Der GAZ-13 Tschaika () ist ein Personenkraftwagen der Oberklasse des sowjetischen Herstellers Gorkowski Awtomobilny Sawod (GAZ), der von 1959Tschaika in Serienfertigung. In: Kraftfahrzeugtechnik 1/1959, S. 33. bis 1981 in verschiedenen Varianten gebaut wurde. Vorgänger war der GAZ-12 ZIM, Nachfolger wurde ab 1977 der GAZ-14 Tschaika. Tschaika ist das russische Wort für Möwe.

Fahrzeuggeschichte mini|GAZ-13 Tschaika mini|GAZ-13B Tschaika als seltenes Cabriolet auf den Retro Classics in Stuttgart (2018) mini|GAZ-13 Tschaika als Gleisuntersuchungswagen in Budapest (2008) mini|Krankenwagen GAZ-13S Tschaika aus der Fertigung der Rigaer Autobusfabrik (2014)

Der GAZ-13 Tschaika wurde auf der Weltausstellung Expo 58 in Brüssel erstmals der Öffentlichkeit präsentiert,Personenkraftwagen der Spitzenklasse: TSCHAIKA und SIL-111. In: Kraftfahrzeugtechnik. 9/1967, S. 257–259, 277. ab 1959 setzte die Serienproduktion ein. Während der ZIL-111 als Staatskarosse für die höchsten Regierungsvertreter diente, war der Tschaika als repräsentativer Dienstwagen des Staatsapparats vorgesehen und fand in diesem Umfeld eine gewisse Verbreitung. Unterhalb des Tschaika war der GAZ M-21 Wolga angesiedelt.

Bei der Formgestaltung des Tschaika, insbesondere der markanten Scheinwerferpartie, sind, wenn auch nicht so ausgeprägt wie beim ZIL-111, offensichtlich Elemente des Packard Patrician bzw. Executive des Jahrgangs 1956 nachempfunden worden, die in das Konzept einer repräsentativen Staatslimousine passten.

Gesamtproduktion: 3179 Stück, davon 20 Stück als Kombi (GAZ-13S) und einige Cabrios (GAZ-13B) Karosserien: viertürige Limousine mit sieben Sitzplätzen, zwei- oder viertüriges Cabrio, fünftürige Kombiversion

Im Bahnhistorischen Park Budapest ist ein Gleisuntersuchungswagen auf Tschaika-Basis erhalten.Bild des Bahndienstfahrzeugs In Vietnam wurde ab 1959 ein Pkw mit der Bezeichnung Triumph hergestellt, der auf dem Wolga basierte und dessen Frontgestaltung an den GAZ-13 Tschaika angelehnt war.Aktuelle Bilder aus dem Fachgebiet. In: Kraftfahrzeugtechnik 3/1959, S. 129.

Der Tschaika war ein Funktionärswagen, der in der Regel an die Nomenklatura der Sowjetunion sowie die Staaten des Ostblocks geliefert wurde. In der Sowjetunion gab es für den Tschaika jedoch auch einen offiziellen Neupreis. Er betrug 1961 etwa 17.400 sowjetische Rubel (umgerechnet rund 52.000 DDR-Mark), ein GAZ-21 Wolga kostete zum gleichen Zeitpunkt 5500 Rubel.D. O. Kling: Автолегенды СССР. № 203: ГАЗ-13 «Чайка», Э-2. DeAgostini, Moskau 2015, . Ein sowjetischer Arbeiter verdiente damals durchschnittlich etwa 1000 Rubel pro Jahr.W. Teckenberg: Gegenwartsgesellschaften: UdSSR. Vieweg+Teubner, 1983, S. 393.

Ab 1977 wurde der Nachfolger GAZ-14 Tschaika parallel gebaut, 1981 die Produktion des GAZ-13 eingestellt.Fahrzeugbauinstitut NIIAT: Kurzes Automobil-Handbuch (краткий автомобильный справочник). 1982. S. 68 ff.Fahrzeugbauinstitut NIIAT: Kurzes Automobil-Handbuch (краткий автомобильный справочник). 1985. S. 36 ff.Michael Dünnebier, Eberhard Kittler: Personenkraftwagen sozialistischer Länder. transpress, Berlin 1990, ISBN 3-344-00382-8, S. 161. Die Rigaer Autobusfabrik modifizierte 1982 noch zwei Kombis GAZ-13S für den Einsatz in Vietnam, danach wurde auch dort die Fertigung endgültig auf Fahrzeuge auf Basis des Nachfolgers GAZ-14 umgestellt.A. Pawlenko: Автолегенды СССР. № 89: ГАЗ-13С «Чайка». DeAgostini, Moskau 2012, .

