klagenfurt eröffnet. Gestützt durch Haftungen des Bundeslandes Kärnten, lag die Bilanzsumme 2005 bei 24,23 Mrd. Euro.Causa Hypo: Wie alles begann ORF Kärnten, 17. Februar 2014.

2004 übernahm die Hypo Alpe Adria die Mehrheit am 2000 gegründeten Liechtensteiner Lebensversicherungsunternehmen PrismaLife. Dabei erwarb das Unternehmen im Zuge einer Kapitalerhöhung 85 % der Anteile, die vormals börsennotierte Cash.life-Mutter adv.orga verkaufte unterdessen ihren Anteil von zuvor 33,5 %.PrismaLife in neuen Händen. Der Lebensversicherer meldet sprunghafte Umsatz-Zuwächse, eine Kapitalerhöhung und geänderte Mehrheitsverhältnisse. In: VersicherungsJournal.de, 8. April 2004, abgerufen am 4. März 2023 (Artikel vollständig hinter Bezahlschranke).

Hypo Alpe Adria seit 2006 Im Jahre 2006 wurde der Firmenname der Gruppe in Hypo Group Alpe Adria (HGAA) geändert. Es wurde ein neues Logo gestaltet, um die Internationalität der ehemaligen Landesbank zu verdeutlichen. Es zeigte oben die silbergrauen Alpen, unten die tiefblaue Adria.Hypo-Bank wurde zu „Hypo Group Alpe Adria“. ORF Kärnten, 31. August 2006.

Ab 2. Oktober 2006 stand die Bank unter der Führung von Siegfried Grigg. Der Vizechef der GraWe löste Wolfgang Kulterer ab, der nach den Turbulenzen rund um Spekulationsverluste der Bank im Ausmaß von 328 Mio. Euro zurückgetreten war. Kulterer wurde Aufsichtsratsvorsitzender. Grigg war davor 25 Jahre lang beim Hypo-Miteigentümer GraWe tätig, er war weiters sechs Jahre Hypo-Aufsichtsrat und Mitglied des Kreditausschusses. Um diese Zeit erreichten die Haftungen, die das Land Kärnten für die ausgegebenen Pfandbriefe übernommen hatte, den Höchststand von rund 24,7 Milliarden Euro.