mini|Ernst Scholz Ernst August Gustav Scholz (* 3. Mai 1874 in Wiesbaden; † 26. Juni 1932 in Berlin) war ein deutscher Politiker und Verbandsfunktionär.
Zunächst Jurist in der Kommunalverwaltung verschiedener preußischer Städte war er 1912/13 Oberbürgermeister der Stadt Kassel und 1913/1914 sowie von 1917 bis 1920 letzter Oberbürgermeister der Stadt Charlottenburg, bevor diese mit Berlin vereinigt wurde.
In der Weimarer Republik war er von Juni 1920 bis Mai 1921 Reichswirtschaftsminister im Kabinett Fehrenbach. Von 1921 bis 1931 war er Mitglied des Reichstags für die nationalliberale Deutsche Volkspartei (DVP) und von 1929 bis 1930 Parteivorsitzender der DVP.
Scholz gehörte 1916 zu den Gründern des Deutschen Zentral-Giroverbands, der 1924 im Deutschen Sparkassen- und Giroverband aufging, dessen Verbandsversammlung und Aufsichtsrat Scholz anschließend vorstand.
Herkunft, Beruf und Politik im Kaiserreich Scholz war ein Sohn des Justizrats Carl Scholz, Rechtsanwalt und Versicherungsdirektor, und der Luise Raht (1844–1908). Schon der Vater betätigte sich politisch in der Nassauischen Fortschrittspartei und später in der Nationalliberalen Partei, er gehörte 1865/66 der Ersten Kammer des Herzogtums Nassau an. Der Sohn nahm nach dem Abitur am Gymnasium in Wiesbaden ein Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Freiburg auf. 1893 wurde er im Corps Suevia Freiburg aktiv.Kösener Corpslisten 1930, 36, 480. Als Inaktiver wechselte er an die Universität Marburg. Er beendete das Studium 1895 an der Universität Heidelberg, die ihn zum Dr. iur. promovierte.
Nach dem Referendariat in Kassel wurde Scholz 1899 Gerichtsassessor in Berlin und 1900 Erster Sekretär des Allgemeinen Genossenschaftsverbands in Charlottenburg. 1901 ging er als Magistratsassessor nach Frankfurt am Main. Von 1902 bis 1909 war Scholz Beigeordneter und Kämmerer der Stadt Wiesbaden und hatte die gleichen Funktionen anschließend bis 1912 in der Stadt Düsseldorf inne.
Scholz war 1912/13 Oberbürgermeister der Stadt Kassel und von 1913 bis 1920 letzter Oberbürgermeister der Stadt Charlottenburg, die im Anschluss nach Berlin eingemeindet wurde. Als Angehöriger der „OB-Fraktion“ war Scholz von 1912 bis 1918 Mitglied des Preußischen Herrenhauses. Während des Ersten Weltkriegs ließ er sein Oberbürgermeisteramt zeitweilig ruhen und kämpfte als Kompanie- und Bataillonsführer, 1914 wurde er verwundet. Später schied er als Major aus der Reichswehr aus. Von 1916 bis 1920 gehörte er dem brandenburgischen Provinzialausschuss an, zuletzt als Vorsitzender.
Rolle im Finanz- und Sparkassenwesen Scholz verfasste Schriften über das Reichshypothekenrecht und das Gemeindebesteuerungssystem in Preußen sowie ein Rechtsbuch für Genossenschaften. Als Düsseldorfer Kämmerer initiierte er 1910 eine Geldvermittlungsstelle des Deutschen Städtetags für Gemeinden mit über 80.000 Einwohnern, aus der 1916 die Deutsche Girozentrale hervorging.
Ebenfalls 1916 gehörte Scholz neben Johann Christian Eberle (Bürgermeister im sächsischen Nossen) und Ernst Kleiner (Landrat des Kreises Lebus) zu den Gründern des Deutschen Zentral-Giroverbands, dessen Vorsitzender er 1923 wurde. Im Jahr darauf schloss sich dieser Verband mit dem Deutschen Sparkassenverband und dem Deutschen Verband der kommunalen Banken zum Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) zusammen. Anschließend war Scholz Vorsitzender der Verbandsversammlung und des Aufsichtsrats des DSGV.
Politik in der Weimarer Republik Scholz schloss sich 1919 der Deutschen Volkspartei an und vertrat dort eher den republik-skeptischen Flügel seiner Partei, wie Gustav Stresemann ihm später unverblümt attestierte: „Sie selbst, der Sie sich ja oft als Vertreter des rechten Flügels offen bezeichnet haben, stehen innerlich gewiß dem alten Deutschland sympathischer gegenüber als dem neuen.“ Gustav Stresemann: Vermächtnis. Der Nachlaß in drei Bänden. Bd. 3, Ullstein, Berlin 1933, S. 312. Der Landesdirektor der preußischen Provinz Brandenburg ernannte ihn am 6. März 1920 zum Preußischen Provinzialrat.Amtsblatt der Regierung Potsdam, 1920, S. 120.
