Die BHP Group (kurz BHP, bis 2018 BHP Billiton) ist ein börsennotiertes Rohstoff- und Bergbauunternehmen mit Sitz in Melbourne. Das Unternehmen konzentriert sich auf den Abbau von Industriemetallen, vor allem Eisenerz und Kupfer, und die Förderung von Erdöl, Erdgas und Kohle. BHP ist der größte Industriekonzern Australiens und zusammen mit der Rio Tinto Group und der Vale S.A. einer der drei weltgrößten Eisenerzproduzenten. Im Geschäftsjahr 2021 (1. Juli 2020 bis 30. Juni 2021) betrug der Umsatz 60,8 Milliarden US-Dollar. Der Chief Executive Officer ist Mike Henry, der Chairman ist Ken MacKenzie.

Geschichte 1851 bis 2001: Geschichte von Billiton mini|Zinnabbau durch chinesische Arbeiter in einer Mine auf Bangka (1930). Der Ursprung von Billiton hängt mit der Erschließung eines ausgedehnten Zinngebiets zusammen, welches sich über die malaiische Halbinsel und die Inseln östlich vor Sumatra erstreckt.Geoffrey Blainey: A brief history of BHP Billiton (PDF, englisch). In: Journal of Australasian Mining History. Bd. 8, September 2010. Bereits seit Anfang des 18. Jahrhunderts wurden von der V.O.C. auf der Insel Bangka die reichhaltigen und leicht zu gewinnenden Zinnvorkommen abgebaut.Billiton Mij., Tandjong Pandang, 1926 (niederländisch). In: Koloniale Monumenten (Online). Abgerufen am 4. April 2022. Zitiert nach: Indische Courant, 26. Juni 1926, und Sumatra Post, 5. Juli 1926. Im 19. Jahrhundert löste diese Region der Welt das englische Cornwall als weltgrößten Zinnproduzenten ab. Die Insel Belitung (Billiton) wurde aber lange Zeit außer Acht gelassen. Mit der Unterstützung von anderen holländischen Adeligen ergriffen daher Vincent Gildemeester Baron van Tuyll van Serooskerken und John Francis Loudon die Initiative und führten 1851 eine Expedition nach Belitung an, um die Insel nach Zinnvorkommen zu untersuchen. Sie erreichten die Insel am 27. Juni 1851 und wurden recht schnell nach zinnhaltigen Sedimenten fündig. Am 29. September 1860 wurde die Aktiengesellschaft NV Billiton Maatschappij mit der Unterzeichnung des Gesellschaftsvertrages auf der Aktionärsversammlung im Hotel „Groot Keizershof“ in Den Haag gegründet.Billiton on the Map, History of BHP (Video, englisch). YouTube. 15. Juni 2015, abgerufen am 4. April 2022.Website von BHP: Our history (englisch). Abgerufen am 4. April 2022. Zwei Monate später erwarb das Unternehmen Schürfrechte auf Belitung und Bangka.

Die Zinnfelder, die von chinesischen Arbeitern abgebaut wurden, waren sehr profitabel. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg beschäftigte das Unternehmen etwa 7500 Arbeiter in 80 Minen. In den 1930er und 1940er Jahren expandierte das Unternehmen in den Bauxitbergbau. Die Bauxitminen befanden sich auf Bintan, in Surinam und in Französisch-Guyana. 1958 übernahm der indonesische Staat die Minen auf Belitung und beendete damit das Engagement von Billiton auf seiner namensgebenden Insel.

1970 wurde Billiton, das mittlerweile ein Bauxit- und Aluminiumunternehmen war, von Royal Dutch Shell für 123 Millionen US-Dollar gekauft und in Billiton International umbenannt. Später beschloss Royal Dutch Shell, sich wieder auf das Ölgeschäft zu konzentrieren und sich aus dem allgemeinen Bergbau zurückzuziehen, und verkaufte 1994 den Großteil der Billiton-Assets an das südafrikanische Bergbauunternehmen Gencor. Im Zuge einer Umstrukturierung wurden 1997 die Aluminium-, Kohle-, Kupfer- und Nickel-Assets von Gencor in das neue Unternehmen Billiton plc ausgegliedert, dessen Aktien an der London Stock Exchange platziert wurden.

