Gilligans Insel (Originaltitel ) ist eine amerikanische Sitcom, die von 1964 bis 1967 auf dem Fernsehsender CBS erstausgestrahlt wurde. Sie schildert die Abenteuer sieben schiffbrüchiger Amerikaner, die auf einer Südseeinsel gestrandet sind, und ist so dem Genre der Robinsonade zuzuordnen.

Die 36 Folgen der ersten Staffel wurden noch in Schwarzweiß gedreht, die übrigen 62 in Farbe.

Handlung Vor der erzählten Zeit der ersten Episode war die S.S. Minnow, ein Ausflugsboot aus Honolulu, bei einer auf drei Stunden angelegten Vergnügungsfahrt in einen tropischen Sturm geraten. Das Boot strandet mit zwei Besatzungsmitgliedern (Skipper Jonas Grumby und sein Maat Willy Gilligan) und fünf Passagieren auf einer unbewohnten Tropeninsel, und die darauf folgenden Episoden behandeln das Leben der Schiffbrüchigen auf ihrer Insel und ihre vergeblichen Versuche, sie zu verlassen.

Die Vorgeschichte der Serie und ihrer Protagonisten sollte ursprünglich in einer Pilotfolge erzählt werden. Nachdem diese im November 1963 abgedreht war, entschieden sich die Produzenten jedoch, einige Charaktere bedeutend umzuschreiben und auch einige Rollen umzubesetzen. Die Original-Pilotfolge wurde erst 1993 auf dem Sender TNT gesendet. Stattdessen begann nun die erste (daher häufig fälschlich als Pilotfolge bezeichnete) Episode am Strand von Gilligans Insel. Die Gestrandeten kommen zu sich, und ihr Schicksal wird dem Zuschauer in einem Voice-Over als Radiomeldung vermittelt. Solche Radiomeldungen kamen als Handlungselemente in den weiteren Folgen häufig vor – das Funkgerät der S.S. Minnow war bei der Havarie zerstört worden, nicht aber das tragbare Transistorradio, und so sind die Schiffbrüchigen gut über die Außenwelt informiert.

Die Zeichnung der sieben Charaktere entspricht gängigen Rollenklischees nicht nur der amerikanischen Gesellschaft, sondern vor allem ihrer Überzeichnung in Film und Fernsehen. Die fünf Passagiere der S.S. Minnow sind so ein sagenhaft reicher Millionär nebst Gattin, ein genialer Professor, eine Filmdiva und eine „Unschuld vom Lande“. Ihre standardisierten Handlungsmuster machten den Plot der Episoden zwar meist allzu vorhersehbar, trugen aber so maßgeblich zur Popularität der Serie auch bei Kindern bei.

Traumsequenzen Traumsequenzen dienten den Machern der Serie häufig dazu, die Genregrenzen der Robinsonade zu überschreiten und andere Genres zu parodieren. Diese Inter- oder auch Hypertextualität lässt die Serie teils recht postmodern anmuten. Meist träumt sich Gilligan in eine mehr oder minder absurde Figur hinein – Traumavatare Gilligans sind etwa

Lord Admiral Gilligan, der gegen Piraten kämpft der Geheimagent 014 (eine Parodie auf James Bond/007) ein dämlicher Vampir, der vor „Inspektor Sherlock“ (Der Professor) und Watson (Skipper) auf der Flucht ist Sheriff einer Wildweststadt, der eine Ente vor dem Appetit der Bewohner beschützt. in einer Episode wird Gilligan als Dr. Jekyll vor einem Gericht angeklagt; seine Verteidigerin Mary Poppins findet heraus, dass er sich jedes Mal in Mr. Hyde verwandelt, wenn über Essen gesprochen wird.

Auch die anderen Charaktere haben gelegentlich Träume. „Lovey“ Howell träumt sich etwa in die Rolle von Aschenbrödel, Gilligan erscheint als die Gute Fee.

Besucher auf der Insel Gilligans Insel wurde im Laufe der 98 Episoden recht häufig von verschiedenen Besuchern aufgesucht. Es ist dabei eine der unwahrscheinlicher erscheinenden Prämissen der Serie, dass im Gegensatz zu den sieben Schiffbrüchigen alle Besucher die Insel wieder verlassen können, die Außenwelt aber nicht über den Verbleib der sieben Gestrandeten in Kenntnis setzen. Unter anderen tauchten folgende Figuren auf Gilligans Insel auf:

