mini|Glyptodon und Megatherium, spätpleistozäne Pampa in Südamerika
Die quartäre Aussterbewelle war ein Massenaussterben gegen Ende der letzten Kaltzeit, bei dem zahlreiche Tierarten auf verschiedenen Kontinenten verschwanden. Der hier beschriebene Prozess betraf ganz überwiegend Arten der eiszeitlichen Megafauna mit mehr als 45 kg Körpergewicht und war, wie der Name sagt, auf das Quartär-Zeitalter beschränkt. Er erreichte seinen Höhepunkt am Übergang vom Pleistozän zum Holozän (der Nacheiszeit).
Vergleichbare Aussterbewellen gab es auch mehrere zehntausend Jahre früher, wobei das Aussterben der Megafauna in Australien das markanteste ist. Spätere erfolgten in Madagaskar und Neuseeland.
In der wissenschaftlichen Diskussion des Massenaussterbens wird von der einen Seite davon ausgegangen, dass menschliche Einflüsse („Overkill“) die Ursache waren, wohingegen die andere Seite von Klimaveränderungen und anderen Einflüssen, wie Seuchen, einem Asteroideneinschlag oder einer Sonnen-Protuberanz ausgeht, wobei auch eine Kombination verschiedener Faktoren erwogen wird.
Die ausgestorbenen Arten mini|Zeitliche Korrelation des Aussterbens der Großtierfaunen in verschiedenen Regionen mit dem Auftreten des Menschen
Bis zum Ende des Pleistozäns waren alle nichtantarktischen Kontinente von einer reichen Großtierfauna bevölkert, vergleichbar mit heutigen afrikanischen Lebensräumen. Während der letzten Kaltzeit (in Mitteleuropa die Würmeiszeit in Süddeutschland beziehungsweise die Weichseleiszeit im Norden) und besonders an deren Ende verschwanden zahlreiche Großtierarten in einem relativ kurzen Zeitraum. Nur in Afrika und zum Teil in Südasien überlebten einige Tiergiganten wie Nashörner und Elefanten und auch wesentlich mehr andere Großsäugerarten als auf anderen Kontinenten. Mit Ausnahme Afrikas und des südlichen Asiens starben weltweit alle Arten mit über 1000 Kilogramm Gewicht und 80 % aller Arten mit 100 bis 1000 Kilogramm Gewicht, meist zeitgleich mit dem allmählichen Vordringen des modernen Menschen, aus. In einigen Regionen wie dem Norden Eurasiens oder in Amerika korreliert das Massensterben zusätzlich relativ gut mit klimatischen Veränderungen. Der Anteil ausgestorbener Arten unter 45 kg Gesamtgewicht ist jedoch verschwindend gering.
Afrika und Südasien Die Tropen der Alten Welt stellen heute die einzigen Regionen der Erde dar, die über eine ausgeprägte Großtierfauna verfügen. Nur hier existieren noch heute Arten mit über 1000 kg Körpergewicht. Dazu zählen der Afrikanische Elefant, der Asiatische Elefant sowie das Flusspferd und verschiedene Nashörner. Als Grund dafür wird gelegentlich die Tatsache angeführt, dass der Mensch sich in Afrika entwickelte und die südlichen Teile Asiens bereits seit dem frühen Pleistozän erreichte. Aufgrund ihrer gemeinsamen Evolution hätten die Tiere dieser Regionen demzufolge die Gelegenheit gehabt, Fluchtreflexe zu entwickeln und sich so an die Bejagung durch den Menschen anzupassen. Allerdings verlor auch diese Region insbesondere im frühen oder mittleren Pleistozän relativ viele Großtierformen, ohne dass sie von Nachfolgearten vertreten worden wären. Daher wurde vermutet, dass bereits die frühen Hominiden des frühen oder mittleren Pleistozäns einige Arten der altweltlichen Tropen ausgerottet haben könnten.Martin, P., S., Wright, H., E., Jr. (1967). Pleistocene Extinctions. The Search for a Cause. New Haven and London, Yale University Press. Großsäuger, die im frühen und mittleren Pleistozän in Afrika und Südasien ausstarben, umfassen etwa die Dinotherien, die Chalicotherien, die Rindergiraffen und verschiedene Säbelzahnkatzen (Megantereon, Homotherium, Dinofelis). Das Verschwinden der Säbelzahnkatzen vor etwa 1,5 Millionen Jahren in Afrika korreliert stark mit dem erstmaligen Auftreten der Acheulkultur, so dass bisweilen ein Zusammenhang vermutet wird.Arribas, A., Palmqvist, P., 1999. On the Ecological Connection Between Sabre-tooths and Hominids: Faunal Dispersal Events in the Lower Pleistocene and a Review of the Evidence for the First Human Arrival in Europe. Journal of Archaeological Science 26, 571–585. Die Verluste der afrikanischen Fauna im Spätpleistozän sind dagegen gering. Dazu zählen eine Riesenkuhantilope (Megalotragus) und der Riesenbüffel (Pelorovis (Syncerus) antiquus).
