Die Branddirektion Frankfurt am Main ist die öffentliche Feuerwehr der Stadt Frankfurt am Main. Sie setzt sich aus einer Berufsfeuerwehr und satzungsgemäß aus 29 Freiwilligen Feuerwehren zusammen.

Geschichte Vom Mittelalter bis zur Gründung der Berufsfeuerwehr Im Mittelalter gehörte die persönliche Mithilfe bei der Brandbekämpfung zu den wichtigsten Bürgerpflichten. Jeder Bürger erhielt bei der Ableistung seines Bürgereides einen ledernen Feuereimer, den er in seinem Haus jederzeit bereitzuhalten hatte. In den 14 Quartieren der Stadt – zwei in Sachsenhausen, zwölf in der Altstadt und der Neustadt – stand die Bürgerfeuerwehr jeweils unter dem Kommando eines Bürger-Capitains. Bereits im Jahr 1439 hatte der Rat zwei Handfeuerspritzen in Nürnberg bestellt. Im Laufe der Zeit war der Gerätepark immer wieder an den Stand der Technik angepasst worden. In den engen Gassen konnten jedoch nur kleine zweirädrige Handzugspritzen eingesetzt werden. Eine wirksame Brandbekämpfung war damit kaum möglich. Bei den beiden schlimmsten Brandkatastrophen, die Frankfurt betrafen – dem Großen Judenbrand vom 14. Januar 1711 und dem Großen Christenbrand vom 27. Juni 1719 – waren jeweils ganze Stadtviertel mit hunderten von Häusern niedergebrannt. In beiden Fällen hatte nur der rasche Abriss von ganzen Häusern ein Überspringen auf die benachbarten Viertel verhindern können.

mini|Erprobung der ersten Dampffeuerspritze 1863 mini|Dombrand am 14. August 1867 Deshalb verlegte man sich nach 1720 auf den vorbeugenden Brandschutz, um die Stadt künftig vor derartigen Feuersbrünsten zu bewahren. Die städtischen Bauvorschriften wurden drastisch verschärft. In den Jahren 1740 bis 1800 wurden etwa 3000 Häuser um- oder neugebaut, um den Brandschutz zu verbessern. Zu den wichtigsten Maßnahmen zählten: die Errichtung wirksamer Brandmauern, die Vorschrift, zumindest die Untergeschosse aller Häuser in Stein auszuführen und die Begrenzung der Überhänge. Jedes Haus durfte nur noch einen Überhang von maximal eineinhalb Schuh Tiefe haben.

Die Bürgerfeuerwehr wurde ergänzt durch ein militärisches Löschbataillon aus 18 Kompanien. In dieser Form blieb sie bis zum Ende der Freien Stadt Frankfurt im Jahr 1866 bestehen. Etwa 3.000 von damals rund 70.000 Einwohnern waren in dieser Feuerwehr organisiert. Die Freiwillige Feuerwehr Höchst wurde 1852 gegründet und ist damit eine der ältesten Freiwilligen Feuerwehren Deutschlands. Das Feuerwehrhaus befindet sich jetzt in der Palleskestraße 36, Schießplatz.

Im Jahr 1863 wurde die erste Dampffeuerspritze in Frankfurt erprobt, eine Konstruktion der amerikanischen Firma W. Lee & Co. Bei einem Wettspritzen auf dem Römerberg wurde sie am 21. November 1863 gegen die handbediente Stadtfeuerspritze Nr. 2 der Firma Metz eingesetzt. Die von acht Männern bediente Handspritze zeigte sich der Dampfspritze überlegen. Zwar förderte diese mehr Wasser als die Handspritze, benötigte jedoch 10 Minuten Anheizzeit bis zur Einsatzbereitschaft. Die Stadt nahm daraufhin von der Beschaffung Abstand.

Das Wachstum der Stadt und der Fortschritt der Technik erforderten allerdings bald eine andere Organisationsform. Das zeigte sich besonders beim Brand des Domes am 14. August 1867. In einer Bierwirtschaft in der Fahrgasse, direkt hinter dem Dom, war nachts gegen 1:30 Uhr Feuer ausgebrochen. Der Feuerwehr gelang es nicht, das Übergreifen des Brandes, der durch starken Ostwind und Funkenflug angefacht wurde, auf den Dom zu verhindern. Bis zum Morgen war die mittelalterliche Wahl- und Krönungskirche der römisch-deutschen Kaiser völlig ausgebrannt.

Das Unglück führte jedoch indirekt auch zur Reform des veralteten Frankfurter Feuerwehrwesens. Im Jahr 1869 wurde der Kreisfeuerwehrverband der Freiwilligen Feuerwehren in Frankfurt gegründet, im Jahr 1874 die Frankfurter Berufsfeuerwehr.

