Die Preußische Allgemeine Zeitung (PAZ) ist eine überregionale deutsche Wochenzeitung und das Presseorgan der Landsmannschaft Ostpreußen.
Von 1950 bis 2003 trug die Zeitung den Titel Das Ostpreußenblatt (OPB), ein Vorläufer wurde 1949 unter dem Titel Wir Ostpreußen gegründet. In den 1950er und 1960er Jahren war sie die auflagenstärkste unter allen Publikationen, die sich vorrangig an die deutschen Vertriebenen und ihre Angehörigen wandten. Bereits ab 1960 litt sie aber wie alle anderen Vertriebenenzeitungen unter einem Schwund der Leserschaft. Ab den späten 1990er Jahren kam es zu einer Neuausrichtung, in deren Folge sich das Ostpreußenblatt an neue Zielgruppen zu wenden versuchte und sich in Preußische Allgemeine Zeitung umbenannte.
Politikwissenschaftliche Werke über die Zeitung beurteilen ihre Ausrichtung mehrheitlich als neurechts.
Geschichte 1949 Wir Ostpreußen mini|alt=Schriftzug „Wir Ostpreußen. Mitteilungsblatt der Landsmannschaft Ostpreußen.“|Titelzeile von Wir Ostpreußen, Vorläufer des Ostpreußenblatts
Das Ostpreußenblatt entstand aus dem Mitteilungsblatt der Landsmannschaft Ostpreußen Wir Ostpreußen – Mitteilungsblatt der Landsmannschaft Ostpreußen. Die erste Ausgabe von Wir Ostpreußen erschien am 1. Februar 1949 in Hannover. Als Herausgeber fungierte der ehemalige Major der Wehrmacht Horst Frischmuth, als Druckerei wurde die Firma Carl Ermacora beauftragt. Da die Landsmannschaft die von den Alliierten verhängte Lizenzpflicht für Presseerzeugnisse umgehen wollte, wurde die erste Ausgabe mit dem Vermerk „Als Manuskript gedruckt – nur für den inneren Gebrauch“ versehen. Bald kam es aber zu Differenzen zwischen der Landsmannschaft und Frischmuth, der seine Herausgeberfunktion als Privatperson und ohne Vertrag ausübte. Der Versuch, das Geschäftsverhältnis vertraglich zu regeln, scheiterte nach Angaben der Landsmannschaft Ostpreußen an überzogenen finanziellen Forderungen Frischmuths. Sie warf ihm überdies vor, seine geschäftlichen Interessen über die Anliegen der Landsmannschaft gestellt und ihr „den ihr zustehenden Einfluss auf das Blatt“ verwehrt zu haben.
Im Mai 1949 vergab die Landsmannschaft Ostpreußen den Druckauftrag für Wir Ostpreußen an die Druckerei Rautenberg & Möckel in Leer. Ende Juni des gleichen Jahres gelang es der Landsmannschaft, Frischmuth mit einer gerichtlichen Verfügung seine Herausgebertätigkeit vorerst zu untersagen. Die Ausgabe vom darauffolgenden 1. Juli erschien schließlich in Hamburg unter einem neuen Herausgeber und mit einer neuen Redaktion. Im weiteren Verlauf des Rechtsstreits wurde der Landsmannschaft Ostpreußen der Zugriff auf Wir Ostpreußen jedoch teilweise wieder entzogen, der Druckauftrag ging zurück an Carl Ermacora. Die Landsmannschaft legte dagegen zwar Beschwerde ein, entschloss sich aber gleichzeitig, den Kampf um die Publikation nicht weiter zu verfolgen. Stattdessen gab sie ab März 1950 Das Ostpreußenblatt (OB) heraus, zuerst als Probenummern, ab April in zwei Ausgaben pro Monat. Dieser Schritt war möglich geworden, weil sich die Landsmannschaft mittlerweile rechtskräftig gegründet hatte. Wir Ostpreußen bestand zwar weiter fort, die Landsmannschaft, der die redaktionelle Hoheit oblag, versorgte das Blatt aber nur noch äußerst spärlich mit Beiträgen und trieb gleichzeitig den Aufbau des Ostpreußenblatts voran. Wir Ostpreußen erfuhr als Folge einen raschen Niedergang und wurde im August 1950 eingestellt.