Technik Der GAZ-13 Tschaika besitzt einen versteiften Kastenprofilrahmen. Vorn sind die Räder an Querlenkern mit Schraubenfedern einzeln aufgehängt, die Hinterräder werden an einer Starrachse über Längsblattfedern geführt. Der Achtzylinder-V-Motor mit OHV-Ventilsteuerung besaß zunächst 4,9 Liter Hubraum und leistete 180 PS (SAE) bei 4600 min−1. Wenig später wurde ein abgewandelter Motor des ZIL-111 (OHV-V8 mit fünffach gelagerter Kurbelwelle) verwendet, mit 5,5 l Hubraum und einer Leistung von 195 PS (SAE) bei 4400 min−1. Im Unterschied zu ZIL wurde der Motorblock in Gorki aus Leichtmetall gegossen, sodass der Tschaika trotz etwas geringeren Hubraums das gleiche Leistungsgewicht wie der ZIL-111 erreicht und mit einem Doppelvergaser (ZIL-111: Vierfachvergaser) auskam. Meistens wurde der GAZ-13 mit einem dreistufigen Automatikgetriebe ausgeliefert, zeitweise wurde er jedoch auch mit einem handgeschalteten Dreigang-Vorgelegegetriebe produziert. Die Ausstattung umfasste neben Servolenkung, elektrischen Fensterhebern und elektrisch ausfahrender Antenne auf Wunsch auch Autotelefon und Raumluftkühlung. Das Kabriolett verfügte über eine automatische Dachbetätigung.

GAZ-13 Tschaika in der DDR Die Deutsche Demokratische Republik war ein größerer Exportkunde der Limousinen, auch hier wurden sie in höheren politischen Kreisen eingesetzt. Von den 3197 gebauten Fahrzeugen kamen einige hundert Exemplare nach Ostdeutschland. Sie dienten als repräsentative Staatslimousinen und waren neu – bis auf wenige AusnahmenWerner Oswald: Kraftfahrzeuge der DDR. 2. Auflage 2000. – nicht für Privatleute zu erwerben, lediglich ausrangierte Gebrauchtwagen wurden offen verkauft.Uwe Miethe: Bildatlas des DDR-Straßenverkehrs. S. 47. Die Tschaikas wurden im Dienstwagengebrauch ab den 1970er Jahren durch Volvos und im Fuhrpark Honecker durch speziell ausgestattete Citroën CX ersetzt.

Tschaikas im Film Im aus dem Jahre 1979 stammenden DEFA-Film Einfach Blumen aufs Dach wurde dem GAZ-13 Tschaika ein filmisches Andenken gesetzt. In der unter dem Regisseur Roland Oehme entstandenen Komödie mit Barbara Dittus und Martin Trettau in den Hauptrollen wird der damalige DDR-Alltag mit seinen Allüren auf die Schippe genommen.

Eine Limousine des Typs wurde 2012 im Musikvideo zum Song Augenbling der Berliner Gruppe Seeed verwendet.

Marktsituation in Deutschland Ein gut erhaltener Tschaika aus den 1980er-Jahren wurde im Jahre 2005 noch zu Preisen um 17.000 Euro gehandelt. Zur Wendezeit standen GAZ-13 Tschaika in Berlin Unter den Linden für 5.000 DM zum Verkauf. In den letzten zehn Jahren zogen die Preise rasant an. Inzwischen wird der Tschaika sogar erheblich höher gehandelt als das Vorbildfahrzeug Packard Patrician. Ein gutes Exemplar (Limousine) schlägt derzeit mit Sammlerwerten von 50.000 Euro und mehr zu Buche; Cabriolets sind schon für siebenstellige Euro-Beträge verkauft worden. Der Nachfolger GAZ-14 Tschaika liegt preislich mit seinem Vorläufer inzwischen gleichauf. Aufgrund der problematischen Ersatzteillage werden Tschaikas zwar gepflegt, aber sehr selten vollrestauriert.

