Trautmann ist eine im Auftrag des ORF von der MR Film zwischen 2000 und 2008 hergestellte Kriminal-Fernsehreihe. Das Drehbuch für die jeweils 90 Minuten dauernden Folgen schrieb Ernst Hinterberger; die Regie führte im Pilotfilm Harald Sicheritz, in allen weiteren Folgen Thomas Roth.

Hintergrund Die Figur des Trautmann ging ursprünglich aus der Rolle des Wiener Polizisten Trautmann in der Fernsehserie Kaisermühlen-Blues hervor. Als diese Serie 1999 nach sieben Jahren endete, wurde als Spin-off die eigenständige Reihe Trautmann weitergeführt.

Nach der Trennung von Gitti Schimek lässt sich Trautmann 1995 in den 2. Wiener Gemeindebezirk, die Leopoldstadt, versetzen, wo er als dienstführender Beamter (Abteilungsinspektor) der Gruppe 4 zugeteilt wird. In den Folgen löst Trautmann zum großen Teil Mordfälle im Bezirk, die teilweise im Milieu der Wiener Halb- und Unterwelt angesiedelt sind.

Wiederkehrende Orte sind das Karmeliterviertel mit dem Karmelitermarkt. Dort befindet sich das (fiktive) Marktcafé sowie mehrere Geschäfte wie der Pferdefleischhauer, das Geflügelgeschäft und Imbiss der Grünsteidls. Weitere Schauplätze sind u. a. die Dienststelle in der Leopoldsgasse des Polizeikommissariats Brigittenau 2 (ugs. Koat 2 – Kommissariat 2), der Prater oder der (fiktive) Nachtklub „Miranda-Bar“. Trautmann hat seine Wohnung ebenfalls in der Leopoldstadt, in der Stuwerstraße 30 (Folge 6).

Figuren Die Polizei Trautmann lässt sich in der Serie mit Du und seinem Nachnamen ansprechen, da ihm sein Vorname Polycarp peinlich ist. Dass ihm die Dienstvorschriften bei dringendem Handlungsbedarf oder wenn Menschlichkeit im Vordergrund steht, weniger wichtig sind, wird gleich in der ersten Folge deutlich: Trautmann schiebt einem russischen Gangster einen Mord in die Schuhe. Der wahre Täter, ein Ungar, hatte seine ermordete Tochter gerächt. Trautmann raucht häufig selbstgedrehte Zigaretten und kehrt im „Marktcafé“ ein, wo er „kleine Schwarze“ und Cognac zu sich nimmt. Des Weiteren hat Trautmann Kontakte zur Unterwelt, von Führungsfiguren im Rotlichtmilieu bis zu Prostituierten. Sie vertrauen ihm und fungieren dadurch immer wieder als Tippgeber. Monika „Moni“ Tränkler (Monica Weinzettl) ist Trautmanns toughe Kollegin in der Gruppe 4 des Kommissariats 2. Sie ist kombinationsstark, sportlich und fährt gerne Motorrad. Karl-Heinz „Burschi“ Dolezal (Simon Schwarz) gehört ebenfalls zur Gruppe 4. Er ist sehr aufbrausend und muss sich immer aufspielen. „Burschi“ rutscht leicht ins Vulgäre ab und kritisiert auch öfters Trautmann, allerdings eher aus Eifersucht. „Burschi“ möchte gerne bei Moni landen, doch diese lässt ihn immer wieder abblitzen. Außerdem ist er für die Informatikarbeit des „Koat 2“ zuständig. Oberst Brandner (Wolfram Berger) ist der Leiter der Gruppe 4 und der Vorgesetzte der Protagonisten. Obwohl er nicht immer mit den Ermittlungsmethoden von Trautmann einverstanden ist, trotz offener Kritik schützt er ihn immer wieder vor disziplinären Folgen und deckt ihn gegenüber den Vorgesetzten. Er weiß genau, dass das unkonventionelle Vorgehen von Trautmann letztendlich zum Erfolg führt. Der Gerichtsmediziner (Karl Ferdinand Kratzl) vervollständigt das Ermittlerpersonal der Serie.

