mini|295px|Aken (Elbe), Luftaufnahme (2019) mini|295px|Romanisch-gotische Kirche St. Nikolai Die Stadt Aken (Elbe) liegt im Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt (Deutschland).
Geografie Lage Aken am Südufer der mittleren Elbe liegt ca. acht Kilometer westlich von Dessau-Roßlau in einem ausgedehnten Tieflandgebiet innerhalb des Biosphärenreservates Mittelelbe. Etwa 15 km westlich von Aken mündet die Saale in die in diesem Abschnitt nur wenig Gefälle aufweisende Elbe. Östlich der Hafeneinfahrt ändert sich der Flussverlauf (Ost-West-Richtung) in Richtung Nordwesten.
Stadtgliederung Zur Stadt Aken gehören folgende Ortschaften: Kleinzerbst Kühren Mennewitz Susigke mit den Wohnplätzen Forsthaus Olberg, Heidehof, Obselau und Heidekrug.
Geschichte
Frühe Geschichte Die frühe Stadtgeschichte von Aken ist unzureichend überliefert, da der Stadtarchiv-Bestand im Jahr 1485 bei einem großen Stadtbrand stark reduziert wurde.Berent Schwineköper: Aken. In: Handbuch der historischen Stätten. Provinz Sachsen/Anhalt (= Kröners Taschenausgabe, Bd. 314). 2. überarbeitete und ergänzte Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1987, ISBN 3-520-31402-9, S. 2. Im heutigen Ortsteil Kleinzerbst wurde in der Zeit zwischen den Weltkriegen und in den Jahren 1964 bis 1969 und 1979 bis 1981 ein germanisches Gräberfeld aus der frühen römischen Kaiserzeit ausgegraben.Erika Schmidt-Thielbeer: Kleinzerbst: ein germanisches Gräberfeld der Spätlatènezeit und der frühen römischen Kaiserzeit aus dem Landkreis Köthen. Band 51 der Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie, Landesmuseum für Vorgeschichte, Sachsen-Anhalt, 1998.
Schon 2020 war es dem ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger Michael Barkowski gelungen, via Satellitenfoto ein potenzielles römisches Marschlager bei Aken zu ermitteln. Das Landesdenkmalamt konnte in der Folge durch den Archäologen Ralf Schwarz die südwestliche Ecke des Lagers und eine Grabenunterbrechung mit Titulum auf der Südseite identifizieren. Ein Titulum (Mehrzahl: Titula) ist ein vorgelagertes Grabenstück an Grabenunterbrechungen vor den Eingangstoren römischer Militärlager, das als Annäherungshindernis diente, um den direkten Zugang zum Lagertor zu erschweren. Bei folgenden Testgrabungen konnte der noch bis zu einer Breite von 1,75 m und einer Tiefe von 1,55 m erhaltene, für römische Militärlager typische Spitzgraben erfasst werden. In der zweiten Jahreshälfte 2024 identifizierte der Archäologe Martin Freudenreich auf digitalen Orthofotos des Landesamts für Vermessung und Geoinformation ein zweites potenzielles Marschlager. Nicht nur die geraden Grabenverläufe der Lagerseiten, sondern auch die für römische Militärlager typischen abgerundeten Lagerecken waren auf den Photographien zu erkennen. Vor Ort wurde bei den Ausgrabungen ebenfalls ein Spitzgraben mit einer Restbreite von 1,8 m und einer Resttiefe von 1,5 m bis 1,6 m nachgewiesen, im Südosten des Lagerareals zusätzlich der Kopf des Grabens (Grabenkopf), der Teil einer Grabenunterbrechung gewesen sein könnte. Die beiden Anlagen werden auf das frühe dritte Jahrhundert datiert.Erste römische Marschlager in Sachsen-Anhalt entdeckt. Fundplätze zwischen Nordharz und Elbe belegen römische Vorstöße im 3. Jahrhundert nach Christus; Presseinformation des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und des Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale) vom 15. Januar 2026, abgerufen am 18. Januar 2026.
