Das Thüringer Oberlandesgericht ist das Oberlandesgericht des Freistaates Thüringen mit Sitz in Jena und bildet die Spitze der Thüringer ordentlichen Gerichtsbarkeit.

Gerichtssitz und -bezirk Das Thüringer Oberlandesgericht hat seinen Sitz in Jena. Der Gerichtsbezirk entspricht dem Gebiet des Landes. Im Bezirk des Oberlandesgerichtes sind 1693 Rechtsanwälte und Syndikusrechtsanwälte zugelassen (Stand: 1. Januar 2023).

Geschichte mini|Gedenktafel am ehemaligen Oberlandesgericht

1816–1879 Die Stadt Jena hat als Ort der Rechtsprechung eine lange Tradition, die bis auf den 1558 von Kaiser Ferdinand I. gegründeten Schöppenstuhl zurückgeht.

Im Jahr 1816 gründeten die ernestinischen Länder ein gemeinsames Oberappellationsgericht, das aufgrund eines Staatsvertrags der Staaten Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Coburg und Gotha, Schwarzburg-Rudolstadt, Reuß ältere Linie, Reuß jüngere Linie im Rahmen des reicheinheitlichen Gerichtsverfassungsgesetzes zum 1. Oktober 1878 als gemeinsames Oberlandesgericht fortgeführt wurde.

1879–1923 mini|Historisches Gerichtsgebäude an der August-Bebel-Straße in Jena (2014) Carl Heinrich Ferdinand Streichhan entwarf den Neubau für das Oberlandesgericht an der späteren August-Bebel-Straße, der 1880 bezogen werden konnte. Die Bauleitung hatte Otto Minkert.

+ Gliederung des Gerichtsbezirkes Staat Landgerichte Amtsgerichte Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach Landgericht Eisenach Amtsgericht Geisa | Amtsgericht Gerstungen | Amtsgericht Ilmenau | Amtsgericht Kaltennordheim | Amtsgericht Lengsfeld | Amtsgericht Ostheim vor der Rhön | Amtsgericht VachaLandgericht Weimar (ohne die Amtsgerichte des Kreises Neustadt an der Orla) Amtsgericht Apolda | Amtsgericht Blankenhain | Amtsgericht Buttstädt | Amtsgericht Großrudestedt | Amtsgericht Jena | Amtsgericht Vieselbach | Amtsgericht Weimar Herzogtum Sachsen-Meiningen Landgericht Meiningen Amtsgericht Heldburg | Amtsgericht Hildburghausen | Amtsgericht Meiningen | Amtsgericht Römhild | Amtsgericht Salzungen | Amtsgericht Schalkau | Amtsgericht Themar | Amtsgericht Wasungen Amtsgericht Schleusingen | Amtsgericht Schmalkalden | Amtsgericht Steinbach-Hallenberg | Amtsgericht Suhl Amtsgericht Königsberg | Amtsgericht Neustadt | Amtsgericht Rodach | Amtsgericht SonnefeldHerzogtum Sachsen-AltenburgLandgericht Altenburg Amtsgericht Eisenberg | Amtsgericht Kahla | Amtsgericht Roda | Amtsgericht Ronneburg | Amtsgericht SchmöllnHerzogtum Sachsen-Coburg-GothaDie fünf Amtsbezirke des coburgischen Anteils gehören zum Landgericht Meiningen Landgericht Gotha Amtsgericht Liebenstein | Amtsgericht Ohrdruf | Amtsgericht Tenneberg | Amtsgericht Thal | Amtsgericht Tonna | Amtsgericht Wangenheim | Amtsgericht ZellaReuß ältere LinieLandgericht Greiz Amtsgericht Greiz | Amtsgericht Zeulenroda Reuß jüngere Linie Landgericht Gera (gemeinschaftlich mit dem weimarischen Kreis Neustadt) Amtsgericht Hirschberg (Saale) | Amtsgericht Hohenleuben | Amtsgericht Lobenstein | Amtsgericht Schleiz Amtsgericht Neustadt an der Orla | Amtsgericht Weida Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt Landgericht Rudolstadt Amtsgericht Königsee | Amtsgericht Leutenberg | Amtsgericht Oberweißbach | Amtsgericht Rudolstadt | Amtsgericht Schlotheim | Amtsgericht Stadtilmpreußische Amtsgerichte des Kreises ZiegenrückAmtsgericht Ranis | Amtsgericht Ziegenrück Amtsgericht Kamburg | Amtsgericht Pößneck | Amtsgericht Saalfeld

Die fünf Amtsgerichte des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen, in der Unterherrschaft Amtsgericht Sondershausen, Amtsgericht Ebeleben und Amtsgericht Greußen sowie in der Oberherrschaft Amtsgericht Arnstadt und Amtsgericht Gehren wurden im Instanzenzug dem preußischen Landgericht Erfurt und dem Oberlandesgericht Naumburg nachgeordnet.Ulrich Hess: Geschichte Thüringens 1866 bis 1914. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1991, ISBN 3-7400-0077-5, S. 195.