Die Leute vom Markt der Sandler Rudi (Johannes Silberschneider), ist einer der wichtigsten Tippgeber von Trautmann. Rudi verbringt den größten Teil seines Tages im Marktviertel und kommt so in Kenntnis vieler Gerüchte und Tatsachen. Damit hilft er Trautmann immer wieder bei seinen Fällen weiter, da er oft ein dafür wichtiges Detail aufgeschnappt oder beobachtet hat. Als Bezahlung lässt er sich gerne im Marktcafé auf einen Cognac einladen. Hilde „Puppi“ Grünsteidl (Beatrice Frey), ist die Ehefrau von Ferdinand „Ferdl“ Grünsteidl und Inhaberin eines Geflügelgeschäfts mit Imbiss am Karmelitermarkt. Sie hat das Geld in die Ehe mitgebracht. Sie ist bereits lange hinter die Amourösen Abenteuer ihres Ehemanns gekommen (seien es Seitensprünge oder Besuche bei Prostituierten in der Miranda-Bar). Aufgrund der Taktik ihres Mannes, sie immer wieder erneut um den Finger zu wickeln, verzeiht sie ihm, alleine, um das Gesicht für ihr Image als Geschäftsfrau zu wahren. „Fini“ Gasser (Brigitte Kren) arbeitet beim Pferdefleischhauer am Karmelitermarkt, wo sich Trautmann öfter mit Leberkäsesemmeln versorgt. „Hansi“ Horak und „Mariedl“ Blauensteiner (Viktoria Schubert, Margarethe Tiesel) sind das Personal im Marktcafé und stehen Trautmann immer wieder zumindest moralisch zur Seite und haben ein offenes Ohr für seine Sorgen. Oft überziehen sie auch ihm zuliebe die Sperrstunden. „Franzi“ (Karl Künstler), ein ewig nörgelnder arbeitsscheuer, aber immer in Arbeitsmontur herumhängender, Stammgast rundet das Marktcafé ab.

Die Antagonisten Ferdinand „Ferdl“ Grünsteidl (Erwin Steinhauer) ist Nationalratsabgeordneter (dessen Partei anfangs nie genannt wird), Weiberheld und Trautmanns schlimmster Feind. Seine Frau Hilde führt ein Geflügelgeschäft am Karmelitermarkt. Grünsteidl schafft es immer wieder zwielichtige Geschäfte einzufädeln, um sich daran zu bereichern. Diese gehen stets nach hinten los und bringen sowohl Unterweltgrößen, Industrielle als auch die Partei um ihr Geld. Trotz alledem wird Grünsteidl immer wieder von der Partei unterstützt und aufgefangen, bis er sich nach einem weiteren Coup letztendlich in die Karibik absetzen muss, um unterzutauchen und seinen Tod vortäuscht (71 Tage). Er versucht mehrmals, Trautmann zu diskreditieren, was ihm aber nie vollends gelingt. Erst in der letzten Folge stellt sich heraus, dass Grünsteidl Mitglied einer rechtspopulistischen Partei mit blauer Parteifarbe ist („Die Hanno-Herz-Story“). Wilhelm „Willi“ Brenner (Franz Josef Csencsits) ist Trautmanns erklärte Nemesis. Der charismatisch-psychopathische Kriminelle ist hauptsächlich in Drogengeschäfte verwickelt. Im Laufe der Sendereihe stellt sich (in Rückblenden) heraus, dass er die Schuld am frühen Drogentod von Trautmanns Tochter trägt. Obwohl eine tiefe Abneigung von Seitens Trautmann besteht, unternimmt dieser nichts Illegales, um Brenner zu beseitigen, denn er möchte ihn der Justiz zuführen, um zu erleben, wie Brenner den Frack bekommt.

Die Unterwelt Ignaz „Nazl-Onkel“ Wessely (Heinz Petters) spielt in fast jeder Folge eine gewichtige Rolle. Er ist ein Wiener-Unterweltboss der alten Schule. Er besitzt unter anderem die „Miranda-Bar“, einige Zinshäuser im Bezirk und sammelt altes Spielzeug (Folge 6). Den Kriminellen, in ständiger Begleitung seiner „Bugl“, verbindet eine Art Freundschaft mit Trautmann, die von gegenseitigem Respekt zeugt. Dadurch unterstützt er Trautmann auch immer wieder. Sein persönlicher Feind ist Ferdinand Grünsteidl, der Wessely mehrfach bei zwielichtigen Geschäften übers Ohr haut bzw. um sein Geld bringt. Kurt „King-Kong“ Brösler (Ernst Konarek) ist Zuhälter und Geschäftsführer der „Miranda-Bar“, des Unterweltboss Wessely, dessen getreuere Gefolgsmann er ist. Auch er sieht Trautmann nicht als Feind und wird dadurch immer wieder zum Tippgeber.

Produktionsnotizen Die Serie sollte ab 2002 in der Gemeinschaftsproduktion Tatort den bisherigen Ermittler Chefinspektor Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) ersetzen. Doch kurz vor der Ausstrahlung wurde diese Produktion von der ARD abgelehnt, weil der starke Wiener Dialekt von vielen deutschen Zuschauern nicht einwandfrei verstanden werden konnte.Produktionsnotizen auf Moviepilot.de, abgerufen am 25. August 2014. Trautmann wird deshalb nur im Österreichischen Rundfunk und im Gemeinschaftssender 3sat gesendet. Ab 1. Januar 2009 folgte die Ausstrahlung auf RTL Crime.

2002 hatte Wolfgang Böck als Trautmann einen Gastauftritt in der Kinderkrimiserie Tom Turbo.