Vom 25. Juni 1920 bis zum 10. Mai 1921 amtierte er als Reichswirtschaftsminister im Kabinett Fehrenbach. Durch die Neuwahl im Wahlkreis 1 (Ostpreußen) wurde Scholz am 7. März 1921 Abgeordneter im Reichstag. Von 1923 bis 1930 war er Vorsitzender der DVP-Fraktion im Reichstag. Außerdem leitete er von 1922 bis 1929 als Vorsitzender den Berufsverein der höheren Kommunalbeamten Deutschlands.
Nach dem Tod von Gustav Stresemann 1929 übernahm Scholz auch den Parteivorsitz der DVP, legte sein Amt aber 1930 aus gesundheitlichen Gründen nieder und wurde als Parteivorsitzender von Eduard Dingeldey abgelöst. Scholz gehörte zum konservativen, industrienahen Flügel der Partei. Unter seiner und Dingeldeys Führung rückte die DVP im Vergleich zur Stresemann-Zeit wieder nach rechts und vertrat noch stärker als zuvor die Forderungen der (Schwer-)Industrieverbände. Dadurch verschärfte sich der wirtschafts- und sozialpolitische Streit zwischen DVP und SPD, die seit 1928 im Kabinett Müller II zusammen regierten, was schließlich zum Bruch der „Großen Koalition“ führte. 1931 schied Scholz auch aus dem Reichstag aus und zog sich aus der Politik zurück.
mini|Grabstelle auf dem Friedhof Sacrow Ernst Scholz starb mit 58 Jahren. Er wurde auf dem Friedhof Sacrow in Potsdam beerdigt (Block E). Die Grabplatte gestaltete der Bildhauer Fritz Klimsch.
Ehrungen Dr.-Ing. e. h. Scholzplatz in Berlin-Charlottenburg (1931).
Schriften Das heutige Gemeindebesteuerungssystem in Preußen. Unter besonderer Berücksichtigung des Westens der Monarchie. In: Gemeindefinanzen. Band 1: System der Gemeindebesteuerung in Hessen, Württemberg, Baden, Elsaß-Lothringen, Bayern, Sachsen, Preußen. Duncker & Humblot, Leipzig 1908, S. 279–318. mit Paul Donath: Rechtsbuch für Genossenschaften. Guttentag, Berlin 1908. mit Erwin Stein (Hrsg.): Cassel. Stalling, Oldenburg 1913. Alfred Gildemeister: Briefe und Schriften. Hrsg. von seiner Frau. Mit einem Geleitwort von Scholz. Stalling, Oldenburg 1929.
Literatur
Thomas Klein: Leitende Beamte der allgemeinen Verwaltung in der preußischen Provinz Hessen-Nassau und in Waldeck 1867 bis 1945 (= Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte. Band 70). Hessische Historische Kommission Darmstadt, Historische Kommission für Hessen, Darmstadt / Marburg 1988, ISBN 3-88443-159-5, S. 207. Scholz, Ernst. In: Robert Volz: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Band 2: L–Z. Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1931, , S. 1692–1693.
Siehe auch Liste der Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik (1. Wahlperiode) Liste der korporierten Reichstagsabgeordneten (Weimarer Republik)
Weblinks
Hinweis bei der Friedrich-Naumann-Stiftung Dr. Ernst Scholz. Nur 15 Monate in Kassel. Hinweis bei der Stadt Kassel . – Vita bis 1930
Biographie in der Pacelli-Edition
Einzelnachweise
Kategorie:Reichsminister (Weimarer Republik) Kategorie:Wirtschaftsminister (Deutschland) Kategorie:Mitglied des Preußischen Herrenhauses Kategorie:Reichstagsabgeordneter (Weimarer Republik) Kategorie:Parteivorsitzender (Deutschland) Kategorie:Bürgermeister (Kassel) Kategorie:Provinzialrat (Preußen) Kategorie:Person (Berlin-Charlottenburg) Kategorie:DVP-Mitglied Kategorie:Absolvent der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Kategorie:Corpsstudent (19. Jahrhundert) Kategorie:Jurist in der Kommunalverwaltung Kategorie:Person im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich) Kategorie:Major (Reichswehr) Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes I. Klasse Kategorie:Ehrendoktor der Technischen Universität Berlin Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1874 Kategorie:Gestorben 1932 Kategorie:Mann