miniatur|Microsporum canis Als Dermatophyten (von altgriechisch τὸ δέρμα, to derma „die Haut“ und τὸ φυτόν, to phyton „die Pflanze“) werden Fadenpilze (Hyphomycetes) bezeichnet, die eine spezifische Pilzinfektion der Haut, die Dermatophytose, auslösen. Im Gegensatz zu anderen Hautpilzen ernähren sich Dermatophyten von Kohlenhydraten und Keratin. Sie können Keratin durch das Enzym Keratinase aufschließen.
Einteilung und Merkmale Derzeit kennt man 38 Arten pathogener Dermatophyten beim Menschen und bei Tieren. Sie gehören zu drei Gattungen innerhalb der Familie Moniliaceae bzw. Arthrodermataceae:Y. Gräser, M. El Fari u. a.: Phylogeny and taxonomy of the family Arthrodermataceae (dermatophytes) using sequence analysis of the ribosomal ITS region. In: Medical mycology. Band 37, Nummer 2, April 1999, S. 105–114, PMID 10361266. Microsporum Trichophyton Epidermophyton (z. B. E. floccosum)
Die folgende Tabelle gibt die wichtigsten humanpathogenen Erreger wieder:nach H.-J. Tietz, H. Ulbricht: Humanpathogene Pilze der Haut und Schleimhäute. Schlütersche, Hannover 1999, ISBN 3-87706-540-6.
Erreger Kultur (makroskopisch) Kultur (mikroskopisch) Wirt Bemerkung Trichophyton rubrum Oberfläche: weiß, samtig Rückseite: am Rand rötliches Pigment Mi: zahlreich, birnenförmig, ährenförmig angeordnet Ma: selten, zigarrenförmig, 3–8 Kammern Ch: sehr selten anthropophil Häufigster humanpathogener Dermatophyt Trichophyton interdigitale Oberfläche: weiß, pudrig, Luftmyzel Rückseite: leicht bräunlich Mi: ähren- und traubenförmig angeordnet Ma: kurz, zigarrenförmig, 3–5 Kammern Hy: Spiralhyphen sehr häufig, verästelte Hyphen in Kerzenhalterform anthropophil Unterscheidung zu T. rubrum auf Spezialagar (Urease-Agar) möglich Trichophyton mentagrophytes Oberfläche: weiß, gipsartig, flach Rückseite: leicht bräunlich wie T. interdigitale zoophil (z. B. Nagetiere) Trichophyton terrestre Oberfläche: weiß, watteförmig, rasch wachsend Rückseite: fast vollständig weiß Mi: birnenförmig, in Ährenform angeordnet Ma: mehrkammerig, länglich, an den Polen spitz zulaufend Hy: Spiralhyphen zusätzlich Intermediärform zwischen Mikro- und Makrokonidien geophil Kultur hat typischen „würzigen“ Geruch Trichophyton tonsurans Oberfläche: flache Kolonien, weiß, versenktes Zentrum Rückseite: leicht gelb bis schwefelgelb Mi: länglich, gestielt an den Hyphen Ma: selten, länglich, dünnwandig Ch: häufig, oft an Enden von Hyphen („Raquet-Hyphen“) anthropophil Typischer Erreger der „Ringerflechte“ (Tinea corporis gladiatorum) Microsporum canis Oberfläche: flache, strahlenartige Kolonien, erst weiß, dann orange-gelb Rückseite: gelblich Mi: akladiumförmig entlang der Hyphen Ma: spindelförmig, dickwandig, 3–18 Kammern Ch: selten zoophil (eher Katzen als Hunde) weltweit häufigster zoophiler Dermatophyt, hohe Kontagiosität, kann auch von Mensch zu Mensch übertragen werden Microsporum gypseum Oberfläche: schnell-wachsende pudrig-gipsige, leicht ockerfarbene Kolonien Rückseite: dunkelbraun Mi: selten, birnenförmig Ma: häufig, plump, abgerundet, 4–6 Kammern geophil weltweit verbreitet, früher häufig Gärtner-Mikrosporie Epidermophyton floccosum Oberfläche: sehr feste, gelblich-bräunliche Kolonien Rückseite: gelblich-bräunlich Mi: fehlen komplett Ma: keulenförmig, zu mehreren auf Hyphenende stehend („ADIDAS-Form“) Ch: viele, sowohl interkalar als auch terminal anthropophil aufgrund der Festigkeit der Kolonien kein Tesafilm-Abklatsch möglich, nur mit Haken zu entnehmen kann als einziger humanpathogener Dermatophyt keine Haare befallenP. Fritsch: Pilzkrankheiten (Mykosen). In: Dermatologie und Venerologie. Lehrbuch und Atlas. Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg 1998, ISBN 3-540-61169-X, S. 282–302. Trichophyton verrucosum Oberfläche: sehr langsam wachsend, knorpelig-cerebriforme, gräulich-gelbliche Kolonien Rückseite: cremefarbig Mi: selten, lassen sich oft nur nach Zugabe von Thiamin und Inosit zum Agar nachweisen Ma: äußerst selten, klein, 3–5 Kammern Ch: terminal angeordnet Hy: stark verzweigt zoophil (häufig Rinder) gehört zu den faviformen Dermatophyten, bei Rindern Impfung möglich Trichophyton schoenleinii Oberfläche: samtig, cremeweiß Rückseite: weiß bis hellbraun Mi: nur vereinzelt, nach Zugabe von Vitaminen (s. T. verrucosum) Ma: sehr selten Ch: häufiger als bei T. verrucosum Hy: stark verzweigt anthropophil klassischer Erreger des Favus („Erbgrind“), charakteristischer Geruch („Mäuseurin“) Trichophyton violaceum Oberfläche: violett, samtig, Luftmyzel Rückseite: violett Mi: sehr selten Ma: sehr selten Ch: häufig, endständig und interkaliert Hy: verzweigt, an den Verzweigungen gestaucht anthropophil hauptsächlich im/in Mittelmeerraum/Afrika/Lateinamerika anzutreffen Trichophyton soudanense Oberfläche: langsam wachsende, flache, strahlige Kolonien, aprikosenfarben Rückseite: gelb bis karottenrot Mi: selten Ma: fehlen Ch: häufig, teilweise in Ketten angeordnet Hy: vorwärts und rückwärts wachsend anthropophil früher nur in den Tropen, jetzt weltweit Trichophyton equinum Oberfläche: rasch wachsend, flach Kolonien mit wattigem Luftmyzel, weißlich, am Rand gelbstichig Rückseite: gelblich braun Mi: tropfenförmig Ma: sehr selten, dünn und länglich zoophil (v. a. Pferde) wird nur selten auf den Menschen übertragen Microsporum audouinii Oberfläche: langsam wachsend, matt-samtartig, braun-gelbliche Kolonien Rückseite: rosa bis orange-braun Mi: birnenförmig Ma: relativ selten, 7–9 Kammern, spindelförmig, oft auch unregelmäßig Ch: zahlreich, terminalstehend Hy: „Kammhyphen“ anthropophil früher „Verunstalter der Kinderköpfe“ genannt, war lange Zeit nur noch in Afrika zu finden. In Deutschland tauchte es jedoch erneut auf, bspw. in München (2011)Kehrt der Kopfpilz zurück? Bericht in der Ärztezeitung (online) vom 8. Dezember 2011 oder Bonn (2015).
(Mi = Mikrokonidien, Ma = Makrokonidien, Ch = Chlamydosporen, Hy = Hyphen)
Häufigste Erreger bei Tieren: Wirt Häufige ErregerHauskatzeP. Hensel: Die feline Dermatophytose – Diagnostik und Therapie. In: Kleintiermedizin, (5/6)/2006, S. 122–132Microsporum canis (98 %), selten: Trichophyton mentagrophytes, Microsporum gypseumHaushundCh. Noli, F. Scarampella: Dermatophytose. In: Praktische Dermatologie bei Hund und Katze. Schlütersche, Hannover 2004, ISBN 3-87706-726-3, S. 203–210.Microsporum canis, Trichophyton mentagrophytesHauskaninchenK. Gabrisch, P. Zwart: Krankheiten der Heimtiere. 6. Aufl. Schlütersche, Hannover 2005, ISBN 3-89993-010-X.Trichophyton tonsurans, Trichophyton mentagrophytes, selten: Microsporum canisHausmeerschweinchenTrichophyton mentagrophytes, selten: Microsporum ssp.HausrindTrichophyton verrucosumHauspferdM. Schäfer, O. Dietz, A. Weber: Hautkrankheiten. In: O. Dietz, B. Huskamp (Hrsg.): Handbuch der Pferdepraxis. 2. Aufl. Enke Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-432-29262-7, S. 223–266.Microsporum canis, Microsporum equinum, Microsporum gypseum, Trichophyton equinum, seltener: Trichophyton verrucosum, Trichophyton mentagrophytes, Trichophyton quinckeanumGoldhamsterTrichophyton mentagrophytes, selten: Microsporum ssp.HausmausTrichophyton mentagrophytesGerbilMicrosporum gypseum, Microsporum audouinii, seltener Trichophyton mentagrophytes, Trichophyton verrucosum, Trichophyton rubrum, Trichophyton schönleiniiChinchillaTrichophyton mentagrophytes, selten: Microsporum ssp.FrettchenMicrosporum canisIgelTrichophyton mentagrophytes, Trichophyton schönleinii, Trichophyton erinacei, Microsporum cookeiVögelM. Rolle (Hrsg.): Hypomyecetes oder Fadenpilze. In: Rolle, Mayr: Medizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre. 6. Aufl. Enke Verlag, Stuttgart 1993, ISBN 3-432-84686-X, S. 826–836.Trichophyton gallinaeSchildkrötenTrichophyton beigelii
Literatur Michael Rolle, Anton Mayr: Medizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre. 7. Auflage. Enke-Verlag, 2007, ISBN 3-8304-1060-3.
Einzelnachweise
Kategorie:Dermatologie