Die Schlacht um Łódź war eine Schlacht an der Ostfront (Erster Weltkrieg) vom 11. November bis zum 5. Dezember 1914 zwischen der 9. Armee (Deutsches Kaiserreich) unter August von Mackensen und der 2. und 5. Armee des Kaiserlich Russischen Armee um die Stadt Łódź im Weichselland.

Hintergrund Trotz der in der Schlacht bei Tannenberg gescheiterten Offensive zu Beginn des Krieges gegen Ostpreußen im August 1914 war die Entschlossenheit des russischen Großen Generalstabs ungebrochen, den Krieg auf deutsches Territorium zu tragen. Nach der gewonnenen Schlacht an der Weichsel rückten fünf Armeen der russischen Nordwest- und Südwestfront in südwestlicher Richtung vor und bedrohten Oberschlesien und Krakau.

Für den Stoß gegen Oberschlesien konzentrierte Nikolaj Nikolajewitsch, der Oberbefehlshaber der Stawka, die 2. Armee unter General Sergei Scheideman im Raum Warschau und die 5. Armee unter Pawel Plehwe südlich davon. Die russische Nordwest-Front unter Oberbefehl des Generals Nikolai Russki, welchem beide Armeen unterstellt waren, befahl bereits während der Schlacht an der Weichsel Ende Oktober erneut acht Korps nach Westen vorgehen zu lassen.

Der deutsche Stabschef an der Ostfront, Erich Ludendorff, wollte die russische Offensive noch in ihrer Aufbauphase stören und dann auf das Nachschubzentrum beider Armeen, die Stadt Łódź, vorstoßen. Sein strategisches Ziel war es, den russischen Aufmarsch im rechten Flügel und Rücken zu fassen und wenn möglich aufzurollen, um so einen Vormarsch auf deutsches Gebiet abzuwenden. Im Raum südwestlich von Thorn sammelte sich für diesen Gegenschlag die deutsche 9. Armee unter dem Oberbefehl des Generals der Kavallerie August von Mackensen, die zuvor die linke Flanke der österreich-ungarischen Heeresfront gedeckt hatte und Anfang November unbemerkt von den Russen 200 Kilometer nach Norden verlegt worden war. Für den Schutz Schlesiens blieb lediglich die Armeeabteilung Woyrsch zurück. Zusätzlich wurden der 9. Armee zwei Korps der Ostpreußen verteidigenden 8. Armee zugeführt.

Aufmarsch

Die 9. Armee legte bei ihrem Aufmarsch den Schwerpunkt auf die Mitte und auf den linken Flügel, rechts deckten nur Kavalleriedivisionen und Landsturmtruppen des Korps Posen den Aufmarsch. Der linke Angriffsflügel der 9. Armee setzte von der nördlichen Weichselfront im Raum beiderseits Thorn ausgehend, drei Korps zur großräumigen Umfassung der russischen Kräfte im Raum Łódź an:

Links außen rückte das XXV. Reserve-Korps (General Reinhard von Scheffer-Boyadel) mit der 49. und 50. Reserve-Division nach Włocławek vor. Am gegenüberliegenden Flussufer deckte die 21. Landsturm-Brigade unter Generalmajor Wrochem gegenüber dem im Raum Plock konzentrierten russischen VI. Armeekorps. Davor klärte das Höhere Kavalleriekommando 1 unter General von Richthofen mit der 6. und 9. Kavallerie-Division auf. Parallel davon marschierte das I. Reserve-Korps (General Kurt von Morgen) mit der 36. Reserve-Division vorne und der 1. Reserve-Division dahinter. Nach rechts anschließend folgte das XX. Armee-Korps (General Friedrich von Scholtz) mit der 37. und 41. Division, dahinter folgte die 3. Garde-Division zum Nachstoßen.

Das Zentrum der 9. Armee – rückte gleichzeitig mit zwei Korps in Richtung auf Kutno gegen die Nord- und Nordostfront von Łódź vor. Vom westlichen Warthe-Abschnitt aufbrechend sollte zwei Korps frontal über die Bzura vorgehend auf das nördliche und westliche Vorfeld von Łódź einschwenken: Das XVII. Armee-Korps (General Günther von Pannewitz) mit der 35. und 36. Division auf Klodawa. Das XI. Armee-Korps (General Otto von Plüskow) mit der 22. und 38. Division gegenüber dem russischen XXIII. Armeekorps über Kolo auf Chełmno.Reichsarchiv: Band VI – Der Herbstfeldzug 1914, Berlin 1929, Seite 63–69, Lagekarte Nr. 9

Am rechten Flügel der 9. Armee begleiteten das selbständig operierende Höhere Kavalleriekommando 3 unter General Frommel mit der k.u.k. 7. und 5. Kavallerie-Division den Vorstoß gegenüber dem Südflügel der russischen 5. Armee (Plehwe). Das k.u.k. Kavalleriekorps Hauer hielt weiter südlich den Anschluss an die Front der im Raum Bełchatów aufmarschierenden k.u.k. 2. Armee.