Die Frankfurter Feuerwehr seit Bestehen der Berufsfeuerwehr Auch die Berufsfeuerwehr war zunächst noch mit Handdruckspritzen ausgestattet. Erst 1887 beschaffte man die erste Dampfspritze der Londoner Firma Merryweather & Sons. Etwa um das Jahr 1890 wurde die im Frankfurter Stadtteil Seckbach beheimatete Firma J. S. Fries Sohn zu einem führenden Unternehmen der Feuerwehrgerätetechnik. Dampfspritzen und pneumatische Leitern wurden hier gefertigt und in alle Länder Europas exportiert.

1874–1882, unter der Leitung von August Aßmann August Aßmann leitete die Berufsfeuerwehr Frankfurt am Main bis zu seiner Amtsenthebung im Jahr 1882. Bekannt wurde Aßmann vor allem durch die von ihm erfundene Aßmannsche Patentleiter, deren Einsatz einen folgenschweren Unfall mit zwei schwerverletzten Feuerwehrleuten nach sich zog.

1890–1906, unter der Leitung von Richard Schapler Richard Schapler zeigte sich ebenfalls erfinderisch. Die von ihm erfundene pneumatische Leiter ermöglichte einen deutlichen Zeitgewinn gegenüber den bis dahin noch per Seilwinde mit der Hand ausgefahrenen Leitern. Die Schapler-Leiter wurde unter anderem von den Feuerwehren in Berlin, Stockholm und Wien eingesetzt.

Ihr Erfinder hatte im Amt weniger Erfolg. Aus verschiedenen Gründen wurden gegen Schapler Disziplinarverfahren eingeleitet. Am 2. März 1906 wurde er schließlich wie sein Vorgänger Aßmann aus dem Dienst entlassen. Auch mit seiner eigenen Firma in Langen scheiterte er und musste im Jahr 1920 den Offenbarungseid leisten.

1906–1931, unter der Leitung von Johannes Schänker mini|Johannes Schänker in seinem Büro in der Burgstraße mini|Frühe Versuche mit einem Werfer Schaplers Nachfolger als Feuerwehrchef, Johannes Schänker (1866–1950), steht im Ruf, der innovativste aller Frankfurter Branddirektoren zu sein. In seiner 25-jährigen Amtszeit führte er eine Reihe von Erfindungen in die Brandbekämpfung ein. Unter Schänker wurde die Frankfurter Berufsfeuerwehr bereits im Jahr 1914 als erste in Deutschland voll motorisiert. Viele der eingesetzten Fahrzeuge wurden damals von den Adlerwerken im Gallus gebaut.

Die wohl herausragendste Erfindung Schänkers ist sicherlich die Feuerlöschkreiselpumpe, die vom Fahrzeugmotor aus betrieben wurde. Bis dahin waren Dampfspritzen verwendet worden, deren Kolbenpumpen ständig für Druckstöße sorgten und dadurch die empfindlichen Hanfschläuche zerstörten. Schänker führte auch die Motorisierung der Feuerwehrfahrzeuge mit Benzinmotoren ein. Nicht wenige der deutschen Branddirektoren hielten es damals für einen Irrsinn, mit Benzin im Tank an eine Brandstelle zu fahren. Schänker erfand auch eine Art frühen Feuerlöscher und experimentierte bereits mit den heute gängigen Löschmitteln Pulver, Schaum und Kohlendioxid zur Brandbekämpfung.

Auf Schänkers Initiative wurde im Jahr 1911 die Freie Arzt- und Medizinkasse als Krankenversicherung für die Angehörigen der Berufsfeuerwehr gegründet. Die Krankenkasse ist mittlerweile bundesweit tätig und steht auch Polizei- und Justizbeamten offen.

Aufgrund seiner Verdienste um das Gemeinwohl sollte im Dezember 2014 eine Frankfurter Straße zu Ehren des Brandschutzpioniers benannt werden. Die Namensgebung scheiterte jedoch am Widerstand der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Schänker war drei Jahre nach seiner Pensionierung in die NSDAP eingetreten, im Zuge der Entnazifizierung aber als Mitläufer eingestuft worden.

1931–1955, unter der Leitung von Franz Lomb Im Jahr 1931 übernahm Franz Lomb die Leitung der Frankfurter Feuerwehr. Er verblieb auch nach der Machtübernahme der NSDAP 1933 und dem damit verbundenen Umbau der Feuerwehr zur Feuerschutzpolizei und der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht 1945 im Amt. Lomb leitete die Frankfurter Feuerwehr in der einsatztaktisch anspruchsvollsten und von zahlreichen politischen Umbrüchen geprägten Periode ihres Bestehens.

