mini|Blick auf den Armesberg
Der Armesberg (731 m ü. NN) ist ein weithin sichtbarer, bewaldeter Basaltkegel südöstlich von Zinst auf dem Gebiet der Gemarkung Oberwappenöst im östlichen Teil der Gemeinde Kulmain im Landkreis Tirschenreuth/Oberpfalz. Er liegt an der alten Handelsstraße von Eger nach Nürnberg. Auf dem Gipfel befindet sich eine historisch wertvolle und denkmalgeschützte Wallfahrtskirche. Zum Armesberg hinauf führen zahlreiche Wanderwege und Fahrradrouten. Markenzeichen des Bergs ist der kunstvoll gestaltete Kreuzweg und der fast nur aus Basalt bestehende Gipfel. Der Armesberg bildet die Wasserscheide zwischen Fichtel- und Haidenaab und zugleich eine Abgrenzung des Steinwaldes gen Westen. Naturräumlich rechnet ihn das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) zur Einheit Steinwald (394-C).
Namensherkunft Die erste Erwähnung des Armesbergs bzw. des Ortes Erdenweis findet man in einer 1450 erschienenen Zustandsbeschreibung der Waldfluren durch Forstmeister Ulrich Flugler: „Nota die orter auf dem mittern vorst dem Vlrich Flugler von meins gnedigen Herrn wegen Jnnehat[...] Jt. an dem Ermweis hait man[...]“ Dieses Ermweis entspricht dem heutigen Ort Erdenweis. 1516 werden die Ermesloe und der Ermesberg (heute Armeswald und Armesberg) genannt. Dies gibt einen Hinweis auf die mögliche Herkunft des Namens Armesberg. Es könnte ein Erdenberg sein, da aus Ermweis später Erdenweis wurde. Es wäre also möglich, dass aus Ermesberg später Erdenberg geworden wäre, was jedoch nicht eingetreten istWir am Steinwald, Heft 9, S. 70f.. Ein anderer Name für den Armesberg ist Armansberg. Dieser wurde 1877 beim Bau des Armannsbergtunnels von einem fremden Beamten eingeführt, ist jedoch heute ungebräuchlichWir am Steinwald, Heft 6, S. 111. mini|250px|Basalt auf dem Armesberg
Geologie An der Südwestseite des Berges befindet sich ein mächtiges Basalt-Trümmerfeld. Dieses ist darauf zurückzuführen, dass der Armesberg ein Vulkanschlot ist, ähnlich wie der Rauhe Kulm. Es gibt noch eine ganze Reihe solcher Vulkanschlote in der nördlichen Oberpfalz. Vermutlich rührt dieser Oberpfälzer Vulkanismus von zwei Linien her:
Erstens liegt er parallel zur Fränkischen Linie, einer großen Störzone, die aller Wahrscheinlichkeit nach vor 25-20 Millionen Jahren wieder reaktiviert wurde, andererseits an der Linie Eger-Kemnath, die als Verlängerung des Eger-Grabens zu sehen ist.
Die eigentliche Entstehungsgeschichte beginnt im Kambrium. Zu dieser Zeit befand sich an der heutigen Stelle des Steinwalds ein Meer. Schutt, Kalk, Sand und andere Materialien vom Festland lagerten sich auf dem Meeresgrund ab und bildeten verschiedene Sedimentschichten. Unter enormem Druck, sowohl exogenem als auch endogenem, wurden diese Schichten zu einer festen Einheit gepresst. Dies war die Grundlage für eine Aufschiebung dieser über das ganze Meeresbecken ausgedehnten Schichten. Durch die Alpenaufschiebung wurden die Schichten von zwei Seiten zusammengepresst und schoben sich dadurch nach oben, bis sie einen Berg bildeten. Dies geschah im Tertiär vor etwa 60 Millionen Jahren. Der Armesberg war entstanden und ist bis heute, 60 Millionen Jahre später, immer noch ein markantes Landschaftsbild.
Der Vulkanismus entstand ebenfalls durch die Aufschiebung der Alpen, wodurch auch hier tektonische Bewegungen entstanden. Durch Risse drang das Magma bis fast an die Erdoberfläche und sammelte sich dort in Kammern. Bei einem normalen Vulkanausbruch wird das Magma durch den enormen Druck im Inneren der Kammer durch einen Schlot nach oben geschleudert. Befindet sich dagegen nur wenig Magma in dieser Kammer und wird der Ausbruch anderweitig ausgelöst (z. B. durch Gase), läuft die Lava nur aus dem Vulkan heraus und erstarrt zu verschiedenen Gesteinen, beim Armesberg Basalt. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Lava bereits vor dem Austritt erkaltet war.