Die Akener Burg Gloworp (später Glorf, Lorf) wurde erstmals im späten 12. Jahrhundert erwähnt und 200 Jahre später zerstört. Die Bewohner der dortigen Siedlung, die im späten 13. Jahrhundert antiqua civitas genannt und deren Kirche erst 1539 bei einem Hochwasser zerstört wurde, zogen nach und nach in eine im 13. Jahrhundert neu angelegte Stadt, die mit systematischem Grundriss südöstlich der Burg entstand. Mit der askanischen Erbteilung von 1212 kam Aken zum Herzogtum Sachsen und bei dessen Teilung 1260 zu Sachsen-Wittenberg. Als Gründer der neuen Stadt wird Albrecht I. von Sachsen angenommen und Aken wird 1271 erstmals Stadt genannt. Nach kriegerischen Auseinandersetzungen ging Aken 1395 endgültig an die Erzbischöfe von Magdeburg über, die bereits 1392 im Nordwesten der Stadt ein burgartiges Schloss errichteten. Aken gehörte somit zum Erzstift Magdeburg und war ab 1680 Teil des Herzogtums Magdeburg. Es befand sich in diesem im Holzkreis, der bis zur französischen Eroberung im Jahr 1806 bestand.
19. bis 21. Jahrhundert In der Zeit des französisch beherrschten Königreichs Westphalen war Aken Verwaltungssitz des gleichnamigen Kantons im Distrikt Magdeburg des Departements der Elbe. In der Folge des Wiener Kongresses gehörte Aken zum Landkreis Calbe a./S. in der prußischen Provinz Sachsen. Vom 19. Jahrhundert an entwickelte sich Aken zu einem wichtigen Industriestandort der Region.
Am 20. Juli 1950 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Kühren, Mennewitz und Susigke nach Aken eingemeindet.
Von 1950 bis 2007 lag Aken im Kreis Köthen (1950 bis 1990 im DDR-Bezirk Halle, dann im Land Sachsen-Anhalt). Seit der Kreisreform 2007 ist die Stadt Teil des Landkreises Anhalt-Bitterfeld.
Am 1. Januar 1994 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Kleinzerbst nach Aken eingemeindet.
Bevölkerung Jahr EinwohnerQuellen 1875–1939: Statistik des Deutschen Reichs, Alte Folge Band 57; (neu) Bände 150, 240, 401, 450, 451, 552 (Verlag für Sozialpolitik, Wirtschaft und Statistik Berlin) 1875 5.092 1880 5.284 1890 6.109 1933 10.151 1939 11.490 1970 12.154 Jahr Einwohner 1990 10.223 2005 9.017 2010 8.317 2015 7.799 2020 7.417 Jahr Einwohner 2021 7.363 2022 7.249 2023 7.174 2024 7.153 2025 7.050
ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Aken besteht aus 20 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 63,6 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Frei & Fair für Aken 47,2 % 9 40,7 % 8 Akener Vereine Bündnis – – 20,8 % 4 CDU 19,1 % 4 18,8 % 4 FDP 9,4 % 2 10,2 % 2 Die Linke 8,9 % 2 9,5 % 2 AfD 9,0 % 2 – – SPD 6,4 % 1 – – Insgesamt 100 % 20 100 % 20
Bürgermeister mini|Rathaus Aken 1990–2015: Hansjochen Müller (SPD) seit 2015: Jan-Hendrik Bahn (parteilos)
Bahn wurde bei der Bürgermeisterstichwahl am 12. April 2015 mit 53,8 % der gültigen Stimmen gewählt. Er wurde bei der Bürgermeisterwahl am 19. Juni 2022 mit 82,7 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 19. Juni 2022 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Ortschaftsräte In den Ortschaften Kleinzerbst, Kühren, Mennewitz und Susigke wurde die Ortschaftsverfassung gemäß §§ 86 ff. der Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt eingeführt. Die Ortschaftsräte haben jeweils fünf Mitglieder.
Jugendbeirat Der Jugendbeirat der Stadt Aken (Elbe) ist ein beratendes Gremium zur Vertretung der Interessen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Seine rechtliche Grundlage bilden § 80 des Kommunalverfassungsgesetzes des Landes Sachsen-Anhalt sowie die von der Stadt erlassene Jugendbeiratssatzung. Der Beirat soll die Interessen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen gegenüber dem Stadtrat und der Stadtverwaltung vertreten. Er besitzt selbst keine kommunale Entscheidungskompetenz, sondern berät die politischen Gremien und bringt die Perspektive junger Menschen in kommunale Planungen und Vorhaben ein.
Der Jugendbeirat besteht regulär aus fünf gewählten Mitgliedern; für seine Bildung sind mindestens drei Mitglieder erforderlich. Die Amtszeit beträgt vier Jahre. Die Wahl wird als geheime Wahl durchgeführt und kann auch durch Briefwahl erfolgen. Wahlberechtigt sind Einwohner der Stadt und ihrer Ortschaften, die am Wahltag zwischen 14 und 23 Jahre alt sind. Als Einzelbewerber können Einwohner aus dieser Altersgruppe kandidieren. Das gesamte Stadtgebiet einschließlich der Ortschaften Kleinzerbst, Kühren, Mennewitz und Susigke bildet einen gemeinsamen Wahlbereich.