Technische Daten Für das Grundmodell GAZ-13 als Limousine, Stand erste Hälfte 1970er-Jahre.Fahrzeugbauinstitut NIIAT: Kurzes Automobil-Handbuch (краткий автомобильный справочник). 1971. S. 59 ff.Автомобиль «Чайка». Руководство по эксплуатации. Bedienungsanleitung zum GAZ-13 Tschaika. S. 5 ff.

Motor: wassergekühlter Achtzylinder-Viertakt-Ottomotor (V8) mit 90° Zylinderbankwinkel Motortyp: „GAZ-13“ Leistung: 195 PS (143 kW) bei 4200 min−1 Hubraum: 5530 cm³ Bohrung: 100,0 mm Hub: 88,0 mm maximales Drehmoment: 402 Nm bei 2200 min−1, auch 416 Nm bei 2000–2500 min−1 angegeben Verdichtung: 8,5:1 Gemischaufbereitung: Vergaser, Typ K-114 Ventilsteuerung: hängende Ventile, zentrale Nockenwelle Zündfolge: 1–5–4–2–6–3–7–8 Anlasser: ST101, 1,4 PS (1 kW) Leistung Lichtmaschine: G101, 400 W Leistung, 32 A Bordspannung: 12 V Getriebe: Dreistufen-Automatik mit hydrodynamischem Drehmomentwandler, Druckknopfautomatik am Armaturenbrett Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h Treibstoffverbrauch: 14,0 l/100 km bei 40–50 km/h 15,0 l/100 km bei 50–60 km/h Tankinhalt: 80 l Benzin Beschleunigung 0…100 km/h: 20,0 s Bremse: hydraulisch betätigte Trommelbremsen vorne und hinten Lenkung: Schnecken-Rollen-Lenkung, servounterstützt Radaufhängung vorne: Dreiecklenker, Schraubenfedern, Stabilisator Radaufhängung hinten: Starrachse, halbelliptische Blattfedern Antriebsformel: 4×2 (Hinterradantrieb)

Abmessungen und Gewichte Länge: 5600 mm Breite: 2000 mm Höhe: 1620 mm Radstand: 3250 mm Spurweite vorne: 1540 mm Spurweite hinten: 1530 mm minimale Bodenfreiheit: 180 mm Wendekreis: 14,6 m Durchmesser, gemessen am Vorderrad Sitzplätze: 7 Leergewicht: 2100 kg Trockengewicht: 1950 kg Zuladung: 525 kg zulässiges Gesamtgewicht: 2625 kg Achslast vorne: 1305 kg Achslast hinten: 1320 kg Reifengröße: 8,20-15″

Literatur Die Kraftfahrzeugindustrie der UdSSR im Siebenjahrplan von 1959 bis 1965. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1959, S. 370–373. Uwe Miethe: Bildatlas des DDR-Straßenverkehrs. GeraMond Verlag, München 2008, ISBN 978-3-7654-7692-1. L. M. Schugurow: АВТОМОБИЛИ России и СССР. Zweiter Teil. Ilbi/Prostreks, Moskau 1994, ISBN 5-87483-006-5. Ministerium für automobilen Transport der RSFSR; Fahrzeugbauinstitut NIIAT: Kurzes Automobil-Handbuch (краткий автомобильный справочник). Verlag Transport, 6. Auflage, Moskau 1971. Ministerium für automobilen Transport der RSFSR; Fahrzeugbauinstitut NIIAT: Kurzes Automobil-Handbuch (краткий автомобильный справочник). Verlag Transport, 9. Auflage, Moskau 1982. Ministerium für automobilen Transport der RSFSR; Fahrzeugbauinstitut NIIAT: Kurzes Automobil-Handbuch (краткий автомобильный справочник). Verlag Transport, 10. Auflage, Moskau 1985. Автомобиль «Чайка». Руководство по эксплуатации. Bedienungsanleitung zum GAZ-13 Tschaika aus dem Gorkowski Awtomobilny Sawod. 16. Auflage, Gorki 1975.

Weblinks

Detailbilder zum Fahrzeug auf der Website der russischen Autozeitschrift «За рулем» (russisch)

Einzelnachweise

13 Kategorie:Limousine Kategorie:Cabriolet Kategorie:Kombi