Australien mini|Diprotodon Der australische Kontinent einschließlich Tasmaniens und Neuguineas verlor im späten Pleistozän alle landlebenden Säugetier-, Vogel- und Reptilienarten mit einem Gewicht von über 100 kg. Darüber hinaus verschwanden alle Gattungen, die Arten zwischen 45 und 100 kg beinhalteten, mit Ausnahme einer einzigen. Diese einzige Großtiergattung, die in Australien das Pleistozän überlebte, war die Kängurugattung Macropus. Zu den Großtierarten Australiens, die verschwanden, zählten Diprotodon und Zygomaturus (nashorngroße Beuteltiere), der Beuteltapir Palorchestes, der Beutellöwe (Thylacoleo carnifex), ein Riesenmoschusrattenkänguru, riesige Wombats (Phascolonus) und bis zu drei Meter hohe Riesenkänguruhs (Gattung Procoptodon, Simosthenurus, Sthenurus, Protemnodon). Dazu kamen der große, flugunfähige Vogel Genyornis und große Reptilien, wie der riesige Waran Megalania. Alle diese Arten scheinen vor etwa 40.000 bis 50.000 Jahren ausgestorben zu sein, was zeitlich sehr stark mit dem frühesten Auftreten des Menschen dort korreliert.Roberts, R. G., T. F. Flannery, L. A. Ayliffe, H. Yoshida, J. M. Olley, G. J. Prideaux, G. M. Laslett, A. Baynes, M. A. Smith, R. Jones, and B. L. Smith. 2001. New ages for the last Australian megafauna: continent-wide extinction about 46,000 years ago. Science 292: 1888–1892. Auch wurden in einem der bisher ältesten bekannten menschlichen Lagerplätze Australiens Knochen eines Diprotodons gefunden.
Das nördliche Eurasien mini|Skelett des Wollhaarmammuts und des Wollnashorns In Eurasien erstreckte sich dieser Vorgang über einen längeren Zeitraum, von vor 50.000 bis vor 12.000 Jahren, und erreichte mit dem Ende des Pleistozäns seinen Höhepunkt. Zu den in Europa bis spätestens vor etwa 12.000 Jahren ausgestorbenen Arten zählen Wollhaarmammut (Mammuthus primigenius), Wollnashorn (Coelodonta antiquitatis), Riesenhirsch (Megaloceros giganteus), Steppenwisent (Bos priscus), Höhlenlöwe (Panthera spelaea) und Höhlenhyäne (Crocuta crocuta spelaea).
