mini|hochkant|Franz Thedieck als Staatssekretär im Ministerium für gesamtdeutsche Fragen, 1960 Franz Josef Bernhard Thedieck (* 26. September 1900 in Hagen;Die weiteren Vornamen sowie Geburtsdatum und -ort nach , wo sich für die Namen von Thediecks Eltern auf Geburts- und Taufurkunde berufen wird, sodass also auch die hier interessierenden Informationen anhand der genannten Unterlagen ermittelt worden sein dürften. † 20. November 1995 in BonnDie Geburts- und Sterbedaten sind in der zitierten Literatur unstrittig.) war ein deutscher Politiker (CDU), unter anderem Staatssekretär, und Intendant des Deutschlandfunks.
Leben und Familie Franz Thedieck wurde in Westfalen geboren. Seine Eltern waren der Jurist, Geheime Justizrat und Landgerichtsdirektor Josef Thedieck und dessen Frau Johanna Thedieck geborene Hasse.Denise Lindsay () nennt – unter Berufung auf „Geburts- und Taufurkunde“ – die Namen beider Eltern. Den dienstlichen Rang von Thedieck senior vor dem Wechsel nach Köln bezeichnet sie als „Landgerichtsrat“; Munzinger/IBA () und Henkels (99 Köpfe, S. 309) schreiben „Geheime[r] Justizrat“; Klee (Personenlexikon, S. 621) schreibt nur „Justizrat“. Thedieck junior wuchs im Rheinland auf,Siehe: Munzinger/IBA (): „Franz Thedieck […] wuchs jedoch im Rheinland auf.“ (Hervorhebung getilgt) und Lindsay (): „Als Kind zog er mit seiner Familie nach Köln“. da sein Vater von 1903 bis 1938 Landgerichtsdirektor in Köln war.Siehe: Munzinger/IBA (): „Josef Thedieck war von 1903 bis 1938 Landgerichtsdirektor in Köln“ Henkels, 99 Köpfe, S. 308: „in Köln von 1903 bis 1938 Landgerichtsdirektor“
Franz Thedieck besuchte zunächst eine in der Nähe seines Elternhauses gelegene katholische Volksschule in oder bei Köln und später das Realgymnasium in Köln-Lindenthal. (jeweils ohne Quellenangabe).
Ab 1941 war er verheiratet mit Hilde Thedieck, geborene Bömer. Am 20. November 1995 starb er im Alter von 95 Jahren in Bonn.
Berufliche Tätigkeit Thedieck studierte Landwirtschaft, Volkswirtschaft und Rechtswissenschaft an den Universitäten von Bonn und Köln. Von 1923 bis 1930 war er im Innenministerium in Köln stellvertretender Leiter der Preußischen Abwehrstelle gegen den Separatismus im Rheinland.Siehe dazu: Schärer, Annexionspolitik, S. 32 bei Fußnote 39 und 40: Thedieck hatte schon bevor er „1931 als ‚Beauftragter der preussischen Regierung für Eupen-Malmedy’ eingesetzt worden war, […] für die ‚preussische Abwehrstelle gegen den Separatismus im Rheinland’“ gearbeitet. sowie : „Le Regierungsrat Franz Thedieck fut chargé d’orchestrer toutes les initiatives allemandes visant à œuvrer pour le retour des Cantons de l’Est à l’Allemagne. Ce fonctionnaire qui, de 1923 à 1930, avait dirigé le Bureau de contre-espionnage (Abwehr) pour combattre le séparatisme rhénan, […].“ (Hervorhebung hinzugefügt) Von 1929 bis 1931 war er Hilfsarbeiter im Landratsamt Mülheim. In Köln lernte er während Aufständen rheinischer Separatisten (vgl. Rheinische Republik) Konrad Adenauer kennen und wurde dort 1931 RegierungsratSiehe dazu: Klee, Personenlexikon, S. 621: „1931 Regierungsrat in Köln“ und : „devint en 1931 Regierungsrat auprès du gouvernement de Cologne. Il fut l'adresse centrale pour tout ce qui avait trait aux intérêts allemands dans les Cantons de l'Est et il coopérait – selon son propre aveu – ‚étroitement avec les divers services et les diverses personnalités du NSDAP‘.“ – und zwar als Beauftragter der preußischen Regierung für Eupen-Malmedy.Schärer, Annexionspolitik, S. 32 vor Fußnote 39: „1931 als ‚Beauftragter der preussischen Regierung für Eupen-Malmedy’“. Dabei war er im Rahmen der Volkstumsarbeit für die deutschen Vereine in Eupen-Malmedy, das seit dem Versailler Vertrag zu Belgien gehörte, zuständig.