1950 bis 1968 Gründungsphase und Etablierung hochkant=1.2|mini|alt=Schriftzug „Das Ostpreußenblatt“|Titelzeile des Ostpreußenblatts (2000)
Hinter der Gründung des Ostpreußenblatts standen 1950 nicht nur verbandspolitische, sondern vor allem ebenso finanzielle Interessen. Der Verkauf der Verbandspublikation war die Haupteinnahmequelle der Organisation. Der Umfang betrug zunächst durchschnittlich 16 Seiten, die Nullnummer erschien mit einer Auflage von 60.000 Stück. Spätere Ausgaben hatten eine ähnliche Auflage. Zwischen April und August 1950 stieg die Zahl der Abonnenten von 17.000 auf 49.000, womit das Höchstniveau von Wir Ostpreußen erreicht und der Übergang vom alten zum neuen Verbandsorgan abgeschlossen war. In der Folge stieg die Auflage stark an. Im Juli 1953 belief sie sich bereits auf 100.000 Exemplare. Im Oktober des gleichen Jahres wechselte die Erscheinungsweise von zweiwöchentlich auf wöchentlich. Im Dezember 1954 erreichte die Abonnentenzahl die 100.000-Marke. Dieser Trend setzte sich bis 1959 fort, als Das Ostpreußenblatt im ersten und zweiten Quartal mit 127.900 Stück die bis heute höchste verkaufte Auflage in der Geschichte der Zeitung vorweisen konnte.
Das Ostpreußenblatt konnte vor allem aufgrund der großen Zahl aus Ostpreußen vertriebener Bundesbürger eine vergleichsweise hohe Auflage aufweisen: Zwischen 1952 und 1968 war die Zeitung stets die auflagenstärkste unter den Vertriebenenzeitungen, litt jedoch nach 1960 wie die meisten dieser Publikationen unter schwindenden Leserzahlen. Zwar konnte das Ostpreußenblatt zeitweilig über 88 % der rund 130.000 Mitglieder der Landsmannschaft Ostpreußen erreichen; die zunehmende Integration der Vertriebenen in die Gesellschaft ließ jedoch das Interesse an entsprechenden Zeitungen sinken. Nach 1959 sank die Auflage wieder kontinuierlich und lag 1968 bei nur noch 92.798 Stück (verbreitete Auflage). Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Seitenzahl in diesem Zeitraum auf 20.
Chefredakteur war seit 1950 Martin Kakies, der bereits vor dem Zweiten Weltkrieg die gleiche Funktion beim Memeler Dampfboot innegehabt hatte. 1959 schied Kakies aus der Redaktion aus, ihm folgte der Chef des Politressorts, Eitel Kaper. Kaper führte das Politressort und die Redaktion bis zu seinem Tod im Oktober 1967 weiter. Die Landsmannschaft Ostpreußen engagierte in der Folge Hugo Wellems als Nachfolger.
1968 bis 1995 Ära Wellems Hugo Wellems hatte während der NS-Diktatur publizistische Erfahrungen im Propagandaministerium und als Buchautor gesammelt. Später war er Chefredakteur für die DP-Parteizeitschrift Deutsches Wort und den OstWestKurier. 1962 hatte er die Staats- und Wirtschaftspolitische Gesellschaft gegründet und blieb später dem rechten Spektrum verbunden. Unter seiner Führung verfolgte die Zeitung inhaltlich eine stark revanchistische Linie. In der ersten Hälfte der 1990er Jahre dominierten die Themen „deutsche Ostgebiete“ und Zuwanderung. Ersteres wurde vor allem mit revisionistischen Überlegungen und unter dem Gesichtspunkt „Regermanisierung“ diskutiert. Ulla Jelpke und Helmut Schröder warfen dem Ostpreußenblatt deshalb 1996 im Handbuch deutscher Rechtsextremismus vor, es habe „seit Beginn seines Bestehens eine aggressive revanchistische Politik propagiert und die Verbrechen des Hitler-Faschismus beschönigt oder gänzlich geleugnet“. Zudem habe die Zeitung Stimmungsmache gegen Flüchtlinge und Asylanten in der Bundesrepublik betrieben.