1883 bis 2001: Geschichte von BHP mini|Charles Rasp (um 1890). Die Gründung von BHP geht auf den Deutsch-Australier Charles Rasp zurück. Als boundary rider auf einer Schafstation im äußersten Westen von New South Wales war er mit der Überwachung der Grundstücksgrenzen und des Schafbestandes beschäftigt. Rasp, der sich mit Mineralien auskannte, fand dort 1883 Blei-Silber-Gestein und erkannte das bergbauliche Potential der Region. Er und andere Männer bildeten ein Syndikat, das das Land für Bergbauzwecke pachtete und The Broken Hill Proprietary Company Limited (kurz BHP) gründete.Geschäftsbericht 2021, S. 293. („BHP Group Limited (formerly BHP Billiton Limited, then BHP Limited and, before that, The Broken Hill Proprietary Company Limited) was incorporated in 1885 and is registered in Australia with ABN 49 004 028 077.“) Das neue Unternehmen mit Sitz in Melbourne ging 1885 an die Börse. Da die Vorstände als Wollproduzenten keine Erfahrung mit dem Bergbau hatten, warben sie führende Bergbauingenieure aus Übersee an.

In der Folgezeit entwickelte sich Broken Hill zu einem Zentrum des Silber-, Blei- und Zinkbergbaus mit BHP als Hauptunternehmen. Die Trennung von Zink und wertlosem Material gelang jedoch mit herkömmlichen Aufbereitungsmethoden nur unzureichend. Der Erfolg stellte sich 1902 ein, als BHP und andere Bergbauunternehmen in Broken Hill Pionierarbeit bei der Aufbereitung mittels Schaumflotation leisteten. In den 1910er Jahren begann das Unternehmen mit der Förderung von Eisenerz bei Whyalla und Steinkohle bei Newcastle. 1915 eröffnete die Firma ein Stahlwerk im Hafen von Newcastle und begann mit der Stahlverarbeitung.

1934 kehrte der Geschäftsführer von BHP, Essington Lewis, von einer Japanreise nach Australien zurück. Überzeugt, dass das Land sich auf einen Krieg vorbereitet, wurde auf sein Betreiben hin beschlossen, dass BHP Kampfflugzeuge bauen und an die Regierung verkaufen sollte. Ein Syndikat aus BHP und anderen australischen Unternehmen gründete die Commonwealth Aircraft Corporation. Im März 1939 wurde in Port Melbourne das erste in Australien hergestellte Flugzeug, die CAC Wirraway, geflogen. Im Zweiten Weltkrieg beruhte auch der Großteil der australischen Kriegsanstrengungen in den Bereichen Munition und Verteidigungsausrüstung auf BHP.

Nach 1960 diversifizierte BHP in verschiedene Bergbauprojekte. Die Firma begann in Kooperation mit Esso mit der Suche nach Erdöl und wurde 1964/65 in der Bass-Straße (Meerenge zwischen Tasmanien und Australien) fündig. Das Erdöl nahm im Laufe der Zeit einen immer größeren Stellenwert im Konzern ein. Im selben Jahrzehnt folgte die Erschließung der Eisenerzvorkommen in der Pilbara-Region in Westaustralien. 1984 übernahm BHP von General Electric das Unternehmen Utah International, das im Bowenbecken in Queensland Kokskohle förderte und exportierte. 1990 begann der Kupferbergbau in der chilenischen Escondida-Mine, an der BHP die Mehrheitsbeteiligung besitzt.

BHP war mit einem Anteil von 52 % an der Ok Tedi Mining Limited am Gold- und Kupfertagebau Ok Tedi in Papua-Neuguinea beteiligt. Die Mine wurde 1984 in Betrieb genommen. In den 1980er und 1990er Jahren wurden mehrere Millionen Tonnen kontaminierter Sedimente im Fluss Ok Tedi, der in weiterer Folge in den Fly fließt, entsorgt. Aufgrund der daraus resultierenden massiven Umweltschäden reichten 1994/95 rund 30 000 betroffene Einheimische eine Sammelklage gegen BHP vor dem Obersten Gerichtshof von Victoria ein. 1996 einigten sich BHP und die Kläger außergerichtlich auf Entschädigungszahlungen in Höhe von insgesamt 150 Millionen Kina (ca. 49 Millionen US-Dollar). 2002 zog sich BHP von der Ok-Tedi-Mine zurück und trat seine 52%ige Beteiligung an die gemeinnützige Stiftung PNG Sustainable Development Program ab; im Gegenzug erhielt BHP vom Staat Papua-Neuguinea rechtliche Immunität gegenüber künftigen Klagen.World Resources Institute: Ok Tedi Mine: Unearthing controvers (PDF, englisch). In: World Resources 2002–2004, S. 188–197.