polynesische Ureinwohner (die im Besitz von Funkgeräten sind; dennoch scheint keinem der Gedanke zu kommen, einen Rettungsruf zu senden) ein Hollywood-Produzent. Er stiehlt den Schiffbrüchigen die Idee zu einer Musical-Version von Hamlet und lässt sie darauf auf der Insel zurück, um ihnen keine Tantiemen zahlen zu müssen. Die Rolle wurde von Phil Silvers gespielt, der auch tatsächlich Produzent der Serie war. die Rock’n’Roll-Band The Mosquitoes (gespielt von den Wellingtons, die das Titellied der Serie eingespielt hatten) ein exilierter südamerikanischer Diktator ein Großwildjäger (gespielt von Rory Calhoun) der Flugpionier „Wrong-Way Feldman“ (gespielt von Hans Conried; die Figur ist dem realen Flieger „Wrong Way“ Corrigan nachempfunden) ein japanischer Soldat in einem Ein-Mann-U-Boot, der im Glauben ist, der Zweite Weltkrieg sei noch im Gange (gespielt von Vito Scotti) ein verrückter Wissenschaftler (ebenfalls von Vito Scotti gespielt) in einer an das Dschungelbuch angelehnten Folge trifft Gilligan auf ein Wolfskind (gespielt vom jungen Kurt Russell) ein Geist (gespielt von Richard Kiel, der später als „Der Beißer“ in zwei James-Bond-Filmen berühmt wurde)

Die Protagonisten Gilligan Gilligan ist der erste Maat der S.S. Minnow und der eigentliche Held der Serie. Sein Markenzeichen ist eine weiße Matrosenmütze. Er ist gutmütig und ausgesprochen einfältig. Er war es auch, der den Schiffbruch mit verschuldet hat, denn der Skipper hatte ihn angewiesen, den Anker auszuwerfen, was Gilligan auch tat – allerdings ohne zuvor den Anker am Schiff zu vertäuen. Gilligans Dummheiten vereiteln auch ein ums andere Mal die Versuche der Schiffbrüchigen, die Insel zu verlassen. Dennoch wird ihm vor allem von den Damen auf der Insel viel Zuneigung entgegengebracht.

Gilligans voller Name war lange Gegenstand von Spekulationen. Alan Hale Jr. hat mehrfach angegeben, er habe immer geglaubt, dass Gilligans Nachname „Davis“ laute. In einer Episode der Serie stellt der Professor Gilligan einer hübschen Südseeinsulanerin vor. Als diese etwas verstört lächelt, fügt er dem Vornamen den Nachnamen „Hohople“ hinzu, um die Form zu wahren. Wegen dieser Episode nahmen viele Fans lange an, Gilligans Familienname sei tatsächlich „Hohople“. Im Jahr 2004 wurde der Fall gelöst, als die erste Staffel der Serie auf DVD erschien. In der angefügten Dokumentation (Before the Three Hour Tour) wurde festgestellt, dass Gilligans voller Name Willy Gilligan ist.

Der Skipper Der Skipper (Kapitän) der S.S. Minnow heißt Jonas Grumby, doch nach der ersten Staffel wurde er grundsätzlich schlicht mit „Skipper“ angesprochen. Er ist ein verantwortungsvoller und vernünftiger Mann und am ehesten befähigt, die Führung der Schiffbrüchigen zu übernehmen; häufig treiben ihn Gilligans Narreteien jedoch an den Rand eines Wutausbruchs.

Thurston Howell III Thurston Howell III ist so außerordentlich reich, dass er auf die auf drei Stunden angelegte Vergnügungsfahrt mehrere Zehntausend Dollar mitgenommen hatte. Auf Gilligans Insel wedelt er daher gerne mit Banknotenbündeln, vergisst dabei aber, dass ihm all sein Geld auf der Insel nichts hilft. Andererseits akzeptieren die anderen Schiffbrüchigen wie selbstverständlich, dass Howell sich weigert, irgendwelche Arbeiten zu verrichten.

Eunice Howell Eunice Howell, Kosename „Lovey“, ist die Ehefrau Thurston Howells. Als Millionärsgattin erscheint ihr Verhalten gelegentlich versnobt, doch im Herzen ist sie eine gutmütige und wohlmeinende Person.

Ginger Grant Ginger Grant ist ein Hollywood-Sternchen mit entsprechenden Allüren. Schon ihr Name deutet auf ihre Rolle hin, denn er setzt sich aus den Namen von Ginger Rogers und Cary Grant zusammen, zwei Stars der „Goldenen Zeit“ Hollywoods. Sie lässt sich im Gespräch oft über andere (reale) Stars aus, um den Eindruck zu erwecken, sie sei mit ihnen bekannt und befreundet. Ursprünglich hatten die Produzenten der Serie sie als sarkastisch-scharfzüngigen Vamp geplant, doch die Schauspielerin Tina Louise weigerte sich, die Rolle so zu spielen. Man einigte sich schließlich auf einen Charakter, der nach Louises Beschreibung charakterlich zwischen Marilyn Monroe und Lucille Ball lag und deren Styling an Myrna Loy erinnerte.

