mini|Songhai-Reich in seiner mutmaßlichen Ausdehnung mini|Das Songhai-Reich in Afrika Das Songhaireich entstand in vorislamischer Zeit am östlichen Nigerbogen. Da die arabischen Geographen es nach der Hauptstadt Gao als Kawkaw bezeichneten, nimmt man häufig an, dass die Songhai erst später von Kukiya stromabwärts kommend das Gao-Reich eroberten. Diese Ansicht hat sich jedoch in Anbetracht der auf Gao konzentrierten Gründungserzählung des Tarikh-el-Fettach als irrtümlich erwiesen. Es ist dementsprechend anzunehmen, dass das im gleichen Gebiet existierende Gao-Reich bereits ein Songhaireich war.

Vom frühen 15. bis zum späten 16. Jahrhundert war das Songhaireich eines der größten afrikanischen Reiche der Geschichte. Die große Macht des Reiches, die auf der Lage des weit nach Norden vorgeschobenen Niger und den damit verbundenen günstigen transsaharischen Verbindungen beruhte, ging von der Stadt Gao aus. Im frühen 16. Jahrhundert dehnte sich das Songhaireich von dort im Osten bis zu den Hausastädten Kano und Katsina aus und im Westen bis an den Atlantischen Ozean. Der Name des Reiches stammt von seiner dominierenden ethnischen Gruppe, den Songhai.

Frühe Machtentfaltung Seit dem 9. Jahrhundert berichten arabische Geographen von dem großen Reich Kawkaw, das sie östlich des Ghanareiches lokalisieren. al-Yaʿqūbī beschreibt Kawkaw 873 n. Chr. als das größte und mächtigste Reich Westafrikas. Nach al-Muhallabi verfügte der König über einen Schatz, der hauptsächlich aus Salz bestand, und nach al-Bakrī herrschte dort ein König, der den Namen oder Titel Qanda trug.Levtzion/Hopkins, Corpus, 21 (al-Ya'qubi), 174 (al-Muhallabi), 86-87 (al-Bakri).

Handel und frühe Islamisierung Um 840 erwähnt der choresmische Universalgelehrte al-Chwarizmi erstmals Gao.Rudolf Fischer, S. 256 (Zusammenfassung) (s.Lit.) Wichtigster Grund für die Entstehung des Reiches von Gao war die günstige geographische Lage der Stadt am östlichen Nigerbogen weit im Norden der landwirtschaftlichen Nutzflächen des Sahel. Aus Nordafrika wurden Stoffe, Pferde, Waffen, Glas und Perlen, aus der Sahara auch Salz importiert. Exportiert wurden Sklaven und Gold. Die Erhebung von Zöllen besonders auf das wertvolle Salz der Sahara erfolgte zugunsten des Königs. Al-Muhallabi erwähnt ca. 985 n. Chr., dass der Herrscher von Gao zu dieser Zeit bereits ein Muslim war.Levtzion/Hopkins, Corpus, 174 Die lebhaften Handelsbeziehungen mit Tahert im Maghreb könnten zur frühen Einführung des ibaditischen Islam geführt haben.

Ursprung der Za-Dynastie Traditionelle Geschichte: Übersiedlung der Za von Kukiya nach Gao Nach den Angaben al-Sa'dis in der Chronik des Ta'rikh al-Sudan wurde die Za-Dynastie von einem Flüchtling aus dem Jemen in Kukiya ca. 150 km Niger-abwärts von Gao gegründet. Za-Kosoi, der 15. Herrscher dieser Dynastie, sei 1009/10 n. Chr. zum Islam übergetreten. In vielen Darstellungen der Geschichte Songhais wird diese Lesart der Geschichte weiterhin vertreten.Rouch: Contribution. 169-173; Levtzion, in: Fage (Hrsg.): Cambridge History of Africa, Band II, 1978, 677-8; Hunwick, Timbuktu, XXXIII-XXXV. Nach den Angaben der Chronik des Tarikh-el-Fettach ließ sich der Flüchtling aus dem Jemen direkt in Gao nieder und nicht in Kukiya.al-Kaati, T. al-Fattash, 329-330. Im Einklang mit den Nachrichten der arabischen Geographen ist deshalb auf eine Staatsgründung am östlichen Nigerbogen zu schließen.Levtzion/Hopkins, Corpus, 21 (al-Ya'qubi), 86-87 (al-Bakri), 174 (al-Muhallabi).

