mini|Seehäfen an der Weser- und Jade-Mündung mini|Containerschiff am Container-Terminal Bremerhaven Die Bremischen Häfen umfassen die Hafengruppen Bremerhaven und Bremen. Die Bremischen Häfen sind der zweitgrößte deutsche und der viertgrößte europäische Seehafen (nach Rotterdam, Antwerpen und Hamburg). Sie werden durch die bremenports GmbH & Co. KG verwaltet.
Die Bremischen Häfen zählen in Europa zur Nordrange (Hamburg-Antwerp-Range), den Seehäfen an der südlichen Nordsee, und sie stehen im Wettbewerb mit den anderen Häfen dieses Gebietes, insbesondere mit Rotterdam und Antwerpen. Vorteile im Wettbewerb erreicht die Hafengruppe durch die Kooperation der Bremer Lagerhausgesellschaft (BLG) mit der Hamburger Eckelmann-Gruppe (Eurokai), die zusammen Eurogate bilden. Über Eurogate bestehen Beteiligungen am größten Containerhafen des Mittelmeeres Gioia Tauro im Süden Italiens.Götz von Rohr: Die Entwicklung der Universalhäfen zwischen Hamburg und Antwerpen. In: Warnsignale aus Nordsee und Wattenmeer, 2002, Verlag Wissenschaftliche Auswertungen
Geschichte Versandung der Unterweser Der Schiffsverkehr zu den Bremer Häfen wurde bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts durch die Versandung der Weser erschwert. Seeschiffe steuerten nicht mehr die in der Stadtmitte gelegenen Häfen Schlachte an, sondern auf der Unterweser wurden die Waren von den Seeschiffen auf Leichter umgeladen, an der Unterweser traditionell Eken genannt. Die Nachbarstaaten Oldenburg und Kurhannover suchten den Verkehr auf ihre eigenen Häfen umzuleiten, etwa die oldenburgischen Brake und Elsfleth. Darum hatte Bremen Mühe, flussabwärts einen geeigneten Vorhafen zu gründen. Der 1622/1623 angelegte Vegesacker Hafen hatte alsbald auch ein zu flaches Fahrwasser und stand außerdem seit dem Frieden von Habenhausen 1666 nur noch bedingt unter Bremer Kontrolle.
Bremerhaven mini|Das Abfertigungsgebäude des Norddeutschen Lloyd in Bremerhaven um 1870
Erst 1827 gelang es dem Bremer Senat, dem Königreich Hannover das Gelände der ehemaligen Carlsburg (Lehe) an der Nordseite der Mündung der Geeste in die Außenweser abzukaufen, samt umgebenden Deichvorland. Dort gründete der Stadtstaat den Ort Bremerhaven und legte ein erstes künstliches Hafenbecken an, den Alten Hafen. 1847 wurde Bremerhaven Ausgangspunkt der ersten Dampfschiffslinie von Europa nach Amerika. Durch seine Lage an der Außenweser hat die Seestadt den Vorteil des tieferen Fahrwassers. Über Schleusenanlagen sind tideunabhängige Hafenbereiche (Dockhäfen) geschaffen worden. Im Jahr 1845 gründete das Königreich Hannover an der Südseite der Geestemündung Hafen und Siedlung Geestemünde. Dieser Hafen lag günstiger als das alte Geestendorf und trat in Konkurrenz zu Bremerhaven.
Auswanderer Bedingt durch die Auswanderungen im 19. Jahrhundert wurde Bremerhaven ab 1852 zum größten Auswandererhafen in Europa. 76.000 Menschen verließen 1852 von hier aus Europa. 1832 erließ Bremen Bestimmungen über eine menschenwürdige Behandlung der Auswanderer. 1849/1850 entstand das Auswandererhaus Bremerhaven auf einem Gelände der ehemaligen schwedischen Festungsstadt Carlsburg. Als 1862 die Geestebahn von Bremen nach Geestemünde führte, blieben die Auswanderer in Bremen und erst bei der Abfahrt wurden sie mit Sonderzügen nach Bremerhaven zu ihren Schiffen gebracht.