Folgen Folge Titel Erstausstrahlung ORF Drehbuch Regie 1 Wer heikel ist, bleibt übrig 21. Dezember 2000 Ernst Hinterberger Harald Sicheritz 2 Nichts ist so fein gesponnen 28. Oktober 2001 Ernst Hinterberger Thomas Roth 3 Das letzte Hemd hat keine Taschen, Folge wird auf der Seite von MR-Film als „Im Prater blüh'n nicht nur die Bäume“ bezeichnet. 13. Oktober 2002 Ernst Hinterberger Thomas Roth 4 Lebenslänglich 25. Mai 2003 Thomas Roth, Ernst Hinterberger Thomas Roth 5 Das Spiel ist aus 1. August 2004 Thomas Roth, Ernst Hinterberger Thomas Roth 6 Alles beim Alten 12. September 2004 Thomas Roth, Ernst Hinterberger Thomas Roth 7 Schwergewicht 21. November 2004 Thomas Roth, Ernst Hinterberger Thomas Roth 8 71 Tage 12. Dezember 2004 Thomas Roth, Ernst Hinterberger Thomas Roth 9 Bumerang 14. November 2006 Ernst Hinterberger, Thomas Roth Thomas Roth 10 Die Hanno-Herz-Story 2. November 2008 Thomas Roth, Ernst Hinterberger Thomas Roth Folgeninhalt

Am Lusthauswasser wird eine Tote gefunden. Ein Budapester Kollege meldet sich bei Trautmann. Die Beschreibung der Leiche passt auf ein in Ungarn abgängiges Mädchen, Aranca Todt. Trautmann fährt nach Ungarn, um sich mit der Familie von Aranca zu unterhalten, Burschi und Moni befragen einstweilen Todts Vater, der auf einem Schiff arbeitet. Während Trautmann und sein Kollege in Richtung Mädchenhandel ermitteln, erzählt Arancas Vater, dass seine Tochter in Dortmund studiert habe. In einer Diskothek befragt Trautmann junge Mädchen, die aussagen, dass ein gewisser „Simba“ Aranca als Model angeworben habe.

Im Marktcafé am Wiener Karmelitermarkt gibt Sandler Rudi Trautmann und Moni den Tipp, dass es sich bei Simba um einen gewissen Leo Pospischil (Thomas Morris) handeln könnte. Pospischil, Sohn einer Prostituierten (Maresa Hörbiger), soll im Milieu arbeiten und einst schwer kokainabhängig gewesen sein. Trautmann fragt in der Miranda-Bar, einem Nachtlokal, bei „King-Kong“ Brösel nach: Dieser steckt ihm, dass Pospischil für russische Mädchenschlepper Aufträge erledigt.

‚Die Russen‘ bitten zwischenzeitlich Nationalrat Ferdinand „Ferdl“ Grünsteidl um Hilfe, er soll Trautmanns Ermittlungen stoppen. Moni und Trautmann finden Pospischil schließlich erschossen in seiner Wohnung und suchen nun auch dessen Mörder.

Leos Mutter „Mizzi“ meint, einer der Russen sei ein gewisser Belzin. Bei einer Personenkontrolle in der Miranda-Bar wird die Prostituierte Ilonka festgenommen, sie kennt Aranca und erzählt von ihrer Verschleppung nach Österreich.

Moni glaubt außerdem, dass Arancas Vater sich an Simba Pospischil gerächt und ihn somit getötet hat. Ihr Verdacht bestätigt sich: Moni und „Burschi“ haben Todt durch ihre eigene Ermittlungsarbeit zu Pospischil geführt.

Trautmann trifft weitere verschleppte Mädchen und erfährt, dass Pospischil und Aranca liiert waren. Trautmann und Burschi stellen Janos Todt schließlich, aber der Abteilungsinspektor will der Gerechtigkeit Genüge tun und den Mädchenhändler Belzin als Mörder von Aranca und Pospischil darstellen.

Das russische Verbrechersyndikat weigert sich dem in U-Haft sitzenden Anatoli Belzin zu helfen. Aus Rache möchte Belzin gegen seine Freunde aussagen und wird von diesen vergiftet.

Bei einer Übungsobduktion entdeckt der Gerichtsmediziner (Karl Ferdinand Kratzl), dass der Tote ermordet worden ist. Es handelt sich um Herrn Rudolf Doppler, einen wohlhabenden Schlossereiunternehmer, bei dem zunächst ein Gehirnschlag diagnostiziert worden war. Der Unternehmer ist mit einem spitzen Gegenstand in den Kopf gestochen worden, die Stichwunde konnte durch sein dichtes Haupthaar zunächst nicht erkannt werden.

Seine Witwe (Michou Friesz) ist aufgrund der Schockwirkung dieses Todesfalles in eine Klinik gebracht worden. Irene Doppler gab zum Mordzeitpunkt eine Grillparty, wo auch Herr und Frau Grünsteidl anwesend waren.

Die Buchhalterin des Schlossereiunternehmens, Frau Sageder, war Dopplers Geliebte. Auch Sektionschef Antonitsch (Peter Matić) und der Sinologe Dr. Felix Dechant, Irenes Bruder (Joachim Bissmeier), werden nun verdächtigt.

Trautmann entdeckt, dass Doppler, Grünsteidl und auch Brösler illegale Geschäfte durchgeführt haben.