In einem Dossier des Oberabschnitts West des Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS (SD) über die verschiedenen Akteure der Infiltrationspolitik in Bezug auf die westlichen Nachbarländer heißt es über Thediecks Tätigkeit beim Volksbund für das Deutschtum im Ausland (VDA):
Thedieck wirkte an den Planungen zum völkerrechtswidrigen Überfall Nazi-Deutschlands auf Belgien 1939–40 durch enge Kontakte zur Gestapo mit.
Mit der Besetzung Belgiens im Mai 1940 wurde der Kölner Regierungspräsident Eggert Reeder Militärverwaltungschef in Brüssel und sein Oberregierungsrat Thedieck als Oberkriegsverwaltungsrat sein Generalreferent. Thedieck war von 1940 bis 1943 engster Mitarbeiter und rechte Hand Reeders, der nach dem Krieg als Kriegsverbrecher verurteilt wurde. An der Vorbereitung der Geiselerschießungen in Lüttich am 4. Januar 1943 war Thedieck persönlich beteiligt. Auf Drängen Himmlers wurde er im April 1943 aus der Militärverwaltung entlassen und zum Heer versetzt.
Mit dieser Formulierung wurde die nationalsozialistische Legende, die Deportationen der jüdischen Bevölkerung erfolgten zum Zwecke von Arbeitseinsätzen, in Frage gestellt.„Das [Diese Schreiben und andere Umstände] waren von Anfang an […] untrügliche Zeichen, daß ein ‚Arbeitseinsatz‘, […], nie beabsichtigt war.“ (Oberlandesgericht Schleswig an der gerade genannten Stelle). – Thedieck war in diesem Strafverfahren aber trotzdem ausschließlich als Zeuge und nicht als Angeklagter beteiligt. Ab 1943 war er als Flakoffizier bei der Luftwaffe. Im April 1943 wurde er als Oberleutnant Sachbearbeiter bei IIa der 7. Flak-Division in Frankreich. Am 1. Juli 1944 wurde er zum Hauptmann d. R. befördert. Zu Kriegsende geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er im Oktober 1945 entlassen wurde.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Thedieck zunächst schon 1945 wieder Oberregierungsrat in Köln, wurde aber wegen seiner Tätigkeit im Nationalsozialismus und seiner lückenhaften Angaben im Fragebogen im Januar 1946 von der britischen Militärregierung entlassen. Nach zahlreichen Leumundszeugnissen einflussreicher Persönlichkeiten konnte er ab August 1947 sein Amt wieder ungehindert ausüben.
Von 1949 bis zu seinem Rücktritt 1964 war er beamteter Staatssekretär im Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen. Ab 1960 war er Beiratsvorsitzender der Deutschen Langwelle und von 1966 bis 1972 Intendant des Deutschlandfunks, dessen Verwaltungsrat er ab 1961 vorsaß. Ab 1964 war Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung für politische Bildung und Studienförderung e. V. Als solcher trat er 1968 zurück. Er lebte in Bonn-Ippendorf.Wer ist wer? S. 1241.
Parteimitgliedschaften In der Weimarer Republik war Thedieck Mitglied der Zentrumspartei. 1945 beteiligte er sich an der Gründung der CDU.Klee, Personenlexikon, S. 621 (ohne Nennung der Dauer der Mitgliedschaft in der Zentrumspartei).
Auszeichnungen 1957: Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband 1960: Lodgman-Plakette der Sudetendeutschen Landsmannschaft 1964: Ehrenplakette des Bundes der Vertriebenen 1973: Hans-Bredow-Medaille
Publikationen Gespräche und Begegnungen mit Konrad Adenauer – Aus einem halben Jahrhundert deutscher Politik. In: Dieter Blumenwitz/Klaus Gotto/Hans Meier/Konrad Repgen/Hans-Peter Schwarz (Hrsg.): Konrad Adenauer und seine Zeit. Politik und Persönlichkeit des ersten Bundeskanzlers. Band 1: Beiträge von Weg- und Zeitgenossen. DVA, Stuttgart 1976, ISBN 3-421-01752-2, S. 326–339.