Weserkorrektion und moderne Hafenbecken mini|Der Bremer Freihafen 1918 In Bremen wurde ab 1887 ein flussabwärts des Stadtkerns gelegener Hafen, der Europahafen, gebaut, um den lukrativen Handel und Schiffsverkehr wieder an die Stadt zu holen. Im Folgejahr begann nach jahrelangen Vorarbeiten die Weserkorrektion, mit der das Fahrwasser der Unterweser nachhaltig vertieft wurde, so dass der Europahafen von modernen Hochseeschiffen angelaufen werden konnte. Als ebenfalls 1888 die Freie Hansestadt Bremen dem Deutschen Zollverein beitrat, blieb der neue Hafen Zollausland, indem er zum Freihafen erklärt wurde. Dieser lukrative Freihafen wurde 1891–1900 um den Holz- und Fabrikenhafen erweitert, heute das südlichste dem Hochseeverkehr dienende Hafenbecken Bremens. 1906 kam der Überseehafen hinzu. 1910 wurde nördlich der bisherigen Hafenbecken der Komplex der Industriehäfen eröffnet, im Gegensatz zu den vorigen durch eine Schleuse gesichert. An der Schlachte legten seitdem nur noch Ausflugsschiffe für Fahrten auf der Unter- und Außenweser an.
Wesermünde 1924 wurden die in der Preußischen Provinz Hannover gelegene Städte Geestemünde und Lehe zur kreisfreien Stadt Wesermünde vereinigt. 1939 wurde auch Bremerhaven als Stadtteil in das preußische Wesermünde eingegliedert. Das Hafengebiet Bremerhavens verblieb als Stadtbremisches Überseehafengebiet Bremerhaven bei der Stadt Bremen.
Nach 1945 Nach dem Zweiten Weltkrieg diente Bremerhaven als Nachschubhafen („Port of Embarkation“) für die US-Besatzungstruppen in Deutschland. Durch eine Übereinkunft der britischen und US-amerikanischen Besatzungsbehörden wurden 1947 das Stadt- und Landgebiet Bremens sowie der Stadtkreis Wesermünde, einschließlich Bremerhaven, zu „einem als Land zu bezeichnenden Verwaltungsgebiet“ erklärt.
Neustädter Hafen In den 1950er Jahren wuchs der Außenhandel. Die in Bremen auf der rechten Weserseite vorhandenen Umschlagkapazitäten reichten dafür nicht aus. Die Stadt entschloss sich 1960 dazu, ein 1,6 km² großes Gebiet auf der linken Weserseite zu erschließen. 1964 nahm dort der Neustädter Hafen als Freihafen seinen Betrieb auf; 1968 wurde er um ein Containerterminal erweitert, das heute allerdings nur noch unwesentlich zum Umschlag beiträgt.
Containerterminal Bremerhaven
1968 wurde der erste Teil des Container-Terminals Bremerhaven gebaut, 1971 erfolgte die Erweiterung an der Nordostseite der Weser als Container-Terminal I (CT I). Die zunehmende Containerisierung, der größere Tiefgang für größer werdende Schiffe und die Zeitersparnisse führten zu einer Verlagerung des Verkehrs von Bremen nach Bremerhaven. 1975 wurden rund 400.000 Container in den bremischen Häfen umgeschlagen.Pressedienst Bremische Hafenvertretung e. V., Januar 1977 Im September 2008 wurde schließlich, als letzter Bauabschnitt, das Container-Terminal IV (CT IV) eingeweiht. 2014 ist die Zahl der Container auf 3,43 Mio. gestiegen.
Obere Hafenbecken Der Hochseeverkehr in die Häfen im eigentlichen Bremen ging parallel dazu in den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts deutlich zurück. Übrig geblieben sind Rohstofflieferungen für im Hafengebiet oder nächster Nähe angesiedelte Industriebetriebe.
1998 wurde das Hafenbecken des 1906 eröffneten Überseehafens zugeschüttet, vor allem mit Baggergut aus der Fahrrinne der Unterweser. Seitdem entsteht hier aus dem Hafengebiet der multifunktionelle Stadtteil Überseestadt.
Einzelstandorte – ohne Sporthäfen und regionale Fahrgastschifffahrt – mini|Bremer Handelshäfen: Holz- und Fabrikenhafen (2006) mini|Neustädter Hafen Bremen Im Stadtteil Hemelingen befindet sich der nur durch Binnenschiffe anlaufbare Weserhafen Hemelingen mit den Hafenbecken: Fuldahafen Werrahafen Allerhafen Im Ortsteil Überseestadt, der zum Stadtteil Walle gehört, befinden sich der Europahafen der Holz- und Fabrikenhafen der Getreidehafen Im Bremer Stadtteil Häfen befinden sich rechts der Weser hinter der Schleuse Oslebshausen die Industriehäfen mit sieben Hafenbecken, dem Hafenkanal Hafen A, Hafen F, Hafen E, Kalihafen, Kohlehafen (Kraftwerk Hafen), Hüttenhafen und Ölhafen am Stromufer der Stahlwerke Bremen der Mittelsbürener Hafen (Klöcknerhafen) Links der Weser der kleine Hohentorshafen der Neustädter Hafen mit zwei Hafenbecken und das Güterverkehrszentrum Im Stadtteil Blumenthal befinden sich der Seehafen für das Kohlekraftwerk Farge und die Autoumschlaganlage an der Kaje des früheren Vulkan-Geländes; die Hafenanlage für das (inzwischen stillgelegte) Tanklager Farge wurde abgerissen.
