Die Bördebahn ist eine eingleisige (früher zweigleisige), nicht elektrifizierte Nebenbahn (früher Hauptbahn) im Rheinland, die von Düren über Zülpich nach Euskirchen führt. Der Name leitet sich von der Zülpicher Börde ab. Bis zur Wiederaufnahme des täglichen Personenverkehrs am 15. Dezember 2019 hatte die Strecke zuletzt vor allem Bedeutung für den Güterverkehr. Die auf dieser Strecke unter der Bezeichnung Eifel-Bördebahn verkehrende Regionalbahn-Linie RB 28 bot bis Januar 2023 täglich mindestens sieben Fahrtenpaare. Die für Dezember 2022 vorgesehene Verbesserung des Angebots auf einen Stundentakt an allen Tagen der Woche wurde mit Wirkung ab 8. Januar 2023 umgesetzt.

Geschichte

Bau und Erstinbetriebnahme Die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft erhielt am 5. März 1856 die Konzession für Bau und Betrieb der Vollbahnstrecke Düren – Schleiden. Diese Strecke wurde von der Hüttenindustrie in der Eifel gefordert, um Erze absetzen und Steinkohle aus dem Inderevier und Wurmrevier heranschaffen zu können. Am 6. Oktober 1864 wurde die Bördebahn Düren – Euskirchen eingeweiht. Die Dampflokomotive Roer zog sieben Personenwagen von Euskirchen nach Düren.

1871 wurde der Abschnitt der Eifelstrecke von Euskirchen nach Kall eröffnet. Die weiter gebaute Eifelstrecke verlief dann aber am ursprünglich anvisierten Schleiden vorbei. 1875 wurde der Streckenabschnitt Kalscheuren – Euskirchen fertig gestellt. 1880 folgte die Inbetriebnahme der Strecke Euskirchen – Bonn parallel zur Verstaatlichung der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft durch das Königreich Preußen.

Das damalige Verkehrsaufkommen spiegelt sich in der Zahl der im Jahr 1905 verkauften Fahrkarten wider: Bubenheim 21.226 Karten, Vettweiß 37.883 Karten, Zülpich 60.532 Karten und Dürscheven 22.170 Karten.

Im Rahmen des Aufmarschplans West wurde bis 1913 auch die Bördebahn für die Ausladung der Truppe ertüchtigt. So wurde u. a. der Bahnhof Vettweiß auf acht Gleise erweitert und auch hier eine Laderampe zum Ausladen der Trainkolonnen und des schweren Gerätes gebaut. Für die Ausladung der fechtenden Truppe auf freier Strecke wurden die Ausladestellen mit Makadamstraßen an das Straßennetz angeschlossen. Beim Aufmarsch für den Vorstoß durch Belgien wurde das X. Reservekorps Mitte August 1914 im Raum Vettweiß – Zülpich ausgeladen.

In den 1920er-Jahren baute die französische Besatzung die Strecke zweigleisig aus, 1955 begann der Rückbau: Zwischen Bubenheim und Dürscheven wurde das zweite Gleis wieder entfernt. Damals verkehrten täglich nur noch je 18 Züge pro Richtung. 1964 kam die Idee auf, die Verbindung Düren – Euskirchen – Bonn zu elektrifizieren, um eine elektrisch befahrbare Umgehung des Großknotens Köln zu erhalten, dies wurde jedoch nie verwirklicht.

Streckenstilllegung Aus betriebswirtschaftlichen Gründen wurde die Verbindung Düren – Bonn Hbf zum 27. Mai 1979 in die Linien Düren – Euskirchen und Euskirchen – Bonn Hbf geteilt. Gleichzeitig wurde die Strecke Düren – Euskirchen in eine Nebenbahn umgewandelt und der Zugleitbetrieb eingeführt. Der fahrplanmäßige Reisezugverkehr der Deutschen Bundesbahn wurde am 27. Mai 1983 mit dem Nahverkehrszug 7844 Euskirchen – Düren eingestellt. Erstmals seit Jahren rollte am 6. Juli 1997 wieder ein Sonderreisezug von Düren nach Euskirchen. Doch 1998 wurde der Abschnitt Distelrath – Zülpich stillgelegt.

Reaktivierung Am 19. Dezember 2002 kaufte die Dürener Kreisbahn von der Deutschen Bahn die 310.000 Quadratmeter große Gleisanlage von Düren bis Zülpich zum Preis von rund 860.000 Euro.

Die Rurtalbahn GmbH ist seit ihrer Gründung 2003 der Betreiber des Streckenabschnitts zwischen Düren und dem Industriegleisanschluss der Firma Smurfit Kappa Zülpich Papier im Bahnhof Zülpich-Kappa. Mehrmals wöchentlich werden von Düren aus Kokszüge zur Firma Kappa gefahren.