Während Wellems’ Amtszeit sank die Auflage des Ostpreußenblatts weiter: In den 1980er Jahren unterschritt sie 50.000 verkaufte Exemplare, 1990 lag sie bei nur mehr 32.000 Stück. Ursache war neben mangelndem Interesse der Zielgruppe vor allem der altersbedingte Schwund langjähriger Abonnenten. Wilhelm von Gottberg, Herausgeber des Ostpreußenblatts seit 1992Paul Middelhoff: „Als wirksames Instrument zur Kriminalisierung der Deutschen (…) wird immer noch der Völkermord am europäischen Judentum herangezogen“, Die Zeit, 16. März 2017 (online). und damals stellvertretender Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, beschrieb das Blatt rückblickend als reformbedürftig und bezichtigte Wellems, nötige Innovationen verhindert zu haben. Die verkaufte Auflage der Zeitung stieg zu Beginn der 1990er Jahre wieder, weshalb die Landsmannschaft von einer Abberufung Wellems’ absah. Dennoch vereinbarte von Gottberg 1994 mit Wellems, dass dieser zum Jahresende aus dem aktiven Dienst ausscheiden und noch bis Ende März 1995 sein Gehalt weiterbeziehen sollte. Wellems starb noch vor seiner offiziellen Verabschiedung im März 1995.
Ab 1995 Neuausrichtung und Modernisierung Wellems’ Nachfolger als Chefredakteur wurde Horst Stein, der zuvor die Hamburger Redaktion der Welt geleitet hatte. Stein rückte sowohl von der revisionistischen Linie seines Vorgängers als auch vom Zeitungskonzept ab. Stattdessen stellte er Rezensionen zu Erlebnis- und Erinnerungsliteratur in den Fokus der redaktionellen Arbeit. Gleichzeitig holte Stein die von Wellems versäumte technische Aufrüstung der Redaktion nach. Der gewünschte Erfolg blieb allerdings aus, 1996 sank die Auflage des Ostpreußenblatts wieder.
1997 wurde Elimar Schubbe als Chefredakteur des Ostpreußenblatts berufen. Er machte die inhaltlichen Richtungsentscheidungen Steins weitgehend rückgängig und versuchte vor dem Hintergrund des Leserschwundes neue Zielgruppen zu erschließen. Ein erster Schritt dazu war die Schaffung eines eigenen Internetauftritts 1997, um Leser außerhalb der Vertriebenenverbände zu werben. Gleichzeitig initiierten die Landsmannschaft Ostpreußen und das Ostpreußenblatt einen Preußischen Mediendienst zum Vertrieb von Büchern und Videos zu geschichtlichen, kulturellen und politischen Themen, die über reine Vertriebenenthemen hinausgehen. Die Betreuung dieses Dienstes wurde vom als rechtsextremistisch eingestuften Verlag Siegfrid Bublies in Koblenz übernommen. Zudem verlegte sich das Ostpreußenblatt stärker auf Inhalte abseits der Vertriebenenthematik und nahm etwa ein Feuilleton mit überregionalem Anspruch in das Blatt auf. Zwar blieb der Heimatteil der Zeitung weitgehend unverändert bestehen, darüber hinaus entwickelte sie sich jedoch zunehmend zu einem Medium für ultrakonservativ und neurechts geprägte Autoren und Leser. Mit der Beilage Preußische Zeitung wurde zudem der Grundstein für eine weitere, schrittweise Loslösung vom Vertriebenenblatt hin zu einer überregionalen Wochenzeitung gelegt.
Schubbes Nachfolger Hans Heckel und Peter Fischer setzten seinen Kurs fort, ebenso der von 2000 bis 2005 amtierende Chefredakteur Hans-Jürgen Mahlitz. Zu Ostern 2003 wurde das Blatt in Preußische Allgemeine Zeitung umbenannt, womit die ehemalige Beilage zur eigentlichen Zeitung aufgewertet wurde, während der vertriebenenspezifische Innenteil mehr und mehr selbst zur Beilage wurde. Dies geschah, wie der Vorsitzende der Landsmannschaft Ostpreußen Wilhelm von Gottberg betonte, um neue Leser für das Blatt zu gewinnen, dessen zahlende Leserschaft „in den letzten drei Jahren dramatisch zurückgegangen“ sei. Demnach hätten 90 % der Leser das 65. Lebensjahr überschritten und 30 % der Leser seien älter als 80 Jahre.