Bremerhaven Im Stadtteil Fischereihafen: der tideunabhängige Fischereihafen mit den Fischereihäfen I und II sowie dem Labradorhafen und dem Luneorthafen Im Stadtteil Geestemünde: der Handelshafen, der sich auch in den Stadtteil Fischereihafen erstreckt Im stadtbremischen Überseehafengebiet: die tideunabhängigen Dockhäfen mit den Kaiserhäfen I, II und III, dem Verbindungshafen, Nordhafen und Osthafen (Autoumschlag, Lloyd-Werft u. a.) das Kreuzfahrt-Terminal an der rund 1000 Meter langen Columbuskaje die tideabhängigen Container-Terminals I bis III, zusammen mit dem CT IV einer der größten Containerhäfen der Welt mit einer durchgehenden Stromkaje von rund 5 km Länge, mit 14 Liegeplätzen und 3 km² Stellflächen Im Stadtteil Weddewarden: das Containerterminal IV
Hafenumschlag
2020 wurden in den Bremischen Häfen 66,5 Mio. t Seegüter umgeschlagenWeichen für zukünftiges Wachstum. In: Schiff & Hafen, Heft 4/2021, S. 46 (2019: 69.424 Mio. t; (PDF; 4,7 MB) Bremenports; abgerufen am 23. April 2020. 2018: 74.371 Mio. t; 2017: 74,183 Mio. t; 2016: 74,2 Mio. t; 2015: 73,4 Mio. t; 2014: 78,3 Mio. t; 2013: 78,8 Mio. t; 2012: 84,0 Mio. t). 2020 wurden 4,857 Mio. TEU-Container umgeschlagen (2019: 4,857 Mio. TEU;Bremische Häfen im Minus. In: Deutsche Seeschifffahrt, 1. Quartal 2020, S. 29 2018: 5,448 Mio. TEU;Gesamtumschlag in Bremen stabil. In: Täglicher Hafenbericht, 10. April 2019, S. 2 2017: 5,514 Mio. TEU; 2016: 5,49 Mio. TEU; 2015: 5,55 TEU; 2014 und 2013: jeweils 5,8 Mio. TEU; 2012: 6,1 Mio. TEU).
2020 wurden in Bremerhaven 1,7 Mio. Pkw umgeschlagen (2019: 2,166 Mio.; 2018: 2,2 Mio.Thomas Wägener: Das Geschäft mit rollender Fracht boomt. In: Hansa, Heft 7/2019, S. 74–77 2017: 2,3 Mio.; 2016: 2,068 Mio.; 2015: 2,255 Mio.; 2014: 2,3 Mio.; 2013: 2,179 Mio.Differenziertes Bild in der Umschlagentwicklung. In: Schiff & Hafen, Heft 4/2014, S. 44–47). Der Seehafen Bremerhaven ist einer der größten Umschlagplätze für Automobile.
Über die Hafengruppe Bremerhaven werden vorrangig Container und Automobile umgeschlagen; der Seegüterumschlag lag 2020 bei 56,1 Mio. t (2019: 57,285 Mio. t; 2018: 62.078 Mio. t; 2017: 60,91 Mio. t; 2016: 62,98 Mio. t; 2015: 60,7 Mio. t; 2014: 65,4 Mio. t; 2013 66,151 Mio. t).
Die Hafengruppe Bremen (Bremen-Stadt) trug im Jahr 2020 mit 10,4 Mio. t (2019: 12,139 Mio. t; 2018: 12.293 Mio. t; 2017: 13.273 Mio. t; 2016: 12,191 Mio. t; 2015: 12,742 Mio. t; 2014: 12,835 Mio. t; 2013: 12,584 Mio. t) Seegütern zum Umschlagaufkommen bei, besonders Massengütern, darunter Erze und Kohle.Frank Binder: Weniger Container in bremischen Häfen · Auch Rückgang beim Fahrzeugumschlag · Aber leichtes Plus bei der Gesamtleistung auf 74,2 Millionen Tonnen. In: Täglicher Hafenbericht, 23. März 2017Statistiken. BremenPorts; abgerufen am 21. April 2017