Vorübergehend fand in der Folge Personenverkehr an Sonn- und Feiertagen in den Sommermonaten bis einschließlich Oktober statt. Es bestand hierbei eine Verbindung zwischen Düren und Euskirchen im Drei-Stunden-Takt mit modernen RegioSprintern der Rurtalbahn; geplant waren auch Fahrten in historischen Triebwagen. Zielsetzung der Sonntagsfahrten war nicht der Betrieb einer Museumsbahn, sondern die Reaktivierung für den SPNV. Diese Fahrten waren Sonderfahrten der IG Rurtalbahn und nicht in den AVV- oder VRS-Tarif eingegliedert, sie waren jedoch der Grundstein der heutigen Eifel-Bördebahn.

Der Streckenabschnitt Zülpich – Euskirchen stand weiterhin zum Verkauf. Die Streckenstilllegung stand nicht mehr zur Disposition, weil der Entlastungscharakter der Voreifelbahn und Bördebahn im Güterverkehr für die Strecke Bonn – Köln – Aachen erkannt und ein Trassensicherungsvertrag geschlossen wurde.

Im September 2006 erlebte die Strecke eine kurze Belebung. Mit einem Schulsonderzug ab Zülpich, der mit einer Fahrt über Düren bereitgestellt wurde, erfolgte ein Transport von annähernd 1000 Personen mit einem Zug von beachtlicher Länge. Von Gleis 2 des Bahnhofs Zülpich startete das ortsansässige Gymnasium zu einer Sonderfahrt Zülpich – St. Goar und zurück. Gezogen wurde der Zug von Diesellokomotiven der Baureihe 218 in Doppeltraktion.

mini|Logo Bördeexpress mini|Bördeexpress im Bahnhof Zülpich (2007)

Im Jahr 2007 fanden nach erneuter Stilllegungsankündigung von DB Netz für den Streckenabschnitt Zülpich – Euskirchen wieder Sonderfahrten auf der Gesamtstrecke statt. Der Arbeitskreis Bördebahn-IG Rurtalbahn konnte wie geplant alle touristischen Sonderfahrten durchführen. Erstmals seit über 20 Jahren verkehrte am 3. Oktober 2007 wieder ein durchgehender Zug der Relation Düren – Zülpich – Euskirchen – Bonn Hbf und zurück, der zwischen Euskirchen und Bonn Hbf als Durchlaufzug ohne Zwischenhalte verkehrte. Am 1. und 15. Dezember 2007 wurde die durchgehende Verbindung Euskirchen – Zülpich – Düren – Aachen Hbf angeboten.

Im Dezember 2007 erhielt die Gesamtstrecke die neue Kursbuchnummer 12474. Nach 2007 erfolgte der Eintrag im Kursbuch und die Wiedereinzeichnung der Strecke in der Streckenkarte zum Kursbuch. Im Juni 2008 gründete sich der Trägerverein Bürgerbahn. Mithilfe der Anliegerkommunen, des Landes Nordrhein-Westfalen, der Verkehrsbetriebe und der ehrenamtlichen Helfer erfolgt der Fahrbetrieb des Bördeexpress nach den Prinzipien eines Bürgerbusses (Bürgerbahn).

Für den 30. und 31. August 2008 konnte der Arbeitskreis Bördebahn-IG Rurtalbahn e. V. zusammen mit der Stadt Zülpich als Besteller eine Reaktivierung der Bahnstrecke für zwei Tage erreichen. An beiden Tagen fuhren Züge im Stundentakt nach Euskirchen und im Zwei-Stunden-Takt nach Düren – sonntags zweimal als Eilzug bis Aachen Hauptbahnhof. Im Rahmen der EuRegionale 2008 wurde so ein Vorzeigebetrieb für eine mögliche Reaktivierung zur Landesgartenschau 2014 ermöglicht.

Im Jahr 2010 verkehrten die Triebwagen des Bördeexpress (Typ RegioSprinter) alle 14 Tage, an Sonntagen im Vier-Stunden-Takt zwischen Düren und Euskirchen. Seit dem Fahrplanjahr 2011 wird an jedem Sonntag in den Sommersaison (Mai bis Oktober) gefahren, weiterhin im Vier-Stunden-Takt. Diese Fahrten konnten auch mit Tickets des AVV und des VRS genutzt werden. Fahrräder und Hunde wurden kostenlos befördert. Seit Dezember 2011 ist der Bördeexpress daher auch im VRS-Schienennetzplan aufgeführt.

Ein Gutachten aus dem Jahr 2011 kam zu dem Ergebnis, dass bei einem stündlichen Nahverkehrsangebot mit zwei Dieseltriebzügen und einer Herrichtung der Infrastruktur etwa 5.000 Fahrgäste täglich auf der Linie zu erwarten wären. 75 % der zu erwartenden Fahrgäste nutzen dabei bereits das bestehende Busangebot. Die einmaligen Investitionskosten für die Ertüchtigung der Infrastruktur wurden auf knapp 19 Millionen Euro geschätzt. Die jährlichen Betriebskosten wurden auf 4,3 Millionen Euro geschätzt, wovon fast 40 % aus den Fahrgelderlösen gedeckt würden. Trotz der hohen zu erwartenden Nachfragezahlen sah der Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR) zu der Zeit keinen finanziellen Spielraum, um die jährlichen Betriebskosten tragen zu können.