Nachdem bereits 1999 das Stahlwerk in Newcastle stillgelegt wurde, spaltete BHP seine Stahlsparte ab. Aus dieser gingen die Unternehmen OneSteel (2000 gegründet, 2012 in Arrium umbenannt) und BlueScope Steel (2002 gegründet) hervor.Simon Evans: Ghosts of BHP loom large as Whyalla faces dark days (englisch). In: Afr.com. 9. April 2016, abgerufen am 4. April 2022.

Im Jahr 2000 änderte die Firma den Namen in BHP Limited, womit die geläufige Abkürzung der offizielle Unternehmensname wurde. Im namensgebenden Broken Hill war BHP ohnehin seit 1940 nicht mehr tätig.

2001 bis 2017: Fusion zu BHP Billiton mini|Firmenlogo nach der Fusion. mini|Niederlassung in Adelaide. Die Fusionsabsichten von BHP und Billiton zu einer Dual-listed Company (kurz DLC) wurden am 19. März 2001 bekannt gegeben.Maureen Murrill: BHP shareholders in the dark (englisch). In: Afr.com. 6. April 2001, abgerufen am 4. April 2022. Am 29. Juni 2001 wurde die Fusion vollzogen, das neue Unternehmen hieß BHP Billiton.Annual Report 2001 (PDF, englisch). BHP Billiton, 2001. BHP brachte 58 % und Billiton 42 % des Vermögens in das neue Unternehmen ein. Die BHP Limited wurde in BHP Billiton Limited und die Billiton plc in BHP Billiton Plc umbenannt. Die beiden Firmen blieben als juristische Personen mit Sitze in Melbourne und London erhalten, besaßen von nun an aber eine gemeinsamen Konzernleitung und wurden wie ein einziges, vereinigtes Unternehmen geführt. Die Aktien der BHP Billiton Limited wurden an der Australian Stock Exchange gelistet, die Aktien der BHP Billiton Plc an der London Stock Exchange und der Johannesburg Stock Exchange. Mit der DLC-Struktur erhielten die Aktionäre der beiden Unternehmen die gleiche proportionale wirtschaftliche und stimmrechtliche Beteiligung an der konsolidierten BHP Billiton. Nach der Fusion war BHP – gemessen am Börsenwert von 31 Milliarden US-Dollar – der zweitgrößte Bergbau- und Rohstoffkonzern der Welt (hinter Alcoa mit 34 Milliarden US-Dollar und vor Rio Tinto mit 24 Milliarden US-Dollar).

Im Jahr 2005 kaufte BHP das Bergbauunternehmen WMC Resources Limited, dem unter anderem die Gold-, Kupfer- und Uranmine Olympic Dam gehörte. Das Übernahmeangebot belief sich auf 9,2 Milliarden australische Dollar.BHP Billiton gains control of WMC Resources (englisch). In: Ft.com. 3. Juni 2005, abgerufen am 4. April 2022.

Im November 2007 unterbreitete BHP der Rio Tinto Group ein Übernahmeangebot, welches vorsah, eine Aktie von Rio Tinto gegen drei von BHP Billiton zu tauschen.Pressemeldung von BHP: BHP Billiton’s proposed combination with Rio Tinto to unlock value (PDF, englisch). 12. November 2007, abgerufen am 4. April 2022. Rio Tinto wies das Angebot zunächst zurück. Anfang Februar 2008 erhöhte BHP das Angebot auf 3,4 eigene Aktien für eine Aktie von Rio Tinto. Die Gesamtsumme des Angebots belief sich damit auf 147,4 Milliarden US-Dollar. Im Falle einer erfolgreichen Übernahme wäre ein Gigant mit geschätzten 350 Milliarden US-Dollar Marktwert entstanden. Die Transaktion wäre nach der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone im Jahr 2000 die zweitgrößte aller Zeiten gewesen.BHP bietet 100 Milliarden für Rio Tinto. In: Welt.de. 6. Februar 2008, abgerufen am 27. November 2016. Am 25. November 2008 kündigte der Konzern allerdings an, dass das Geschäft aufgrund der fallenden Rohstoffpreise infolge der Finanzkrise 2008 geplatzt sei.Bergbaugigant lässt Mega-Übernahme platzen. In: Spiegel Online. 25. November 2008, abgerufen am 4. April 2022.