Einige während der letzten Kaltzeit (Würmeiszeit bzw. Weichseleiszeit) ausgestorbene Arten verschwanden bereits vor dem Ende des Pleistozäns. Dies betrifft vor allem wärmeliebende Arten, wie den Europäischen Waldelefanten (Palaeoloxodon antiquus), das Waldnashorn (Stephanorhinus kirchbergensis) und das Steppennashorn (Stephanorhinus hemitoechus), die während der frühen Würmeiszeit vor etwa 100.000 Jahren zunächst aus Mittel- nach Südeuropa abgedrängt wurden und dort im Verlauf der nächsten Jahrzehntausende ausstarben. Der europäische Höhlenbär (Ursus spelaeus) verschwand nach heutigem Kenntnisstand vor dem letzten Kältemaximum der Würmeiszeit, während der archäologischen Kultur des Gravettien vor etwa 27.000 Jahren.Martina Pacher & Anthony J. Stuart: Extinction chronology and palaeobiology of the cave bear (Ursus spelaeus), 2009. Boreas, Volume 38 Issue 2, Pages 189–206. Etwa zur selben Zeit ist auch letztmals die Säbelzahnkatze (Homotherium) in Europa nachgewiesen.Jelle W. F. Reumera et al.: Late Pleistocene Survival of the Saber-toothed Cat Homotherium in northwestern Europe. Journal of Vertebrate Paleontology, Volume 23, Issue 1 (March 2003).Dick Mol, Wilrie van Logchem, Kees van Hooijdonk & Remie Bakker (2007): The Saber-toothed Cat of the North Sea. Uitgeverij DrukWare, KS Norg. ISBN 90-78707-04-6.
Nordamerika mini|Smilodon-Rekonstruktion In Nordamerika lag das Aussterben in einem engen Zeitrahmen (vor rund 12.000 Jahren) und erfolgte sehr plötzlich. Dort verschwanden unter anderem das Wollhaarmammut, das Präriemammut, das Amerikanische Mastodon, alle Kamele (Camelops, Hemiauchenia, Palaeolama) und Pferde, der Helm-Moschusochse, der Buschochse, sowie die Säbelzahnkatzen (Smilodon, Homotherium), vier Riesenfaultiere (Eremotherium, Megalonyx, Paramylodon, Nothroteriops) und Riesengürteltiere (Glyptotherium, Holmesina). Dazu verschwanden der Amerikanische Löwe, der Amerikanische Gepard, der große Wolf Aenocyon dirus, der Kurzschnauzenbär, Florida-Brillenbär, Wasserschweine und Tapire sowie verschiedene Hirsch-, Gabelbock- und Pekariarten. Mindestens 17 Gattungen der ausgestorbenen Megafauna Amerikas verschwanden in einem sehr engen Zeitfenster vor 11.400 bis 10.800 Radiokohlenstoffjahren.Stuart Fiedel, Gary Haynes: A premature burial: comments on Grayson and Meltzer’s “Requiem for overkill” Journal of Archaeological Science 31 (2004) 121–131, . Das Aussterben auf dem amerikanischen Kontinent korreliert mit dem Klimawandel am Ende des Pleistozäns sowie mit dem erstmaligen Auftreten des Menschen in der neuen Welt. Die größte Tierart, die das Massensterben überlebte, ist der Amerikanische Bison.
Südamerika In Südamerika scheinen die meisten Arten um dieselbe Zeit oder wenig später als in Nordamerika ausgestorben zu sein. Hier ist die Fossildokumentation diesbezüglich allerdings weniger gesichert. Südamerika verlor während dieses Massensterbens alle seine Rüsseltiere (Cuvieronius, Notiomastodon), sämtliche Riesenfaultiere (z. B. Megatherium, Glossotherium, Mylodon, Scelidotherium), Glyptodonten, Riesengürteltiere (Pampatherien) und Pferde (Equus, Hippidion), sowie die eigenartigen Macrauchenien und Toxodonten (Toxodon, Mixotoxodon). Dazu verschwanden um dieselbe Zeit das Flachkopfpekari, verschiedene Hirsche und Kamele (Palaeolama, Hemiauchenia). Unter den Raubtieren sind am Beginn des Holozäns die Säbelzahnkatze Smilodon, verschiedene Wildhunde (Aenocyon dirus, Protocyon) und Bären verschwunden. Insgesamt starben am Beginn des Holozäns 80 % aller Großsäuger über 44 kg sowie alle Arten mit einem Körpergewicht von über 300 kg in Südamerika aus.Cione, A. L., Tonni, E. P., Soibelzon, L. (2003). The Broken Zig-Zag: Late Cenozoic large mammal and tortoise extinction in South America. Rev. Mus. Argentino Cienc. Nat., 5(1), 1–19. . Das größte überlebende Säugetier des Südamerikanischen Kontinents ist der Mittelamerikanische Tapir. mini|Haastadler greift Moas an
Abgelegene Inseln