Bei den Russen hatte sich der rechte Flügel der 2. Armee (General Scheideman) etwa 90 Kilometer von der Weichsel in südwestlicher Richtung vorgeschoben. Die 2. und die 5. Armee standen am 10. November an der Linie Uniejow ostwärts der Warthe bis nach Nowo-Radomsk. Die 1. Armee zählte 123.000 Mann mit 440 Geschützen, die 2. Armee – 158.000 Mann mit 540 Geschützen und die 5. Armee verfügte über 85.000 Mann mit 320 Geschützen. Die Kavalleriekorps der Generale Charpentier und Nowikow, die vor der Front der russischen 5. Armee aufklärten, waren vor Kalisch auf das k.u.k. Kavalleriekorps Korda gestoßen. Nordöstlich von Warschau war die russische 1. Armee (General Rennenkampff) mit zwei Korps (1. turkestanisches Korps, VI. Armeekorps) rechts der Weichsel über Mława vorgegangen, ein weiteres Korps, das 5. Sibirische, stand als Flankenschutz auf dem linken Weichsel-Ufer gegen Włocławek, das 6. Sibirische Korps war am anderen Flussufer bei Plock konzentriert.

Verlauf Deutscher Durchbruch mini|August von Mackensen Am 11. November 1914 starteten die Truppen Mackensens ihre Offensive. General Ludendorff hatte seinen Hauptangriff gegen den Abschnitt des V. sibirischen Korps (General Sidorin) – Teil der 1. Armee unter General von Rennenkampff – angesetzt, dabei sollten das I. und XXV. Reservekorps aus der Linie Thorn-Hohensalza auf Wieniec-Włocławek vorgehen, das XX. Armee-Korps um den Goplosee herum nach Osten auf Lubraniec. Den deutschen Kräften gelang es, die Infanterie des feindlichen Korps fast vollständig aufzureiben, die ihm zugeordnete Artillerie zog sich zurück. Bei der Erstürmung von Włocławek am 12. November wurde die Vorhut des XXV. Reserve-Korps in schwere Kämpfe verwickelt, dabei fiel der Führer der 49. Reserve-Division, General Alfred von Briesen.

Bis zum 13. November hatte die russische Führung den Aufmarsch der 9. Armee nach den auf deutscher Seite vorliegenden Aufklärungsergebnissen noch nicht erkannt, sie befahl der 2. und 5. Armee der Nordwestfront den Vormarsch Richtung Südwesten. Die russische 1. Armee sollte zurückgestaffelt die rechte Flanke dieses Vormarschs decken. General Mackensen entschloss sich daher, aus der Linie Koło–Lubień weiter in südlicher Richtung auf Łęczyca vorzugehen und in die Lücke zwischen der 2. und 1. Armee einzudringen. Es gelang der deutschen 9. Armee am 16. November, die Bzura zu überschreiten und die Russen bis zum 17. November auf eine Entfernung von 50 Kilometer zu ihrem Versorgungszentrum Łódź zurückzudrängen. General Russki schätzte die Situation an der Front vollkommen falsch ein. Er meinte, das beste Mittel, den deutschen Angriff abzuschlagen, sei der schnellstmögliche Gegenangriff der 5. und 2. Armee in Richtung Norden. Diese sollten nach Norden Front machen und im Zusammenwirken mit der 1. Armee die deutsche Kräftegruppierung zerschlagen, während die Armeen der Südwestfront weiter gegen Tschenstochau vorrücken sollten. Weder die 5. noch die 1. Armee waren aber in der Lage, rechtzeitig die ihnen zugewiesenen Räume zu besetzen.

Die am Südflügel von Łódź stehende 5. Armee unter General Plehwe verstärkte schließlich die Südfront von Łódź. Die Russen erreichten die Stadt noch vor den heranrückenden Deutschen und bauten eine starke Verteidigungslinie auf. Somit trafen die Truppen Mackensens nicht auf eine desorganisierte einzelne Armee, sondern auf sechs feindliche Korps. Die russische Heeresleitung hatte um Łódź das 4., 19. und 23. Armeekorps, das 1. und 2. sibirische Armeekorps und das Kavalleriekorps Nowikow mit fast 250.000 Mann konzentriert und war entschlossen, die bedrohte Stadt energisch zu verteidigen.