Nach der Gründung des Volksstaates Reuß wurde mit Erlass vom 11. Juli 1919 betreffend die Abänderung des Staatsvertrags über die Fortdauer der Landgerichtsgemeinschaft in Gera das bis dahin bestehende Landgericht Greiz des Fürstentums Reuß ältere Linie aufgelöst und der Landgerichtsbezirk mit den Amtsgerichten Burgk, Greiz und Zeulenroda dem Landgerichtsbezirk Gera zugewiesen. Beim Amtsgericht Greiz verblieb eine Strafkammer und es wurde eine Kammer für Handelssachen eingerichtet. Mit der Vereinigung des Freistaates Coburg mit dem Freistaat Bayern, die durch das Reichsgesetz vom 30. April 1920 mit Wirkung vom 1. Juli 1920 vollzogen wurde, schieden in der Folge auch die Coburger Amtsgerichte aus der Landgerichtsgemeinschaft Meiningen aus. Dieses Ausscheiden wurde in einem Staatsvertrag zwischen Preußen, Thüringen und Bayern mit Wirkung vom 1. April 1921 rechtskräftig.Gesetzessammlung für Thüringen Nr. 11 von 1921 S. 69. Ab 1922 war William Oberländer als Generalstaatsanwalt tätig.

1923–1944 Nach dem Zusammenschluss der verschiedenen thüringischen Kleinstaaten und der Vereinigung des Coburger Landesteils mit dem Freistaat Bayern wurde nach einiger Zeit auch die Gerichtsorganisation in Thüringen neu strukturiert. Mit dem Gesetz über die Sitze und Bezirke der ordentlichen Gerichte im Lande Thüringen vom 15. Juni 1923 wurde folgende Struktur beschlossen:Gesetzessammlung von Thüringen 1923 S. 476.

+ Gliederung des Gerichtsbezirkes Landgerichte Amtsgerichte Landgericht Altenburg Amtsgericht Meuselwitz | Amtsgericht Ronneburg | Amtsgericht Schmölln Landgericht Eisenach Amtsgericht Geisa | Amtsgericht Gerstungen | | Amtsgericht Kaltennordheim | Amtsgericht Stadtlengsfeld | Amtsgericht Thal-Heiligenstein | Amtsgericht Vacha Landgericht Gera Amtsgericht Greiz Amtsgericht Hirschberg (Saale) | Amtsgericht Neustadt an der Orla mit der Abteilung Auma| Amtsgericht Schleiz | Amtsgericht Weida | Amtsgericht ZeulenrodaLandgericht Gotha Amtsgericht Gehren | Amtsgericht Gotha | Amtsgericht Gräfentonna | Amtsgericht Ilmenau | Amtsgericht Ohrdruf | Amtsgericht WaltershausenGemeinschaftliches Landgericht Meiningen Amtsgericht Heldburg | Amtsgericht Hildburghausen mit der Abteilung Themar | Amtsgericht Meiningen | Amtsgericht Ostheim vor der Rhön | Amtsgericht Römhild | Amtsgericht Salzungen | Amtsgericht Schalkau | Amtsgericht Sonneberg | Amtsgericht Steinach | Amtsgericht Wasungen | Amtsgericht Zella-MehlisAmtsgerichte der preußische Kreise Schleusingen und Schmalkalden Amtsgericht Brotterode | Amtsgericht Schleusingen | Amtsgericht Schmalkalden | Amtsgericht Steinbach-Hallenberg | Amtsgericht SuhlGemeinschaftliches Landgericht Rudolstadt Amtsgericht Kahla | Amtsgericht Königsee | Amtsgericht Lobenstein | Amtsgericht Oberweißbach | Amtsgericht Pößneck | Amtsgericht Rudolstadt | Amtsgericht Saalfeld mit der Abteilung Leutenberg| Amtsgericht Stadtilm Amtsgericht ZiegenrückLandgericht Weimar Amtsgericht Blankenhain | Amtsgericht Buttstädt | Amtsgericht Camburg | Amtsgericht Eisenberg | Amtsgericht Großrudestedt | Amtsgericht Jena | Amtsgericht Roda | Amtsgericht Vieselbach | Amtsgericht Weimar Die Amtsgerichte in Sondershausen, Ebeleben und Greußen blieben bei dem Landgericht Erfurt.

Mit Gesetz vom 28. Mai 1934 wurde im Landgerichtsbezirk Gera zusätzlich das Amtsgericht Triebes eingerichtet.Gesetzessammlung für Thüringen Nr. 21 1934 S. 93.