Seniorenbeirat Der Seniorenbeirat vertritt die Interessen der älteren Generation, wirkt, wie der Jugendbeirat, beratend an kommunalpolitischen Themen mit und kann eigene Projekte anregen. Das aus acht Mitgliedern bestehende Gremium nahm im Oktober 2025 seine Arbeit auf.
Dienstsiegel mini|hochkant=0.65|links|Stadtsiegel Aken Die Stadt Aken (Elbe) führt ein farbiges Dienstsiegel. Im Dienstsiegel ist folgendes Bildsiegel dargestellt: „Unter einem hohen gotischen Bogen, zwischen zwei gezinnten Rundtürmen mit Spitzdach, auf gequadertem Sockel stehend ein Bischof mit erhobener rechter Hand und zum Schwur ausgestreckten Fingern, der in der linken Hand den Bischofsstab hält. Die Türme sind von je einem kleinen schwebenden quergeteilten rot-weißen Wappenschild mit dem Kopf des heiligen Mauritius beseitet.“
Das Siegel ist mit der Umschrift Signetum Burgensium Urbis Aquensis Fidelis Filiae Ecclesiae Magdeburgensis (Siegel der Bürger der Stadt Aken, der treuen Tochter der Magdeburger Kirche) auf gelbem Untergrund versehen.
Stadtflagge Die Flagge der Stadt zeigt die Farben rot/weiß. Auf der Flagge befindet sich das farbliche Bildsiegel der Stadt.
Städtepartnerschaften Erwitte (Nordrhein-Westfalen) Anor (Frankreich)
Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|hochkant|Kirche St. Marien
Historisches Rathaus, ab 1490, spätgotisch begonnen, insgesamt Renaissance, 1606 erweitert. Mittelalterliche Stadtkirchen: St. Nikolai, romanisch-gotische Pfeilerbasilika St. Marien, 1188 im romanischen Stil erbaut, nach 1485 gotisiert, 1992 säkularisiert „Steinerne Kemenate“: Freihaus aus dem 13. Jahrhundert mit einem Kreuztonnengewölbe. Stadtbefestigung aus dem Mittelalter mit drei erhaltenen Tortürmen. Der 15 m hohe Burgtorturm hat eine Grundfläche von 16 m², während der 17 m hohe Dessauer Torturm eine Grundfläche von 64 m² und der 21 m hohe Köthener Torturm eine Grundfläche von 25 m² aufweist. Von der ursprünglich 2 900 m langen um 1300 aus Bruchsteinen und Ziegeln errichteten Stadtmauer sind ca. 2400 m erhalten.Informationstafel in der Elbstraße, bei Wikipedia Commons unter "Aken (Elbe)" einsehbar Häuser der Schiffseigner und Bootsleute vom Ende des 19. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts sind an vielen Stellen der Altstadt erhalten, vor allem in der Fischerstraße. Sie wurden auf auffallend kleinen Grundstücken erbaut, wobei häufig die Schiffseigner mehrstöckige Häuser mit verzierter Fassade und die Bootsleute einstöckige Häuser ohne besondere Verzierungen besaßen.Informationstafel in der Fischerstraße, bei Wikipedia Commons unter "Buildings in Aken (Elbe)" einsehbar mini|Schifferhäuser in der Fischerstraße Fahrgastschifffahrt auf der Elbe Biosphärenreservat Mittelelbe Wasserturm Aken: Mit dem Bau des Wasserturms wurde 1927 begonnen, nachdem in den Vorjahren einige frühere Baupläne scheiterten. Zwischen 1994 und 2004 wurde der Turm umfangreich saniert und dient seitdem vor allem als Wasserspeicher für die Wassernotversorgung der Stadt Aken, seiner Ortsteile und der Gemeinde Reppichau sowie als Druckausgleichsbehälter. Der 58 m hohe Wasserturm bietet bei klarer Sicht einen Blick bis zum Brocken und kann nach Voranmeldung besichtigt werden., abgerufen am 16. März 2021.Stadtwerke Aken: Historie der Wasserversorgung von Aken (Elbe), abgerufen am 16. März 2021. mini|Heimatmuseum Aken