Gründung der Zaghe-Dynastie ca. 1087 In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts gelangte eine neue Dynastie in Gao an die Macht. Sie hat die Marmorstelen von Gao-Saney hinterlassen, auf denen die Namen des Propheten und der ersten beiden Kalifen mit Sterbedaten vom Beginn des 12. Jahrhunderts verzeichnet sind: Muhammad ibn Abd Allah (st. 1100), Umar ibn al-Khattab (st. 1110) und Uthman ibn al-Quhafa (st. 1120). Dadurch wird deutlich, dass die Könige der Zaghe ihre Mission in der Verbreitung des Islam im subsaharischen Afrika sahen und sich in dieser Beziehung auf eine Stufe mit den Begründern des arabisch-islamischen Weltreiches stellten. Die Inschriften der Stelen liefern für den dritten König auch den lokalen Namen Yama ibn Kima, der in der Liste der Za-Könige der Chroniken von Timbuktu an 18. Stelle wiederzufinden ist. Er ist daher mit dem dritten Nachfolger des ersten muslimischen Königs der Za identisch. Aus dem Synchronismus wird ersichtlich, dass die Za, wie Jean Sauvaget schon geahnt hatte, tatsächlich mit den Zaghe-Königen der Stelen gleichzusetzen sind. Die Islamisierung der Dynastie fand dementsprechend nicht um 1009/10 statt, wie es der Ta'rikh al-Sudan angibt, sondern etwa 1087. Die Zaghe-Könige müssen in Verbindung zu den Almoraviden gestanden haben, denen der Auftrag zur Herstellung der Marmorstelen im spanischen Almería und die anschließende Herbeischaffung der Stelen am ehesten zuzutrauen ist. Zudem deutet der Auffund der Stelen in der Händlerstadt von Gao-Saney und nicht in der Königstadt Gao selbst auf einen Fremdursprung der neuen Herrscher.Lange: Kingdoms. 503.

Die Za/Zaghe-Könige von Gao-Saney und die Almoraviden Die Zaghe betrachteten sich offensichtlich als schwarzafrikanische Fortführer der weltgeschichtlichen Aufgabe der ersten arabischen Herrscher des Islam. Ihr vom Tarikh al-Sudan angegebener Ursprung aus Kukiya südwestlich von Gao, der vom Tarikh al-Fattash nicht bestätigt wird, ist mit ihren engen Verbindungen zu den Almoraviden nicht vereinbar. Vielmehr ist mit einer Verknüpfung des unter dem Druck der Almoraviden 1076 eingeführten Sunni-Islam in Ghana zu rechnen.Al-Zuhri (schr. 1154) in Levtzion/Hopkins, Corpus, 98. Es ist anzunehmen, dass der König von Ghana Yama ibn Kima sich nach dem Tod des Almoravidenführers Abu Bakr ibn Umar vor religiösen Eiferern nach Gao zurückziehen musste. Hier genoss er weiterhin den Schutz der Massufa von Tadmekka, einer Untergruppe der Almoraviden, die vermutlich die Herstellung und Herbeischaffung der Marmorstelen von Gao-Saney aus dem spanischen Almería organisierten.Lange: Kingdoms. 498-509.

Identität der Za-/Zaghe-Herrscher und die Geschichte von Songhai Aus der Identifikation der Zaghe mit den Za ergeben sich somit wichtige Konsequenzen für die Geschichte des Gao-Reiches:Moraes Farias (Inscriptions, 3-8) übersieht diesen Synchronismus (D. Lange, "Rezension von P. Moraes Farias, Medieval Inscriptions (2003)" (PDF; 252 kB), Afrika und Übersee. 87, 2004, S. 302–305). Die Za waren keine aus Kukiya stammenden Songhaiherrscher (bisherige Lehrmeinung).Rouch: Contribution. 169-173; Levtzion, in: Fage (Hrsg.): Cambridge History of Africa, Band II, 1978, S. 677–678; Hunwick, Timbuktu, XXXIII-XXXV. Die Za können nicht als neu eingesetzte schwarzafrikanische Kleinkönige angesehen werden, die als gehorsame Vasallen der Almoraviden fungierten.Hunwick: Gao. S. 413–430; Lange: Gao-Sané. S. 264–269. Als hochangesehene ehemalige Könige von Ghana spielten die Za/Zaghe auch in den Augen der Almoraviden eine wichtige Rolle in der Verbreitung des Sunni-Islams südlich der Sahara. Nichts deutet somit auf eine relativ späte Machtübernahme der aus Kukiya stammenden Songhai. Es ist vielmehr anzunehmen, dass die Songhai schon in ältester Zeit in Gao ansässig waren. Insbesondere die frühen Qanda-Könige scheinen aus ihnen hervorgegangen zu sein. Die Jemen-Tradition, der Songhai-Name und der vormalige königliche Dongo/Shango-Kult liefern darüber hinaus Hinweise auf eine frühe Einwanderung aus dem alten Vorderen Orient.Lange: Kingdoms. S. 563.