1944 Mit Erlaß zur Änderung von Oberlandesgerichtsbezirken vom 20. Juli 1944 wurden die Landgerichtsbezirke Nordhausen und Erfurt, die bis dahin dem OLG Naumburg zugewiesen waren, dem OLG-Bezirk Jena zugeteilt. Vom LG-Bezirk Nordhausen wurden zugleich die Amtsgerichte in Artern, Heringen, Kelbra, Roßla, Sangerhausen und Stolberg dem Landgericht Halle zugeteilt.RGBl. Nr. 34 von 1944 S. 164 Vorausgegangen war dieser Änderung ein Führererlass vom 1. April 1944, der die bis dahin bestehende preußische Provinz Sachsen in die Provinzen Magdeburg und Halle-Merseburg aufgliederte. Der bis dahin auch zur Provinz Sachsen gehörende Regierungsbezirk Erfurt wurde unter Verwaltung des Reichsstatthalters von Thüringen gestellt.RGBl. Nr. 20 von 1944 S. 110f

1945–1952 In der kurzen Zeit der amerikanischen Besetzung Jenas nach Kriegsende wurde der Gerichtsbetrieb am Oberlandesgericht ausgesetzt. Nach dem Besatzungswechsel Anfang Juli 1945 wurde das Gerichtsgebäude von sowjetischen Truppen requiriert und der Aktenbestand seitens der sowjetischen Besatzungsmacht beschlagnahmt und separiert. Der Befehl Nr. 49 der SMAD vom 4. September 1945 forderte außer der Wiederaufnahme des vollumfänglichen Geschäftsbetriebes aller Gerichte und Staatsanwaltschaften zum 30. September 1945 auch die Entfernung sämtlicher Mitglieder der NSDAP und faschistischer Organisationen aus dem Apparat der Gerichte und Staatsanwaltschaften, was zu massenhaften Entlassungen führte. Zuvor hatte am 7. August 1945 der amtierende Landespräsident Rudolf Paul eine Verlegung des Gerichtes nach Gera erlassen, welche am 13. August 1945 von der Thüringer Landesverwaltung nachträglich gebilligt wurde. Die sofort vollzogene Verlegung geschah in Unkenntnis der Jenaer Stadtverwaltung, aber auch der sowjetischen Militäradministration in Thüringen (SMATh). Bereits am 28. August 1945 wurde daraufhin der bis dahin amtierende Landgerichtspräsident von Gera, Arno Barth, in sein Amt als neuer OLG-Präsident eingeführt. Eindringliche Proteste der Jenaer Stadtverwaltung fruchteten ebenso wenig wie die Pläne der SMATh, die per Befehl Nr. vom 15. September 1945 Weimar als neuen Standort ausersehen hatte. Hintergrund dieser Überlegungen war offensichtlich die Konzentration von Landesregierung und Militärregierung, die bereits in Weimar saßen, sowie der Obersten Gerichtsbehörde an einem Standort. Aber auch diese Pläne konnte Paul, der vor seiner Ernennung zum Landespräsidenten kurzzeitig Oberbürgermeister von Gera war, erfolgreich abwehren. Die Existenz des OLG in Gera währte indes nur bis 1949, als es nach Erfurt verlegt wurde.Gesetz betreffend die Änderung von Gerichtsbezirken im Lande Thüringen vom 19. Mai 1949 (Reg.-Bl. I S. 32).

Das Oberlandesgericht trat in Strafsachen als Revisionsgericht an die Stelle des Reichsgerichts.Gesetz über die Anwendung des Gerichtsverfassungsgesetzes in dem Lande Thüringen vom 5. Dezember 1945 (Reg.-Bl. 1946 I S. 1), Art. IV § 120 (vgl. § 135 GVG in der Fassung von 1924) Ab 1947 war es auch Kassationsgericht,Gesetz über die Kassation rechtskräftiger Urteile in Strafsachen vom 10. Oktober 1947 (RegBl. I S. 81) bevor 1949 das Oberste Gericht der DDR gegründet wurde, welches diese Funktion sowohl in Straf- als auch Zivilsachen übernahm.Gesetz über die Errichtung des Obersten Gerichtshofes und der Obersten Staatsanwaltschaft der Deutschen Demokratischen Republik vom 8. Dezember 1949 (GBl. Nr. 16 S. 111), Abschnitt III Bis dahin gab es kein Gericht über dem Oberlandesgericht.Siehe auch Rechtsverordnung zur vorläufigen Überleitung der bürgerlichen Rechtspflege auf den Friedensstand vom 24. Oktober 1945 (Reg-Bl. I S. 50), § 24

Im Zuge der Justizreform der DDR vom 2. Oktober 1952 (GBl. Nr. 141 S. 983) wurde das Gericht 1952 aufgelöst.

Seit 1990 mini|Das Hochhaus B 59 – von 1993 bis 2004 Sitz des OLG, Foto von 2009