Wie in vielen anderen Städten wurde auch in Frankfurt am Main bei den Novemberpogromen (Reichspogromnacht) am 9. November 1938 und in den Tagen danach von marodierenden SA-Trupps mehrere Synagogen in Brand gesetzt. Die Feuerwehr rückte bei jedem Brand aus, hatte jedoch laut Einsatzbefehl nur das Übergreifen des Feuers auf die benachbarten Häuser zu verhindern. Während die Hauptsynagoge, die Börneplatzsynagoge und die Synagoge am Friedberger Platz vollkommen ausbrannten. Die Westendsynagoge blieb trotz schwerer Brandschäden erhalten, weil die Feuerwehr den Brand löschte, anders als bei den übrigen Frankfurter Synagogen.

Gegen die mitunter gezielt verursachten Feuer im Zuge der Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges konnte die Feuerwehr trotz der ab 1942 überall in der Stadt angelegten Löschwasserbecken wenig ausrichten. Insbesondere der am 22. März 1944 ausgelöste Feuersturm veränderte das Stadtbild für immer. Bei acht schweren Luftangriffen im Oktober 1943 sowie im März und September 1944 wurden die gesamte Altstadt und große Teile der übrigen Stadtviertel zerstört. Von mehreren Tausend Fachwerkhäusern in der Stadt überstand allein das Haus Wertheym am Fahrtor den Krieg. Es war von der Feuerwehr bei jedem Luftalarm vorsorglich unter Wasser gesetzt worden, um den Fluchtweg aus der Altstadt zum Main offen zu halten. Über 5000 Bewohner der Stadt, darunter auch Kriegsgefangene, verloren ihr Leben. Blindgänger der Bombardements, darunter zahlreiche Brandbomben, beschäftigen die Frankfurter Feuerwehr bis in die Gegenwart.

1966–1989, unter der Leitung von Ernst Achilles Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Frankfurter Feuerwehr vor allem unter der Führung des über die deutschen Grenzen hinaus bekannten Experten Ernst Achilles einen großen Aufschwung. Er war ab 1963 Brandrat in Frankfurt am Main. Von 1966 bis 1989 war er Leiter der Feuerwehr und stellte auch danach seine Erfahrung bis zu seinem Tod 1999 zur Verfügung. Besonders die Sicherheit von Hochhäusern, wie sie seit Ende der 1960er-Jahre zunehmend in Frankfurt entstanden, stellte eine neue Herausforderung für den Brandschutz dar.

Am 23. August 1973, eine Woche vor dem geplanten Richtfest, brach ein Brand im Rohbau des Selmi-Hochhauses aus. Im 40. und 41. Stockwerk standen große Mengen Baumaterial in Flammen und ließen einen glühenden Funkenregen auf die gesamte Umgebung niedergehen. Die Feuerwehr hatte große Mühe, den Brand unter Kontrolle zu bringen, da die Steigleitungen des Rohbaus noch nicht in Betrieb waren. Der Brand hatte eine Verschärfung der Bauvorschriften für Hochhäuser zur Folge.

1989–1993, unter der Leitung von Günther Burbaum Der bis dato stellvertretende Amtsleiter Günther Burbaum folgte Ernst Achilles nach dessen Pensionierung in der Stelle des Direktors der Branddirektion Frankfurt am Main bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1993.

1993–2018, unter der Leitung von Reinhard Ries Im Jahr 1993 übernahm Reinhard Ries die Leitung der Frankfurter Feuerwehr. Der studierte Architekt war von der Berufsfeuerwehr München nach Frankfurt gewechselt. Zunächst fühlte sich Ries noch vom internationalen Ruf seines Vorgängers Achilles unter Druck gesetzt. Er bemerkte aber nach eigenen Aussagen schnell, dass im Amt erhebliche Mängel bestünden, die es aufzuarbeiten galt. Aufgrund der zahlreichen Auslandsreisen Achilles seien im eigenen Amt zahlreiche Aufgaben unbearbeitet geblieben.

Zu Beginn seiner Amtszeit schickte sich Ries an, in die erfinderischen Fußstapfen seiner Vorgänger zu treten. Sogenannte Sprengschläuche sollten die Waldbrandbekämpfung revolutionieren. Die in Frankfurt gegründeten Euro-Firefighter sollten als „Elitegruppe“ weltweit zum Einsatz kommen, das ebenfalls in Frankfurt angesiedelte Waldbrandkompetenzzentrum sollte auf internationaler Ebene beratend tätig werden. All diesen Initiativen war nur bescheidener Erfolg gegönnt, sodass diese Bestrebungen inzwischen eingestellt wurden.

Mit dem Brandschutz-, Rettungsdienst- und Katastrophenschutzzentrum fügte Ries 2003 bislang dezentral über das Stadtgebiet verteilte Abteilungen wie vorbeugenden Brandschutz, Werkstatt und Ausbildungsabteilung am zentralen Standort Feuerwehrstraße zusammen. Auch die folgenden Jahre sollten von reger Bautätigkeit geprägt sein.