In mehreren Episoden wird eine mögliche Liebesbeziehung zwischen Ginger und dem Skipper angedeutet oder angebahnt, doch da die moralischen Befindlichkeiten in den 1960er-Jahren, zumal bei einer Familiensendung, noch recht beengend waren, durfte aus dieser Tändelei nie ein Verhältnis werden.

Mary Ann Summers Mary Ann Summers ist die stereotypische Unschuld vom Lande, das All-American Girl. Sie ist dem Charakter der Dorothy aus Der Zauberer von Oz nachempfunden und kommt daher ebenso aus Kansas, genauer gesagt aus Winfield, wo sie ganz alleine eine Farm betrieb. So ist es auch sie, die auf der Insel einen Gemüsegarten anlegt und alle Mahlzeiten kocht (meist Fisch oder Kokostorte).

Ginger Grant ist ihr eine Freundin, auch wenn diese sie häufig mit Herablassung behandelt. Da Mary Ann aber ebenso naiv wie gutmütig ist, nimmt sie dies kaum wahr. Sie ist zudem gelegentlich das Objekt wenn nicht der Begierde, so doch der Zuneigung sowohl Gilligans als auch des Professors. Wie aber auch im Fall von Ginger und dem Skipper werden diese Liebeleien nur angedeutet.

Professor Roy Hinkley, Jr. Professor Roy Hinkley, Jr. hat nicht weniger als sechs akademische Titel und ist daher vielseitig beschlagen. Sein Spezialgebiet ist die Botanik, aber oft baut er aus den wenigen auf der Insel verfügbaren Materialien technische Apparaturen, die das Leben erleichtern oder zur Flucht verhelfen sollen. Er ist der besonnenste der Gruppe und übernimmt in kritischen Situationen auch gelegentlich ihre Führung.

Wirkungsgeschichte Gilligan’s Island wurde von den zeitgenössischen Kritikern einhellig verrissen, erfreute sich aber großen Zuspruchs beim Publikum und erzielte recht hohe und stabile Einschaltquoten. Dennoch wurde die Serie nach drei Staffeln abgesetzt. CBS hatte zuvor die Einstellung der noch erfolgreicheren Serie Rauchende Colts angekündigt, die Entscheidung aber nach massiven Protesten der Zuschauer zurückgenommen, und so musste Gilligan’s Island seinen montagabendlichen Sendeplatz räumen, um für die Fortsetzung des Western-Formats Platz zu schaffen.Stoddard 1996, S. 306. Die letzte Folge von Gilligan’s Island lief am 4. September 1967, und entgegen allen Erwartungen wurden die Gestrandeten auch in dieser letzten Episode nicht von ihrer Insel gerettet.

Die Serie lief dann in den folgenden Jahren auf verschiedenen Sendern als Wiederholung. Erst in den siebziger Jahren fiel es Bob Denver nach eigener Aussage auf, dass die Serie nicht vom Bildschirm verschwand, und bis in die heutige Zeit ist sie ein beliebtes Füllsel für Programmlücken vor allem im Vormittagsprogramm geblieben. So sind mittlerweile Generationen von Amerikanern mit der Serie großgeworden, und sie stellt wohl einen der bekanntesten populärkulturellen Mythen der USA dar. So ist etwa „Ginger or Mary Ann?“ eine gängige Frage, wenn es darum geht, welchen Frauentyp Männer bevorzugen.

Das Image der Darsteller wurde von der Serie so nachhaltig geprägt, dass sie in späteren Filmprojekten meist nur Rollen spielten, die denen in der Serie entsprachen. Insbesondere Tina Louise, die dem Vernehmen nach die Starallüren ihrer Rolle durchaus teilte, machte dieses Type-Casting für das Scheitern ihrer weiteren Schauspielkarriere verantwortlich. Bob Denver hingegen hatte als einer der beliebtesten Komödianten der USA bis zu seinem Tod ein gutes Auskommen.

Ableger 1973 produzierte Sherwood Schwartz die Serie Dusty’s Trail, die ähnliche Figuren wie die von Gilligans Insel in einem Planwagen in der Zeit des Wilden Westens vereint. Bob Denver spielte wiederum die Hauptrolle. Nach nur 26 Folgen wurde Dusty’s Trail jedoch abgesetzt.

Von 1974 bis 1977 wurde die erfolgreiche Zeichentrickserie Gilligans Insel () ausgestrahlt; sie übertrug das Format recht originalgetreu. Bis auf den Part der Ginger Grant und Mary Ann Summers wurden die Charaktere auch von den Schauspielern der alten Serie synchrongesprochen.