Maliherrschaft über den Nigerbogen Mali und die Vasallendynastie der Za (1300–1430) Bevor die Songhai ihre Vormachtstellung innehatten, wurde das Gebiet von dem Malireich beherrscht, dessen Zentrum in Niani am oberen Lauf des Niger lag. Mali erreichte damals seine größte Ausdehnung, da es den westafrikanischen Goldhandel kontrollierte. Sein König Mansa Musa unternahm 1324 die Pilgerfahrt nach Mekka und durchquerte dabei auch den Westen des späteren Songhaireiches. In Gao, der Hauptstadt des Teilreiches, herrschte die Dynastie der Za. Sie hatte die Unterstützung der Keitadynastie Malis erbeten, um sich ihrer inneren Widersacher, der von Si dynastisch begründeten Sonni, zu erwehren. Angesichts dieser Hinwendung zu den Keita zogen sich die Sonni nach Kukiya 150 km stromabwärts von Gao zurück. Im frühen 15. Jahrhundert lag das Malireich im Zerfall. Innere Streitereien schwächten die Krone und viele verbündete Völker wandten sich ab. Die Songhai waren eines dieser Völker. Ihre beiden dynastischen Gruppen, die Za und die Sonni, gehörten allerdings selbst zu den Mande.

Aufstand der Songhai unter der Führung der Sonni (1400–1465) Angesichts der Schwäche der Keita organisierten die Sonni zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Kukiya den Widerstand gegen die Za und die Maliherrschaft. Ihre wichtigsten Verbündeten waren die Songhai, die durch die Machtübernahme der Za/Zaghe am Nigerbogen marginalisiert und nach Osten abgedrängt worden waren. In dieser turbulenten Umbruchsphase zogen die Sonni mit ihren Reiterkriegern der Songhai nach Gao, vertrieben dort die Za aus ihrer Machtposition und erreichten schließlich Timbuktu. Die Za ihrerseits mussten sich aus Gao völlig zurückziehen. Sie überlebten in den fruchtbareren Gebieten Niger-abwärts in Form der Reiteraristokratie der Zarma.

Das eigentliche Songhaireich unter der Sonni-Dynastie Neugründung des Songhaireiches durch Sonni Ali (1465–1492) Nachdem bereits Sulayman Dama um 1460 bis nach Méma im Westen vorgedrungen war und dort große Zerstörungen angerichtet hatte, wurde Sonni Ali zum eigentlichen Gründer des Songhaireiches durch die Eroberung des Niger-Binnendeltas. Daneben wehrte er Einfälle der Mossi ab. Im Westen gliederte er die Handelsstadt Djenné in das Reich ein und im Osten das Königreich Kebbi. Es begann eine etwa hundert Jahre andauernde Blütezeit. Djenené und Timbuktu schwangen sich auf. Gao und Kano wurden die größten Städte des Sudan. Obgleich die Chronisten von Timbuktu Sonni Ali als Halbheiden brandmarkten, war er fest im Islam verwurzelt. Er verzichtete allerdings darauf, den Islam als verbindliche Reichsreligion zu proklamieren, um so seinen nur oberflächlich islamisierten Songhai-Bundesgenossen entgegenzukommen. Nach dem Ende seiner Regierungszeit waren die Songhaitruppen so erschöpft, dass sie seinen Sohn und Nachfolger Sonni Baru (1492–93) nur halbherzig unterstützten.

Askia Muhammad und die Gründung der Askia-Dynastie (1493–1591) Askia Mohammad war Soninke und der oberste Heerführer der Armee von Songhai unter Sonni Ali. Nach dem Tod des Eroberers rebellierte er erfolgreich gegen dessen Sohn und Nachfolger Sonni Baru und besiegte ihn 1493 in der Schlacht von Ankogho bei Gao. Dieser Machtwechsel war keine ethnische Revolution mit bedeutenden sozialen Folgen, denn schon vier Jahre später unternahm der neue Herrscher die weite und entbehrungsreiche Pilgerfahrt (1496–1498) nach Mekka. Während der Zeit seiner Abwesenheit ersetzte ihn sein Bruder, der Kurmina-Fari Umar Komdiagha. Mit seiner Pilgerfahrt setzte Askia Mohammad nicht nur ein klares Zeichen zugunsten des Islam, sondern auch der politischen Stabilität. Im Gegensatz zu den Sonni stützte er sich auf die Za und die Zarma. Allerdings fielen ihm seine Bundesgenossen schon bald so sehr zur Last, dass er sie 1505 als Kanonenfutter in die Schlacht von Borgu schickte. Seither tat er es den Sonni gleich, indem er seine Macht auf der Unterstützung der Songhai gründete. Seine Regierungszeit war geprägt von Kriegszügen gegen die Mossi, nach Ghana, Tekrur und Jarra sowie gegen Agadez und Hausa-Städte. 1529 wurde Askia Mohammad abgesetzt, 1538 starb er. Sein Erbe lebte in der von ihm begründeten Askia-Dynastie weiter.

Das Songhaireich unter der Askia-Dynastie (1493–1591)