Der Haltepunkt Nemmenich wurde durch DB Station&Service im Mai 2012 stillgelegt und konnte danach nicht mehr vom Bördeexpress bedient werden. Dieser Haltepunkt wurde durch die Bürgervereine technisch erneuert und unter Betriebsführung der Stadt Zülpich im Juli 2013 wiedereröffnet.

mini|Zusätzliche Züge zur Landesgartenschau Zülpich 2014

Zur Landesgartenschau 2014 verkehrte der Eifel-Börde-Express zwischen Zülpich und Euskirchen an allen Sonn- und Feiertagen im Veranstaltungszeitraum vom 16. April bis 12. Oktober im Stundentakt. Das gegenüber den Vorjahren erweiterte Fahrplanangebot wurde von über 10.000 Fahrgästen genutzt.

Der Bördeexpress verkehrte seit Ostern 2015 bis zum Jahresende im Drei-Stunden-Takt zwischen Euskirchen und Düren. Die Fahrzeit betrug etwa eine Stunde. Anerkannt wurden NRW-, VRS- und Euregiotickets, sowie für den Abschnitt Düren – Vettweiß AVV-Tickets. Fahrräder wurden kostenlos befördert. Zum Einsatz kommen RegioSprinter in einer reinen Zweite-Klasse-Konfiguration. Bis 2015 gab es auch noch einen eigenen Haustarif.

Die Betreiber bemerkten, dass die Strecke auch sehr stark von regulären Fahrgästen in Anspruch genommen wurde. Dadurch, dass die Fahrten in die Fahrplanauskunftsysteme integriert und mit regulären Verbundtickets nutzbar waren, konnten z. B. Reisende aus Aachen in die Eifel den teureren Umweg über den stark ausgelasteten Knoten Köln vermeiden.

Startbetrieb Seit 13. Dezember 2015 wird die Linie als RB 28 Eifel-Bördebahn bezeichnet und ist ein offizieller, durch den Zweckverband go.Rheinland bestellter Verkehr. Er wich als erster großer Schritt zur Reaktivierung vom ursprünglichen mehr touristischen Konzept der Bürgervereine ab und wurde als Startbetrieb bezeichnet.

Im Jahr 2017 beschloss die Verbandsversammlung des Zweckverbandes NVR einstimmig neben anderen Projekten im Kreis Düren auch einen Zuschuss zum Ausbau der Bördebahn. Darin enthalten war eine Modernisierung der Stationen Binsfeld, Rommelsheim, Jakobwüllesheim und Vettweiß.

Zum Jahresbeginn 2018 stellten die ehrenamtlichen Helfer der IG Rurtalbahn ihre Unterstützung ein, weil Mitarbeiter der Rurtalbahn GmbH den Betrieb fortführten. Vom 16. November 2017 bis zum 16. Februar 2018 hatte DB Netz den Streckenabschnitt zwischen Euskirchen und Zülpich ohne die Bahnhöfe erneut zum Verkauf ausgeschrieben. Am 23. April 2018 kaufte die Beteiligungsgesellschaft des Kreises Düren den Streckenabschnitt Zülpich – Euskirchen zusammen mit dem nördlichen Bereich des Bahnhofs Düren. Zum Ersten des darauffolgenden Monats ging dieser Eisenbahninfrastrukturabschnitt in den Besitz der Rurtalbahn GmbH über.

Bereits im Startbetrieb waren Mittel für die Ertüchtigung der Bahnübergänge durch technische Sicherungen, erneuernden Gleisbau und die Ertüchtigung der Haltepunkte entlang der Strecke in Höhe von 4,9 Millionen Euro durch den NVR zugesagt. Im März 2018 gab der NVR bekannt, dass der geplante Termin für die anschließende Fahrplanausweitung im Vorlaufbetrieb zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018 nicht zu halten sei. Grund dafür sei, dass ein notwendiges elektronisches Stellwerk in Distelrath erst im Mai 2019 fertiggestellt werde und die Abstimmung mit DB Netz zur Einbindung in den Bahnhof Düren erforderlich sei. Außerdem war für die Betriebsstufe die technische Sicherung eines Bahnüberganges in Euskirchen-Elsig erforderlich, für deren Installation ein Planfeststellungsverfahren durchlaufen werden musste. Ein Planfeststellungsverfahren konnte nach der Einleitung des Stilllegungsverfahrens für den Abschnitt Zülpich – Euskirchen erst eingeleitet werden, wenn eine Betriebsgenehmigung vorlag.

Ein Regio-Shuttle der Rurtalbahn pendelte ganzjährig an Wochenenden und Feiertagen viermal auf der Strecke. Fahrkarten des VRS-Tarifs, des AVV-Tarifs sowie Tickets des NRW-Tarifs wurden anerkannt.

Vorlaufbetrieb