Russische Konsolidierung mini|Schlacht um Łódź in einer russischen Darstellung

Im Südwesten von Łódź erschienen am 19. November die ersten beiden kampfbereiten Korps der russischen 5. Armee und zwangen den rechten, westlich Łódź kämpfenden deutschen Flügel (XI. Armeekorps/Gruppe Plüskow) zum Zurückgehen über den Ner. Im Osten der Stadt gelang es hingegen dem XXV. Reserve-Korps (Scheffer-Boyadel) mit der 49. und 50. Reserve-Division sowie der 3. Garde-Division, bis südlich der Stadt bei Rzgów durchzubrechen. Zwar war Łódź somit am 20. November von drei Seiten umfasst, eine Kapitulationsneigung war bei den darin befindlichen Truppen der 2. Armee aber nicht zu erkennen. Von Nordosten ging ab 20. November die russische 1. Armee (General Rennenkampff) gegen Rücken und Flanke der nördlich Łódź kämpfenden deutschen Truppen vor. Das bei Płock zur Deckung des Rückens der 9. Armee zurückgelassene deutsche I. Reserve-Korps hatte die feindlichen Truppen bei Łowicz nicht aufhalten können. Das XVII. und XX. Armeekorps hatten nun nordöstlich Łódź plötzlich drei neue russische Korps hinter sich. Das XX. Armee-Korps (Scholtz) musste an der Moszczenica bei Stryków wieder Front nach Norden machen und den russischen Gegenangriffen standhalten. Zudem musste mit dem Einsatz russischer Reserven von Petrikau im Süden von Łódź gerechnet werden. Damit war die Umfassungsoperation gegen Łódź gescheitert, was am Nachmittag des 22. November im Befehl an die Gruppe Scheffer zum Rückmarsch zum Ausdruck kam.

Abschneidung der Gruppe Scheffer Das russische IV. Armeekorps konnte das deutsche XX. Armee-Korps bei Stryków nach Norden zurückwerfen und sich dadurch zwischen diesem und dem nach Süden durchgebrochenen XXV. Reserve-Korps schieben. Die Verbindung des nach Süden drängenden XXV. Reserve-Korps mit dem XX. Armee-Korps war verloren gegangen. Von Osten her aus Łowicz und Skierniewice drangen die westlich Warschau gesammelten Truppenteile der russischen 1. Armee nach Brzeziny vor. Drei deutsche Infanterie- und zwei Kavallerie-Divisionen der Gruppe Scheffer wurden kurzzeitig abgeschnitten und mussten sich durch die russischen Linien zurückkämpfen. Um nicht selbst mit seinem Korps in Gefangenschaft zu fallen, gab General von Scheffer am 22. November den Befehl zum sofortigen Ausbruch. Die Truppen der 3. Garde-Division unter General Karl Litzmann erkämpften sich am 23. und 24. November unter hohen Verlusten über Brzeziny den Rückzug nach Norden. Südlich von Chrusty Stare sicherte gegenüber dem russischen Kavalleriekorps Nowikow das Kavalleriekorps Richthofen mit der 6. und 9. Kavallerie-Division. Das XX. Armeekorps versuchte dabei die verlorene alte Stellung bei Nowosolna wieder zu gewinnen und in Richtung Südosten den Truppen des Generals Litzmann nach Glowno entgegen zu stoßen. Der erfolgreiche Ausgang verdankte man allerdings nicht nur der eigenen Leistung, sondern auch der Ineffizienz der russischen Führung, welche es nicht gelang die zahlenmäßig unterlegenen deutschen Truppen einzukreisen und zu vernichten. General Plehwe befürchtete bis zuletzt die Umgehung der Stellungen seiner Armee im Süden von Łódź durch die deutschen Truppen. Als Verstärkung hatte er die russische 10. Division des V. Armeekorps von Petrikau nach Norden und die 1. Division des I. sibirischen Korps von Lutomjersk auf Rschgow zum gefährdeten Abschnitt angeordnet. An der der Bzura-Front stand das russische VI. Armeekorps vor Lowicz, nördlich davon schlossen bis zur Weichsel das V. und VI. Sibirische Korps auf.

Im Laufe des 26. November gelang es der deutschen Führung, die seit mehreren Tagen bestehende Frontlücke zwischen dem XX. Armee-Korps und I. Reserve-Korps zu schließen. Der über Strykow auf Sierznia vorgegangene linken Flügel des XX. Armeekorps hatte damit die Verbindung mit der 3. Garde-Division wieder hergestellt.

Verstärkung der deutschen 9. Armee mini|hochkant|Lage im Raum Łowicz nach Ankunft der Gruppe Fabeck (XIII. A.K.), Anfang Dezember 1914