Geschichte Besiedelt wurde die Region Armesberg bereits im 12. Jahrhundert, als die Leuchtenberger die Sümpfe und den dichten Urwald rund um den Berg kultivierten und somit eine wohnliche Gegend schufen. Dies wird auch durch ein Lehensbuch der Leuchtenberger aus dem 14. Jahrhundert belegt. Schon damals wird der heute noch existente Ort „Godas“ als leuchtenbergisches Lehen benannt.
Nur ein stummer Zeuge ist vom Sumpf und dem Urwald übrig geblieben: die Fichtelnaab, die durch das am Fuße des Armesbergs gelegene Dorf Trevesen fließt. Übrigens soll es hier auch ein Raubritterschloss gegeben haben, was nicht besonders verwunderlich ist: Die dichten Wälder waren ein ideales Versteck für Verbrecher und es war auch nicht leicht, den Berg von der Süd- und Westseite, also der Seite der Gebietsverwalter, der Waldecker, zu besteigen, weil er dort zu steil ist. Auch im Dreißigjährigen Krieg versteckten sich die Anwohner in den dichten Wäldern vor den Schweden, oftmals zusammen mit ihrem Besitz und ihren Tieren.
Früher befand sich unterhalb der Bergkuppe die Michaelskapelle mit drei Wohnungen für ankommende oder sich auf der Durchreise befindliche Geistliche. Am 12. September 1706 wurde die Kapelle dem Heiligen Michael geweiht, jedoch verfiel das Gebäude mit der Zeit; ein Brand 1841 gab dem maroden Kirchlein den Rest.
mini|Heutige Wallfahrtskirche „Zur Heiligsten Dreifaltigkeit“ mini|140px|Das Kulmainer Wappen zeigt die Armesbergkirche vor der Zerstörung 1819Wir am Steinwald, Heft 13, S. 8 und
Wallfahrtskirche Auf der Bergspitze steht jetzt die Wallfahrtskirche „Zur Heiligsten Dreifaltigkeit“, ein wuchtiger Rundbau mit vorgebautem Turm. mini|300px|Wallfahrtskirche auf dem Gipfel des Armesbergs
Die erste Kirche Vordem stand hier eine 1677/78 durch die Initiative des Kulmainer Pfarrers Christoph Arckhauer errichtete Kapelle, die am 12. August 1690 vom Regensburger Weihbischof Albert Ernst von Wartenberg konsekriert wurde; über die Einweihung der Kirche berichtete der Sulzbacher Kalender:
„Am 04. Juni 1678 war der ganze Bau vollendet, und wurde die Kapelle Tags darauf, am 05. Juni, als am ersten Sonntag nach Pfingsten, am heil. Dreifaltigkeitsfeste selbst, feierlich benedicirt und zwar vom Pfarrer und churfürstl. geistl. Rath Christoph Arckhauer zu Kulmain, ihrem Begründer, in Gegenwart von Georg Reiß, Pfarrer und Kämmerer zu Pressatz, Johann Stahl, Provisor zu Ebnath und Steinach, Johann Oettl, Pfarrer zu Pullenreuth, Wolfgang Valentin Burger, Pfarrer zu Waldeck, P. Corbinian Einziger, Vicar der Franziskaner-Reformaten zu Kemnath, der P.P. Carolus Rieffenträger, Menrad Rauch, Cherubin Hopfauer von da, endlich des Grafen Ludwig von St. Bonifacii, der Churfürstl. Durchlaucht in Bayern Kämmerer und Oberstlieutenant zu Pferd, und anderer hoher Standespersonen. Die Zahl der Anwesenden betrug über 3500, von denen 850 die heil. Sakramente der Buße und des Altares empfangen hatten. Das Hochamt hielt Pfarrer Oettl von Pullenreuth, die Predigt Pfarrer Arckhauer von Kulmain. Nach vollendetem Gottesdienste traktierte Graf von St. Bonifacii unter seinen frei aufgeschlagenen Zelten alle gegnwärtigen Priester und Standespersonen mit guten Speisen, Wein und Bier aus der inprovisierten Küche, während 4 Trompeter und ein Paukenschläger musicierten. Um 3 Uhr nachmittags wurde die feierliche Vesper abgehalten und mit dem Segen des Allerheiligsten die Feier selbst beendigt.“
Auch der Armesberg blieb von der Säkularisation nicht ganz verschont. 1804 sandte das Landgericht Kemnath folgenden Brief an die Landesdirektion:
„Auf dem Armesberge befinden sich zwei Kirchen, eine Dreifaltigkeitskirche und eine Michaelskirche. Wenn auf dem Armesberge keine Pfarrei errichtet wird, sind beide Kirchen entbehrlich. Da für die umliegenden Ortschaften wegen der gebirgigen und winterlichen Lage auf dem Armesberge eine kleine Schule besteht, so ist das elende Schulhaus zu vertauschen und das Pristerhaus, das an die Michaelskirche angebaut ist, zu einem Schulhaus zu herzurichen.“ Dennoch wurde das Gebäude nie umgebaut. Ein Blitzschlag zerstörte am 22. Mai 1819 das Bauwerk. Davon berichten auch die Aufzeichnungen des Lehrers Philip, der nahe beim Schulhaus wohnte:
Es war für mich und meine Familie sowie für alle benachbarten orte ein betrübender Anblick, mit Thränen in den Augen sah man jetzt zur Brandstätte hinauf, wo vorher so viele Tausend der frommen Wallfahrer Trost und Hilfe suchten und fanden. Ja! das verödete und zerstörte Gnadenkirchlein preßte uns viele Thränen aus den Augen.