Literatur Allgemein Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1241. Jürgen Sternsdorff: Die graue Eminenz des Kriegsverbrechers. Franz Thedieck - eine deutsche Karriere. Nach unveröffentlichten Quellen (= NS Dokumente. Band 1). Verlag Nazi-Zeit, Marburg 2025, ISBN 978-3-9827401-0-2.
Insbesondere zu Thediecks Tätigkeit von 1923 bis 1943 Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt, 2003 (ISBN 978-3-596-16048-8) / aktualisierte Taschenbuchausgabe: Fischer: Frankfurt am Main, 2005; 5. Auflage: 2015, S. 621 (Eintrag zu Franz Thedieck). Carlo Lejeune: Die deutsch-belgischen Kulturbeziehungen 1925 – 1980. Böhlau, Köln 1992, ISBN 3-412-01092-8 (Thedieck: S. 112–212 passim). Martin R. Schärer: Deutsche Annexionspolitik im Westen. Die Wiedereingliederung Eupen-Malmedys im Zweiten Weltkrieg. (Reihe: Europäische Hochschulschriften R. 3, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften Bd. 38), Lang: Bern / Frankfurt am Main / Las Vegas, 1. Aufl.: 1975. 2., verbesserte um eine Einleitung und ein Register vermehrte Auflage: 1978 (zu Thedieck auf Seite 32 und 108). Maurice de Wilde: België in de Tweede Wereldoorlog. Deel 3: De nieuwe orde. in: DBNL Digitale Bibliotheek voor de Nederlandse letteren. Uitgeverij Peckmans, Kapellen 1982 (darin Interview mit Th. vom 23. Dezember 1981) Inhaltsverzeichnis.
Insbesondere zu Thediecks Tätigkeit ab 1949
Stefan Creuzberger: Kampf für die Einheit. Das gesamtdeutsche Ministerium und die politische Kultur des Kalten Krieges 1949 – 1969 (Schriften des Bundesarchivs 69), Droste; Düsseldorf, 2008; ISBN 978-3-7700-1625-9 (dazu: Rezension bei Sehepunkte) (das 604-seitige Buch enthält drei Abschnitte, die Thediecks Namen im Titel führen, und zahlreiche weitere Stellen zu ihm). Walter Henkels, Franz Thedieck, in: ders., 99 Bonner Köpfe, Econ: Düsseldorf/Wien, 1963, 107 - 109. Erich Kosthorst, Jakob Kaiser. Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen 1949-1957, Kohlhammer: Stuttgart / Berlin / Köln / Mainz, 1976 (ISBN 3-17-210031-6) (darin laut Personenregister: zwölf – zum Teil mehrseitige – Stellen zu Thedieck). Klaus Körner: Herbert Wehner und Franz Thedieck. Die Bonner Debatte über die Abwehr der Westpropaganda der SED 1949–1953. In: Heiner Timmermann: Das war die DDR. Münster 2004. ISBN 3-8258-8167-9 (S. 238–248).
Weblinks
Denise Lindsay: 110. Geburtstag des ehemaligen Vorsitzenden der KAS Franz Thedieck
Nachlass Bundesarchiv N 1174 (Über die Protagonisten der nationalsozialistischen Eroberung Ostbelgiens schon vor dem militärischen Einmarsch 1940: Franz Thedieck, Heinrich Haake u. a. und ihre Organisationen. Thedieck wird in der PDF-Datei zwölfmal genannt. Auf S. 42 findet sich ein Bild des Thediecks)
Anmerkungen
Kategorie:Hauptmann (Luftwaffe der Wehrmacht) Kategorie:Zentrum-Mitglied Kategorie:CDU-Mitglied Kategorie:Person (deutsche Besetzung Belgiens 1940–1945) Kategorie:Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung Kategorie:Beamteter Staatssekretär (Bundesrepublik Deutschland) Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und Schulterband Kategorie:Intendant des Deutschlandfunks Kategorie:Deutscher Kriegsgefangener der Vereinigten Staaten Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1900 Kategorie:Gestorben 1995 Kategorie:Mann