Wertvollere Paramente, die Monstranz und Kelche fielen den Flammen nicht zum Opfer, weil sie in der Wohnung des Lehrers und Mesners aufbewahrt wurden.
Die neue, heutige Kirche mini|Die geplante, aber nicht erbaute Kirche Der erste Plan für eine neue Kirche sah einen dreipassförmigen Grundriss vor, darüber drei Kapellen mit Kuppeldächern. Da die technische Konstruktion zu viele Schwierigkeiten bereitete, entschied man sich stattdessen für einen Rundbau mit Kuppeldach. Nach einer Spendenaktion zum Wiederaufbau des Gotteshauses begannen am 14. August 1822 die Außenarbeiten, die sich bis in das Jahr 1836 hinzogen, als am Dreifaltigkeitsfest die kirchliche Weihe erfolgte und das erste Messopfer gefeiert werden konnte. Sehenswert ist die Plastik Christus in der Rast. Der Altar der heutigen Kirche stammt noch aus der Michaelskapelle.
1839, am Dreifaltigkeitssonntag, wurde die erste Heilige Messe zelebriert. Lehrer Philip schrieb dazu auf:
„Ich kann es nicht beschreiben, mit welcher Andacht dieses Gotteshaus zur heiligen Dreifaltigkeit seit der Zeit, wo es wieder erbaut wurde, bei jedesmaligem Gottesdienst von Andächtigen aus nah und ferne besucht wird, und kaum dann kann die Kirche die Volksmenge fassen, welche herbeigeströmt und über die Herstellung dieser Kirche Freudenthränen vergießt.“
1841 dann wollte der damalige Pfarrer durch die immer geringer werdende Besucherzahl der Gottesdienste in Kulmain eine Gottesdienstbeschränkung beim Bischof erwirken, da seit dem Bau der neuen Armesbergkirche diese Kirche anstatt der Kulmainer Kirche besuchten. Bis dahin wurden auf dem Armesberg vom 1. Mai bis Ende Oktober Messen zelebriert – außer an Fronleichnam und dem darauffolgenden Sonntag, an denen alle Pfarrkinder zur Mutter Kirchen zu kommen gehalten seynd (mit Mutter Kirche ist hier die Kulmainer Pfarrkirche gemeint, da die Kirche auf dem Armesberg damals nur eine Filialkirche war – heutzutage übrigens auch noch). Die umliegende Bevölkerung jedoch stellte sich gegen den Pfarrer und schrieb am 10. April desselben Jahres einen Brief an den Bischof:
„Es ist immer traurig, wenn eine Pfarr-Gemeinde in der Ausübung ihrer Religion Hinderniße findet; bey und durch die Schuld der Menschen oder durche den Einfluß der Elemente. [...] Diese unsere herrliche Wallfahrtskirche [...] war von der Zeit ihrer ersten Erbauung im Jahre 1678 angefangen, fortwährend der Zufluchtsort von vielen tausend andächtigen Wallfahrern aus der Nähe und Ferne, und wurde besonders von den nahe gelegenen Dörfern, welche der Pfarrey Kulmain einverleibt sind, in den 6 Sommermonaten - vom ersten Mai bis 28. Oktober - immer sehr zahlreich besucht. [...]“ Der Bischof antwortete wenige Tage später, die Zahl der Gottesdienste werde nicht reduziert. Beim Dreifaltigkeitsfest des Jahres 1978 feierte man das 300-jährige Jubiläum der Kirche. Die Veranstaltung stand unter dem Motto, das schon Lehrer Philip 140 Jahre vorher zu Papier brachte:
„Mög das Gotteshaus noch viele Jahrhunderte allen benachbarten und ferner wohnenden christlichen Einwohnern als Zufluchtsort für ihr Seelenheil dienen und als Zierde unseres Landgerichts und der ganzen Obern Pfalz stehen!“ mini|Die Seilbahn vom Steinbruch nach Immenreuth 1910
Zinster Steinbruch